Ausgabe 
20.10.1901
 
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Braus, bis er plötzlich nüchtern geworden war.; Ter Tod hatte eingegriffen und in kurzer Zeit drei kräftige Männer aus dem übermütigen Kreise herausgerissen. Ta war's vorbei mit der alten Fröhlichkeit. Tie Angst vor dem Tode packte ihn; sie hatte ihn eigentlich nie ganz losgelassen, aber in dem tollen Treiben kam er nicht recht dazu, an den Tod zu denken. Ter Tod' mit seinen Schrecken war kein Thema für die lustige Gesellschaft, daran dachte man nur ungern. Nun aber hatte er gemahnt, gewarnt, und ob man wollte, oder nicht, der Gedanke an das Ende kam immer wieder und lieh hie alte Fröhlichkeit nicht mehr auf- vommen. Es war aus mit ihr, und die, die vordem so laut gewesen waren, wurden jetzt ganz stille. Sie gingen aus- Mnander, der eine hierhin, der andere dorthin; sie

mochten sicht nicht mehr sehen, weil dadurch die Erinnerung geweckt wurde.

Waltelang lebte nun ganz für sich. Er hatte das Leben, das hinter ihm lag, nötig gehabt, um seine Angst zu be­täuben; er Hütte es gerne fortgesetzt, wenn nicht das eine gewesen wäre: die Furcht, sein Leben zu verkürzen.

Nirgends ging er mehr hin, in kein Konzert, in kein Theater, in keine Gesellschaft, kaum, daß er noch hin und wieder einen Spaziergang machte. Je älter er wurde, desto mehr schloß er sich ab. Er dachte nur noch an zweierlei: Dienst thun und schlafen. Ihn trieb zum Dienst nicht die Pflicht, zum Schslaf nicht das Bedürfnis. Gr arbeitete, um die Angst einzuschläfern, er schlief, um alles zu vergessen.

Immer näher rückte das Alter. Waltelang hatte bereits das 60. Lebensjahr überschritten. Der Dienst wurde ihm schwer; er klagte nicht, er harrte aus. AengsUich achtete er auf seine Gesundheit, alles vermeidend, was nachteilig für sie sein konnte. Immer düsterer wurde sein Gemüt; zu der Angst vor dem Tode trat die Furcht vor zwangs­weiser Pensionierung. Der Ruhestand nahm ihm den Haupt­inhalt seines Lebens, mit ihm mußte er zusammenbrechen. Tas wußte er und davor fürchtete er sicht Im Dienst sterben

in der Tretmühle", tote seine Kollegen sagten das erschien ihm nur halb so schwer, als daheim langsam hin­zusiechen, Von niemand gepflegt, von keinem betrauert. Tiefer Gedanke hielt ihn aufrecht, gab ihm Kraft. Und nun wollte es nicht mehr gehen, nun war der gefürchtete Augenblick gekommen, früher als der Kranke gedacht hatte und anders.

Tag für Tag kam der Arzt, aber er war wenig zufrieden mit dem Patienten. Seilt Zustand verschlimmerte sicht Frei­tag mußte es sich entscheiden, 0b Tod oder Leben.

Hat Herr Waltelang noch Verwandte?" fragte der Doktor die Wirtin. Bestürzt sah ihn diese an.

Wir müssen uns auf das Schlimmste gefaßt machen; die Kräfte des Kranken nehmen ab; sein Zustand ist be­sorgniserregend."

Es war Freitag gegen Wend.

Waltelang lag im Fieber. Seine Phantasie beschäftigte sich wieder mit der Vergangenheit und quälte ihn.

Wer bist Tn?" rief er.Ich kenne Dich nicht; ich weiß nichts von Dir. Fort, fort!"

Tu kennst mich nicht?"

Ha, Tn bist es, Elise?" Was willst Du von mir ? Habe W nicht für Tich gesorgt, und auch für das Kind?"

Tie Gestalt trat näher auf ihn zu.

