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durchblicken lassen, daß ein anderer — Sie brauchen ja keinen Namen zu nennen — Ihrem Herzen mit der Zeit teurer geworden sei als er--"
„Nein — nein — nein!" schrie die Gepeinigte auf und grub ihr Gesicht in die Polster der Sophalehue. „Es ist unmenschlich, was Sie von mir fordern. Lieber lassen Sie mich mit meinem Vater sterben."
„Also war es Ihnen doch nicht recht Ernst mit Ihrer feierlichen Versicherung! Nun, so handeln Sie in Gottes Namen nach Ihrem eigenen Ermessen. Aber machen Sie gefälligst nicht mich für all ' das unabsehbare Unglück verantwortlich, das daraus entstehen wird."
Er hatte wieder nach der Uhr gesehen und sich überzeugt, daß Herbert in weniger als einer Viertelstunde da sein konnte. Darum hatte er in feiner Erwiderung einen beinahe brutalen Don angeschlagen; denn diese Szene mußte jetzt ein Ende haben — so oder so.
Und es schien fast, als ob er damit das Rechte getroffen habe; denn nach Verlauf einer kurzen Zeit, während der nur das Schluchzen der jetzt ungestüm Weinenden vernehmlich gewesen war, richtete sich; Margarete wieder auf und trocknete mit dem Taschentuche ihre Augen.
„Wohl — ich werde Herbert einen solchen Brief schreiben. Aber er wird nicht ein Wort von seinem Inhalte glauben."
„Wenn es Ihr fester Wille ist, ihn daran glauben zu machen, werden Sie auch die rechten Worte finden, davon bin ich überzeugt. Und wenn er dennoch zweifeln sollte, nun, so müssen Sie eben durch Ihr weiteres Verhalten seine Zweifel zerstreuen."
Margarete stand auf. Ihre Thränen waren versiegt, und ihr Gesicht war ganz ruhig. Schweigend befestigte sie aufs neue ihren in Unordnung geratenen Schleier, und Ludwig Ignatius, der mit heimlicher Ungeduld ihrem Beginnen zusah/ fühlte trotz seines Ingrimms gegen alles) was den Namen Lindemann trug, eine leise Regung des Mitleids bei dem Anblick ihrer schönen, jungen, selbst unter dem Drucke des furchtbaren Herzeleids in Haltung und Bewegung so anmutigen Gestalt. Er gedachte ihr noch irgend etwas Tröstliches zu sagen, aber es wollte ihm nicht gelingen, die rechten Worte zu finden, und als er endlich zu sprechen anfing, war sie schon an der Thür.
„Nur eine letzte Bitte noch, Herr Stadtrat!" fiel sie ihm in die Rede. „Sie sind gewiß nicht ohne Einfluß uuf Ihren Sohn, und Sie selbst sagten vorhin, daß alle mündlichen Auseinandersetzungen besser vermieden würden. Wenn er meinen Brief empfangen hat, wird er vielleicht trotz alledem den Wunsch haben, mich noch! einmal zu sprechen. Aber Sie werden ihm diesen Wunsch anszureden suchen — nicht wahr?"
„Ich werde thnn, was ich nur immer vermag, um es Ihnen zu ersparen. Sie können in diesem wie in allem anderen ganz auf mich zählen, liebe Margarete!"
Er wollte ihr die Hand, reichen, aber sie mußte seine freundlich dargebotene Rechte wohl nicht gesehen haben; denn sie legte biet ihrige nicht hinein, und verließ mit einem leisen, fast tonlosen Äbschiedsgruhe das Gemach.
(Fortsetzung folgt.)
Mißlungen.
Von An ton Tschechow.
Mus dem russischen ton Stefan ia Gold en ring.
(Nachdruck verboten.)
Ilja Sergjeitsch Peplow und dessen Frau, Cleopatra Petrowna, standen an der Thür und horchten eifrig. Hinter der Thür wurde offenbar eine Liebeserklärung volb- zogen, und zwar machte der Gemeindeschullehrer Stschupkin ihrer Tochter, Nataschenka, seine Liebeserklärung.
„Er beißt an", flüsterte Peplow, dabei zitterte er vor Ungeduld und rieb sich die Hände.
„Paß auf, Petrowna, sobald sie von Liebessachen zu sprechen beginnen, dann nimm sofort das Heiligenbild von der Wand, — und wir segnen sie . . . Wir werden sie bedecken. . . Der Segen mit dem Heiligenbild ist heilig Und unantastbar . . . Dann kann er nicht zurück, und wenn er selbst an's Gericht ginge."
Indessen wurde hinter der Thür folgende Unterhaltung geführt:
„Hören Sie auf zu trotzen!" sagte Stschupkin, während er an seinen fintierten Beinkleidern ein Zündholz austeckte. „Ich habe Ihnen gar keine Briefe geschrieben!"
