Ausgabe 
20.8.1901
 
Einzelbild herunterladen

472

Heilkraft zu ergründen, und die Mittel zu finden, wie diese am wirksamsten unterstützt werden kann, sie sucht diese Heilkräfte, die manchmal in ihrem Streben zu heftig übers Ziel hinausschießen, wie beim Fieber, in vernünftige und heilsame Bahnen einzudämmen. Das ist eine Wissen­schaft, so umfassend in dem, was sie geleistet hat, fn) viele andere große Wissenschaften, Chemie, Physik u. a. in ihrer Gefolgschaft führend, daß eines Lebensstudiums bedarf, um sie annähernd zu verstehen, und daß es sehr schwer ist, in kurzem eine oberflächliche Borstellung'. von ihrer Bedeutung zu geben.

Während es eine sehr einfache Handlung darstellt, wenn wir mit geübter Hand zwei auseinander geschnittene Ge- websslächen durch die Naht miteinander vereinigen, um die Heilkraft der Natur zur Geltung kommen zu lassen, be­durfte es des höchsten menschlichen Scharfsinns, um für die im Körper' gebildeten Krankheitsgifte die passenden Gegengifte aufzufinden. Stoffe, die durch die Wissenschaft als solche Gegengifte herausgefunden sind, kommen in fertigem Zustande in der Natur vor, wie z. B. das Queck­silber, sie werden mit Hilfe der Chemie aus Pflanzenteilen, der Kohle, wie z. B. Salicylsäure, Chinin, Antipyrin u- a. gewonnen, oder sie werden, wie die Kuhpocken-Lymphe und das Diphtherie-Heilserum, aus den tierischen Geweben und Säften, die zu ihrer Verteidigung schon den Impfstoff gebildet hatten, herausgezogen.

Die Behandlung des Körpers mit Wasser, Lust, Licht und mit besonderen Nahrungsmitteln ist ein wichtiges Unter­stützungsmittel für die Heilkraft der Natur; weder das Studium, noch die Anwendung dieser Mittel werden von der Wissenschaft vernachlässigt. Es läßt sich aber kein Grund sinden, weswegen man diese Behandlungsweise alleinna­türlich" nennt und sich darauf beschjränkt. Wenn man sagt: wir wollen den Körper nicht mit Giften behandeln, sondern nur mit natürlichen Stoffen, so hat man dabei vergessen, daß zum mindesten im kranken Körper auch Gifte, gerade häufig Gifte vorkommen. Die Benennung der Heilmittel alsnatürliche" in dem letzteren Sinne ent­behrt somit jeglicher Begründung.

Wahrhaft natürliche Heilmittel in der Medizin sind allein diejenigen, die die H e ilkr a ft d er N atur unter­stützen: Wasser, Luft, Licht, Diät, Stoffe aus dem Pflanzen- und Mineralreich, Impfstoffe, kurz alles, was uns die Wissenschaft zur Bekämpfung von Krankheiten an die Hand giebt, um welche Art von Mitteln es sich dabei auch immer handelt. _____________

Gemeinnütziges.

Mo stob st. Während im Norden und Osten unseres Vaterlandes das Obst, besonders Aepsel und Birnen, fast ausschließlich roh oder zubereitet genossen wird, verwendet man das Kernobst in Süd- und Westdeutschland, auch der Schweiz, in seiner Hauptmasse zum Mosten eines Haus­trunkes, zu Obstwein. Vom Main, besonders von Frankfurt aus, hat sich der Obst-, der Aepfelwein, ein weites Feld erobert. Er wird in feiner Qualität von besonderen Keltereien zubereitet. In Süddeutschland dagegen mostet jeder Grund­besitzer, ob groß oder klein, seinen Obstchern selbst. Er stellt wemq Ansprüche an Feinheit des Getränkes, wenn er nur viel hat. Im Sommer und Herbst steht jedem Erntearbeiter eine bestimmte Menge Most zu, dre rn Flaschen mit auf das Feld genommeu wird. Wegen des großen Bedarfes an Most sind in Süddeutschland, besonders rn Württem­berg, sehr viel Kernobstsvrten angebaut, deren Fruchte roh, des hohen Gerbstoffgehaltes wegen gar nicht zu gemeßen sind, die aber einen ganz vorzüglichen Most liefern, wre neueste Nummer des praktischen Ratgebers rm ^bft- und Gartenbau, vom Geschäftsamt rn Frankfurt a. Oder zu be­ziehen, enthält einen längeren Artikel über Mostbirnen, rn dem jede bedeutendere Mostbirne einer eingehenden Be­sprechung unterzogen ist. , . .

