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richten, tüchtige Radierungen, die er im Atter von acht Jahren produzierte und mit seinem zehnten Jahre war er einer der geschicktesten Zeichner in England. Drei Jahre später wurde eine von ihm stammende Zeichnung eines Bernhardinerhundes von seinem Bruder Thomas graviert und veröffentlicht, und der Akademie-Katalog dieses Jahres enthält den Namen „Meister" E. Landseer, 33, Foby Street, als des Malers zweier bedeutender Gemälde, eines „Por- traits eines Maulesels" und des „Portraits einer Hühnerhündin mit ihren Jungen".
Der „unsterbliche Turner" war nicht weniger frühreif als „Meister Edwin Landseer". Die Thüren der Akademie standen ihm schon offen, als seine Mersgenossen in Eton und Harrow noch in den unteren Klassen saßen. Als er „ein frischer, geschwätziger kleiner Mann von acht Jahren war, mit kleinen blauen Augen, einer Papageien-Nase und frischem Teint", schuf er eine vorzügliche Zeichnung der Margate Kirche. Zwei und drei Jahre später wurden seine Zeichnungen im Schaufenster des seinem Vater gehörenden Ladens zum Verkauf ausgestellt, und die Bilder fanden regen Absatz. Einige Wochen nach Vollendung seines fünfzehnten Geburtstages erschien sein Name in dem Katalog der Königlichen Akademie als Maler einer „Ansicht des Erzbischöflichen Palastes, Lambeth".
Josua Reynolds war ein geschickter Künstler, lange bevor er die Geheimnisse des Schreibens und Rechnens ergründet hatte. Im Alter von acht Jahren zeichnete er das Schulhaus von Plympton, in dem sein Vater als Lehrer thätig war, und diese Zeichnung bildete lange den Gesprächsstoff in Tevonshire. Lange bevor er die Zwanzig erreicht hatte, war er gls vollendeter Künstler anerkannt.
David Wilkie war nebenbei frühreif; denn nach seiner eigenen Aussage konnte er ,/früher zeichnen, als lesen, früher malen, als buchstabieren". Als Jüngling von achtzehn Jahren schuf er zwei ausgezeichnete Gemälde „Ceres auf der Suche nach Proserpina" und „Diana und Calisto" und gewann eine Prämie von 10 Guineen bei der Trustees Academy.
W. C. Roß erhielt im Mter von dreizehn Jahren einen Preis bei der Society of Arts für eine gute Skizze „Wat Tylers Tod", und im nächsten Jahre erzielte sein „Urteil Salomonis" die Silbermedaille der Gesellschaft und einen Preis von 20 Pfund.
Charles Barry, der ausgezeichnete Architekt und Schöpfer des Neuen Westminster-Palastes, war erst fünfzehn Jahre alt, als seine „Ansicht des Innern der Westminster-Hall" die Wände der Akademie schmückte. Zu dieser Zeit war er Lehrling einer Architektur-Firma in Lambeth. Bemerkenswert ist, daß, Westminster, sein Geburtsort, ihm seinen ersten künstlerischen Erfolg und eine Generation später seinen größten Triumph brachte.
Von den späteren englischen Künstlern hat keiner so früh begonnen, wie John E. Millais, der im Alter von neun Jahren der hervorragendste Schüler der Saßschen Akademie war. Als kleiner Knabe von elf Jahren gewann er einige Studienpreise, und als er siebzehn Jahre alt war, würde sein erstes Gemälde in der Akademie ausgestellt, das allgemeine Aufmerksamkeit und Bewunderung erregte.
Marcus Stone erstürmte die Festungen der Akademie im Alter won kaum achtzehn Jahren, obgleich, er nie eine Kunstschule besucht hatte, und von da an fehlte er bei keiner Ausstellung. Seinen ersten großen Erfolg errang er fünf Jahre später mit seinem Gemälde „Von Waterloo nach Paris".
F. Goodall stellte im Alter von sechszehn Jahren sein erstes Gemälde „The Card Players" (Die Kartenspieler) in den Räumen der Akademie aus, und ein Jahr früher hatte er die „Isis" und die große Silbermedaille der Society of Arts gewonnen. Aber das bemerkenswerteste Beispiel frühen künstlerischen Erfolges ist wohl das von Henri Edouard Cortes, der seinen Weg tu den Pariser Salon im Alter von zwölf Jahren fand.
Eine Tischplatte.
Bon Fred Hood.
(Nachdruck verboten.)
Wenn ich eine Tischplatte zum Gegenstand eines besonderen kleinen Feuilletons mache, so können die Leser mit
Recht beanspruchen, daß, dies nicht die Platte eines ganz gewöhnlichen Eß-, Schreib-, Näh-, Kneip-, Zeichen, Spiel-, Anrichte- oder Ladentisches sei, sondern daß diese Tischplatte als hervorragendes Kunstwerk oder historische Merkwürdigkeit unsere Aufmerksamkeit verdient. Und so ist es auch.
