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einem Meermann erzählte, den ihre Mutter einst am Strande gesehen habe" erwiderte ich, eifrig bemüht, ihm zu zeigen, daß ich mich noch gern der Sagen unserer Insel erinnerte. „Er versprach ihr die herrlichsten Kleinodien, wenn sie die Seine werden und ihm durch ihre Liebe eine unsterbliche Seele verleihen wolle — als sie aber das Zeichen des Kreuzes machte, sah sie ihn, traurig und drohend die Hand gegen sie erhebend, in die Wellen versinken. Tas Gold, das er ihr zu Füßen gelegt, verwandelte sich aber in grünen Schlamm."
„Weibergeschwätz!" sagte mein Begleiter mit einer Heftigkeit, welche mir die geringfügige Sache nicht zu verdienen schien. „Man spricht von Aufklärung, von allgemeiner Bildung — Prosit Mahlzeit! Hier wissen wir wenig von diesen Errungenschaften der Neuzeit. Hier glauben unsere Leute noch steif und fest an Seejungfern und Meermänner — ja, 'sie behaupten gar, — diese unheimlichen Wesen vermöchten eine Zeitlang Menschengestalt anzunehmen und lebten dann ganz vergnüglich unter uns!"
„Eine Anschauung, welche tief in dem alten heidnischen Glauben der Väter wurzelt und mit Sagen von Werwölfen und ähnlichen Vorstellungen zusammenhängt", sagte ich begütigend.
„Sie wollen noch die Tummheit beschönigen", rief er, mir einen halb argwöhnischen, halb drohenden Blick zuwerfend. „Sie würden am Ende gar einem Schwätzer Glauben schenken, der Ihnen sagte, hier auf der Insel Hause eine Seejungfer, die, wie fromm sie sich auch zu stellen vermag, doch im Stillen ihre gottlosen Zauberkünste treibt, weil sie es nun einmal nicht lassen kann?"
(Fortsetzung folgt.)
Segelsport.
Von Alfred Stavenhagen.
(Nachdruck verboten.)
Während den Radfahrer der erste schöne Frühlingstag auf die Rennbahn lockt und auch die Pferderennen beginnen, sobald der Turfplatz sich mit dem keimenden Grün des Rasens bedeckt hat, tritt der Wassersport erst dann in seine Rechte, wenn die Sonne ihren höchsten Stand am Himmel fast erreicht hat. Die Herren Studiosen von Oxford und Cambridge haben ihren berühmten herkömmlichen Ruderwettkampf zwar auch bereits im zeitigen Frühjahr ausgefochten, aber für die großen Ruderregatten und Segelrennen beginnt die Saison erst um Mitte Juni, um dann freilich sofort auf den Gipfelpunkt zu steigen.
Der Wassersport ist im allgemeinen ein Kind der Neuzeit. Zwar ordnete schon im Jahre 1315 der große Rat der Republik Venedig die Abhaltung von Ruderwettkampfen an, um die Jungmannschaft der Königin der Adria -mit dem Wasser vertraut zu machen, in dessen Beherrschung ihre Größe lag; eine allgemeine Verbreitung haben diese Rennen aber doch erst von der Zeit an gefunden, als die führende Herrschaft zur See auf den kräftigen germanischen Norden überging.
Die ersten '.Anfänge des Segelsports haben wir in Holland zu suchen, und zwar um jene Zeit, da dessen thatkräftiges, kleines Volk seinen Verzweiflungskampf gegen die Mordbanden des finsteren Philipp II. von Spanien und seines Nachfolgers führte. Von dort, wo bie Natur den Menschen allerdings förmlich- zwingt, sich in der Beherrschung des nassen Elements zu üben, wurden die ersten Lustsegelfahrzeuge zu Beginn des 18. Jahrhunderts nach! England gebracht. Der erste Segelklub wurde jedoch nicht im engeren England, sondern in Eork in Irland als „Cork Harbour Water Club" gegründet, nachdem erst recht langsam und erst von der Mitte des 19. Jahrhunderts in schnellerem Tempo ähnliche Vereinigungen folgten. Heute aber huldigen im sportliebenden Großbritannien rund 300 Vereine dem Segelsport, und verfügen über ein Schtffsmaterial von etwa 5000 Segelyachten größerer und kleinerer Art, in welchen ein Kapital von mindestens 30 Millionen Mark angelegt ist.
