Ausgabe 
21.2.1901
 
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Vertraulichkeit trat mehr und mehr eine immer offener zutage tretende Spannung. Seine geschwächte Gesundheit nötigte Voß 1802, sein Amt niederzulegen, eine ihm von dem Prinzen von Holstein-Gottorp ausgesetzte Pension von 600 Thalern setzte ihn in den Stand, sich für den Rest seines Lebens ganz den Musen zu weihen, er siedelte nach Jena über, ivo er mehrere Jahre ein freundliches Haus mit Garten in der Bachgasse bewohnte.

Als häufig und freudig bewillkommneter Gast stellte sich hier des 'öftern Goethe ein, der ein großer Verehrer und Freund des Verfassers derLuise", ihn gern dauernd an sich gefesselt und nach Weimar gezogen hätte. Voß zog es aber vor, einer Einladung des Großherzogs von Baden, der ihm einen Ehrensold verliehen hatte, nach Heidelberg (1805) zu folgen, wo er als Professor und Schrift­steller noch länger als 20 Jahre in eifriger Thatrgkert hinbrachte. Er starb am 29. März 1826.

Von Charakter unbeugsam und eigenwillig, schuf er sich mancherlei Feinde, aber ebensoviele warme Freunde und Anhänger. Seine reizende IdylleLuise" bietet trotz der Anspruchslosigkeit der darin geschilderten Situationen auch jetzt noch eine erquickende friedliche Lektüre, wenn sie sich auch mitHermann und Dorothea" nicht messen kann, da ihr alles fehlt, was eben Goethes schönes Gedicht zu einem hervorragenden Kunstwerk und einem Lieblingsstück des deut­schen Volkes erhebt: Der große historische Hintergrund und die tiefere Lebensanschauung. Anregend und befruchtend hat er aber sicherlich auf Goethe eingewirkt, Meister des antiken Verses, verschaffte er den fremden Versmaßen in der deutschen Sprache das Bürgerrecht, und wenn auch seine gereimten Lieder und Gedichte zum Teil sogar über das Niveau der Mittelmäßigkeit nicht hinausragen, so bleiben doch einige seiner kleineren Idyllen, in erster RecheDer siebzigste Geburtstag" undPhilemon und Baucis", für alle Zeiten Perlen der deutschen Dichtung, gleich schön im Vor­trag als herz- und gemüterquickend.

Kein Geringer als Goethe hat in seiner objektiven, mild­ruhigen, sympathischen Art die Oden, Elegien und Lieder des Dichters recensiert und die Eigenart und Schönheit derselben gewürdigt. Und eines Goethe Ansicht hat doch wohl auch einigen Wert. Auch Schiller war sehr für chn eingenommen, und nur eine einseitige, von Parteihaß und Eigendünkel diktierte Feder kann ihm die Anerkennung ver­sagen, die sein redliches Streben, seine Ueberzeugungstreue, seine metrische Gewandtheit, seine Uebersetzungskunst, fern idealer Sinn und seine freie Gesinnung verdienen.

Als Uebersetzer stellt man ihn noch höher, denn als Dichter, preist seine formale Fertigkeit, seine kräftige Sprache, seine prächtige Diktion. SeinHomer" war eine litte» rarische That, seine im Verein mit seinen Söhnen Heinrich und Abraham unternommene Uebersetzung Shakespeares wird der von Schlegel und Tieck zwar nachgestellt, über­trifft sie aber sicherlich an urwüchfiger Kraft und Hervo- kehrung mancher glänzenden Eigentümlichkeit. Auch um die Altertumswissenschaft erwarb er sich erhebliche Verdienste; er stellte erfolgreiche Untersuchungen über Quellen, Zeiten und Momente der ältesten Geographie an und gab wichtige Aufschlüsse über Verkehr und Produktionen in den alten Staaten.

Als sein früherer Freund Graf Fr. von Stolberg zur katholischen Kirche übertrat, griff ihn Voß in seiner Schorst: Wie ward Fritz Stolberg ein Unfreier" aufs heftigste an und entfachte dadurch einen harten geistigen Kampf, der ge­waltiges Aufsehen erregte. Ebenso scharf führte er ur seinen Mythologischen Briefen" und seinerAntrsymbolrk die Feder gegen Heyne und Creutzer, indem er für den natio­nalen und selbständigen Ursprung der griechischen Mytho­logie eintritt und eine streng historische und kritische Be­handlung der Mythologie verlangte.

