Ausgabe 
19.10.1901
 
Einzelbild herunterladen

Um welche Zeit gnädige Frärr befehlen . ,

Sagen tote um neun Uhr."

Sehr Wohl, gnädige Frau. . ,"

Sie reichte ihm die .Hand, die er ehrerbietig küßte. In seinem §er§en jubelte es auf, glaubte er doch einen leisen Druck ihrer Haud zu fühlen.

Die Baronin erhob sich und trat zu ihrem Gatten.Ich habe für morgen mit Herrn Wedemeyer einen Ritt durch die Felder verabredet", sagte sie.Du hast doch nichts dagegen? Ich muß doch unser Reich kennen lernen."

Eitel Fritz war sehr erfreut über das Interesse, welches Irma plötzlich an Petershagen nahm.

Schade, daß ich euch nicht begleiten kann", entgegnete er.Aber ich wollte mit Herrn Werner den Wald besich- tigen. Vielleicht treffen wir uns zu Mittag aus der Försterei?"

Nun, wir wollen sehen. Jetzt entschuldigen Mich aber die Herren ich bin abgespannt und möchte mich zurückziehen . . ."

Aber bitte, lieber Schatz . . ."

Sie reichte ihrem Gatten die Hand, nickte dem Förster und Herrn Wedemeyer noch einmal freundlich zu und begab sich in das Innere des Schlosses. Sie war mit den Er­gebnissen dieses Tages sehr zufrieden und lachte hämisch auf, wenn sie daran dachte, wie sie ihres Mannes Geheim­nis entdeckt hatte. Auch Herr Wedemeyer gefiel ihr aus­nehmend gut, für eine leichte Unterhaltung in der länd­lichen Einsamkeit war er wie geschaffen dieser verab­schiedete Husarenfähnrich!

Inzwischen saß Eitel Fritz mit den beiden Beamten noch bei einer guten Flasche Wein beisammen. Er war so glück­lich, daß er das Bedürfnis empfand, sich auszusprechen, und so plauderten die Herren zusammen, bis es fast Mitternacht geworden war.

XVI.

Wer das kleine verwahrloste Landgut Jägerhof vor einigen Jahren gesehen, würde es jetzt kaum wieder er­kannt haben. Damals die Gebäude, Ställe und Scheunen zerfallen, der Hof und die Wege tief ausgefahren, der Garten wüst, und die Felder nur notdürftig bestellt, von dem lebenden und toten Inventar nur das notwendigste vorhanden, und selbst dieses schlecht im Stande jetzt alles blank und sauber, der Hof fest gepflastert, die Wirt­schaftsgebäude wieder hergestellt, das einfache Herrenhaus freundlich und nett restauriert. In den Ställen glatt­haarige Kühe und Pferde, auf dem Hof eine große Schar- Enten, Hühner und Tauben, in dem Garten, auf Feld und Wiesen reisende Früchte, Korn und Heu.

Eine kleine Musterwirtschaft", sagten die umwohnen­den Landwirte und bewunderten den Fleiß und die That- kraft des alten Breymann und seiner Tochter, welche diese Wandlung bewirkt hatten.

Sehen Sie, Herr von Petershagen", sagte der alte Breymann lächelnd, als er Eitel Fritz auf seinem kleinen Besitztum umher führte,es steht gar nicht so schlimm mit uns Landwirten, wie es so oft heißt; man muh nur ehrlich wollen und energisch zufassen. Der Segen der ehr­lichen, rastlosen Arbeit ist noch nie ausgeblieben. Freilich!, große Sprünge zu machen, erlaubt das Einkommen der meisten Landwirte nicht mehr; schlicht und einfach mutz er wieder leben, wie seine Borfähren, muh selbst die Arbeit in die Hand nehmen, sich vor keiner Arbeit scheuen, und nicht inlnier die Augen auf den unnützen Aufwand der Großstädte gerichtet halten. Mit den Großindustriellen und Großkapitalisten, die mit einem Federstrich Tausende verdienen, können wir nicht Schxitt halten, Bei uns heißt eS: langsam voran, aber sicher."

Sie haben recht, lieber Breymann ich! habe es eingesehen, und mich ja aU|cC)| deshalb .entschlossen, selbst zu wirtschaften." , _

Ah, bei Ihnen liegt die Sache anders! Sie haben ein großes Kapital zur Verfügung..."

Doch nicht so groß, wie Sie glauben, Herr Brey­mann. Das Vermögen von einigen hunderttausend Mark, über das ich nach meiner Verheiratung selbständig ver­fügen konnte, ist zur Abfindung meiner Mutter und Schwestern, und zur Wlösung einiger lästiger Hypotheken verwandt. . ."