Die Tischplatte, von der ich, spreche, befindet sich im Louvre in Paris, und ist in sehr mannigfacher Hinsicht merkwürdig; sie ist etwa vier Quadratmeter groß und vollständig mit Darstellungen aus der Geschichte des David und der Bathseba farbenprächtig bemalt; es sind viele Hunderte von Figuren in reichen kostbaren Gewändern, und alle sind mit einer außerordentlichen Liebe bis ins kleinste Detail durchgeführt.
Diese kostbare Tischplatte wurde im Jahre 1534 von dem Maler und Kupferstecher Hans Sebald Beham (geb. um 1500 in Nürnberg) für den Erzbischof Albrecht von Mainz angefertigt, und gilt als eine wahre Chronik der Trachten- un'd Sittenkunde der Frührenaissance. Mancher wird sich fragen, was hat die Geschichte Davids mit der Frührenaissance zu thun? Wer aber mit der Thatsache vertraut ist, daß viele Maler des Mittelalters ihre biblischen Gemälde im Charakter ihrer Zeit schufen, ohne sich über diesen Anachronismus irgend welche Skrupel zu bereiten, wird sofort erkennen, daß die Trachten des Königs, seiner Vasallen, der Heerscharen und der schönen Frauen durchaus historisch, sind; nur gehören sie nicht einer biblischen Zeit, sondern der Zeit Behams an. Dasselbe gilt von der ganzen Darstellung der Sitten und Gebräuche, der vorzüglich gemalten Architektur' und allem schmückenden Beiwerk des interessanten Gemäldes, das in vier reichumrahmte Gruppen zerfällt. Wir besitzen in dieser Tischplatte ein wahres Dokument für die Sitten- und Trachtenkunde jener Zeit, das aber nicht nur belehrend, sondern auch erheiternd auf den Beschauer wirkt.
Nun wäre es aber höchst thöricht, diese Darstellung als eine naive zu bezeichnen. Im Gegenteil: der Künstler war ein großer Schelm, er gab seiner würdigen Aufgabe in guter Absicht eine durchaus humoristische Lösung. Vor allen Dingen vergaß er nicht seinen Auftraggeber, den Erzbischof Albrecht von Mainz, sowie sich selbst auf das Bild zu bringen, und damit man beide Gestalten, obwohl sie sehr deutlich aus der Volksmenge hervortreten, nur ja nicht übersähe, schattete er Jnschrifttafeln in das Bild ein, welche speziell auf diese Figuren Hinweisen. Das köstlichste aber ist, daß Beham sich über seine eigenen Darstellungen lustig macht, indem er neben das Erhabene, das Rein-Menschliche, das Profane, das Lächerliche setzt. Wir sehen David mit seinen Reiierscharen in prächtigem Wams durch die Thore von Jerusalem einziehen, und dicht daneben an der Mauer hocken zwei Männchen, welche das Wort „Naturalia non sunt turpia" gut illustrieren können. — König David sieht vom Fenster seines Palastes aus Bathseba mit ihren Frauen im Bade; das heißt er sieht sehr behaglich in das Bassin hinein, das man scheinbar direkt vor seinem Palast angelegt hat. Es ist von einer niederen Holzbarriere umgeben, und angesehene Fürsten, Zeitgenossen des Künstlers, in ihrer kostbaren Tracht sitzen auf dieser Barriere und schauen mit erklärlichem Interesse den badenden Frauen zu. Auf dem grünen Rasen, der das Bassin umgiebt, sehen wir einen Hirsch und ein paar Kaninchen, über deren allegorische Bedeutung wohl niemand im Zweifel ist. Endlich ist da noch der Narr des Königs, welcher sich über die Frauen lustig macht, und dessen sonderbare Haltung durchaus nicht auf eine besondere Ehrfurcht vor Damen schließen läßt.
Obgleich andere Szenen aus der Geschichte Davids und der Bathseba ganz würdig behandelt sind, kommt man beinahe zu der Vermutung, daß Beham sich auch über den König ein wenig lustig machen wollte; das ist ihm schon zuzutrauen. Er war ein sehr aufrührerischer Geist, huldigte nicht den Autoritäten und wurde nebst feinem Bruder Barthel Beham, einem nicht minder berühmten Maler und Kupferstecher, wegen Verbreitung deistischer und sozialistischer Ideen aus Nürnberg verbannt; er hielt sich dann in München auf, später in Frankfurt a. M., wo er am 22. November 1550 starb.
Diese Tischplatte, welche zu den besten seiner Arbeiten gehört, die uns erhalten blieben, ist in der That ein


