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mit schnellen
und refft das das Vormars-
die Kajütskapp. . .
Weshalb?" versetzte der Steuermann, indem er unwillkürlich einen Schritt zurücktrat und die Arme erhob.
„Gehen Sie hinunter!" schrie Richard. . j
Der Steuermann zauderte. Im Augenblick hatte mem Mann ihn mit beiden Händen am Rockkragen gepackt und drückte ihm mit den Daumenknöcheln den Hals zusammen.
So schleppte er ihn das Deck entlang der Kajütskapp zu. Bei diesem Anblick brach ich fast zusammen, weck ich fürchtete, daß noch Schlimmeres darauf folgen konnte, ^ch zitterte, daß die Leute sich auf meinen Mann stürzen würden, und da stand ich, ein schwaches Werb und halb ohnmächtig vor Aufregung, bereit, mich zwischen ihn und den ersten herankommenden Matrosen zu werfen. Die Leute ließen die Taue fallen und versammelten sich, alle an Steuerbord, um besser sehen zu können. Einen Versuch, den Steuermann zu befreien, machten sie nicht.
Mein Mann schleppte den Elenden hinter sich ber wie einen leeren Sack. Von Widerstand konnte kerne Rede sein. Wenn Herr Heron ein Riese gewesen wäre, wurde ihn doch der eigentümliche Griff, mit dem Richard ihn gepackt hatte, wehrlos gemacht haben. Ich konnte einen Schrei wicht unterdrücken, als ich sah, daß Herons Gesicht dunkelrot gefärbt war und ihm die Augen aus dem Kopf hervorquollen.
Da hatte ihn Richard auch schon an der Kajütskapp, drehte ihn herum und schob ihn die Treppe hinunter. zz
Nun, Jungens, laßt uns das Marssegel aufgewn , ries "der Zimmermann, als ob er sagen wollte: „Der Spaß ist vorbei, also wieder an die Arbeit."
Die Leute fingen wieder an, auszusingen, und sobald das Segel aufgegeit war, stiegen wieder wie vorher alle Mann, mit Ausnahme von Herrn Short, nach oben.
In diesem Augenblick kam mein Mann wieder an Deck. Der Rand des finsteren Schattens im Nordwesten erstreckte sich bereits über unsere Mastspitzen, die Sonne war ver- chwunden, und es wurde immer finsterer ^ch konnte kaum noch Richards Gesicht erkennen. Er blickte auf die Vor. marsraa mit der Mannschaft darauf und dann auf das Wetter. Jetzt stiegen die Leute die Fockwanten hmab. Es war schon so dunkel geworden, daß man ihre Gestalten kaum noch erkennen konnte.
Plötzlich zuckte mitten aus der Finsternis em scharfer Blitzstrahl über die See und beleuchtete das Fwmament 61S einige Grade diesseits des Zeniths. Ich horchte gespannt, konnte aber nicht die leiseste Spur von Donner vernehmen.
i Totenstille lag über der See. Die Schwankungen de„ Schiffes waren zu schwach, um das schwer herabhangende Tuch des Großmarssegels zu bewegen. Auch rn der Takelage wa? alles still bis auf das gelegentliche Klirren emer Kette oder das Quieken emer Scheibe, wenn sich das diwch den Mock geschorene Tau plötzlich straff anspannte. Die Luft war dick und schwer, sodaß man sie nur mit Muhe einatmen konnte. W und zu bemerkte man auf der dunkeln Dünung einen schwachen, phosphorartig leuchtenden Glanz, der die blassen Blitze nachzuahmen schien, die dort wo der Sturm brauste, aufleuchteten. Wenn: die Ba^
I langsam und sanft ihre Seiten ins Wasser tauchte, stiegen Strahlen und allerlei Figuren von grünlichem steuer aus
I dem schwarzen, gurgelnden Wasser empor, als ob ringsumher I Feuergeister in dem nassen Element ihr Wesen trieben. I " „Vorwärts, Leute, an die Refftahen. Schnell, damit ihr herunter seid, ehe der Wind kommt!" rwf Richard mit
! laut schallender Stimme. . .
Ein schwerer Regentropfen frei mrr mS Gesicht, I machte eine Bewegung nach der Kajütskapp, hielt aber I inne. Ich fürchtete die Hitze in der Kajüte und wollte I auch den Sturm losbrechen sehen und mit eigenen Augen | beobachten, was daraus würde. Richard beachtete mich nicht, hatte auch wohl den Kopf zu voll, um an mich zu denken.
