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Leben, schönes Wunderland In dunklem Wald!
Wenn wir dein Innerstes erkannt, Dann sind wir alt.
Wir seh'«, was wir gesollt, gekonnt, Doch mahnend steht
Die Sonne nun am Horizont — Es war zu spät.
W. Jensen.
(Nachdruck verboten.)
Der Bauer vom Wald.
Novelle von An ton v. Per fall.
(Fortsetzung.)
Zwei Jahre waren vergangen. Ein regnerischer Apriltag — graues Gewölk sich übereirWnderschiebend über der schmutzig-gelben Landschaft. Der Wind fuhr stoßweise in die halbwüchsigen Föhrendickungen, über .das rotgelbe Moorgras zu beiden Seiten der grundlosen Straße, auf welcher der Apfelschimmel schwerfällig dahinpatschte; aber sein Haupt trug er jetzt tief gesenkt, und von dem rassigen Feuer war wenig mehr zu verspüren.
Sein Führer hatte den breiten Hut tief in die Stirne gezogen gegen den fast horizonalen Strichregen, der ihm das Antlitz peitschte. Unter dem blauen Mantelkragen stahl sich schneeweißes Haar hervor.
Der schwere Körper drückte die Federn bis auf das Wagengestell herab.
Tas ganze Ding knackte und ächzte, und der Schimmel hatte seine Not in dem schlammigen Geleise. Gerade als ob außer dem Manne heute eine ganz besondere Last im Wägelchen läge.
Und sie lag wirklich darin und zwar dem Manne gerade auf der Brust, sodaß er kaum Atem genug bekam.
Und wie stolz und frei war er schon aus demselben Wagen gefahren, im selben Handel, und wer ihm begegnete, rief ihm schon von weitem grüßend zu.
Vorbei! Auf immer vorbei!
Diese verdammte neue Zeit dreht sich einem unter den Fingern um und zeigt im Nu ein ganz anderes Gesicht.
Wer hätte das noch, vor einem Jahre gedacht! Mit einem Schlage aus, radikal aus mit dem ganzen Aufschwünge! Gerade als wenn die Pest ausgebrochen wäre in der Stadt! Kein Quadratfuß mehr zu verkaufen, kern Haus mehr zu vermieten, kein Glaube und kein Vertrauen mehr weit und breit. Kirchhofsruhe! Jeder werß einen anderen Grund, und keiner den rechten.
Tie Zeitungen vertuschen und vertuschen, sprechen höchstens von augenblicklicher Krisis ohne weiteren Belang.
Alles schweigt und wartet auf etwas besonderes, etwas besonders Freudiges, oder etwas Furchtbares — man weiß es selbst nicht, vermeidet darüber zu sprechen.
Ter Polentz thüt auch gar nicht dergleichen, im Gegenteil, er praßt jetzt mit seinem Schwiegersöhne um die Wette, ladet die ganze Stadt in sein Haus oder verbringt ganze Nächte in lustiger Gesellschaft, wo es hoch hergeht.
Sieht man ihn aber dann im Kontor, so erschrickt man vor dem sorgenvollen, jetzt ganz ausgemergelten Gesichte, über das gar oft, wenn man unangemeldet eintritt, ein jäher Schatten der Angst fliegt.
Lange Ivar es schon nicht mehr richtig mit ihm. Tas ist alles nur künstlicher Rausch, um etwas zu vergessen, zu betäuben! Oder die Angst? Herrgott, wenn es die Angst wäre, die Angst vor dem Einstürze des Schwindelbaues!
Und hat er, der Johannes, denn nicht wacker mitgebant daran die letzten Jahre?
Wenn er jetzt aufstände aus dem Grab, der jüngst verstorbene Minister, und vor ihn hinträte wie damals — „Sie sind ein braver Mann, ich verlasse mich auf Sie!" Müßte er nicht bis in sein Innerstes hinein erröten, er, der Beschützer des Bauernstandes?
Wieviel Tutzende hatte er denn schon von Haus und Hof gebracht! Allerdings um ein schönes Stück Geld, das nod); dazu die reinsten Wucherprozente trug beim Polentz. Sollte er den Leuten etwa dafür irgend ein Anwesen anhängen weit draußen im Lande, das kaum seinen- Mann nährte, wie er es anfangs gethan? Wird denn die Zeit nicht immer schlechter für den Bauern? Wozu denn einen Stand halten, der sich einmal überlebt hat? Die Leute stehen sich ja so viel besser bei den hohen Zinsen!
Wenn aber der Polentz wirklich fiel — dann stürzt es auch über ihn ein das Hans, über alle, die ihm ihr Hab und Gut anvertraut, über alle, die er dazu gebracht — ja, er, nur er allein! Seit Jahren schleppte er sie ja von weit und breit herbei. Sie vertrauten ihm ja wie die Kinder, er gehörte ja nicht zu den verhaßten Ausbeutern in der Stadt. Er war ja von ihrem Fleisch und Blut, sprach; ihre Sprache.
Heiliger Gott! Wenn die alle bann vor ihn hinträten, die Fäuste gegen ihn erhöben, die Männer, die Frauen, die Kinder, denen er die Heimat genommen, die er zu Bettlern gemacht!
Ter Einspänner ächzte und beugte sich ganz zur Seite, als ob er die Last nicht mehr tragen könnte, und Johannes hieb auf den Apfelschimmel ein.


