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Studentenehre
geworden.
Gott sei Dank, es gab noch Leute, die von seiner Schande nichts wußten. Er ließ sich das Gerede der Kellnerin ge- fallen, trank in schnellen Zügen sein Bier aus und bestellte ein zweites Glas. Sein Spiel war verloren; noch zwei Tage, und seine Ehre war dahin. Die Verbindung würde ihn ausstoßen. Er fand ein grimmiges Behagen darin, sich
reizt, daß er sogar an Selbstmord dachte.
Da kam die Kellnerin, die von Ansehen alle Studenten kannte, auf den schönen Oelschläger zu sprechen. Sie prg.hlte,
I Zippen, eine böse Falte zwischen den Brauen — die Stimm- I unq des Abends .war gründlich verdorben. —
I Ein Ausschuß sollte die Sache untersuche». Als dreser I zu dem Wirt kam, wollte der von der Unterredung mrt I 5mns Fleischer nichts wissen. Selbstverständlich sei er langst | bezahlt und gern bereit zu quittieren. Fleischer, der zu I der Ausfahrt nicht mitgenommen war, wurde zur Rede I gestellt. Er war empört, daß der Wirt ihn verleugnete, I gab sein Ehrenwort, die Wahrheit gesagt zu haben, und I verlangte, dem Wirt gegenüber gestellt zu werden. Aber I der war gleich- darauf in Geschäften verreist, und es hieß, I vor zwei bis drei Wochen käme er nicht zurück. Dann aber I war das Semester zu Ende. .
Nun fand sich auch die Postquittuug. Oesichlager hatte I sie verlegt; endlich entdeckte er sie hinten in dem Winkel I einer Schublade, zerknittert und beschmutzt — aber sie
es ist so lauae ber seit wir rum letztenmal gemütlich mit i Es war ein herrlicher Juliabend; in dem lauschigen einander geplaudert haben. Weshalb kommen Sie gar I Platze inmitten der Jasminbusche wo unter
Titrht meftr tnip fnnft auf ein Viertelitündchen zu Mir I war, und wo die Philister an den Aachvartischen Nicht herein, wenn der Meister schlummert?" I jedes kecke und vorlaute konnten, faß- e chh
„Es war wohl nur Zufall, Harro, daß es nicht geschah", am schönsten schmeckte der frische Trunk am^ besten, erfchE ffJO.äKÄ sWÄJSZÄ »Ä.W
”Pcn4gltifte'S Zeichen, nicht wahr? Ach, I damw? wieder "einmal verträglich lange; wenn sie selbst
ick. wnn es ?bnenaa?nicktiaaen Eri^ wieglticklich erst Burschen wären, so würden sie gegen ihre eigenen ich über diese Besserung bin, die alle schwarzen Prophe- I Füchse nicht so rücksichtslos sein. Endlich kamen sie, erregt, zeiungen des Arztes zu Schanden gemacht hat. Wie gut, I mit roten Köpfen. Wolf, der seinen Leibburschen^ sreuoig *
. daß Sitttinn — daß Fräulein Sylvander damals Ihren I grüßen wollte, um ihm die vielen neuen Er
Wunsch nickt erfüllte! Tenn daß es nur die Freude an I Tages brühwarm zu erzählen, erschrak über fern Ausseheu der Arbeit sein kann, die das Wunder bewirkt hat, giebt | Nur kurze Zeit saß^Oelschlager uu Garten, Mit.zuckend^^ ja Doktor Reimers jetzt selbst zu. Sie hat den Meister mit neuer Lebensenergie erfüllt, wie Hanna es an jenem Morgen so zuversichtlich voraussagte."
„Ja, es scheint so; denn trotz der Anstrengung, die sich mein Vater auferlegt, sind die Anfälle vom ersten Tage an seltener geworden, und seit vorgestern sind sw ganz ausgeblieben. Man möchte glauben, daß diesem jungen Mädchen übernatürliche Kräfte zu Gebote stehen." (Fortsetzung folgt.)
Skizze von Hans Heinrich.
(Nachdruck verboten.)
In dem Konvent der Verbindung war es zu einer aufregenden Szene gekommen. Zwischen den beiden Burschen Hans Fleischer und Martin Oelschläger hatte immer em I war da . , , _ .
nrtnmer Keaensatz bestanden, in allen Dingen war der I Fleischer wußte nicht, tote ihm geschah. Hatte er voryii eine der Widerpart des andern. Beide waren in demselben I die Ehre Oelschlägers angegriffen, so galt e letzt, seine Semester auf die Universität gekommen und au demselben I eigene zu wahren. Er stand als Verleumder da, als einer Tage in die Verbindung eingetreten. Aber von Anfang an I der sein feierlich gegebenes ^ort gebrochen hatte^ Aber konnten sie zu keiner rechten Kameradschaft kommen; immer I noch gab er feine Sache nicht auf. Da das Zeugnis des Wirts qleichgiltiger," immer kühler standen sie einander' gegen, nickst zu erlangen war, mußte der Untersuchungsausschuß über ^bis sich- schließlich eine wahre Feindschaft entwickelte. I ihm auf fein Verlangen eine Frist geben, um andere B-- Bei'der Disziplin^des studentischen Verbindungslebens I weise zu schaffen. Sie konnte nur kurz serw da der Schluß blieb sie ihnen^ selbst lange verborgen, aber jetzt war sie | des Semesters nahe bevorstand; acht Tage wuroen ihm vlötzlich zum Ausbruch gekommen. I bewilligt.
