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anflehen durfte, meinen Gatten in seinen gnädigen Schutz zu nehmen, dadurch toutbe boch bem Gebächtnisse meiner Mutter kein Unrecht zugefügt, unb meine aufrichtige Trauer um sie nicht verminbert.
Unsere Hochzeit sollte in ber dritten Woche des September stattfinden, und — augenblicklich wenigstens — hatte ich keine Langemeile mehr. Richard war täglich bei mir, und war unternahmen während dieser drei Wochen viele Ausflüge — selbst bis nach Morpeth, Rothbury und Durham. Der Vater begleitete uns niemals. Er ließ uns allein, womit wir natürlich sehr einverstanden waren. An der See war unser Lieblingsaufenthalt, am Strande und auf den braunen Felsen von Cullerroats und Whitley oder noch weiter bis nach der Insel St. Mary.
Unsere Trauung sollte in aller Stille in der Kirche stattfinden. Es sollten keine Brautjungfern dabei sein, noch sonst irgend welche öffentliche Schaustellungen. Von den eingeladenen Freunden sollten nur drei, Salmon, Tarbit und dessen Frau als Trauzeugen gegenwärtig sein. Das Frühstück sollte um halb ein Uhr mittags in den „Drei indischen Königen", einem Gasthause unten am Kai, stattfinden. Das alte Haus war ein Stammlokal der meisten Seeschiffer und Reeder; der Wirt hieß Tommy Dodds.
(Fortsetzung folgt.)
Peter Micheiloff.
Rovellette aus dem Russischen von Adolf Burghardt.
(Nachdruck verboten.)
Iwan Petrowitsch hatte soeben etwas Furchtbares, etwas Entsetzliches mit ansehen müssen. Von seinem gewohnten Mittagsschläfchen erwacht, trat er ans Fenster und schaute nach Peter Micheiloff aus, der in den Wald gefahren war, um einige junge Fichten zu fällen und aus den Hof zu bringen. Schon zum Mittagessen hätte er zurück sein müssen.
Als Iwan Petrowitsch, ärgerlich über die Saumseligkeit des Knechtes, den Weg hinunter sah, der an dem in unmittelbarer Nähe des Gutes gelegenen See entlang führte, erblickte er seine Tochter Nadina Iwanowna, welche sich mit rhrem Verlobten Konstantin Kussoff auf der spiegelblanken Eisdecke des Sees mit Schlittschuhlaufen vergnügte. Mit Windeseile glitt sie dahin, und plötzlich — plötzlich . . . verschwand die zierliche Gestalt vor seinen Augen in einer offenen Stelle des Eises. Er stand sprachlos, er brachte keinen Ton aus seiner Kehle, — er wollte in fliegender §iast nach dem See hinunter eilen, blieb aber wie gebannt am Fenster stehen.
Ta sah er, wie Konstantin Küssow der gefährlichen Stelle in weitem Bogen auswich und hastig dem Ufer zustrebte. Nicht einmal eine Verwünschung über den Feigling vermochte Iwan über seine blutleeren Lippen zu bringen.
In diesem Augenblick der höchsten Gefahr kam ein mit Jungen Fichten beladener Schlitten die Biegung des Weges herunter gesaust. Peter Micheiloff lenkte den Schlitten und sofort hatte er das Entsetzliche wahrgenommen. Ohne weiteres sprang(er von dem Schlitten, eins der schlanken Fichten- stammchen ergreifen, die Böschung des Ufers hinabzueilen, war das Werk eines Augenblickes.
.. Iwan Petrowitsch hätte jubeln mögen, wenn ihm dies IHogucf) gewesen wäre. Mit dem ganzen Aufgebot seiner WUlenskraft schob er sich nach der Thür, durchquerte den geräumigen Hof, um nach der Landstraße zu taumeln, die den See führte. Helfen wollte er bei der Rettung seines Krndes!. Mle-Herligen rief er um Hilfe an, er that Gelübde, er versprach Opfer zu bringen; . . . wenn er jetzt noch einige Schritte vorwärts kam, — dann konnte er schon sehen, vb es Peter gelungen war...
Doch, was war das?
seine Augen, geblendet von der schimmernden Eisflache, einen Augenblick abwandte, sah er da nicht Peter schon mit rüstigen Schritten auf sich zukommen?-
Wahrhaftig, er war es ! ©ein gelbes Haar flatterte im Winde, und auf den Armen trug er eine triefende Last: fein Kind, feine Nadina! Schwer und leblos hing der jugendliche Körper in den Armen Peters, das lange üppige Gold- haar hatte sich gelöst und schleifte über den Schnee.
Iwan Petrowitsch sank in die Knie, — das war zu viel für fein Baterherz.
