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Eitel Fritz sank auf seinen Stuhl zurück rmd stützte die Heiße Stirn in die Hand.
So blieb er lange sitzen, bis seine Schwester Ruschä hereintrat, aus ihn zueilte und den Arm liebkosend Um seinen Nucken Mang.
(Fortsetzung folgt.). ' 1
Bob und Dolly.
Eine Manövergeschichte von Alwin Romer.
(Nachdruck verboten.) (Schluß.)
Gleich nach Beendigung der Parad emarsch-Uebung war Arno von Eschenborn vom Manöverfelde ab g eschwenkt und heimwärts geritten. Die Kameraden, die in einem halb städtisch eingerichteten Gasthofe, der in der Nähe lag, Tafel haben wollten, waren vergeblich bemüht gewesen, ihn zum Bleiben zu überreden. Selbst! Hagenfeld's allezeit spotlustige Zunge, die sich in Erkundigungen gütlich gethan hatte, ob er sich vielleicht „seine Familie" habe Nachkommen lassen, hatte ihm kaum ein Lächeln abgenötigt. Natürlich war auch von diesem und jenem die Vermutung laut geworden, auf dem alten Rittergute müßte Wohl ein junges, schönes Burgfräulein Hausen; aber er hatte sich gehütet, diesen Vermutungen Nahrung zu geben. Ter Geburtstagsbrief für seine Mutter und die Verpackung des hoffentlich nun eingetrvffenen Bildes waren der Wall gewesen, hinter dem er sich sicher verschanzt hatte.
Zunächst hatte er sogar selbst geglaubt, reinen andern Grund zu so schleunigem Heimritt zu haben. Bald aber merkte er doch, daß, die Unruhe in seinem Blute durchaus nicht mit der Bummelei seines Photographen znsammeu- Hing, sondern irgend ein geheimnisvoller Truck wie Gewitterschwüle aus seiner Seele laschte.
Ter Hof von Kleinkoberstedt kam ihm wie ausgestorben vor, trotz des unbekannten Wägelchens, auf dessen Deckleder die Nachmittagssonne fratzenhaft-spöttische Lichter tanzen ließ. Er warf Stübecken die Zügel zu, und trat in das Haus. Ein fremdes Gesicht zog sich von einem der Fenster zurück, ohne seinen Gruß abzuwarten.
„Merkwürdig heute!" dachte er, und stieg leise die Treppe zu seinem Zimmer hinan. Wie er oben eine Thür gehen hörte, blieb er stehen und horchte. Der Schall kam aus dem Seitenflügel, wo die Zimmer der Gutsherrschaft lagen. Nun kam auch ein leichter, leiser Schritt näher, aber nicht halb so flink, als sonst. Und doch wußte er, daß es ihr Schritt war.
Ob sie wohl lächeln würde, wenn sie ihn unverinutet auf ihrem Wege fand?
Wie einer, der im Aufstieg einmal rasten mußte, setzte er seinen Weg fort, und stand nun vor ihr, ehe sie noch Zeit hatte, die Flucht zu ergreifen.
„Grüß Gott, Fräulein 'Dolly!" kam es ihm leise und innig von den Lippen. Sein Gefühl für das herrliche Geschöpf hatte ihn fortgerissen, und zu so vertraulicher Anrede perleitet.
„Guten Tag, Herr Leutnant!" sagte sie tonlos, aber Mit zuckenden Lippen. Kein Blick traf ihn dabei, und hastig wollte sie an ihm vorüberschreiten.
Ein jäher Schreck zog ihm schmerzhaft durch die Brust. Was war denn vorgefallen, daß sie so bleich und verstört aussah, und verweinte Augen hatte?
„Liebes Fräulein Dolly," bat er weich, und ließ sie nicht vorüber. „Sie haben irgend einen Kummer!"
„Sie irren sich durchaus, Herr Leutnant!" entgegnete sie herb. Aber so lieh er sich nicht abspeisen.
„Warum wollen Sie es mir verschweigen, Fräulein Dolly? Ich nehme so herzlichen Anteil an allem, was Sie angeht! Sie wissen ja noch nicht, — aber vielleicht ahnen Sie es doch, — vielleicht hat Ihnen mein Blick es verraten, was meinen Lippen noch nicht entschlüpfen wollte!"
„Nicht weiter, Herr von Eschenborn!" zürnte sie nun, empört über seine Gewissenlosigkeit. Und wie er im Begriff. war, nach ihren Händen zu haschen, entwand sie ihm riefe voll Abscheu wieder, und sagte schneidend: „Rühren Sie mich nicht an, Herr Leutnant, oder ich schreie um Hilfe! Für Ihr Spielzeug bin ich denn doch! wohl noch zu gut!"'"
Herrn von Eschenborn war es, als fiele er durch
sämtliche sieben Himmel der Moslemiten mitten in deck ärgsten' und greulichsten Höllenpfuhl.
