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für mich wenig Verlockendes, ch lieber gleich mit Haut und
Nein, so hätten Sie reden müssen: Haben Sie, mein lieber Leuchtturmverwalter Hansen, nicht ein Plätzchen übrig für den Sohn eines alten Freundes?"
„Wie durfte ich! es wagen", begann ich verlegen.
„Was wagen? So ängstlich! sehen Sie meiner Treu nicht aus", unterbrach mich mein neuer Bekannter unwirsch „Vielleicht ist es Ihnen aber bei uns zu einfach, und Sie wollen lieber im Pfarrhause absteigen? Denn ehrlich hält besser. Tort wird man Sie natürlich! auch mit offenen Armen empfangen und drüben auf dem Festlande beim Kaufmann gleichfalls. Ich habe aber das erste Recht aus Sie, und paßt es Ihnen nicht bei uns, können Sie es ja später noch immer bei den anderen versuchen."
Diese Aussicht auf unumschränkte Gastfreundschaft^ in weiter Runde hatte indes
genannt." •
Mein Freund hatte sich also in seinen alten Tagen verheiratet. Nun, warum nicht? Er mußte zwar jetzt ein Mann hoch in den Sechzigern sein, aber stark und gesund sah er ans, wie jene knorrigen Fichtenstämme, welche mit eiserner Kraft den Angriffen des wilden Nordwindes trotzen. Sie können brechen, beugen werden sie sich aber niemals. Schiffer Hansen, wie ich ihn aus alter Gewohuheit nennen will, hatte eisblaue oder graue Augen, borstige, weiße Haare, welche ganz kurz geschnitten waren, und einen struppigen, Weißen Bart. Er erinnerte wirklich! etwas an jenen mächtigen Meeresbewohner, mit dem wir Kinder ihn zu seinem großen Vergnügen verglichen hatten — an , den brummigen, gutmütigen, wenn gereizt aber gefährlichen Eisbären .
So wanderten wir stumm dahin an dem felsigen Gestade entlang. Mochten sich! in der Ferne Wetterwolken drohend zusammenziehen! Ich hatte nur Auge und Ohr für das gewaltige Meer, welches glatt und spiegelblank dalag, während die kurzen, krausen Wellen mit leisem Geplätscher gegen den Strand schlugen und mir die alten Lieder sangen von schönen Seejungfern und stolzen Helden, die jene zu sich auf den Meeresgrund hinunterlockten.
So ganz war ich in meine Träumerei versunken, daß ich erschrocken zusammenfuhr, als mich plötzlich eine Hand unsanft an der Schulter faßte und eine barsche Stimme rief: „Sehen Sie sich vor, Mann. Einen Schritt noch, und Sie hätten selbst Gelegenheit gehabt, zu untersuchen, ob der Meereskönig wirklich seine Schätze hier an der Küste' aufbewahrt. Ter eine oder der andere hat im Laufe der Zeiten ein paar Münzen oder einen alten Goldreifen gefunden — natürlich! muß das alles ein Teil des unermeßlichen Hortes sein."
„Ich weiß noch, daß unsere alte Magd, die Kari, von
ersuchen sollte hier anzulegen. Traurig und leer erschien mit alles und ich mir selbst zum ersten Mal in meinem Leben bedauernswert und vereinsamt. Was suchte ich auf dieser Insel, wo keiner nach mir fragte, von welcher irndji das Schicksal so früh weggetrieben hatte? Tie Wolken ziehen schnell vorüber, und ich lachte über meine abergläubische Schwäche. Eine kleine, reizende Idylle und kein erschütterndes Drama war die Dichtung, die ich hier lesen würde.
So luftig erklang das Trillern der Bootsmannspfeife, so friedlich der einfache Gesang der beiden Fischer, welche gerade ihre Netze zum Trocknen in der Sonne aufhingen, während ein Haufen barfüßiger Kinder mit ihren braunen Händchen Steine in die See warf und jubelnd aufkreischte, wenn das Wasser hoch aufspritzte.
Unten auf der kleinen, aus aufeinander getürmten Felsstücken gebildeten Mole stand ein hvchgewachsener Mann mit einem runden Strohhut auf dem Kopfe und stieß behaglich dicke Rauchwolken aus seiner kurzen Meerschaum- Pfeife. Die kleinen, scharfen Augen beobachteten voller Interesse das Manöver des Dampfers, und daß ein Passagier ans Land stieg, schien ihn wenig zu interessieren. Ich sage: schien; denn kaum war das schnaubende, schwarze Ungetüm wieder davongedampft, so wandte er sich plötzlich zu mir, der ich unschlüssig, wohin ich jetzt meine Schritte lenken sollte, noch auf demselben Fleck zögerte, und fragte barsch: „Nun, mein Herr, haben Sie ein Gelübde abgelegt, die Steine am Ufer zu zählen, oder was führt Sie hierher, mit Verlaub?"
Tie tiefe Baßstimme, das launige Lächeln, welches die strenge Miene des wettergebräunten Gesichtes Lügen strafte - kurz jenes gewisse Etwas, das man sich! nie im Augenblick zu erklären weiß^ rief bei mir den Eindruck hervor, ich! stehe einem alten Bekannten gegenüber.