„Väterchen, ich bringe Fräulein Nadina!" ries ihm der Knecht zu, während ein freundliches Grinsen über sein gutmütiges Gesicht glitt. „Ter Himmel schickte mich gerade zur rechten Zeit, um das Fräuleinchen aus dem Loch zu ziehen. Er stampfte mit langen Schritten an Iwan Petrowitsch vorüber, in der Msicht, seine kostbare Last so bald wie möglich der mütterlichen Sorgfalt zu übergeben.
Mühselig erhob sich Iwan Petrowitsch und keuchte hinter Peter her. Sprechen konnte er nicht. Tie Augen starr auf den Schnee gerichtet, über welchen das Haar seiner Tochter geschleift war, wankte er, ein Bild des Jammers, nach dem Herrschaftshause.
Erst als Mutter Wanmara, ahnungslos die Thür öffnend, den Aermsten empfing, gewann er seine Sprache wieder. Während Nadina unter den Bemühungen ihren Mutter und der helfend eingreifenden Mägde des Hauses bald ihre Augen aufschlug, tobte Iwan Petrowitsch im Wohnzimmer umher, schreckliche Verwünschungen gegen diesen Feigling von Verlobten ausstoßend, der sein einziges Kind hatte untergehen sehen, ohne ihm die rettende Hand entgegen zu strecken. Sollte dieser erbärmliche Wicht sich noch einmal auf seinem Hofe blicken lassen, so ließ er ihn mit den Hunden hinunter hetzen und dann brannte er ihm eine Ladung Schrot ganz sicher auf das elende Fell!
Was hatte er für schreckliche Augenblicke soeben durchmachen müssen, und sollte er hundert Jahre alt werden, die würde er auch dann nicht vergessen. —
Väterchen Petrowitsch hatte sich endlich etwas beruhigt. Zwar wanderte er noch ruhelos im Wohnzimmer auf und ab. Nur an einem kleinen Schränkchen blieb er von Zeit zu Zeit stehen, um ein Gläschen Wuttki zu genießen, der feinen vor Schreck erstarrten Körper bald wieder belebte. Nadina steckte in einem Berge von Betten und wurde mit Fliederthee gefüllt. Sie hatte ihre Mutter wegen des Schreckens, den ihre Unvorsichtigkeit ihr verursacht hatte, um Verzeihung gebeten. Konstantin habe ihr, so erzählte sie, einen Wettlauf auf dem Eise vorgeschlagen, und da fei sie im Eifer gerade in die offene Stelle des Sees geraten. Anfangs habe sie sich an der Eisdecke festgehalten, aber mit Entsetzen bemerkt, daß Konstantin davongelaufen sei. Dann müsse ihr die Angst die Besinnung geraubt haben, — auf welche Weise Peter Micheiloff sie gerettet habe, wisse sie nicht mehr. . .
Ms Nadina ihren Bräutigam Konstantin erwähnte, zitterte ihre Stimme, und die Röte der Verlegenheit färbte ihr blasses Gesicht. Tie Eltern fühlten es wohl: sie schämte sich der feigen Handlungsweise ihres Verlobten.
Iwan Petrowitsch sagte kein Wort, aber er ballte die Faust in der Tasche. Sein Entschluß war gefaßt: Konstantin Kussoff betrat sein Haus nie wieder!
Nun erwartete er Peter Micheiloff, den er nach seiner Kammer geschickt hatte um sich umzukleiden. Tann sollte cr wieder kommen, hatte ihm sein Herr befohlen. Peter mußte auf seine Toilette ganz besondere Sorgfalt verwenden; denn er hätte schon längst wieder da sein können, um seinen Tank in Empfang zu nehmen. Ungeduldig trat Iwan ans Fenster — es war noch kein Peter Micheiloff zu sehen. Aber halt. . . Iwan traute seinen Augen kaum. . ., drückte sich da nicht Konstantin Kussoff zwischen den Scheunen umher? Väterchens Gesicht wurde kirschrot vor Wut, er hob drohend den Arm und hätte in seiner Aufregung im nächsten Augenblick die Fensterscheibe zerschlagen, wenn nicht jemand hinter seinem Rücken plötzlich zwei Mal herzhaft genießt hätte . . .
Peter Micheiloff hatte sich offenbar bei seinem Rettungswerk einen tüchtigen Schnupfen geholt.
Blitzschnell wandte sich Väterchen uni. Wahrhaftig, da stand der so heiß ersehnte Lebensretter, mitten im Zimmer in der Pracht seines Sonntagsstaates, das runde Gesicht glänzte vor Sauberkeit. Tie strohgelbe Mähne war künst- gerecht gescheitelt und mit Hilfe einer Portion Wasser auf dem Schädel festgeklebt. In den roten Händen drehte Peter verlegen die Pelzmütze hin und her.
„Komm' an mein Herz", rief Iwan Petrowitsch und warf seinen wohlgenährten Körper gegen die breite Brust


