Ausgabe 
22.9.1901
 
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500 Mark, sowie der erste Roggen gedroschen ist, bekommst Dn mehr."

Er reichte Eitel Fritz mit gutmütigem Lächeln fünf blaue Scheine, die der junge Offizier nervös zusammenknitterte und in die Tasche steckte.

Danke, Papa", sagte er.Wer wie das alles werden soll, weiß ich wahrhaftig nicht. Vielleicht wäre es das Beste, ich nähme meinen Abschied und legte mich hier inj Petershagen vor Anker."

Mach keine Dummheiten, Eitel Fritz", entgegnete der Rittmeister.Als Offizier hast Du hundert Gelegenheiten/ eine gute Partie zu machten, hier aus Petershagen nichts Tie Gutsbesitzer ringsum stecken noch tiefer drin, als üfy Ja, wenn Du mit einer Frau kämest, die ein Milliönchen mitbrächte . . -"

Papa?!" r .

Na, na, nur nicht aufbrausen! Was ist denn dabei? Es cjiebt viele reiche und liebenswürdige junge Damen in Berlin und Reichtum schändet nicht, und Armut macht nicht glücklich! Ueberlege Dir auch einmal, was Du hier in Petershagen ansangen wolltest. . ."

Arbeiten, Papa!"

Hans Joachim sah seinen Sohn mit offenem Munde und großen Augen eine Weile an, als habe er eine neue, wunder-, bare Mär vernommen. Dann blies er den Dampf feinet Zigarre langsam und mit hörbarem Geräusch fort, trank sein Glas Rotwein aus und sagte:

Und wovon wolltest Du uns und Derne Schwestern auszahlen? Oder sollen wir auch arbeiten? Ich will Dir einmal ein Rechenexenrpel ausgeben. Petershagen ist ferne 750 000 Mark wert das ist richtig. Aber es rst belastet mit beinahe 600 000 Mark bleiben ca. 200 000 Mark. Nun rechne die Wirtschaftskosten dazu den Haushalt und was drum- und dranhängt na, was bleibt dann übrrg?i Kannst Du das ausrechuen, mein Sohn? Und wenn ich Dir nun wirklich das Gut übergebe und für die Mädchen nur je 100 000 Mark rechne, na, und für uns, Derne Eltern 150 000 Mark was bleibt dann für Dich! übrig? Nichts, mein Sohn, rein gar nichts. Deshalb eine reiche Heirat oder Verkauf von Petershagen, und wrr ziehen allesamt in das Elend und leben von meiner Rrttmerster- pension mit Kriegszulage. So, nun weißt Du, wie es steht, und kannst Dich, danach richten. Urrd nun komm zu Mama und den Schwestern, und laß Dir nichts an-, ntcrfcn."

Ter alte Herr war aufgestanden und legte seinem Sohn die Hand auf die Schulter.

Eitel Fritz war blaß geworden. Er sah mit einem Schlags das Glück seines Lebens in nichts zerstieben, es war ihm, als öffne sich vor seinen Füßen ein gähnender Abgrund, der ihn zu verschlingen drohte. Eine zornig« Empfindung quoll in seinem Herzen empor und erregte seiN Blut, daß es in seinen Schläfen in wilden Schlagen pochte.^ Tas Lächeln, die Worte des Vaters erschienen ihm chnisch und egoistische und unwillig schüttelte er dre Hand des

, Also auf mich rechnet ihr? Ich soll mich verkaufen/ um Euren Leichtsinn gut zu machen?" stieß er zornig hervor.

Da flammte es in dem verwitterten Gesicht Hans Joachims auf, und energisch richtete er sich empor.

Du vergißt wohl, daß Tu mit Deinem Vater sprichst?" entgegnete er scharf und streng.Mach', was ^ willst so lange ich! lebe, wird uns Petershagen wohl noch ernähren. Später bist Du an der Reihe, für Deine Mutter und Deine Schwestern zu sorgen, und ich denke, em Peters-, Hagener kennt seine Pflicht." ,

Eitel Fritz schlug die Augen nieder.

Glaubst Du", fuhr Hans Joachim fort,ich weiß nicht/ welche thörichten Gedanken in Deinem Herzen leben? Hut« Dich diesen Gedanken allzusehr Gewalt über Dich zu geben und um eines schütten Gesichtes willen Derne Pflicht zu vergessen . .."

Vater "

"Laß nur, mein Junge", fuhr der Rittmeister wieder! . in ruhigem Torre fort.Was wir zusammen gesprochen haben, braucht kein Dritter zu erfahren. Du bi straft genug, um Deine Pflicht zu erkennen und damit Basta.