Fort", wimmerte er,ich habe nichts. Jene Zeit ist Msgelöscht. Tu weiht, daß sch gebüßt habe, gebüßt mit meinem Leben! Hörst Tu, mit meinem Leben!"

Ich liebe DW; ich will nur Liebe, mir Dein Herz, Ehregott! Gieb mir Tein Herz."

Ter Kranke schlug um sich und zog das Bett höher hinauf,

Geh weg! sage ich Dir!"

Tas schrie er so laut, daß die Wirtin hereingeststrzt kam, Mer sie bekam auf ihre Frage keine Antwort.

So" sagte er ruhiger,nun ist sie weg."

. Plötzlich wurde er wieder unruhiger:Tn! Du hast Dein Meld bekommen. Weshalb warst Tu so thöricht und wurdest zum Säufer? Tu hättest es benutzen sollen zur Erziehung des Kindes, Deines Kindes/'

Er lachte laut aus.

Geh' zu Deiner treuen Elise. Geh' Such' sie Dir; sie war eben hier. Geh' !" - i

Er richtete sich auf, sank aber alsbald wieder zurück in die Kissen.

Es wurde dunkel. Auf den Straßen brannten schon die Laternen, und durch die Fenster blinkte das Licht vieler Kerzen man feierte bett Geburtstag des Landesfürstew Trauhen lärmte die Straßenjugend' und sang patriotische Lieder.

Hier in dem stillen Zimmer lag ein Kranker, der keine Hoffnung mehr hatte, den die Angst vor dem Tode zu Dove hetzte.

Tas Fieber hatte nachgelassen. Der Kranke hörte den Gesang auf der Straße. Er wollte auch singen; das brachte ihn vielleicht auf andere Gedanken. Mit leiser Stimme begann er ein patriotisches Lied und dann einen Cho rast Er erschrak selbst vor seiner Stimme und wunderte sich!/ daß er den Text noch wußte. Seine Wirtin stand in der Thür und weinte. Er mußte doch wohl selbst fühlen, daß der Tod kam, hätte er sonst einen Choral gesungen? Tie vielen Jahre, die er bei ihr wohnte, hatte sie das nicht ein einziges Mal von ihm gehört.

Tie Nacht brach herein. Die Lichter erloschen, nur die Laternen brannten wie immer still und stetig.' Im Park raschelte das Laub, und die kahlen Zweige seufzten, daß es Herbst getoiorden war.Herbst . . . Ich sehe den Frühling nicht mehr . . ." Ein Seufzer, Christian Ehregott Waltelang war tos.

Gemeinnützrses.

Zur Aufbewahrung des Tafelobstes,, das hauptsächlich- für den Winter bestimmt ist, wähle man kühle, trockene Räume, die höchstens 37 Grad Wärme haben." Je kühler das Winterobst liegt, desto besser hält es sich. Es wird allerdings vielfach der Fehler gemacht, das Obst zeitig zu ernten, meistens zu früh. So lange nicht starke Fröste dasselbe schädigen, ist das Verbleiben am Saunt: der Einlagerung vorzuziehen. Tann vermeide man luftige, zügige Räume, die ebenso, das Welken des Obstes be- günstigen, wie die frühe Ernte. Tas Einpacken der Früchte in Kisten mit Holzwolle ist nur dann zu empfehlen, trenn: dieselbe vollständig geruchlos ist. Besser eignet sich! ge­waschener und gut getrockneter Torfmull oder feiner ©anb.; Durch einen derartigen Luftabschluß wird das Welken ver­hindert und die Früchte halten sicht vorausgesetzt, daß es Winterobst ist, sehr lange. Es darf auch nur tadelloses Obst ohne Beschädigungen eingelegt werden.

Praktischer Wegweiser", Würzburg.,

Schachaufgabe, Von I. Jespersen in Svendborg.

Nachdruck verboten.

Selbstmatt in 2 Zügen. (Auflösung in nächster Nummer.)

(10 + 14)

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Weitz.

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Auflösung des Füllrätsels in vor, Nr,l WARUM MEDOC RISPE WEBER

Redaktion; E. Burkhardt. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Univerfltäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen,