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fiinverzetk gedachte; sie wagte nicht, den Spielgefährten ihrer Jugend anzusehen, sondern blickte zu Boden und saß regungslos da.
„Ja, wir waren Kinder — glückliche, fröhliche Kinder, Else! Aber bei Gott, Else, Ihr liebliches Bild begleitete mich all die Jahre hindurch- die ich fern von der Heimat in dem Kadettenkorps durchleben mußte, und dann, als ich als Fähnrich wiederkam — vor fünf Jahren — da sah ich Sie als erwachsenes Mädchen vor mir stehen — und ich — ment Herz — ach, Else, machen Sie es mir doch; nicht so furchtbar schwer, Ihnen zu sagen, daß ich Sie lieb habe!"
Sie schien leicht zu erbeben und tiefer senkte sich ihr blondes Haupt. Doch dann richtete sie sich energisch empor.
„Es ist nicht recht, Herr von Petershagen", sagte sie ernst, „mich jener Zeit zu erinnern, in der ich als Back- fisch von sechzehn Jahren Ihren Schmeicheleien zugänglicher war, als es sich schickte . ,
„Else?!" —
„Bitte, lassen Sie mich aussprechen, Herr Leutnant. Ich will nichts beschönigen und nichts entschädigen. Dankbar bin ich; Ihnen, daß Sie mir Gelegenheit zu dieser Aussprache geben; denn es muß klar zwischen uns werden. Gewiß, die schöne Kinderzeit lebt mit leuchtenden Farben in meiner Erinnerung — Kinder waren wir aber auch, noch vor fünf Jahren, Sie der zwanzigjährige, kurz vor seiner Ernennung zum Offizier stehende Fähnrich, und ich der sechzehnjährige Backfisch, der die Welt nicht kannte und noch ttt kindischer omantischen Träumen schwärmte. Damals —"
Sie schwieg plötzlich wie erschreckt, itttb eine dunkle Glut ergoß sich über ihr schönes, stolzes Gesicht.
Er lächelte schelmisch
„Ja, damals schwuren wir uns an diesem nämlichen Platz ewige Treue. . ." sagte er und versuchte ihre Hand zu fassen.
Doch; hastig zog sie ihre Hand zurück.
„Kindereien, Herr von Petershagen", stieß sie hastig hervor. „Ich, hoffte. Sie würden miäy nie wieder daran erinnern. Sie gingen zum Regiment — nach Berlin — ich kam in eine Pension — lernte dann den Haushalt und die Wirtschaft, wie sich das für die Tochter des Inspektors von Petershagen geziemt — fünf Jahre sind seitdem verflossen
die Kinderzeit ist vorüber — wir haben die Welt und die Menschen kennen gelernt, wir müssen jetzt verständig fein und dürfen uns keinen thörichten Wünschen mehr hingeben. Tas ist's, was ich Ihnen sagen mußte, Herr Leutnant und nun lassen Sie uns heimkehren."
Sie erhob sich Doch er blieb ruhig sitzen und blickte sie lachend an.
„Das ist ja doch nicht Ihr Ernst, Else", sagte er.
Da fuhr sie aus. „Herr von Petershagen, ich! muß bitten. . ."
Doch als sie in sein lachendes Gesicht unb in seine bittend auf sie gerichteten Augen blickte, da verstummte sie jäh, wandte sich, ab und schritt rasch den Pfad entlang, "der zum Schlosse zurückführte.
Im nächsten Augenblick war er an ihrer Seite.
„Wenn Sie mir auch zürnen, Else", fuhr er fort und ergriff ihre Hand, die sie ihm widerstrebend überließ, „ich wiederhole es: es ist nicht Ihr Ernst, was Sie da sagen. Ich! weiß das alles selbst, und habe es mir auch schon gefugt . V . ich bin der Leutnant Eitel Fritz von Petershagen, Sohn und Erbe des alten Herrn von Petershagen, und Sie, Else, sind die Tochter des alten Inspektors Brey- mann, der das Gut meines Vaters seit fünfundzwanzig Jahren in ganz ausgezeichneter Weise bewirtschaftet hat na, und was ist da für ein großer Unterschied zwischen uns? Der Name? — Der bunte Rock, den ich trage, und den ich in einigen Jahren doch ausziehen muß- wenn ich Petershagen übernehme? Wenn Sie wirkliche die Welt und die Mensch,en kennen gelernt hätten, Else, dann würden Sie wissen, daß die Welt und die Menschen auf diesen Unterschied kaum nozch etttett Wert legen. .
„Sie täuschen sich, Herr von Petershagen. Fragen Sie Ihre Frau Mama — Ihre Schiwestern."
