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amte mit dem glattrasierten Gesicht. Er sah den Redner an, und machte ein ärgerliches Gesicht.
„Wie bist Tu nur darauf gekommen?" lachten die Beamten, als sie mit Sapoikin zusammen vom Begräbnis zurückkehrten. „Tu hast einen Lebenden begraben."
„Tas war nicht schön, junger Mann!" brummte Pvo- kofi Ossipitsch. „Ihre Rede mag vielleicht für einen Toten ganz gut Passen, aber in Bezug auf einen Lebenden wirkt sie — nur lächerlich!. Ich bitte Sie, was haben Sie gesagt? Auf eigenen Vorteil nicht bedacht, nicht käuflich, nimmt keine Bestechungen! Bon einem Lebenden kann man so etwas doch nur zum Spott sagen. Auch hat Sie niemand gebeten, mein Herr, sich über mein Gesicht zu äußern. Man mag ja nicht hübsche man kann ja häßlich sein, aber wozu brauchen Sie mein Gesicht vor allen Leuten bloszn- stellen? Tas ist beleidigend!"
Zur Beleuchtttttst der Tnnkgelderfrage.
Ein Hotelbesitzer hatte einem wohlhabenden Logiergast einen Raum mit einem Kronleuchter, der zwanzig Kerzen trug, angewiesen und den Diener beauftragt, die Kerzen sämtlich anzuzünden. Ter Mann that wie ihm befohlen, und obgleich der Gast sofort befahl, die Kerzen auszulöschen, fand er auf seiner Hotelrechuung doch den Posten: „Zwanzig Kerzen, 5 Mark."
Er ging in sein Zimmer zurück, nahm die Kerzen aus den Leuchtern, wickelte sie in Papier und steckte sie in die Tasche seines Paletots.
Als er das Hotel verließ- standen sämtliche Bediensteten in der Borhalle, freundlich lächelnd, in Erwartung des Trinkgeldes. Der abreisende Besucher zog seine Kerzen aus der Tasche und begann, sie zu verteilen. „Gestatten Sie, mein Herr", sagte er mit einer Verbeugung, „Erlauben Sie, mein Fräulein. Es sind vorzügliche, ungewöhnlich gute Kerzen, ich versichere Sie; ich habe einen hohen Preis dafür gezahlt". Und so verließ er die lange Reihe der dienstbaren Geister, die ganz verblüfft auf die eigenartigen Trinkgelder in ihren Händen niederblickten.
Velhagen & Klasims Monatshefte veröffentlichen im I. Heft des neuen Jahrgangs die Anfänge von nicht weniger als drei großen Erzählungen erster Autoren: „Tas ABC des Lebens", einen Roman von I d a B o h - E d; „T r a u m i m S ü d e n", von Georg Frhr. von Ompteda; „Die pap lerne Macht", Roman von Feodor von Zobeltitz^ Alle drei Dichtungen setzen gleich wirkungsvoll ein. Aus dem reichen und vielseitigen sonstigen Inhalt heben wir noch hervor: einen Essay „Richelieu" von Prof. Dr. Ed. Heyck, einen Artikel „R o s e n" von D r. Julius S t i n d e mit Aquarellen von Cat. Klein, eine lustige Plauderei „Hinter den Co ult s s en eines Riesen-Restaurants" (Zool. Garten in Berlin) von Hanns von Zobeltitz. Sehr interessant ist auch ein Beitrag von Fr. von Ostini- Münchcn über den Prinzregenten alsWaidmann. Persönliche Erinnerungen an Weimar und die Wartburg gießt Richard Voß, während Prof. Dr. H a u s - Hofer über „Trusts und Kartelle", und ihre Bedeutung für die heutige Volkswirtschaft orientiert. Das ganze Heft trägt inhaltlich und seinem bildlichen S ch m u ck n a ch d e n v o r n e h m e n C h a r a k t e r, der Velhagen & Klassings Monatshefte stets ausgezeichnet hat.
