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Sieger über sich werden zu lassen, aber auszulöschen vermochte sie es nicht, das vielmehr als ein ruhiges/ ewiges, nie erlöschendes Feuer in ihrem Herzen brannte, und ihrem ganzen Wesen jenen stillen Glanz, jene innerliche Schönheit verlieh, die jeden, der mit ihr in Berührung trat, bezauberte.
Sie hatte gehofft, Eitel Fritz würde in seiner Ehe glücklich werden oder doch jene Befriedigung finden, welche man herkömmlich als das Glück zu bezeichnen Pflegt. Und jetzt sah sie, was sie schon längst geahnt, daß er nicht nur nicht glücklich geworden war, sondern daß sogar das Unglück, die bitterste Enttäuschung, die einen Mann treffen kann, sein Herz bedrohte. Und anstatt einen gewissen Triumph zu verspüren für diese Folgen der gebrochenen! Treue, empfand sie nur inniges Mitleid mit ihin.
„Darf ich Ihnen noch ein Glas Wein einschenken, Herr von Petershagen?" fragte, sie, um endlich diese peinliche Stille zu unterbrechen. Wer ihre Stimme erbebte leicht, und eine feine Röte verbreitete sich langsam über ihr Antlitz, als er sie so ernst, so traurig anblickte.
In dieser Minute lasen sie beide in der Seele des andern, — in dieser Minute wußten sie, daß einer des anderen Gedanken erraten, und erkannten sie, daß trotz allem, was zwischen ihnen lag, sie auf ewig durch ein geheimnisvolles Band mit einander verknüpft'waren.
„Ich danke", entgegnete er, und seine Stimme klang rauh' und heiser. „Es wird Zeit, daß ich! aufbreche. . und er erhob sich
„Leben Sie wohl. . ." ec reichte Else die Hand, in die sie schweigend die ihre legte. Sie durften sich nicht Wiedersehen, das ward ihnen beiden klar in diesem Augenblicke des Abschieds.
Ter Frieden dieses Hauses, der Friede» ihres Herzens sollte nicht entweiht werden — das schwor er sich zu.
Schweigend nahmen sie Abschied. Langsam schritt er dem Hofthor zu, während Breymann sein Pferd herbeiholte.
Von: Pferde herab reichte Eitel Fritz dem alten Mann die Hand.
„Leben Sie wohl, lieber Herr Breymann — wenn eine längere Zeit vergeht, bevor wir uns Wiedersehen — verzeihen Sie — es gießt jetzt viel zu ihn», und ich habe die feste Wsicht, mich einzuarbeiten, damit ich — demnächst — ohne — Inspektor fertig werde» kann. . ."
„So ist es recht, Herr von Petershagen — und Gott mit Ihnen..."
Er trabte davon, ohne noch einen Blick nach der Veranda zurückzuwerfen.
XVII.
Der Winter war angebrochen, und Irma begann sich nach Wwechselung zu sehnen. Die.langen Spazierritte in Wald und Feld mit Herrn Wedemeyer, die heimlichen Plauderstunden mit ihrem Verehrer, die ehrerbietigen Huldigungen, die ihr Arthur Wedemeyer zu Füßen legte, das wurde ihr nachgerade langweilig; sie empfand ja keine Leidenschaft für ihren Verehrer, den sie nur als ein zeitvertreibendes Spielzeug angesehen hatte. Ta Irma ihren Gatten jedoch nicht dazu bewegen konnte, nach Berlin überzusiedeln, so verlangte sie wenigstens in dem alten Schlosse von Petershagen glänzende Geselligkeit und rauschende Feste, und wenn Eitel Fritz auch nicht i» der Stimmung war, an solchen Festen Gefallen zu finden, so sah er doch ein, daß er nicht wie ein Einsiedler leben konnte, und daß er gewissen gesellschaftlichen Pflichten seine» Nachbaren gegenüber Nachkommen mußte.
So ergingen denn die Einladungen zu einer Ball- sestlichkeit; den» Irma bestand darauf, daß getanzt werden sollte.
„Ich bin wirklich nicht im stände, Dir einen Vortänzer zu stellen", sagte Eitel Fritz aus ihre Frage, wer dieses wichtige Amt übernehme» solle. „Ich kenne keinen der jüngeren Herren der Nachbarschaft genau genug, um ihm Mit dieser Bitte nahe treten zu können."
„Nun gut", entgegnete Irma lachend, „so werde ich Mch dafür sorgen, ich werde Herrn Wedemeyer bitten. .
Er sah sie betroffen an.
„Bist Du auch sicher, daß Du mit dieser Wahl andere Herren der Gesellschaft nicht verletzst?"
„Ah bah, Herr Wedemeyer ist ein anständiger Mensch •— wenn er nicht Unglück gehabt hätte, wäre er jetzt Rittmeister."
