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tot) den Touristen nur noch! eine Strecke von 90 deutschen i Meilen vom Nordpol der Erde trennt. r m r I
Norwegen und Schweden, die beiden durch Personal- I Union unter König Oskar geeinigten Staaten, zeigen hin- I sichtlich, der Gemütsart ihrer _ Bewohner und deren I Lebensgewohnheiten so viel Verschiedenheiten, daß> ana) I der flüchtige Vergnügungsreisende, der sich nur wenige I Wochen im Lande aufhält, darauf aufmerksam werden must i Während man in Norwegen mehr zu englischen Gewöhn- I heilen hinneigt, hat das Leben in Schweden einen deutschen I Anstrich mit einem starken Einschlag ins Französische. Dazu I kommen die leidigen, dauernden, politischen .Hecheleien I zwischen beiden Ländern, welche einem beständig miteinander I hadernden Ehepaare gleichen, das es dennoch nicht auf I Trennug ankommen läßt, da es triftige Gründe hat, beisammen zu bleiben. Tie Hauptschuld trägt davon zweifellos Norwegen, dessen Politiker seit Jahrzehnten in unerhörter Weise gegen die skandinavische Union gearbeitet haben, ^n Schweden aber rächt man sich dafür in eigenartiger Weise, indem man — sehr zu Unrecht — die Norweger als eine Nation von halbzivilisierten Barbaren und Hungerleidern
ansieht. t. , . „ _ ., . , I
Allerdings lebt man, was die materielle Seite . des I Unterhalts betrifft, in Schiweden ungleich besser und üppiger. I Tas „Venedig des Nordens", wie mau Stockholm in Hm- I ficht auf seine wundervolle Lage in den Skären genannt I hat, bietet in Betreff der Verpflegung besseres _ als alle I anderen europäischen Großstädte. Man wohnt in Hotels I und in Privatlogis mindestens ebenso gut, aber weitaus I billiger als in jenen. Wie vorzüglich man aber ißt, davon I gewähren die sich hier und da in manchen Restmtrationen I deutscher Großstädte einbürgernden schwedischen Frühstücks- I tisckM eine wenn ailch nur ungenügende Vorstellung. Aller- I dings muß man den Magen eines Haifisches haben, um I alles bewältigen und verdauen zu können, was einem hier I für wenia Geld geboten wird. Am berühmtesten ist das I Smörgasbrot, welches als Vorspeise zum Mittagessen mn- I genommen wird und nichts kostet, sofern man gleich darau, I ein reichhaltiges Mittagsbrot von 5 oder mehr Gangen I einnimmt. Tie Hauptsache ist dabei Fisch m alten erdenk- I lichen Zubereitungen, in Gelee, mariniert, geräuchert, gtz- I röstet, und daneben Kaviar, Hummer, kalter Braten, Ge- 1 Mgel und dergleichen, was man mit den erforderlichen I Mengen Aquavit herunterspült. Tann kommt, wenn man I nach unseren Begriffen eigentlich schon vol ig gesät ig ist, I erst das eigentliche Mittagessen, welches einschließlich dieses I Smörgasbrots in besseren Restaurationen und Hotels^drei I bis vier Kronen kostet, und regelmäßig aus Suppe, MM, I zweierlei Braten und den üblichen dtachgerichten besteht. Und zu allem 'diesen der bekannte schwedische Punsch, decken' Geister den Reisenden vom frühen Morgen bis zum iväten Abend iimnebeln und um so heimtückischer sind, als der Unkundige diesem Getränke, das stets, m Eis gekühlt, wie Champagner gereicht wird, feinen hohen Alkoholgehalt, nicht ansieht, und auf die Vermiitiing, zuvieldavon genossen zu haben, erst kommt, wenn sich sämtliche Gegenstände in seinem Gesichtsfelde verdoppeln. !