Wie soll gesundes Fleisch beschaffen fern? Das Fleisch der Schlachttiere soll eine angenehme, mehr dunkle als blasse, keineswegs grünlich schimmernde^Färb­ung, derbe aber nicht harte Konsistenz besitzen, keme zer­

streuten schwärzlich brandigen Punkte, welche aus Krank­heit deuten würden, zeigen, und überhaupt in seinem ganzen Aussehen eine frische Beschaffenheit erkennen lassen. Allerdings sind diese wenigen Merkmale bei weitem nicht genügend, um zu verhindern, daß Fleisch von kranken, krepierten, vergifteten Tieren in die Küche gelangt; wir müssen uns, schreibt die ZeitschriftGesunde Kinder, Ge­sunde Frauen", in dieser Beziehung darauf verlassen, daß das Fleisch tierärztlich untersucht ist, und die'glücklicherweise mehr und mehr zur Einführung gelangenden Schlachthäuser, in denen eine obligatorische Fleischbeschau besteht, sind von größter Bedeutung, um die aus dem Genuß schädlichen Fleisches sich ergebenden Gefahren abzuwenden. Fleisch von allen Tieren, welche durch zu große Anstrengungen (Hetzen) verendet sind, von solchen, die an ansteckenden Krankheiten, wie Milzbrand, Rotz, Wutkrankheit, Pocken, Maul- und Klauenseuche, Tuberkulose (Perlsucht), typhösen und pyämi­schen (Eiter-) Erkrankungen litten, ist im allgemeinen ebenso als für den menschlichen Genuß ungeeignet zu be­trachten wie solches Fleisch, welches lebendige, auf den Menschen übertragbare tierische Parasiten, als Trichinen und Finnen, enthält. Von dem Genuß auszuschließen ist auch das Fleisch eben geborener Tiere. Als gesundheitsschäd­lich ist weiter faules Fleisch anzusehen, da durch die bei der Zersetzung beteiligten Bakterien giftige Stosfwechselprod ukte (Ptomaine) erzeugt sein können. Der Genuß rohen Fleisches sollte wegen der selbst bei sorgfältigster Fleischbeschau mög­lichen Gefahren durch tierische oder pflanzliche Schmarotzer, soweit irgend angängig, eingeschränkt werden.

Unter demGebrauchevonReizmit keln leidet der ganze Körper. Tie Nerven werden geschwächt, die Leber erschlafft, die Güte und der Umlauf des Blutes wird be­einflußt, und die Haut wird unthätig und blaß.

Säckchen für Hülsenfrüchte. Sehr geeignet zum Aufbewahren von Hülsenfrüchten und dabei leicht anzu­fertigen sind folgende Säckchen. Man gebraucht zu jedem einzelnen Säckchen ein Stück Rohleinen von 30 Zentimeter- Länge und 36 Zentimeter Breite. Die obere Breitseite des Stoffes wird mit großen Bogen in rotem ober blauem Stickgarn festoniert, dann das Säckchen so zugenäht, daß nur der sestonierte Teil offen bleibt; nun zeichnet man auf die eine Seite des Säckchens die Bezeichnung für den späteren Inhalt, tote Erbsen, Linsen, Bohnen, Graupen rc. und stickt mit dem gleichfarbigen Garn in Plattstich. Hieraus wird an der Kehrseite, 4 Zentimeter vom oberen Rand ent­fernt, ein 2 Zentimeter breites Rohleinenband aufgesteppt, durch das ein 1,5 Zentimeter breites, 50 Zentimeter langes Band geleitet wird. Will man die Säckchen hängend auf­bewahren, so kann noch an der Kehrseite eine Bandschlinge angebracht werden.

Mahagoni möbelaufzn frisch en- Man vermischt acht Teile Stearinsäure, acht Teile Terpentinöl und ein Teil Karmin recht gut, taucht in diese Mischung ein Stück Flanell, drückt es gut ans, und reibt damit die Möbel sorgfältig ab. Vorher müssen die Möbel von allem Staub und Schmutz gereinigt werden, wenn nötig, mit warmem Wasser.

(Prakt. Wegw.", Würzburg.)

Rätsel.

Nachdruck verboten.

Die Zwiebel hai's, die Milch, das Tier, Und es ist auch an dir und mir;

Doch wenn der zweite Laut ihm fehlt, Es zu den Kleidungsstücken zählt.

(Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung des Diamantrülsels in voriger Nummer: J RUM ALPEN JUPITER ANTON SEE !

R '!«

Redaktion: E. Burkhardt. - Druck und Verlag der Brühlychen UniversitätS-Buch- und Steindruckerei M-tsch Erben) in Gießen.