Eitel Fritz wandte sich! achselzuckend ab.
„Ich! überlasse Dir alles", sagte er ruhig. Und entfernte sich ... .
Am Tage des Festes trafen die eingeladenen Gäste fast vollzählig ein, Nur wenige Familien — darunter; Graf und Gräfin' Zehren — hatten abgesagt. Man war doch neugierig geworden, und wollte sehen, wie sich die Baronin, von der so seltsame Gerüchte umgingen, in dem eigenen Hause eingerichtet hatte.
Auch! Arno von Sannvw mit seiner reizenden Gattin war natürlich; erschienen, und Ruschg unterstützte Irma in den Pflichten der Wirtin.
(Fortsetzung folgt.)
Herbst.
Von R. Leppin.
(Nachdruck verboten.)
Herbst! Ein trüber, grauer Himmel. Es regnet ein-f tönig, ununterbrochen. Der Siurm jagt durch die Straßen und schüttelt die Bäume, und das matte welke Laub fällt zur Erde. Dort bleibt es liegen, im Schmutz, im Schlamm, Tie halten es fest; sie sind stärker als der Sturm. Der jagt ungebärdig weiter; immer gewaltiger tobt er, gleicht, sam, als wüte er, weil das leichte Laub ihm widersteht; er rüttelt an den Fensterläden und fährt in die Schornsteine, und heult da drinnen bis in die Defen hin ein/ und ängstlich fitzen die Kinder beisammen in der Stube und flüstern. Es klingt so geheimnisvoll, so schaurig/ und wirkt auf die.Kinderseele wie alte Gespenstergeschichten/
In seinem . Zimmer am Fenster steht der Magistrats-, felretär Christian Ehregott Waltelang, und blickt hinaus! in die tobende Natur.
Klatschend schlägt der Regen gegen die Scheiben, und läuft langsam an ihnen herunter; die alten, grauen Wetterrouleaux werden vom Sturm hin- und hergeschüttelt/ und ihre Holzstangen klappern gegen das Mauerwerk. Dazwischen fällt ab und zu ein einzelner Tropfen auf den Breiten, blechbeschlagenen Fenstersims, und jedesmal zuckt der Beschauer zusammen. „Als wenn eine Hand voll Erdei auf den Sarg füllt, dumpf, beängstigend", murmelt er.
Tann geht er an das andere Fenster, gleichsam, um die schweren Gedanken abzuschütteln, und blickt hinüber aus den Park, der ihm gegenüber an der anderen Seite der Straße liegt.
Tie Erlen und Rüstern, die Buchen und Birken zittern/ Blatt aus Blatt sinkt hernieder auf die aufgeweichten Steige, auf den Rasen und in den Epheu, der am Boden entlangkriecht
Nur die kleinen Akazienblätter halten Stand. TaH Starke fällt, das Schwächliche lebt weiter.
„Wieder ein Herbst. Nun kommt der Winter, und daun ist es ganz öde. Kahle Bäume und strohumhülltei Sträucher; aber die Hülle nützt nichts. Der Frost findet doch! feinen Weg, und wenn der Frühling kommt, bann wacht manch einer nicht mehr mit auf. Wer weih. . . .,
Morgen ist's wohl wieder hell und trocken, und nur der Wind bläst noch!. Tann kommt der Gärtner und harkt al! das welke Laub zusammen, und die hübschen, bunten Blätter, die noch gar nicht ans Sterben dachten, kommen dann in ein gemeinschaftliches, großes Grab. Gänse und Enten wackeln bann durch den Park, und schnattern so vergnügt, als ob sie ewig zu leben hätten, und hoch ist das Messer schpn gewetzt, das ihrem Dasein ein Ende machen soll. So war es all die Jahre. Die Bäume sind größer geworden, manch einer ist gefallen; der Gärtner ist ge-, storben; jetzt waltet sein Sohn dort drüben. Wie lange wird es bauern, dann . ...
Weshalb werde ich alt?! Weshalb folgt dem Frühling ein Sommer, dem Sommer ein Herbst und Winter? Könnt' es nicht immer Frühling fein?"
Ihn fröstelt. Weg mit bett Gedanken. Sterben! Wer wird ans Sterben denken!
Er tritt vom Fenster zurück, und geht weiter in daN Zimmer hinein. Ihm ist so beklommen zu Mute. Es ist dämmrig geworden, gespenstische Schatten lagern an den Wänden und in den Ecken; es ist so schrecklich still im Zimmer, und im ganzen Hause. Nichts rührt sich-, nur der Wurm nagt leise weiter in den alten Möbeln.
Waltelang steht stumm am Tisch und horcht auf ein; Geräusch, auf einen Laut von draußen, die diese W.