„Ich bin hier fremd und doch nicht fremd", begann ich! unsicher: „das heißt, mein Vater war hier vor Jahren Prediger und--"
„Tu meine Güte! Da sind Sie Wohl gar Olaf Ravenskiold", rief der Alte, die Pfeife aus dem Munde nehmend und meine geringe Person einer genauen Musterung unterwerfend. „Was man doch alles erlebt! Ein Staatskerl war er, der kleine Olaf. Segeln konnte er und fischen, wie der beste, und jetzt — zum umpusten, blaß und fein wie ein Mädchen sehen Sie aus." Er schüttelte mißbilligend den Kopf und fuhr seufzend fort: „Ja, die Bücher, die Bücher! die haben schon manchen braven Kerl in die Gruft gebracht!"
„Nun, nun", erwiderte ich: lachend, „so schlimm steht's doch nicht. Wir denken noch lange nicht daran, die Pfeife einzustecken — im Gegenteil! Erst frisch gelebt, dann mutig gestorben. Ist die Gesichtsfarbe jetzt nicht blühend zu nennen, so ist das allein die Folge von dem langen Aufenthalt in den heißen, langweiligen Städten und dem vielen Gucken in die großen Folianten. Tie frische Küstenluft wird schon den letzten Rest von Staub wegwehen, der mir die Lunge bedrückte, und da Sie meinen Namen kennen, haben Sie wohl auch die Güte, mir eine Stätte anzugeben, wo der müde Reisende seinen Hunger und Durst stillen kann — mit einem Wort, mir den Weg nach dem nächsten Gasthof zu zeigen!"
„Oh heilige Einfalt!" rief der Alte, mich noch immer prüfend betrachtend. „Zwar waren Sie kaum elf Jahre alt, als Sie damals ugsere Insel verließen — aber hier Gasthöfe zu erwarten, das ist doch ein bißchen stark. Derartige Tinge überlassen wir den Bewohnern des Festlandes." Er begann wieder zu rauchen, während er bald mich, bald die Fischerhütten betrachtete. Tie Situation war unerträglich.
„Wenn sich auf der ganzen Insel kein Obdach für' den Fremden findet, sollte lieber gleich hier unten ein Schild aufgepflanzt werden mit der Inschrift: Vor Betretung der Insel wird gewarnt"/ ries ich ärgerlich. „Da stehe ich nun und muß vielleicht den ganzen Tag hier in der Sonnenglut bleiben, bis ein Schiff vorbeikommt, das so mitleidig ist, mich wieder mitzunehmen."
„Nicht so hitzig, mein junger Freund", sagte der alte Herr. „Wer wird gleich aus der Haut fahren! Wenn einer, fo hätte ich das Recht dazu; denn, das muß doch einen alten Kerl wurmen, wenn er sieht, daß die Jugend ganz vergessen hat, wie in Norwegs Land stets das Gastrecht heilig gehalten wurde. Warum sofort nach Gasthöfen fragen?
und ich- beschloß daher, mich lieber gleich mit^Haut und Haaren meinem neuen oder richtiger alten Freunde zu übergeben. Ich entsann mich recht gut eines Schiffers Hansen, der manchmal im Winter mit meinem Vater Karten spielte und uns Kindern, die wunderbarsten Geschichten erzählte. Daß ich sofort jemanden getroffen, der einst im Elternhause verkehrt hatte, schien mir außerdem ein gutes Vorzeichen, und in die dargebotene Äand einschlagend, rief ich schnell entschlossen: „Mit Tank, nehme ich , Ihr An- erbieten an. Vorerst müssen Sie mir aber erzählen, wie Sie dazu kamen, die Kauffahrteifahrt einzustellen und die Laterne des Leuchtturmes zu hüten. Ich weiß noch, wie oft Sie uns von Ihren Fahrten nach Spitzbergen und von den vielen Eisbären erzählten, welche Sie dort erlegt hatten."
„So, so. Sie haben wirklich den ,Onkel Eisbär', wie -Ihr Kinder mich! alle nanntet, nicht vergessen?" sagte Schiffer Hansen sichtlich erfreut. „Jetzt kommen Sie aber. Ihre Sachen können Sie ruhig liegen lassen. Diebe giebt es Gott sei Dank hier nicht, und ich lasse bald alles holen. Tort aber", er deutete mit der Hand gegen Westen, „sehe ich eine Wolke, die dem Ange des Seemanns nicht gefällt. Es giebt ein Gewitter, wenn nicht alle Zeichen trügen, und da muß der Kapitän nachsehen, daß auch alle Mann an Bord sind. Es hätte meiner Gunhilda einfallen können, fortzugehen und ---"
„Gunhilda", wiederholte ich! erstaunt. „So hieß; doch, Ihr Schiff, wenn ich nicht irre!"
„Ganz recht, ganz recht", sagte er plötzlich, ein rascheres Tempo einschlagend, als hätte er jetzt keine Lust, das Thema weiter zu erörtern. „Ich habe das Mädchen nach dem Schiffe