Er ergriff seinen Krückstock und humpelte schwerfällig : aus dem Zimmer, um sich zu den Damen auf der Veranda! i zu begeben,

vffen halten KUfaissett, wenn Dir daZ Glück einmak - ^Die^Armen^es jungen Offiziers leuchteten in eigenem Glanze. Papa, ich habe das Glück schon erwischt",

sagte er und seine Augen schweiften zu dem offenen Fenster hinaus auf die wogenden Kornfelder, . die unter dem letzten Strahl der finkenden Sonne wie ein goldenes Meer aufleuchtetem Hatte er doch heute inmitten jener goldigen Fluten sein Glück gefunden!

Alle Wetter, Junge, nimm Dich nur m acht", entgeg­nete Hans Joachim.Oftmals meint man, man habe das Glück am Zipfel, aber wenn man dann den Mantel fort­zieht, grinst einem nur ein Totenschädel entgegen." .

Welch trübselige Philosophie, Papa! die ist man bei Tir nicht gewohnt." c

, Ja, man wird älter dann kommen einem solche Gedankem Aber siehst Du, Junge, die dreitausend Mark kann ich Dir wirklich nicht geben Dreymann hat mir heute erklärt, daß er vor der Ernte keinen Pfennig mehr flüssig machen könne."

Das ist mir aber sehr unangenehm, Papa, ich brauche das Geld notwendig. Ich habe in der Frühjahrsrennsaison Pech gehabt..." , ,

Solltest diesen teuren Sport ganz aufgeben, mem Sohn. Kostet viel Geld und bringt nichts ein." .

Erlaube mal, Papa, in voriger Saison habe ich 2o000 Mark gewonnen, außer den Ehrenpreisen."

, Ja, wo sind aber diese 25 000 Mark geblieben? Rechnest Du die Kosten des Rennstalls dagegen, dann bleiben Dir keine fünf Mark und dann das Spiel, mein Junge, das verruchte Spiel."

Eine dunkle Blutwelle ergoß sich über das Gesicht Eitel Fritzens. In diesem Punkt fühlte er sich! nicht ganz frei von Schuld, wollte er doch die dreitausend Mark gerade zur Begleichung einer Spielschuld verwenden.

Papa, ich versichere Dich ..."

Ach., laß nur, mein Junge. Ich kenne Berlin und das Leben der jungen Offiziere. Na, und ein großes Unglück ist's ja auch nicht, wenn mal ein junger, lebenslustiger Offizier sich verleiten läßt kenne das! Nur alles mit Sinn und Verstand, Eitel Fritz! Du weißt, Majestät ist ungemein schürf auf das Spiel. Und dann Du mußt be­denken, ich kann's nicht mehr leisten, wenn Du mal ordent­lich hereinfällst. Also Vorsicht, mein Junge. Die drei­tausend Mark sollst Du im Lause des Sommers so nach! und nach haben aber 's ist das letzte Mal, Mel Fritz! Wahr und wahrhaftig das letzte Mal!"

So ernst hatte sein Vater noch nie mit ihm gesprochen. Mel Fritz sah nachdenklich zur Erde.

Steht es denn wirklich so schlimm, Papa?"

Na, bei vernünftigem Leben tarnt noch alles gut werden. Der Breymann versteht's, und die Zeiten bessern sich ja auch langsam wieder für die Landwirtschaft. Aber zu außergewöhnlichen Ausgaben langt's nicht mehr, mein Junge. Deine Mutter hat selbst ihre Badereise aufgeben müssen. Sie wollte nach, dem Süden, da ich ihr aber nur einen Aufenthalt auf Rügen oder in Thüringen bewilligen konnte, verzichtete sie ganz aus die Reise. Ihre Laune ist dadurch gerade nicht rosiger geworden."

Eitel Fritz war aufgesprungen und ging erregt im Zimmer auf und ab. Mit welchen frohen Hoffnungen war er heute nachmittag heimgekehrt! Ja, er hatte sich fest vorgenommen, mit seiner etwas bewegten Vergangenheit abzuschließen; ein anderer, ein besserer Mensch zu werden noch einige Jahre wollte er dienen, dann den Abschied nehmen, Petershagen selbst bewirtschaften und seine Else heimführen. Seine Mern konnten dann behaglich tn der Stadt leben, das war ja immer der Wunsch Mamas go wesen so war sein Lebensplan! Aber zur Ausführung desselben gehörte, daß man in geordneten Verhältnissen sich befand, daß er seine Eltern, seine Schwestern auszahlen oder ihnen doch! ihren Anteil von Petershagen verzinsen konnte. Und jetzt konnte ihm sein Vater nicht einmal die lumpigen 3000 Mark geben? Es sollte ja das letzte Mal sein, das hatte er sich fest vorgenommen, aber wenn es so schjlimm um Petershagen stand, dann war ja alles in Frage gestellt.

Na, nimm's Dir nicht zu sehr zu Herzen,,-dünge, fuhr Hans Joachim gemütlich fort.Ein schneidiger Kerl wie Du findet' immer seinen Weg. Hier sind vorläufig