Wehe, wenn der Tonrist aus dem trinkfvohen Schweden, dessen Bewohnerschaft entschieden etwas Weiches, Lebenslustiges und Genußfrohes au sich! hat, an einem Samstag abend oder Sonntag verdurstet in eine norwegische Stadt kommt Hier herrscht für die Zeit von Samstag 6 Uhr abends bis Montag 8 Uhr früh das strengste Verbot des Ausschanks geistiger Getränke, und in kemem Hotel Christianm^, Berstens, Trontheims vermag der Reisende in dieser ^stündigen Zeit eine harmlose Flasche Bier «der Wem zu erhalten, denn lauf die erstmalige Uebertretung des Ansschankvex-, botes ist eine hohe Geldstrafe gesetzt, und im zweiten Falle droht die gänzliche Entziehung der Konzession Huldigt man nun wirklich! nicht während dieses Zeitrarmis tn Norwegen dem Zwingherrn Alkohol? Keineswegs! Denn man braucht nur an solchen Abenden eine kurze Promenade m den norwegischen Hafenstädten zu machen, um an die Anfangsworte der Zueignung des Goetheschen Faust gemahnt zu werden, wo es heißt: „Ihr naht Euch! wieder schwankende Gestalten." Denn wenn vom trinkfvohen Deutschen der Vers gilt, „ein weiser Zecher steckt sich fein den Hausknecht schon früh morgens ein", so ist der Norweger doch schon ans einer viel höheren Stufe der Weisheit angekommen,
am Firmament prangt. „ e...,, „ ,
Tiefe Sehnsucht, sich an den nördlichsten Küsten Europas einmal vom ‘ Glanze der mitternächtigen Sonne bestrahlen zu lassen, entstammt übrigens keineswegs der neuesten Zeit, sondern knüpft an iieberheferungeit au§ dem grauen Altertum an. Wir besitzen zwar keine iirkund- lichen Nachweise, daß Römer und Griechen ihre Reisen bis Über den nördlichen Polarkreis ausgedehnt hatten; aber es hätte merkwürdig Mgehen müssen, wenn Nicht auch damals schon hin und wieder ein Kauffarteischiff, welches die Ka st- teoriden oder die Bernsteinküste aufsuchte, tn den höchsten Norden verfchlagen worden wäre. Seit jenen Zeiten wurzelt der Glauben an ein eisfreies Polarmeer m der ^hantafie der Völker. Natürlich! haben sich Einbildungen, die von einem warmen vegetationsreichen Lande in der nach den Umgebund des Poles faseln, als unhaltbar erwiesen. Aber gewiß liegen die Verhältnisse hier so, daß, falls dort festes Land gefunden werden sollte, dieses ebenso tote die Jieei- becken wenigstens zeitweise im Sommer eisfrei fein wird. Schon jetzt steht in Spitzbergen ein regelmäßig im Sommer besuchtes Touristenhotel, und was dort möglich ist, wird auch weitere 90 Meilen nördlich erreichbar fem. Der Grund, daß der Nordpol noch immer nicht entdeckt t)t, hegt ver mutlich darin, daß es dort weder Gold noch Diamanten zu holen giebt, und daß die Kräfte zur Erreichung dieses Zieles bedauerlicherweise stets verzettelt worden sind. Ein mit wirklich großen Mitteln von kühnen Führern systematisch ! auf den Nordpol ausgeführter, etappenweiser Angriff wurde zweifelsohne binnen wenigen Jahren zum gewünschten Ziele ^r$iel hundertmal ist das prächtige Farbenbild der Mitternachtssonne schon beschrieben worden; aber Worte und der Pinsel des genialsten Künstlers vermögen der kaum eine Vorstellung dieser seltsamsten Wirklichkeit zu geben In der nächsten Umgebung des Nordpols muß, wie ein Blick auf den Globus zeigt, eigentlich immerfort Sud- | toind wehen; denn auch der direkt von den Polen her- niederkommende Wind ist meistens schon jenseits derselben | entstanden, also eigentlich auch ein Südwind. Dem Pole
denn er läßt sich seine groß bemessene Branntweinflasche eben schon Samstag früh füllen, Das Gesetz erfüllt somit seinen Zweck gar nicht und ist wie so manche andere Polizeimaßregel unserer erleuchteten Gegenwart nur zur Unbequemlichkeit der anständigen Menschen da.
Der Norweger war im allgemeinen, wie schon angedeutet, dem Deutschen nicht besonders hold; wenn er auch! nicht so fürchterlich grob ist wie der Ungar, oe,,en Lieb- lingslied mit den Worten anfängt ,,^aj de humczut a uemet; hogy a fene ragya meg" zu deutsch „Ja der Deutsche ist ein Hundsfott; daß der Teufel ihn fressen ntoge , so heißt es dafür in Norwegen: „Was thut der Deutsche nicht für Geld". Das mag eine Erinnerung aus langst vergangenen Jahrhunderten fein als die handeltreibenden Hanseaten das norwegische Volk ziemlich rucksichtsloserweise ausbeuteten, und bei der liebenswürdigen Gewohnheit fast aller Nationen, den Fremden zu schmähen, um dabei die eigenen Vorzüge in ein um so helleres Licht zu fegen, hat sich eben dieses bitterböse Sprichwort erhalten. Uebri- aens steigt das Deutschtum bei den Norwegern von Jahr in Jahr in der Achtung; denn mag vielleicht am früher hier allein als Tourist herrschenden Engländer etwas mehr Geld zu verdienen sein, so gehört doch die hochfahrende Art des Engländers, und im Gegensatz dazu das gemütliche Entgegenkommen des deutschen Recketiden, der sich hier wie Überall womöglich mit den Eingeborenen m deren Sprache zu verständigen sucht, zu den Unwägbarkeiten, welche für die Entfremdung und das Zueinanderrucken oer Bolter von nicht zu unterschätzender Bedeutung smd.
Für den deutschen Touristen, der nach Norden geht, sind die Städte und das Land mit fernen Bewohnern aber immer nur von nebensächlicher Bedeutung; denn so sehr der Reiz der Landschaft auch in den Thälern des südlichen Schwedens entzücken mag, deren Besuch m das übliche Reiseprogramm aufgenvmmen wird, so bieten jte ooe,/ eigentlich nichts, was nickst in den Alpen m ähnlicher Weise gefunden werden könnte. Tas Hauptziel bleiben daher immer die tief eingeschpittenen Fjorde, dre Lofoten uno das Nordkap, überhaupt die nördlichst gelegenen Teile tu Landes, wo die Sonne mehrere Monate ununterbrochen