Deutschland, welches nach den längst entschwundenen, ruhmvollen Zeiten der Hansa durch die Ungunst der Verhältnisse Jahrhunderte lang gezwungen war, das Aschenbrödel unter den seefahrenden Nationen zu spielen, steht an Zahl der Vereine und Fahrzeuge natürlich noch heute
unendlich weit gegen England zurück, und wird dieses wegen seiner beschränkten Küstenentwickelung auch nie erreichen. Hier kam es auch erst am Anfang der 40er Jahre des 19. Jahrhunderts zur Gründung des ersten Segelklubs, und zwar in Hamburg, wo'vvr zwei Menschenaltern fast das ganze Seewesen des deutschen Volkes seinen Mittelpunkt hatte, und als ältester deutscher Segelverein sich bildete. Ter Doyen unter den heute bestehenden ist der im Jahre 1855 zu Königsberg in Preußen gegründete Klub Rhe, während ganz Deutschland heute 34 Segelveveine mit über 1000 Pachten zählt, von denen sich 21 Vereine mit rund 650 Pachten zu dem im Jahre 1888 gegründeten t eutschssn lseglerverbande zusammengethan haben. Dieser Veroand hat in ähnlicher Weise organisatorisch und reformatorisck gewirkt, wie der Verein deutscher Eisenbahnen; denn e) so wie für Form und Dimension, Kuppelungen und be-. Signaldienst und noch viele andere Betriebsvorrichtungen vom äußersten schwedischen Norden bis zum Schwarzen Meere und Sarajewo heute die Grundprinzipien die gleichen sind, gelten auch für das Segelwettfahren gegenwärtig in Deutsch- iand, Dänemark, Norwegen und zum Teil auch in Schweden und Oesterreich die gleichen Regeln.
Tie Landratte, welche zum ersten Male einer großen Segelregatta beiwohnt, wird erstaunt sein, daß keineswegs immer das erste durch das Ziel gehende Boot Sieger ist. Tas hat jedoch seine guten Gründe; denn von zwei im übrigen gleichen, aber verschieden großen Pachten segelt, wenn die Führung in beiden Fällen auf der Höhe steht, die größere dank der besseren Verwertung ihrer größeren Segelfläche schneller, und es bedarf daher einer besonderen Berechnung, der sogenannten Pachtvermessung, um . die Stärke der Fahrzeuge gegeneinander abzuwerten und einen einigermaßen sicheren Vergleich! zu gestatten, nach welchen: den kleineren Fahrzeugen eine Vergütung gegenüber den größeren gewährt wird. Früher waren hierfür nur die Länge, Breite und Tiefe des Rumpfes maßgebend. Seit Mitte der 80 er Jahre des verflossenen Jahrhunderts zieht man aber auch die Segelfläche mit in Betracht, und außerdem wird auch die zu Beginu des Rennens herrschende Windstärke mit in Rechnung gestellt. Tie Folge dieser verschiedenen Meßverfahren war natürliche, daß die Konstrukteure sich bestrebten, die neu zu erbauenden Fahrzeuge diesen Meßformeln in der günstigsten Weise anzupassen. Aus diesein Grunde bevorzugte mau in den 70 er und 80 er Jahren die langen, schmalen und tiefen Pachten, während man bis vor kurzem wieder breitere Fahrzeuge baute, denen man jedoch zur Verhütung des Umschlagens schmale messerartige und tiefreichende Kiele gab. Auch heute hält man noch an breiteren Schiffsrümpfen fest; doch hat man jetzt fast durchweg die brettartigen Kiele durch Metallplatten ersetzt, an deren unterer Flächx schwere Bleiwulste hängen. Auf den meist flachen Binnenseen wäre jedoch die Verwendung dieser tiefreichenden Kiele wegen der Gefahr des Auffahrens bedenkliche und man rüstet deswegen die Pachten mit beweglichen Kielen, den sogenannten Kielschwertern aus, welche durch einen Einschnitt in den Schiffskörper entsprechend der größeren oder geringeren Wassertiefe herabgelassen und heraufgezogen werden können. Dafür gestatten die ruhigeren Binnengewässer die Benutzung einer- größeren Segelfläche als sie aus offener See mit deren starken und heftigen Winden möglich ist.
Wenn es sich nicht um Fahrten über sehr große Entfernungen wie bei dem vorjährigen Segelrennen von England bis Helgoland handelt, wird der Kurs nach! Möglichkeit so gelegt, daß sämtliche Segel zur Verwendung kommen müssen, über welche die Pacht verfügt, und daß ein erhebliches Stück gegen den Wind aufgelreuzt werden muß. In dem Nehmen der Wende- und Trehpunkte, die meist durch Bojen oder Dampfer gekennzeichnet sind, und wobei unmittelbar nach dem Passieren des Drehpunktes Segelstellung und Steuerlage gewechselt werden müssen, zeigt sich die ganze Kunst in der Beherrschung dieser Fahrzeuge, deren Insassen, wenn bie Pachten sich soweit auf die Seite legen, daß sie den Boden zeigen, der Laie in zorniger Angst im nächsten Augenblick schon ins Wasser geschleudert glaubt, während sich das Fahrzeug, welches momentan dem Wiuddruck gehörte, sofort wieder aufrichtet und im neuen Kurse durch die Wellen schießt.