„Ach nun! Als würde ich Ihre Handschrift nicht kennen!" kicherte das Mädchen, pfiff dabei, urib zierte sich, und besah sich immer wieder im Spiegel. „Ich habe die Schrift sofort erkannt! Und wie sonderbar Ihr seid! Schönschreiblehrer sind Sie, und haben eine Handschrift wie ein Huhn! Wie lehren Sie schreiben, wenn Sie selber so schlecht schreiben?"
„Hm . . . Das thnt nichts. Beim Schönschreiben ist die Handschrift nicht die Hauptsache, das Wichtigste ist, daß die Schüler sich gut betragen. Der eine bekommt mit bernj Lineal eins an den Kopf, ein anderer über die Kuie-e! . . Was liegt an der Handschrift! Unsinn! Nekrasow war Schriftsteller, und es ist eine Schande, seine Handschrift zu sehen. In der Sammlung der Aufsätze wird seine Hand-t schrift gezeigt.
„Das ist Nekrasow, aber Sie . . . (Seufzer). Einew Schriftsteller würde ich gern heiraten. Er würde mir fort-, während Gedichte aus dem Kopf schreiben!"
„Gedichte kann auch ich Ihnen schreiben, wenn Sitz wollen."
„Worüber können Sie denn schreiben?"
. „lieber Liebe . . . von Gefühlen . . . von Ihren Augen . . . Sie werden es lesen — davon gerührt sein . . . Eine Thräne wird fallen! Und wenn ich Ihnen ein poetisches Gedicht schreibe, so werde ich Ihnen das .Händchen küssen dürfen?"
„Große Cache . . . Meinetwegen küssen Sie jetzt gleich!"'
Stschupkin sprang herbei, öffnete die Augen weit, und stürzte sich ans das runde, nach Mandelseife riechende Händchen.
„Nimm das Bild herunter!" mahnte der Mann zur Eile, stieß seine Frau mit dem Ellenbogen an, wurde ganz bleich vor Aufregung und knöpfte feinen Rock zu.
Ohne eine Minute zu zögern, machte Peplow die Thür auf.
„Kinder", stammelte er, die Hände erhebend und mit den thränengefüllten Augen zwinkernd. „Der Herr segne Euch, meine Kinder. ■ . Lebt. . . vermehrt Euch. . . pflanzt Euch fort! —"
„Auch . . . auch ich segne Euch . . ." fügte die Mama hinzu und weinte vor Glück. „Werdet glücklich/ meine Teuren! O, Sie berauben mich meines einzigen Schatzes!"' sagte sie, indem sie sich an Stschupkin wandte. „Lieben Sie meine Tochter, feien Sie gut zu ihr."
Stschupkin öffnete den Mund vor Stailiicn und Schrecken, Der lieber fall der Eltern geschah so urplötzlich und kühn, daß er kein Wort sprechen könnte.
„Hereingefallen! Ueberrumpelt!" dachte er, vor Schrecken ganz schwach werdend. „Jetzt bist Du gefangen,; Bruder! Sieh zu, wie Du herauskommst!"
Und er hielt demutstoll seinen Kopf hin, als wollte er sagen: „Nehmt mich hin, ich bin besiegt!"
„Ich se. . segne . fuhr der Papa fort und weinte ebenfalls. „Nataschenka, meine Tochter. . . stell Dich daneben. Petrowa, gieb mir das Bild her. . ."
Hier aber hörte der Erzeuger plötzlich auf zu meinen, sein Gesicht erzitterte vor Zorn.
„Schafskopf!" sagte er mit Aerger zur Frau. „Dumm' bist Du aber! Ist das denn ein Heiligenbild?"
„Ach, Du heiliger Himmel."
Was ist geschehen? Der Schonschreibelehrer erhob ängst-, lich die Augen rind sah, daß er gerettet war. Die Mama! hatte in Eile anstatt des Heiligenbildes das Porträt des! Schriftstellers Ljasetschnikow von der Wand hernnterge- nommen. Der alte Peplow und dessen Fran Cleopatra! Petrowna standen mit dem Porträt in den Händen verlegen da und wußten nicht, was sie thun und sprechen sollten. Der Schönschreibelehrer benutzte diese Verwirrung und machte sich davon.
Neue Pariser Hüte.
(Nachdruck verboten.)
Auch die Herbst- und Winterhüte folgen in Form und Farbe der gegenwärtigen, zum Malerischen neigenden Moderichtung. Der große, flache Hut beherrscht fast aus-i schließlich die Jahreszeit, da er jedoch nicht für jedes Gesicht! kleidsam ist, so behaupten sich neben demselben noch die verschiedensten Formen, wie Capelines, Amazonen, der Toreador, Trieorne elegante Toques aus Tuch oder Sammet usw. Auch der seit längerer Zeit etwas vernachlässigte


