Sonntag den 20. Oktober
1901. — Nr. 150.
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^Aäg' an, es fällt von deinem Haupte
2$ Kein Haar, von welchem Gott nicht weiß —
®=^ Und was der Tag uns Größ'res raubte,
Das fiele nicht auf sein Geheiß?
Trag es, wenn seinen Schnee der Winter
In unser Hoffen nicderstiebt;
Gin ganzer Frühling lacht dahinter:
Gott züchtigt immer, wen er liebt.
Laß in dem Leid, das er beschicken, Den Keim uns künft'gen Glückes schau'«; Dann kommt der Tag, wo Frend' nnd Frieden
In nnserm Herzen Hütten bau'«.
Theodor Fontane.
(Nachdruck verboten.)
Der Erbe von Petershagen.
Roman von O.. Elster.
(Fortsetzung.)
Ein düsterer Schatten huschte über Eitel Fritz' Gesicht. Er hatte bittere Erfahrungen mit diesen Gutsnachbaren und Standesgenossen gemacht) man hatte ihn und seine Gattin empfangen, aber Eitel Fritz glaubte herauszufühlen, daß einige Familien Irma mit einem gewissen Mißtrauen begegneten. Die gräflich Zehrensche Familie und einige andere, welche zu dem alten Uradel zählten, hatten bislang den Besuch noch nicht einmal erwidert-, obgleich bereits mehrere Wochen verflossen waren.
Es war dasselbe wie in Berlin — die erste vornehme Gesellschaft setzte der. Aufnahme seiner Gattin einen gewissen Widerstand entgegen, der kaum zu überwinden war. Es wußten selbst bis hierher Gerüchte über die Familiengeschichte Irmas gedrungen sein.
■ Diese kühle Aufnahme verletzte Ettel Fritz aus das Empfindlichste!, sa daß er sich selbst, gegen diejenigen seiner Standesgenossen abschloß, welche ihn. und seiner Gattin mit vollstem Freundlichkeit entgegengekommen waren.
. Er ging auch jetzt auf das von dem alten Breymann Ungeschlagene Thema nicht ein,, sondern wandte sich mit einer landwirtschaftlichen Frage an Else, und bald war man |tt ein lebhaftes' Gespräch über den Ernteertrag und die
Plötzlich sprang der Jagdhund- welcher Eitel Fritz auf seinen Ritten zu begleiten pflegte, auf, und rannte bellend «auf die Landstraße. Hufgetrappel von Pferden ward ver- uehmbar, und dann erschienen in der Umrahmung des Kofthvrs die Gestalten eines Reiters und einer Reiterin.
„Ihre Fran Gemahlin und Herr Wedemeher, Herr
Baron", sagte Breymann, indem er sich'erhob, und höflich grüßend den Hut zog.
' Einen Augenblick schien es, als ob Irma in Jägerhof einlenken wollte; sie hielt ihr Pferd an, und blickte aufmerksam nach der Veranda herüber. Herr Breymann machte bereits einige Schritte nach dem Thore, um die Baronin einzuladen, "da lachte Irma spöttisch auf, winkte mit der Reitgerte, und setzte dann ihr Pferd in einen leichten Trab.
Herr Wedemeher grüßte seinen Chef unterirMsig>, dann folgte er stumm, und im nächsten Augenblick entzog sie die langgestreckte Scheune, welche unmittelbar an der Straße lag, den Blicken der auf der Veranda Befindlichen.
„Wollen Sie Ihre Frau Gemahlin nicht begleiten, Herr Baron!" fragte Breymann.
„Nein —" entgegnete Eitel Fritz kurz und schroff, indem er finster in die Ferne blickte.
Eigenartige, häßliche Gedanken stiegen zum erstenmale in seiner Seele empor, Bislang hatte er sich über das rege Interesse, welches Irma der Landwirtschaft entgegen- zu bringen schien, gefreut. Er hoffte, daß sie sich doch noch verstehen lernen würden, und hatte nichts Arges in diesen fast täglichen langen Ritten Irmas in Gesellschaft Wedemeyers gefunden.
Heute zum erstenmal — er wußte selbst nicht, weshalb — schlich sich ein häßlicher Argwohn in sein Herz, als könne Irma ein frivoles Spiel treiben. Er kannte nur zu gut die Gefallsucht seiner Gattin, der es eine unedle Befriedigung gewährte, die Herrenwelt vor ihren Triumphwagen zu spannen. Dieses kokette Bestreben Irmas war ja einer der Hauptgründe, daß sich ihr Verhältnis so unerquicklich gestaltet hatte.
Und dieser Herr Arthur Wedemeher — der verab-, schiedete Husarenfähnrich — er war ganz der leichtsinnige Windbeutel und Schwerenöter, der sich den Launen einer schönen Fran zu fügen und anzuschmiegen verstand.
Eine peinliche Pause trat ein.. Der alte Breymann. zündete sich seine Zigarre wieder an, und paffte dichte Rauchtvolken in die Lust; Else begann den Tisch abzuräumen, ihr Gesicht hatte auch einen ernsten,, triiben Ausdruck angenommen. Sie las die. Gedanken in der Seele Eitel Fritz', und eine tiefe Wehmut, ein inniges Mitleid mit dem Freund ihrer Jugend beschlich sie.
Sie hatte noch immer nicht jenen schönen sonnigen Sommerabend vergessen — da draußen unter dem ein-i samen Baum, umwogt von dem goldenen Aehrenmeer! —. Niemals würde sie jene eine glückliche, selige Stunde ihres Lebens vergessen, und wenn sie sich auch zur Klarheit und Ruhe äußerlich und innerlich durchgerungen, so war sie doch eine viel zu tief gegründete Natur, als daß fie ein Gefühl vergessen konnte, das , ihr ganzes Wesen mit sonnigem Glanz und später mit tiefem Weh erfüllt hatte.
Sie war stark und stolz genug, dieses Gefühl nicht