Eine Wolke des Unmuts beschüttete mit einemmale sein vorhin noch so fröhliches Gesichst
„Nun, — und wenn Sie recht haben sollten", rief er aus, „so gleicht unsere Liebe diesen Unterschied aus ! Else, Sie sagen selbst- daß Sie jene glückliche Zeit unserer aust- keimenden Liebe nicht vergessen haben — ach!, ich will mich nicht besser machen M ich bin! s Jchchabe jie erst in den
tollen Jahren der ersten Leutnantszeit vergessen, und wahr-? hastig, als ich jetzt wieder hierherkam — nach fast zwei-j chhriger Abwesenheit — da standen Sie mir nur als lieb-! liches, herziges Kind in der Erinnerung, und ich, ivill's. Ihnen nur gestehen, daß da von einer großen Liebe keine Rede mehr sein konnte. Aber als ich Sie dann wiedersah^- herrlich aufgeblüht, eine stolze junge Dame — Else, daj ward die Erinnerung an jene Stunde vor fünf Jahren! wieder lebendig in meinem Herzen, und was damals viel-, leicht nur unklare Schwärmerei gewesen wär, das ward ;etzt bewußte, innige, leidenschaftliche Liebe . . . Else^ stoße mich nicht zurück! Ich erneuere Dir hier den Schwur ewiger Treue, und welche Hindernisse auch unserer Ver-z bindnng im Wege stehen, ich werde sie überwinden!"
Ihre Hand zitterte in der seinen, und tief senkte sie; das Haupt, auf dessen blonden Flechten die Abendsonne! glühte, sodaß es wie von einem Heiligenschein umgeben erschien.
„Es darf nicht sein, Eitel Fritz", sprach sie mit leise bebender Stimme.
Doch da legte er den Arm nm ihre erschauernde Ges 'kalt und preßte sie fest an sich.
„Du liebes, thörichtes Mädchen", flüsterte er leiden- chaftlich, „vertraue Du nur mir und laß mich für unsere Liebe kämpfen. Hab' Du mich nur lieb und bleibe mir treu, dann werden wir den Sieg erringen."
Sie blickte mit ernstem Lächeln zu ihm auf.
„Bleibe Du nur fest und treu", sagte sie leise, „Ich schwöre Dir, Else . . ."
„Nein, schwöre nicht — versprich nichts — ich verlange keinen Schwur und kein Versprechen. — Ich habe Dich Heb, Eitel Fritz, lieber als alles aus der Welt ,, ,"
„Mein süßes Mädchen. . ."
Er wollte sie küssen, doch sie wehrte ihn ab.
„Nicht so — nicht so! — Frei wollen wir bleiben, Eitel Fritz, frei sollst Du sein, damit Du Dir einst keinen Vor-. Wurf zu machen hast, wenn Deine Liebe zu mir erlösche odep wenn — die Verhältnisse uns trennen , ,
„Das wird nie geschehen!"
„Wer kann es wissen? Das Leben spielt wunderlich mit den Menschen, und oft schon haben die Menschen ihr! Schönstes und Bestes den Verhältnissen zum Opfer bringen müssen. Deine Liebe ist mir das Höchste, das Schönste, das! Heiligste in der Welt, mein Eitel Fritz — aber ich will sie; nur als freies Geschenk, nicht erzwungen durch ein int! Augenblick der Leidenschaft gegebenes Versprechen. Des-? halb laß uns von einander scheiden, ohne Versprechen, ohne Schwur, den wir vielleicht beide nicht halten können -S Tu bist frei in Deinem Handeln und niemals werde ich Dir einen Vorwurf machen- wenn Du einst sagst: Es kann nicht sein. . ." , , ,,
„Tas wird niemals eintreten, Else! Niemals, sage ich Tir! Und wenn Du auch meinen Schwur nicht annehmen willst, so schwöre ich mir selbst, daß ich Dich ewig lieben und Dir ewig Treue halten werde. Und wenn Du mir auch keinen Schwur geben willst, so halte ich Dich doch an Deinem Wort sest, daß Du mich; liebst. — Oder, Else, soll ich an diesem Wort zweifeln?"
Sie sah ihn mit einem leidenschaftlichen Blick an und dann schlang sie plötzlich die Arme um seinen Nacken und flüsterte: „Ewig werde ich Dich liehen . . . auch! wenn Dst mich längst vergessen hast..." . , j
Sie duldete jetzt seinen Kuß und lag tote tn seligem Selbstvergessen an seiner Brust
Daun richtete sie sich empor und strich; sich in holder Verschämtheit die blonden, krausen Locken aus der Stirnü
„Und nun wollen wir Abschied nehmen, Eitel Fritzi sprach sie mit innigem Lächeln. „Man braucht uns im Dorf nicht beisammen zu sehen — wir wollen unser Ges heimnis für uns behalten . . ."
„Darf ich Dir schreiben, Else . . ?"
„Nein, Eitel Fritz — Tu kennst die strengen Ansichten meines Vaters. Wir wissen, daß wir uns lieben, das wird uns geduldig und glücklich machen."
„Du bist grausam . . ."
Sie preßte seine Hastd mit zärtlichem Druck Und sah lächelnd zu ihm auf. „ . , __ „
„Ich. muß für unH beide vernünftig fem, thöxichter großer Junge Du," .
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