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Er wollte sie wieder in die Arme ziehen, doch sie intwand sich ihm.
„Auf Wiedersehen, Geliebter. Morgen früh, wenn Du vorüber fährst, winke ich! Dir den letzten Abschiedsgruß zu." „Nein — ich spreche noch! einmal bei Deinem Vater vor j: . . und nun noch einen Kuh, Else. . "
Er streckte bittend die Hände aus und sie flog noch einmal in seine Arme und erwiderte seinen leidenschaftlichen Kuß. Dann riß sie sich los und verschwand in dem schmalen Fußpfad, der sich von dem breiteren Feldweg ab- zweigte. Das goldene Meer der Aehren schlug um sie Zusammen und schon nach einigen Augenblicken war sie leinen Augen entschwunden.
Tief atmete er auf; in seinen Augen leuchtete ein schein des Glückes, und langsam schritt er auf dem Wege io eiter, der ihn in kurzer Zeit nach Dorf und Schloß Petershagen führte.
(Fortsetzung folgt.)
Freundin, was der kleinen Dollh offenbar als eine Aufforderung zum Zausen erschien; denn sie fing sofort an, ihre kleinen Händchen in dem braunen Gekräusel zu vergraben.
„Tolly, willsh Du wohl!" wehrte ihr die Mutter. Und wie das Kind nun anfing, ob des gehörten Genusses zu weinen, bemerkte sie ernsthaft-drollig: „Tas ist gut; hilf Deiner Tante, Kind! Desto eher wird sie damit fertig!"
Als aber auch diese leise Mahnung bei der gkotzen Dolly nichts hals, fing sie an, dem armen Mädchen wortlos das Haar zu streicheln, als ob ihre Liebkosung einen Trost gewähren könne.
Nun aber wurde aus den Kieswegen des Parks ein Schritt hörbar!
„Es kommt jemand! Nimm Dich zusammen, Dolly!" sagte Eva.
Sie blickte auf.
„Tas ist Stübecke, sein Bursche!" flüsterte sie. „Komm, hier rechter Hand ist eine Laube."
„Sein Bursche? Weißt Tu, den werd' id) einmal aus- sragen! Das ist doch das Einfachste!"
„Ach thu' das lieber nicht, Eva. Das sieht so entsetzlich neugierig aus!"- tuschelte sie zurück.
Sie fürchtete sich davor, die Wahrheit zu hören.
„Ich werde schon so fragen, daß es harmlos erscheint! Latz mich nur machen! Aber hell' Dich so, daß er Deine verweinten Augen nicht sieht!" ~ ’ >
„So gieb mir das Kind!" . * - ••
„Hier!"- - 3 j. - '
Mittlerweile war Stübecke herangekommen, hätte die Pfeife aus dem Munde genommen und wollte nun mit einem verlegenen Gruß vorbeischieben.
„Guten Tag, Herr Stübecke!" sagte indes die junge Frau und hielt ihn an. „Fräulein Dora sagt mir da eben, daß! Sie der Bursche vom Herrn von Eschenborn sind?"
„Ja, das bin ich!" grinste Stübecke.
„Ich, kenne Ihren Herrn Leutnant nämlich und hätte ihn gern 'mal gesprochen. Kommt er denn bald zurück?^
„Nee, heute wird's wohl sieben werden!" meinte Stübecke.
„Schade!" erklärte Eva lächelnd. „Wie ist denn das Bild ausgefallen, um das er neulich in Sedenheim war? Oder ist es noch nicht angekommen?"
„Nee, aber wir lauern jeden Tag drauf!"
„So! Na, es wird schon noch eintreffen! Grüßen .Sie den Herrn Leutnant nur, bitte, von mir. Ich bin die Frau Obersteuerinspektor Rötzling aus Trimburg, mit der er neu-! lich in der Eisenbahn zusammen gefahren ist! Wie geht's denn seinen Kleinen, dem Bob und — der Tolly?"-
Stübecke bekam einen Heidenschreck, als er die Hunde erwähnen hörte, und wurde rot wie ein gehetzter Puter! Aber er hütete sich, die heikle Frage zu beantworten. Verlegen kraute er sich! den dicken Kopf und blinzelte bald nach dem Fräulein vom Hause, die ihm den Rücken zuwandte, bald zu der neugierigen, jungen Frau hin.
„Na, was haben Sie denn? Sie find ja so rät geworden und so verlegen?" fragte die Gwßj-Jnquisitorin weiter „Sie sind doch gesund?"
„O ja, sie sind alle beide ganz mobil!"
„Aber das konnten Sie doch gleich sagen!" ermunterte sie ihn.