Das Oktoberheft ist wieder sehr reichhaltig und interessant. Unter den vier illustrierten Artikeln, die es bringt, sei an erster Stelle ein Aufsatz von Ludwig Pietsch über den großen Düsseldorfer Maler Peter Janssen genannt. In dem zweiten Aufsatz berichtet Freiherr Georg von Ompteda über seine Bergbesteigungenim Hoch - gebirge. Ernst Förster beschreibt ausführlich die Ausrüstung des Schiffes „Gauß,", das unsere Forscher in die eisigen Regionen des Südpolarmeeres tragen soll, und ein Mitarbeiter, der sich hinter dem Pseudonym Castor verbirgt, plaudert allerliebst über „Rebhühner und Krammetsvögel". — Unter den nichtillustrierten Aufsätzen sei auf den Beitrag von Joseph Laufs: „Meine l i t t e r a r i s ch e n W a f f e n g ä n g e" und den Artikel von
Arend Buchholtz: „Königin Luise und Kaiser Alexander" hingewiesen. — Die Romane von Ida Boy-Ed: „Das ABCdes Lebens" und von Feodor von Zobeltitz: „Die papierene Macht" fesseln ebenso sehr wie eine reizvolle Erzählung von Georg von Ompteda: „Traum im Süden". — Die selbständigen Jllustra- tionen sind wieder mit jenem feinen Verständnis ausgewähltund wiedergegeben, das für Velhagen & Klassings Monatshefte so charakteristisch ist.
GemerrrnMziges.
Erwärmende Getränke sind bei Beginn der kühlen Witternng unb den ganzen Winter hindurch Erfordernis bei den verschiedensten Anlässen. Den Schaden für die Nerven bei Aufnahme von zu viel Alkohol, Kaffee oder Thee betonen heut alle Aerzte. Du bieten sich denn alle jene Getränke dar, welche mit einem reichlichen Zusatz von Liebig's Fleisch-Extrakt oder des Fleischs-Peptons der Kompagnie Liebig ebenfalls (das nicht, wie manche andere Peptone, dnrch unangenehmen Geschmack abstoßend wirkt) ein starkes, dabei aber unschädliches Erregnngsmittel für den Organismus bieten. Es sei ans alle dünnen Schleimgetränke, auf Fleisch-Extraktbouillon, auf in leichtem Bier zerquirlte, und mit Fleisch-Pepton versetzte Eier (rohe oder weichgekochte), auf .dünnen Haferschleim mit wenig englischem Porter und Fleischk-Pepton schaumig geschlagen, vor allem auf den nahrhaften Tapioka mit Fleisch-Pepton und wenig Zusatz von Sherry aufmerksam gemacht. Tas alles wird zarten, durchfröstelten oder überarbeiteten Leuten sehr woh bchun.
Unter den Seerosen, den lieblichen Bewohnern unserer Teiche, ist die rote unstreitig die herrlichste. Ihr Rot spielt in den verschiedensten Tönen ustd wirkt aus diesem Grunde schon viel abwechslungsreicher als das Weiß ihrer Mitschwestern. Für diese herrliche Pflanze legt denn auch der praktische Ratgeber im Obst- und Gartenbau ein warm empfehlendes Wort ein, das um so berechtigter ist, als diese Seerose gleiche Widerstandsfähigkeit gegen die Kälte besitzt wie die weiße Art.
Näheres über die Anzucht dieser dankbaren Pflanze finden die Interessenten in der letzten Nummer der obengenannten Zeitschrift, die kostenlos vom Geschäftsamt in Frankfurt a. d. Oder bezogen werden kann- Eine trefflich gelungene Abbildung giebt auch von der Blühwilligkeit dieser Seerose eine Vorstellung.
Sanerkrantvordem Verberben zus ch>ü tz e m Droht Sauerkraut zu verderben, überzieht sich dasselbe- namentlich auf der Oberfläche, mit Schimmel, der sich immer wieder erneuert, wenn man ihn entfernt hat, und endlich dem Kraute nicht nur den Schimmelgeschmack verleiht, sondern auch dessen Fäulnis veranlaßt, so gießt man auf die über dem Kraute stehende Brühe langsam einen Viertel- schvppen Branntwein und wiederholt das im Anfänge jedesmal, so oft man Kraut aus dem Fasse nimmt. In der Regel braucht man diesen Zusatz nicht öfter als viermal zu wiederholen,
(„Prakt. Wegw.", Würzburg.)
F Ü ll r ä t s e l.
Nachdruck verboten.
1. Fragewort.
2. Französischer Wein.
8. Blütenform.
4. Bekannter Komponist.
5. Musikinstrument.
In die Felder vorstehender Figur sind die Buchstaben A, B, C, D, EEEEEE, II, L, MM, 0, P, ERBE, 8, U, WW derart einzutragcn, daß die wagcrechtcn Reihen Wörter von der beigefügten Bedeutung bilden, während die beiden dnrch schwarze Felder bezeichneten Ouerrcihen die Namen zweier deutscher Flüsse ergeben.
(Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung des Delphischen Spruchs in vor. Nr.: Epos — Pose.
Redaktion: E. Burkhardt. — Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen Universitäts-Buch- und Stcindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.