Ja, Sie haben mir ja auch meine Hypothek ge­kündigt,"

Ich dachte dämalsf es fei Ihnen angenehm, Herr Breymann . . ."

Die Zurückzahlung des Geldes ermöglichte mir frei­lich den Ankauf von Jägerhof."

Na, sehen Sie. Aber über bares Vermögen verfüge ich nur noch in bescheidenem Matze, Das Vermögest meiner Frau liegt für diese fest."

Tas ist auch! ganz gut, Herr Baron., Ein Notgroschest muh stets vorhanden sein. Uebrigens müßte Petershagest jetzt eine ganz hübsche Rente abwerfen, nachdem Sie diä drückendsten Hypotheken abgelöst haben."

Deshalb bin ich gerade zu Ihnen gekommen, lieber! Herr Breymann. Nack) meiner Berechnung müßte es ist der That der Fall sein, aber Wedemeyer rechnet mir immer; noch einen Fehlbetrag heraus. Ta wollte ich! eiumal Ihre Meinung hören . . ."

Herr Breymann schwieg, und blickte ernsthaft vor sich nieder.

Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie mir öfter mit Ihrem Rate zur Seite stehen wollten", fuhr Eitel Fritz fort.Wir sind damals in Unfrieden geschieden. .">

Sprechen wir njcht mehr davon, Herr Baron! . . q Sie haben mir die Hand zur Versöhnung gereicht, und es wäre schlecht von mir, wenn ich nicht eingeschlagest hätte. Was hinter uns liegt das ist abgethan. Selbst, meine Else doch kein Wort mehr davon. Sie habest ja das Mädchen wiedergesehen; macht es den Eindruck, als vH es an Herzweh leide?" "

Nein, Herr Breymann. . ."

Sehen Sie wieder der Segen der Arbeit! Das! Mädchen ersetzt mir einen Sohn. Heiraten wird sie jst wohl kaum sie hat wenigstens -schon mehrere Antrags! zurückgewiesen. Na und so weiter! Aber, mein beste« Herr von Petershagen, was Sie da von mir fordern, kann ich nicht gewähren."

Aber weshalb nicht?" ,

Ich mische mich grundsätzlich nicht in die Angelegen^ heiten anderer Leute in die von Petershagen kann ich mich aber erst recht nicht mengen."

Ah, Sie sind mir noch immer böse!"

Wahrhaftig nicht. Aber Ihr Inspektor Wedemeyer würde mir eine solche Einmischung mit Recht sehr übel nehmen . . -"

Darauf kommt es doch nicht an."

Herr Wedemeyer ist nun einmal Ihr Inspektor und,- wie ich anerkennen mutz, ein recht tüchtiger Oekonvm =5 Vielleicht etwas zu großspurig - ."

Ja das sagt mein Schwager auch!"

Na, da haben Sie ja ein sachgemäßes Urteil. Und dann Herr Wedemeyer erfteut sich des Wohlwollens der Frau Baronin in hohem Matze offen gestandern Herr Baron, ich möchte nicht die Ursache von Verdruß und Zwistigkeiten sein." , 1 ,

Aber wie wäre das möglich? Meine Frau interessiert sich neuerdings scheinbar sehr für die Landwirtschaft, fast jeden Tag ist sie zu Pferde auf den Felderii oder rM ^"^,Und Herr Wedemeyer begleitet die Frau Baronin . .

Breymann, was wollen Sie damit sagen?!" ,

Nichts, Herr von Petershagen, was Sre rrgendwrä erregen könnte. Meine Worte sollten nur meine Ansicht bestätigen, daß es für mich nicht schicklich ist, Ihnen ratend zur Seite zu stehen. Sie werden mit der Zeit schon selbst das Richtige heraussinden, jeder von uns mutz Lehrgeld bezahlen, Herr Baron. - Und nun lassen Sie uns mst das Haus zurückkehren - geben Sie uns die Ehre em W Wein mit uns zu trinken. Ich sehe, Else hat den Fruhstucks-i tisch auf der Veranda gedeckt." _

Tie Veranda war ein einfacher, von wildem Weist umrankter Platz vor der Thür des schlichten Herrenhauses.-, Eine grün gestrichene Holzbank, einige einfache, grüne Gar-, tenstühle und ein handfester, von dem Dvrftischler geq zimmerter Tisch bildeten das Mobiliar der Laube Aber, es saß sich so gemütlich! und traulich auf diesem schattigen; Plätzchen mit dem freien Blick über den Hof bis aus di«, am Hvfthor vorüberlaufende Landstraße, daß man sich gar keine bessere Ausstattung wünschte.

Der Tisch war sauber gedeckt, und mit freundlichem Lächeln auf dem schönen sonnengebräunten Antlitz; lud!

Ost schon halte Eitel Fritz in dieser LaM gesessen^