ist's, im Unglück nie verzagen, Als bescheiden großes Glück zu tragen. M Haug.
(Nachdruck verboten.)
Der Erbe von Petershagen.
Roman von O. Elfter.
(Fortsetzung.).
IL
Der alte Freiherr Hans Joachim von Petershagen hatte sich Zeit seines Lebens wenig um die Bewirtschaftung seines väterlichen Stammgutes bekümmert. In seiner Jugend diente er bei ibertl Garde-Äürassieren in Berlin und- war als „Seiner Majestät schönster Offizier" der Löwe der ersten Gesellschaft und der Liebling der Damenwelt gewesen. 1870 Hatte ihn die Kugel eines verwünschten Franktireurs auf einem Patrouillenritt dienstunfähig gemacht, er . mußte seinen Abschied nehmen, zog sich als Rittmeister tt. D. lauf die väterliche „Klitsche" zurück und führte in dem alten «weitläufigen Herrenhause ein üppiges Leben, das so recht nach; dem Geschmack seiner Gattin Wanda, geborene Komtesse von Czarborinski, war. Eigentlich glaubte die Baronin, die einer uralten polnischen Stavoftenfamilie entsprossen war, eine Mißheirat geschlossen zu haben, als sie dem jLeutnant Hans Joachim von Petershagen die kleine, zierliche, weiße Hand zum Ehebunde reichte. Da aber Hans Joachim damals nicht nur ein schöner Offizier und der gefeierte Liebling der Berliner Gesellschaft war, sondern jauch als mit irdischen Gütern reich versehen galt, so zögerte die kleine polnische Gräfin, in deren Adern wohl königliches Blut wallen mochte, die aber arm wie eine Mrchenmaus war, nicht lange, sondern beglückte Hans 'Joachim mit ihrer Liebe und ihrem zierlichen Händchen.
Der Krieg trennte die eben vereinigten jungen Gatten, und als Hans Joachim als halber Invalide zurückkehrte, da trat. ihm Wanda mit ihrem Erstgeborenen auf dem Arme, schöner und lieblicher denn je, entgegen. Die Freude Aber den „Erbprinzen" milderte den Sch,merz über den Abschied Hans Joachims aus dem Militärdienst, und einige Jahre lebte man glücklich! und fröhlich in dem alten Herren- Hause zu Petershagen, aus dessen Feldern, Wiesen und Wäldern der Inspektor Breymann alljährlich ein hübsches Sümmchen herauswirtschaftete. Aber die Fahre änderten sich. Noch zweimal erschien der Klapperstorch im Schloß Petershagen und brachte zwei „Prinzessinnen", Wanda und Ruscha —. dann schied er auf Nimmerwiedersehem Die Baronin aber kränkelte seit der Geburt Ruschas, und als ihr der Spiegel sagte, daß ihre .Schönheit mehr und! mehr
Sonntag den 22. September.
Nr. 135.
1901
@@@
mH b ÖfäTi.
verwelkte, ward sie mürrisch und reizbar, quälte den Gatten mit ihrem Stolz und ihren Launen, als ob er Schuld daran sei, daß ihre Schönheit verblühte, gefiel sich nicht mehr in Petershagen, rerste des Sommers in die Bäder, des Winters nach Berlin und suchte Ersatz für das entschwundene glückliche, fröhliche Familienleben im alten Herrenhause zu Petershagen in dem geräuschvollen/ glänzenden Treiben der Berliner Gesellschaft. Sie veranlaßte ihren Gatten, wieder an den Hof zu gehen und sich als konservativer Abgeordneter in den Reichstag wählen zu lassen. So konnte sie doch fast den. ganzen Winter in Berlin zubringen.
Der gute Hans Joachim von Petershagen ließ sich bei Hofe wieder melden und sich zum Reichstagsabgeordneten wählen, einesteils um des lieben Friedens willen, andern- teils aber auch!, weil ihm die Einsamkeit auf Peters-; Hagen mit der Zeit langweilig geworden war und er ess viel vergnüglicher fand, im Kreise von alten Kameraden ber Uhl und Drossel zu sitzen, als daheim im alten Herrenhause von Petershagen mit Hausfreunden eine Partie Skat zu spielen, während seine Gattin in Wohlthätigkeitsst bazaren „machte" oder Frauenheime und Kinderbewa.hr- anstalten „gründete". Dafür erhielt denn Hans Joachim! einen Orden, und die Baronin wurde öfter durch Einladungen zu den intimen Zirkeln der Monarchin oder dieser Md jener Prinzesssin geehrt.
Das Leben kostete ab et Geld, viel Geld, zumal auch Eitel Fritz, der junge Dragoneroffizier, das seinige dazu that, das durch Inspektor Breymann verdiente Geld unter; die Leute zu bringen. Inspektor Breymann sah sich schließe lich veranlaßt, mit dem Freiherrn ein ernstes Wort zu sprechen. Das gab nun wieder Zank und Aerger, und beinahe hätte Herr Breymann. gekündigt. Hans Joachim aber gab doch klein 6ei; denn er wußte, daß er ohne Herrn! Breymann verloren war, und versprach dem braven Inspektor, nicht länger als zwei Monate mit seiner Familie im; Winter in Berlin zubringen zu wollen. Die Baronin war sehr ärgerlich« darüber, gab jedoch schließlich nach, zumal da ihre Kränklichkeit zunahm und sie wochenlang an das Zimmer fesselte. Nur eine vierwöchentlichp Badereise; im Sommer bedang sie sich aus.
So zog man sich« denn wieder in das alte Herrenhaus von Petershagen zurück; die Baronin lebte in der Erinnerung an ihre früheren Triumphe, die Töchter Wanda und Ruscha hofften von Jahr zu Jahr auf einen Freier, Md Hans Joachim vertrieb sich die langen Sommertage und langen Winterabende mit Kartenspiel, einer guten Zigarre und noch besserem Rotspohn.
„Siehst Du, mein Junge", sagte der Rittmeister, als er nach; dem Abendessen mit Eitel Fritz in feinem Zimmer saß, um mit ihm abzurechnen, „Has ist das End« vom Lied: eine leidliche Zigarre und ein Glas Rotspohn .. .und dann die verwünschte Kugel im Bein. —t Na, hoffentlich gelingt es Dir besser im Leben, Mußt nur die Augen