I Nur wenige Regentropfen fielen. In dem vo» | Oberlicht ausströmenden Schein bemerkte ich ihre Spuren
atl Da^ als ich querab auf die See blickte, — in der Stille war die Bark mit der Breitseite zur Dünung herumgeschwast und lag nun Südwest an — sah ich den Sturm kommen. Dichte Finsternis umhüllte uns jetzt. Es war, als sahen totr in einem Kellergewölbe. Eine seltsame Erscheinung zeigte sich dort am Himmel, von wo der Sturm heranjagte und kündigte ihn an. Die Wolken schienen sich wie em Vor- !-Hang geteilt zu haben, und ließen eine schmale schar, I begrenzte, bogenförmige Oeffnung hervortreten. Ununter brachen beleuchteten blasse Flächenblitze dieses Thor, ohne die gewichtigen Wolkenmassen auf beiden Seiten zu durch dringen. Einen schauerlichen Eindruck machte der unter dieser Oeffnung liegende Teil der Meeresoberfläche, der in qefpenstischem Scheine erglänzte, ähnlich wie das Ltch eines Lampions aus geöltem Papier. Es sah aus, als ob de^
I Orkan durch jene Oeffnung m den Wolken hmdurchrapc I und die See darunter aufwühlte.
I „Herunter von der Raa, Leute! Es gilt das Leben. I donnerte mein Mann. „Laßt das Segel fliegen.
Schon lange, ehe uns der Orkan erreichte, hörte rck, | das Donnern des Windes und das Zischen der nredergr preßten See, als ob der ganze Ozean kochte. Es war emer sener Augenblicke, die von niemandem, der sie emmm erlebt hat, jemals wieder vergessen werden können: iw Südwesten schwarze Finsternis tote em Meer von flüssigem Pech, in welchem unsere Masten schon emige Fuß ube, Deck verschwanden, und tiefe Totenstille und Grabesruh ^ sodaß selbst das pendelartige Auf- und Niedersteigen de Dünung aufgehört zu haben schien, als ob vor dem heran brausenden Sturm auf Meilen voraus alles Leben m
I Tiefe erstorben wäre; im Nordwesten die blassen VUpe,
zumachen. Inzwischen breitete sich die Finsternis im Nord- I westen immer mehr aus, und die Sonne erschien wie ein großer Blutflecken am Himmel. Sw stand nur noch ein paar Grad über dem Horizont, und fah tote eine formlose Masse von flüssigem Feuer aus, das durch einen Riß im Himmelsgewölbe herauszutropfen schien. Dw Bewegung der See war so träge, als ob das Meer aus Oel bestünde, und ein merkwürdig starker Geruch erfüllte die Luft, ähnlich wie man ihn am Seestrande bei Niedrigwasser infolge von Seetang und anderen Auswursen des Meeres findet. Es blitzte nicht mehr, aber die zunehmende Dunkecheit — es war noch nicht die herembrechende Nacht, sondern nur der Schatten der finsteren Wolken - deutete darauf hin, daß ein furchtbar schweres Unwetter uns unmittelbar bevorstand.
Mein Mann rief dem Steuermann zu: „Eine Wache genügt, um das Vormarssegel festzumachen. Lassen Sw die Steuerbordwache nach achtern kommen, und das Großmarssegel dicht reffen, so lange wir noch keinen Wind haben. Sagen Sie den Leuten, sie sollten sich beeilen, sonst haben wir die Bescherung hier, ehe sie noch von der Raa herunter sind." „
Der Steuermann wiederholte den Befehl fast wörtlich. Die Leute hielten in ihrem Gesang inne, und erne Stimme — ich weiß nicht wessen — rief aus: „Wir brauchen beide Wachen zu jedem Marssegel, und wenn noch mehr Freiwächter da wären, könnte es auch nichts schaden.
„Wer war das?" rief Richard, und ging r* , Schritten bis an den Großmast.
Keine Antwort.
„Nach achtern hier die Steuerbordwache, Großmarssegel dicht!" schrie mein Mann.
Niemand rührte sich. Zuerst hatten sie
seael aufgegeit: jetzt standen sie, die Taue m den Händen | und blickten müßig achteraus, während die Leute un Vormars grinsend her ab schauten.
Herr Heron", schrie Richard, dunkelrot vor Wut, „hier haben wir wieder Meuterei und zwar angesichts eines Sturmes, der uns entmasten und vernichten kann. Helfen Sie mir. Was starren Sie mich an? Folgen Sw nur und reicwn Sie der Steuerbordwache den Weg nach achtern.
„Ich kann dabei nichts thun", erklärte der Steuermann, ohne" sich von der Stelle zu rühren.
V Nicht?" schrie Richard und ballte die. Fauste. „Sw versuchen es ja überhaupt nicht! Sie sind ebenso trage, meuterisch und nichtswürdig, tote dw ganze Bande. Wollen Sie mich unterstützen oder nicht?"
Die Leute können das doch selber am besten beurteilen", erwiderte der Steuermann mit lauter Stimme, damit es alle Mann hören sollten. „Sie behaupten, mit einer Wache das Marssegel nicht festmachen zu können und werden ihre eigenen Kräfte doch wohl kennen.
Mit einem Sprunge stand mein Mann vor ihm.
„Gehen Sie in Ihre Kammer!" rief er und zeigte aus