„A, es war nur, weil der Herr Leutnant nicht wollten, daßj hier einer erfährt, —" stotterte Stübecke. '
„So, so? — Na, es ist gut! Sie haben uns nichts gesagt, Herr Stübecke, wenn's einmal so sein sollst
Damit entließ sie den Schlauberger.
„Nun, habe ich! zu viel gesagt?" wandte sie sich an Tolly!
„Ach! Gott, ich bin ja so totunglücklichst stzöhnte die Aermste. ■ 3 ■' '
„Ja, hat er denn ernstliche?"
„O nein, gar nicht! Keine Silbe! Wer ich dachte doch!, s Eva, nimm Michl heute abend mit nach Trimburg!, ehe er zurückkommt!"-
„Gern, liebe Tolly! Ich will meinem Mann gleich! Bescheid! sagen. Er kann ja von hier nach Hohensiebeck reiten und holt uns nachher ab !"
„Wie Tu willst! Ich bin mit allem einverstanden! Nur fort!" murmelte Tolly und flüchtete in ihr Zimmer hinauf,; um einige Vorbereitungen zu" der so überstürzten Abreise zu treffen. Eva begab sich zu ihrem Gatten, um diesemf von dem Beschluß!, den sie eben gefaßt Wien, Kenntnis zn
Bob und Dolly.
Eine Manövergeschichte von Alwin Römer.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Aber nun entrüstete sich die junge Frau ernstlich!. „Wer's glaubt!?" echote sie spöttisch. „Wo ich am Bahnhof in Trimburg mit meinen eigenen Ohren gehört habe, wie die Freundinnen seiner Frau mit ihm darüber schwatzten und sich der hübschen Kinder wegen den Wunderbeutel umhingen? Er ist ja extra aus dem Manöver nach Hause gefahren, um sich mit der Familie für seine Mütter zum Geburtstag photographieren zu lassen!"-
„Du erzählst Wunderdinge, Eva!" sagte die Hausfrau, ,,Täuschst Tu Dich da auch wirklich! nicht?"
„Wenn er nicht einen Doppelgänger hat: nein! Wir haben lang und breit gerade über die Kinder gesprochen. Bob und Dolly heißen sie und sind jetzt sechs, — «ein, nun ja schon sieben Wochen alt! Und Tolly heißt nach einer Tante in England, wo seine Frau nämlich her istst
„Jch erstarre!" sagte Frau von Koberstedt. „So ein Duckmäuser!"
Dolly war ans Fenster getreten und lehnte wie bewußtlos den Kopf,gegen die Scheiben. So qualvolle Gedanken hatten ihr armes Hirn noch nie zermartert. Konnte ein Mann wirklich so falsch, so bodenlos falsch sein und dabei ein so ehrliches, treuherziges Aussehen haben?
„Er hat Dir was vorgeflunkert, liebe Eva", hörte sie jetzt den Inspektor sagen, „weil Tu Dich! sonst nicht mit ihm eingelassen hättest!"
„Und das Gespräch auf dem Bahnhof habe ich geträumt?" trumpfte sie.
„Na, ich möchte wetten murrte der Ehemann. Wer fein Weibchen ließ ihn nicht ausreden.
„Alter, eifersüchtiger Brummbär", lachte sie ihn aus. r,Hätte ich lieber den nächsten Zug nehmen und Dich warten lassen sollen, als ich in Hildesheim keinen Platz mehr im Frauen-Koupee fand, was? 3-: — Komm, Tolly, laß uns ein bischen durch den Garten Meisen! Vielleicht finden wir ein paar reife, blaue Pflaumen Pflaumen, mein Herr Gemahl, und nicht Husaren, verstanden?"
Und mit ihrem Baby auf dem Arme wandelte sie Arm in Arm mit deren großer Namensschwester durch die Glas- thür, über die Veranda in den Park hinunter.
„Hast Du wirklich richtig gesebeu. Eva?" fragte stockend Dora Malden die Freundin.
„Ich glaube, Tolly, Tu hast Dich in ihn verschossen!" versetzte die junge Frau, und wie sie ein paar Thränen an den schönen Wimpern hängen sah, fügte sie teilnahmsvoll hinzu: „Arme Tolly! es gießt ja noch ganz andere und viel schönere Männer, als so einen windigen Leutnant! Denn, wenn einer seine Familie verleugnet und den Trauring vom Finger zieht, nur um im Manöver dämmen Mädeln die Köpfe verdrehen zu können, so mutz das doch ein gräßlich windiger Patron sein, obgleich! mir dieser Herr von Eschenborn damals in der Eisenbahn so recht solide und ehrpusselig vorgekommen ist!"
>,Jch kann's auch wirklich nicht glauben, liebste Eva st schluchzte herzbrechend die unglückliche Dollh und lehnte die dunkel umlockte Stirn gegen, die freie Schulter der


