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orgt man nit, so ist'« ein Zorn, Borgt man, ist das Geld verlor'n. Biel bester ist der erste Zorn,
Als Geld und Freund zugleich berlor’n.
(Deutsche Inschriften an Haus und Gerät.)
(Nachdruck verboten.)
Die Göttin des Glücks.
Roman von Reinhold Ortmann.
(Fortsetzung.)
Zögernd nahm Inge einen kleinen Zettel aus dem Portemonnaie und reichte ihn ihrem Verlobten.
>,Hier ist sie. Und ich habe Dein Wort, Bernhard, daß Du die Schuld nicht auf Deine eigenen Schultern nehmen willst?"
„Za doch — ja! Sagte ich Tirs nicht bereits? Das wäre also erledigt. Und nun wirst Du auch wieder aus Helserett Augen in die Welt sehen, nicht wahr, mein süßes Lieb? Diese dummen Geldgeschichten sollen uns die Sonnentage unseres jungen Glückes nicht länger trüben. Wer weiß, ob Du nicht schon sehr bald in der Lage sein wirst, über Deine heutigen Sorgen wie über thörichte Kindereien zu lächeln!"
„Ach nein, das werde ich gewiß nicht. Denn auf die Versprechungen bas Vaters kann man sich ja so wenig verlassen. In dem Augenblick, wo er sie macht, meint er es gewiß ganz ehrlich und hat die allerbesten Vorsätze. Aber er ist so schwach. Und es ist ihm so widerwärtig, sich auf Schritt und Tritt an seine Armut erinnern zu müssen. Gr würde sein jetziges Leben auf die Dauer gewiß gar nicht ertragen können, wenn es ihm nicht von Zeit zu Zeit gelänge, seine traurige Lage ganz zu vergessen. Solche Augenblicke aber muß er dann nachher jedesmal sehr teuer bezahlen — und wir mit ihm."
„Tu fürchtest also, daß sich häßliche Vorkommnisse von der Art des eben erzählten wiederholen könnten — trotz der Angst und des Schreckens, die er jetzt hat ausstehen müssen?"
„Ach, ich weiß nicht, ob die Angst und der Schrecken wirklich so groß gewesen sind, Bernhard! Gestern schien der Vater wohl ganz außer sich, zu sein. Aber heute, nachdem er mein Versprechen hat, daß ich zu dem Manne hjngehen und ihn um Nachsicht anflehen werde, heute ist er schon wieder so heiter und so angelegentlich aus seine Toilette bedacht, als wäre alles in schönster Ordnung. Ich fürchte fast, uns ist nicht mehr zu helfen, und es nimmt doch früher oder später ein schlimmes Ende. Tu hast
sicherlich nicht klug daran gethan, Dich mit einem so armen Mädchen zu verloben."
„Und wenn es nun gar kein armes Mädchen wäre, Inge, sondern ein Mädchen mit einer fürstlichen Mitgift und die dereinstige Erbin einer Million?"
„Wie magst Du so scherzen! Die Hoffnung des Vaters aus diese Million, die er nie erhalten wird, ist ja vielleicht unser größtes Unglück."
„Aber er wird sie erhalten. Und wenn es nicht eine ganze Million ist, so wird es doch' wahrscheinlich nicht viel weniger sein. Tenn die Sachlage hat sich seit gestern vollständig geändert. Wir haben die allerbeste Aussicht, den Prozeß W gewinnen."
Inge schien noch immer nicht daran zu glauben, daß es ihm Ernst sein könnte mit dem, was er da sagte. Zweifelnd und fragend richteten sich ihre Augen auf sein Gesicht, und trotz des Versprechens, das er Hanna gegeben hatte, gewann er es nicht über sich, sie länger in dieser Ungewißheit, zu lassen.
Er öffnete den Wandschrank, um ihm Julius Wede- kings Bries zu entnehmen, und hielt Inge das Blatt entgegen.
„Das ist die Waffe, mit der wir siegen werden. Der geriebene Geschäftsfreund Deines unvorsichtigen Oheims hat sie uns selbst geliefert. Sicherlich würde er Dietrich von Reftorps Eigentumsrechte nicht so unumwunden und unzweideutig anerkannt haben, wenn er hätte ahnen können, wie fatal dieser Brief dereinst seinem eigenen Sohne werden würde."
„Ein Brief, der die Rechte des Oheims anerkennt? Darf ich ihn lesen?"
„Gewiß! Schließlich ist es ja nur ein seltsamer Zufall, daß Tu ihn nicht schon längst gelesen hast. Denn wahrscheinlich hast Tu ihn srüher bereits in den Händen gehalten."
Ohne auf seine letzten Worte etwas zu erwidern, hatte Inge mit dem Lesen begonnen. Bernhard erwartete, ihr Gesicht in heller Freude aufleuchten zu sehen und einen Ausruf jubelnder Ueberraschung von ihren Lippen zu vernehmen. Aber das eine so wenig als das andere geschah. Was sich in ihren Zügen spiegelte, war wohl grenzenloses Erstaunen; doch nicht das Stanneu vor einem noch halb unfaßbaren Glück, sondern viel eher eine tiefe Bestürzung. Und wie der Rechtsanwalt gestern seine Schwester gefragt hatte, so fragte , nachdem sie zu Ende gekommen war, auch Inge, doch in einem ganz anderen Ton:
„Wie kamst Tu zu diesem Brief? Wo hast Tu ihn gefunden?"
„Nicht mir gebührt das Verdienst dieser glorreichen Entdeckung. Hanna war es, die ihn unter Dietrich von Restorps nachgelassenen Papieren aufstöberte. Aber Tu


