728
handelt. Die Erziehung des Gefühls und des Willens schließt sich an: hier kommen die aktuellen Fragen nach dem Verhältnis der Schule zur Kirche, der künstlerischen Erziehung unseres Volkes und den Aufgaben der sittlichen Erziehung zur Sprache. Die beiden letzten Vorlesungen über die Organisation des Erziehungswesens beantworten die Frage: wer erziehen und wer erzogen werden soll, und schließen mit der Darstellung der verschiedenen Schul- gattungeu in unserem heutigen Erziehungssystem. Dabei ist überall auf den neuesten Stand der Dinge, insbesondere auch auf die Ergebnisse der Berliner Schulkonferenz von 1900 und die preußischen Lehrpläne von 1901 Beziehung genommen. Uebrigens handelt es sich auch hier nicht etwa nur um die höheren Schulen, sondern ebenso auch um das Volks- und Fortbildungsschulwesen, und um die Frage der Mädchenerziehung, so daß wirklich das Ganze unseres Bildungswesens zur Sprache kommt. I e d e m s i ch für die Jugenderziehung Interessierenden sei das Schriftchen warm empfohlen.
Plaud erstunden.
Von F. Gansberg. (VII und 152 S.) 1901. Groß Oktav. Vornehm geb. 1.60 Mk. Verlag von B- G. Teubner in Leipzig.
In anmutiger Form zeigen die vorliegenden Skizzen, daß die erste belehrende Unterweisung, wie sie die Mutter im Hause und der Lehrer während der ersten Schuljahre zu erteilen hat, von Poesie, Stimmungsgehalt und lebendiger Empfindung erfüllt sein kann, und daß sie dazu beizu- tragen vermag, schon in dem Kinde den künstlerischen Funken, der in jedem Menschen liegt, zu entzünden, und so zur Selbstthätigkeit und Schaffensfreude zu erziehen. Alle Eltern und Erzieher werden von dem Buche reichen Gewinn haben, zum Nutzen und zur Freude einer helläugigen Kinderschar.
Vermrseyres.
DieältestebisjetztbekannteNachrichtüber den Weihnachtsbaum datiert vom Jahre 1508. In diesem Jahre, am Sonntag vor Mittfasten, kam der Prädikant der freien Stadt Straßburg, der berühmte Geiler von Kaisersberg, in seiner Predigt daraus, daß alle in Straßburg herrschenden Weihnachtsgebräuche heidnische seien und abgeschafft werden müßten. Die Heiden hätten um Neujahr den Jenner oder Janus geehrt: „etlich mit tantzen und springen, ander mit stecken, ander mit danreiß in die Stuben legen . . . ander, daß sie einander gaben schicken, lebkuchen, wein" rc. — Um 1600 hatte die katholische Kirche gegen den Tannenbaum nichts mehr einzuwenden. Eine Chronik jener Zeit berichtet uns, daß am Christabend in der Herrenstube zu Schlettstadt „Meyen" (d. h. Festtannenbäume) aufgerichtet und mit Aepfeln und Oblaten geziert wurden, und von dieser Feier zogen die Mitglieder der Stube, zu denen Geistliche gehörten, zur Mette. Am Drei- Königs-Tage kamen dann die Kinder „die Meyen schüttlin", also die Tannebäume zu plündern. Seit dem vorvorigen Jahrhundert erst ist der Weihnachtsbaum ein allgemeiner deutscher Brauch geworden.
Rösselsprung
(Auflösung m nächster Stummer.) Auflösung des Merkrätsels in vor. Nr. Dem Reinen ist alles rein.
der
er
ter
dem
ein
gen
du
vor
mit
ziel
run
wei
ge
auch
sagt
liegt
mit
dem
bleibt
re
des
nur
ge
was
gen
nicht
tig
in
dir
schick
das
nur
gen
zagt
had
gleich
im
halb
drun
glück
nicht
rin
ver
nicht
voller Thätigkeit. In den Spinnstuben herrscht harmlose Fröhlichkeit, man scherzt und lacht, schmaust Aepfel, zum „Netzen" der Lippen und singt Lieder, die bisweilen recht schwermütig klingen, oft aber von keckem Humor gewürzt sind. Frau Perchta, der Rocken und Spinnrad seit uralter Zeit geweiht sind, spielt dort noch eine wichtige Rolle; an ihren Kultus erinnern Bräuche, wie das „Perchtenlaufen" und „Perchtenspringen", die während der „Zwölfnächte" in südlichen Alpenländern geübt werden. Es herrscht dort auch die Sitte, daß nicht Knecht Ruprecht vor den Kindern erscheint und sie straft, oder beschenkt, sondern Frau Perchta übernimmt diese Rolle."