Martin Oelschläger führte die Verbindungskasse. Er I Aber wie die Beweise schaffen? Wie geistesabwesend sollte Rechnung legen und konnte die Postquittung nicht I ging er umher, ziel- und planlos lief er durch- die Strafen,
beibringen Tie Kosten für ein wohlgelungenes Sommer- I er zermarterte sein Gehirn mit unfruchtbarem Grübeln,
fest in einem benachbarten Ausflugsorte waren zu bezahlen, I Ist pen schlaflosen Nächten quälte ihn die Reue, er wurde
die in drei Raten abgetragen werden sollten. Zwei Quitt- I an sich selbst irre, so genau er sich auch aller Neben-
unaen waren vorhanden, aber die letzte fehlte. I umstände der Stunde erinnerte, wo der Wirt jenes ver-
Oelschläger entschuldigte sich; er müsse sie verloren I hängnisvolle Wort gesprochen hatte. So vergingen fünf haben Mit beleidigender Schärfe im Tone fragte Fleischer, I Tage. Wieder irrte er umher, in seinem Aeußeren vernachp ob die Summe bezahlt sei. . . I lässigt, hohläugig, mit schlaffen Zügen; auf der Straße
Selbstverständlich ist sie bezahlt", mef Oelschläger I sih ev ein paar Verbindungsbruder auf sich zukommen, erreqt I er wollte ihnen aus weichen und sah, daß sie dasselbe
Der andere erwiderte, daß er sich erlaube, daran zu I chaten. Verzweifelt schlich er aus der Stadt und kam au
zweifeln Zufällig sei er gerade heute draußen gewesen, I eine kleine Schänke an dem Wege, der zu dem Ausflugs-
und der Wirt habe sich beklagt, daß er nicht zu seinem I orte führte. Gänzlich erschöpft trat er ein und bestellte em
Gelde käme ' I Glas Bier. Die Kellnerin, eine altlich-e verlebte Person, setzte
' Oelschläger beteuerte, das Geld abgeschickt zu haben. ] sich zu ihm, spöttelte über sein Aussehen und zog ihn. Nipispickt sei es nickt anaekommen. Man möge die Sache I wegen seines unsoliden Lebens auf. Er läch-elte schmerzlich, »NN- tch's "ch ernte?«. I «3. M dl- dm, feiner Schande
* „Ich glaube, es erklären zu können", sagte Fleischer.
Und wie er es erklärte, da kam über manchen der Urgwohn, daß die Kasse nicht genau verwaltet wäre, und daß die heutige Rechnungslegung noch- weit weniger korrett sei
während" stw G?gne^le?denschaftttch ausbrauste,"so- I mit''der"Kelln'erin"zu 'vergleichen :" wie' sie Ausgestoßene, daß de? Vorsitzende keinen leichten Stand hatte, die Ver- I Verworfene! Gewiß hatte er damals die Wahrheit aus-
- I gesagt, aber schon längst hatte er sich unter schweren Ge-
Unten^im Garten saßen indessen im vollen Genuß I wissensbissen gestanden, daß er jene Anklage nicht aus ihrer jungen Studentenfreiheit die Füchse, die dem Burschen- | beleidigtem Rechtsgefühl, sondern aus Haß gegen Del« konventn^ Der Lustigste und Ueber- schläger erhoben hatte. Noch zwei Tage, und dann? Seme
mütiaste war Wolf Hartmann, Oelschlägers Leibsuchs, ein I Ehre w ar nut ein ent Makel befleckt, bei ihm unauslöschlich AM-wlmiähriger der soeben der strengen Zucht eines klein- I anhängen würde. Wenn er aueh eine andere Universität ickmiickpu GvmnaUum« entronnen war. Oelschläger selbst bezöge, in fremde Verhältmsie und unter fremde Menschen Ä iFbS SSrSSÄz und mit seiner käme, nie würde er das Gefühl verl oren, als trüge er em gewinnenden Liebenswürdigkeit, seinem gewandten und | Brandmal an der Stirn^ Seme Nerven toarm so ubet- forschen 'Auftreten war er in den ersten Stunden ihrer Be- länntschaft das studentische Ideal des jungen Menschen