„Für Ihr Spielzeug, gnädiges Fräulein?" fragte er, ganz aus der Fassung gebracht. „Wer sagt Ihnen denn—?'
„O, verstellen Sie sich nur nicht mehr. Wir, wissen jetzt alles! Und es ist eine Schande, daß ein verheirateter Mann sich so vergessen kann, —" fuhr es ihr heraus.. Aber das letzte Wort erstickte schon in neu aufsteigenden Thränen.
„Ein verheirateter Mann?" fragte er, ärgerlich auf- lachend. „Soll ich denn das etwa sein? Wer hat denn den Unsinn aufgetischt?"
„Kennen Sie Frau Ober-Steuer-Jnspektor Röstling aus Trimburg?" fragte sie ihn mit vernichtender Schärfe.
Er besann sich einen Augenblick lang, und schlug sich dann schallend mit der Hand vor die Stirn. „Ah, da Kfaut's heraus?" fragte er nun, merkwürdig heiter für e feinen Ohren Dvlly's. „Ob ich sie kenne! Natürlich, wenn auch nur aus der Äsenbahn her!"
„Ganz recht," erklärte Dolly. „Diese Frau ist meine Freundin, sie erwartet mich jetzt unten!"
„Diese arme Frau habe ich neulich schiver belogen, Fräulein Dolly! Ich will ihr sofort Aufklärung geben, und Sie sollen dabei sein. Wer vorher müssen Sie mir erst versprechen, dann auch allen Groll gegen mich fahren zu lassen!"
Seine Zuversicht beglückte sie, und wie von einem! Alp befreit, hob sich ihre Brust.
„Ader das Mld!" sagte sie plötzlich
„Ist es angekommen?" fragte er schnell.
„Am Nachmittag! Es wartet unten auf Sie!"
„Eine bessere Hilfe konnte mir der Himmel nicht schicken!" lachte er vergnügt. „Kommen Sie nur, liebe® Fräulein, wir wollen es sofort auspacken, und dann werden Sie ja sehen! Versöhnen Sie mir nur die Keine, gute Frau Steuer-Inspektor!"
Eisiges Schweigen herrschte im Salon, als die Thür geöffnet wurde, und Eschenborn, doch ein wenig, herlegen den Schnurrbart zwirbelnd, jetzt hinter Dolly etntrat.
Nach einer kurzen Begrüßung fragte er sogleich! nach dem Pakete, das für ihn angekommen sei, und indem er sich daran machte, die Fäden und Hüllen davon zu entfernen, sagte er lächelnd und mit einer leichten Verbeugung zu seiner erwartungsvoll dreinschauenden Eisen- bahnbetänntschast:
„Lügen haben kurze Beine, gnädige Frau! Ich bin ein arger Schalk Ihnen gegenüber gewesen, und war doch, bei Gott, von keiner schlechten Absicht dabei beseelt! Als nrir Ihre verehrte Frau Gemahlin, Herr Ober-Inspektor, dicht hinter Sedenheim so recht beglückt erzählte, ihr Baby hieße auch Tolly, da schämte ich mich faktisch, und hatte nicht die Kourage, ihr einzugestehen, daß meine Dolly dieser kleine alberne Foxterrier hier wäre!" Tabei drehte er das Bild herum, und zeigte die Gruppe, auf der er zwischen seinen Lieblingen paradierte.
„Tas sind ja Hunde! Alle Donnerwetter!" rief der Ober-Inspektor schmunzelnd, und warf seiner Frau einen Siegerblick zu.
„Für die kleine Fahrstrecke, dachte ich damals", sirhr der Leutnant fort, „darfst Du Dir schon den Spaß machen, um ihr den Stich ins Herz zu ersparen! Tas übrige können Sie sich jetzt Wohl hinzudenken! Wie ich gar hier in Kleinkoberstedt eine zweite Tolly kennen lernte, kam ich mir geradezu verrucht vor, solchen Namen mißbraucht zu haben! Und das schwöre ich Ihnen feierlich: sobald ich nach Hause komme, werden sie umgetauft, die kleinen Friedensstörer. Vielleicht helfen Sie mir nachher Namen zu suchen; vor allem aber bitte ich jetzt um Verzeihung!"
„Eine verdrehte Geschichte!" lachte fröhlich. die Hausfrau, und wie erlöst stimmten sie alle ein. Der Ober- Inspektor schüttelte dem Schalk die Hand, und auch seine so arg hinters Licht geführte Gattin hielt dem um Ver- zeihung bettelnden Blick des Sünders nicht lange stand.
„So zu lügen", sagte sie zwar, aber es lag eine gewisse Bewunderung in dem Tvn.
An demselben Fenster, wo sie vor etlichen Stunden so entgeistert in den Park hinausgestarrt hatte, lehnte Tolly und beobachtete, wie dieser kriegserfahrene Taugenichts ihr näher und näher rückte. Von der Frau Ober- Inspektor zu ihrem Schwager, von dort zum Ober-Inspektor, nun war er bei ihrer Schwester, jetzt legte er das Bild!