„Und in welcher Gestalt zeigt sie sich?" fragt Professor Wolfram.
„Leider nicht mehr als die glänzende, Licht verbreitende hehre Göttin, auch nicht als die düstere Todesgöttin Hel, mit der sie gleichbedeutend ist, sondern als Furcht erweckendes altes Weib."
„Das ist die Folge jenes unseligen Werglaubens, der die Hexen-Verbrennungen hervorrief", erläutert der Professor. „Als man den gewaltigen Heidengott Wuotan zum Teufel mit dem Pferdefuß herabsetzte, mußte die holde Beschützerin, häuslichen Fleißes, die auch unter dem Namen „Frau Holle" verehrt wurde, es erdulden, daß sie im Volksglauben zum Zerrbild einer Hexe umgewandelt ward."
„Ach liebe Freundin, erscheinen Sie doch heute abend als Frau Perchta, an Stelle des Knechts Ruprecht, der bei meinen Kindern in Mißgunst geraten ist, wie Sie wissen", spricht die Hausfrau bittend int Flüsterton.
„Mit Vergnügen will ich den kleinen Mummenschanz vollziehen, wenn Sie über die nötige Ausstattung verfügen, zu der auch eine graue, langsträhnige Perrücke gehört", entgegnet Frau Sontheim leise.
„Die ist vorhanden, es wurde eine gebraucht, als wir kürzlich bei den lebenden Bildern den König Lear darstellten; auch ein Hexengewand muß in der alten Truhe liegen; doch bitte, verraten Sie nichts."
--„Aber wo bleibt denn heute Euer liebenswürdiger Hausarzt? — er kommt doch sonst regelmäßig am Sonntag", fragt die Forsträtin ihren Neffen.
„Wahrscheinlich muß er in seinem Beruf thätig sein, verehrte Tante."
„Er ist ein so feiner, kluger und ehrbarer Herr; — möchte wohl wissen, weshalb der sich keinen Hausstand gründet", bemerkt die alte Dame kopfschüttelnd.
Frau Bertha Sontheim fühlt, wie das Blut jäh in ihre Wangen strömt, sie wendet sich ab, und schürt das Feuer im Kamin.
■ Herr und Frau Bernardi tauschen lächelnd einen verstohlenen Blick; — es ist öffentliches Geheimnis, daß die junge, sehr begüterte Witwe innige Zuneigung zu dem allgemein beliebten, hochbegabten Doktor Wellbach hegt; — der junge Arzt erwidert auch, lebhaft diese Neigung, zögert aber, eine Entscheidung herbeizuführen, weil die reizende und viel umworbene Dame in der Verteilung von Körben schon sehr freigebig war.
„Wölfchen in der Fabel!" — wenn man von ihm spricht, ist er da!" ruft Professor Wolfram lachend,, als soeben die hohe Gestalt des Arztes im Rahmen der Thür sichtbar wird.
(Schluß folgt.)
A l l g e m e i n e Pädagogik.
Von Professor Dr. Theobald Ziegler- Oktav, geh. Mark 1,—, geschmackvoll gebunden Mark 1,25. („Aus Natur und Geisteswelt". Sammlung wissenschaftlich-gemeinverständlicher Darstellungen aus allen Gebieten des Wissens. 33 Bändchen.) Verlag von B- G. Teubner in Leipzig.
In diesen sechs Vorträgen, welche in Hamburg und ähnlich so schon früher in Frankfurt gehalten worden sind, bespricht der Verfasser die großen Fragen der Volkserziehung, nicht im Anschluß an ein bestimmtes pädagogisches System, sondern in praktischer und allgemein verständlicher Weise und in sittlich-sozialem Geist. Es handelt sich zunächst darum, die Zwecke und Motive der Erziehung zu bestimmen. Dann wird das Erziehungsgeschäft selbst und die Mittel, die dafür zu Gebote stehen, im einzelnen dargestellt, und dabei zuerst die leibliche, dann besonders ausführlich die intellektuelle Bildung be
Redaktion: E. Burkhar dt. — Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckcrei (Pietsch Erben) in Gießen.