Die dankbare Nachwelt hat ihm auf der Stätte seiner Hauptwirksamkeit, vor dem Eutiner Gymnasium, ein würdiges Denkmal errichtet: am 6. Juli 1883 fand die Enthüllung desselben in feierlicher Weise statt. Vor allem der Jugend ist sein Name auch jetzt noch geläufig; denn seine gemütvolle, mit kunstvoll-realistischer Kleinmalerei ausge­stattete Idylle:Der siebzigste Geburtstag":

,Auf die Postille gebückt, zur Seite des wärmenden Ofens Saß der redliche Tamm in den Lehnstuhl, welcher mit

Schnitzwerk

Und braunnarbigem Jucht voll schwellender" Haare, geziert war" usw.

befindet sich noch heute in jedem Lesebuche, und auch sein Lied:

Seht den Himmel wie heiter, Lauter Blumen und Kräuter" usw.

wird noch vielfach gesungen.

Genrernnütziges.

«Damast- und Atlasstoffe zu waschen. Man bestreicht die Stoffe mit venetianischer Seife, wäscht sre sehr sorgsam in lauem Regenwasser, spült in kaltem Wasser nach und trocknet sie im Zimmer. Alsdann bereitet man folgende Appretur: 10 Gramm Gummitragant wird in 200 Gramm klarem Brunnenwasser aufgelöst, 150 Gramm Wein­essig hinzugefügt und die Mischung durchgeseiht; nun legt man den Stoff hinein und drückt ihn vorsichtig darin durch, so daß e>r gleichmäßig naß wird, ringt ihn dann leicht aus und streicht ihn mittelst einer ganz sauberen Bürste auf ein mit Leinwand bedecktes Brett glatt, mit dem man ihn möglichst so aufstellt, daß der Stoff schnell trocknet; doch

Gesundheitspflege.

Bei welchen Krankheiten darf man rauch en? Diese Frage beantwortet Jankau folgendermaßen: In erster Linie ist das Rauchen bei den meisten chirurgischen Krank­heiten erlaubt, mit Ausnahme von dem Rekonvaleszenten­zustande nach Blasen- oder Bauchopeüationen. Augen-, Nasen-, Hals- und Rachenkranke sollten niemals rauchen. Innere Krankheiten, welche das Rauchen ausschließen, sind: Peritonitis, Typhus und ähnliche. Bei Magenaffektwnen kann das Rauchen gestattet werden, wenn der Rauch filtriert wird. Bei Lungenkrankheiten hält der Autor das Rauchen unter Umständen für angezeigt. Bei Nervenkrankheiten laßt sich dieHandhabung" des Rauchens nicht allgemein fest­stellen; plötzliches Entziehen schadet sehr oft, während bei Herzneurosen andererseits nur sehr leichter Tabak unter Fil­tration des Rauches benutzt werden darf. In Kranken­zimmern zu rauchen, ist unzulässig. Die beste Zeit für das Rauchen ist mehrere Stunden nach der Mahlzeit.

Prakt. Wegweiser", Würzburg.

Lttterarisches.

Gewerbeordnung für Vas Deutsche Reich. Textausgabe mit Sachregister. In Origivalleinenband 1 Mark 2u Psg. Der lag von I. I. W-ber in Leipzig.

Die ursprüngliche Fassung der deutschen Gewerbeordnung vom 21. Juni 1869 hat durch eine qanze Reihe von Novellen sowie mit dem Inkrafttreten des Bürgerlichen Gesetzbuchs und des neuen Hand.lsgesetz- buchs am 1. Januar 1900 so zahlreiche Abänderungen erfahren, daß alle Ausgaben älteren Datums ihren praktischen Werl völlig verloren baben. Die vorliegende Textausgabe, die soeben erschienen ist, wird deshalb Arbeitnehmern wie Arbeitgebern in Gewerbe und Industrie ebenso rote den Organen der Gemeinde-. Orts- und Polizeibehörden cm willkommenes Nachschlagebuch sein, dessen Register das gerade in der Geweibeordmwg nicht ganz mühelose Ausfinden der einschlägigen Bestimmungen sehr erleichtert. __________________

Zahlenrätsel.

Nachdruck verboten.

123456578 Land in Amerika.

2 3 17 Vogel.

3 4 5 7 8 Teil der Erde.

4 5 7 1 7 8 Zahlwort.

5 2 7 8 7 weiblicher Vorname.

6 5 6 5 7 Blume.

5 8 4 7 6 geographische Bezeichnung.

7 4 7 6 Haustier.

8 5 7 2 7 innerer Körperteil.

Auflösung folgt in nächster Nummer.

Auflösung des Kapselräisels in voriger^Nummer: Allzuscharf macht schartig.

Redaktion: «..Burkhardt. - Druck und Verlag der BrühlftÄen UniversttStS-Buch. und Steindruckerei (Pietsch Erden) i« Sieh«.