Ausgabe 
19.5.1901
 
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oft noch mißtrauisch beobachtet. Die AG der Mer betrügt von 1 bis 24, das Gewöhnliche sind betett 4 bis 5. Die Farbe wechselt nach der Stelle des NesteS, Höhlenbrüter bringen meist weiße ober einfarbige Mer hervor; die in offene Nester gelegten Mer sind getüpfelt. Die Mer mancher Vogelarten sind von geradezu wunderbarer Zeichnung und Färbung, Die zur Entwickelung der Mer erforderliche Zeit ist sehr verschieden, sie schwankt nach der Größe des Vogels und der Mer selbst, auch die mehr oder mindere Wärme des Nestes dürfte nicht ohne Einfluß sein. Ein Strauß braucht 50 bis 60 Tage, ein kleiner Singvogel nur deren 11 bis 13. Die Brutwarme beträgt zwischen 37 bis 40 Grad Celsius, sie ist am Anfang des Brütens geringer, und steigert sich allmählich, bis fte in den ersten Tagen nach! dem Ausschlüpfen der Jungen ihren höchsten Grad erreicht. Die Erkaltung der bereits angebrüteten Eier ist in der ersten Zeit nicht so leicht zu befürchten; meine Vögel blieben oft so lange von ihrem Gelege fort, daß ich bestimmt fürchtete, die Keimlinge seien getötet, und doch war es nicht der Fall. Auch die jungen Vögel halten mehr aus, als man denkt. In einer bitterkalten Märznacht hatte mein bereits aus etwa zwei Tage alten Jungen sitzendes Kanarien­weibchen infolge einer Störung das Nest verlassen, und sich vermutlich nicht wieder dahin zurückgesunden; früh fand ich zu meinem Schrecken die Mutter verstört in einem anderen Nistkasten, auS dem sie wahrscheinlich! den Ausweg im Finstern nicht zu finden vermochte, und die fünf Jungen eiskalt und starr. Natürlich gab ich jede Hoffnung aus. Plötzlich kehrte aber das Weibchen zu seinem Neste zurück, eS schien auch! Kenntnis vom Zustande der Brut zu nehmen, ja, es verharrte während längerer Zeit, es mochte wohl eine halbe Stunde sein, in sonderbar vibrierender leiser Bewegung aus den Jungen, die ich mir nur so zu deuten vermag, daß das Tierchen die Brutwärme auf diese Weise zu vermehren strebte, oder hierin das Mittel zur Steigerung der Nestwärme, beziehungsweise de» eigenen Körperwärme, besaß. In der That befanden sich nach etwa einer Stunde die Jungen bis auf eines, das nicht mehr gerettet werden konnte, munter und wohl, und gediehen vorzüglich. Sehen wir doch auch die brütenden Weibchen die Brutwärme auf andere Weise regeln, indem sie die zu warmen Mer ver­lassen oder wenden, ober den Platz der einzelnen Der- ändern. Bewundernswert und rührend zugleich! wirkt auch die Vorsicht, mit welcher der brütende Vogel sein Nest ver­läßt, um die Eier nicht zu verletzen, oder die Vorsicht, die er bei der Rückkehr in dasselbe anwendet.

Tie Wärme ist zwar die Hauptsach!e bei dem Brüteakt, ihut's aber nicht allein, wie man sich bei den srüher angestellten mißlungenen Versuchen der künstlichen Be­brütung überzeugt hat. Ten Mern muß nämlich frische Lust zugeführt werden, da die im Innern befindlichen Keim­linge den Sauerstoff zu ihrer Entwickelung bedürfen. In China und Aegypten kannte man die künstliche Aus- brütung schon in alter Zeit, man bediente sich dazu aus Lehm hergestellter Kammern, in welchen die Mer auf Stroh am Boden lagen, und alle sechs Stunden gewendet wurden. Die Heizung geschah durch in die Mde hineingebaute Ziegelsteinöfen. Tie alten Aegypter sollen aus diese Weise jährlich gegen 100 Millionen junger Hühner erzielt haben. MiniuS, welchem wir obige Nachricht verdanken, berichtet ferner, daß Julia Augusta, die Gemahlin des Tiberius, tn ihrem Busen Eier ausgebrütet habe eine Beschäftigung, für welche sich heutzutage wohl kaum viele Liebhaberinnen finden dürften. Wir haben die Sache mit unseren gut funktionierenden Brutöfen jetzt bequemer.

Die Brutpflege ist übrigens nicht das alleinige Vor­recht der Vögel, sie kommt auch bei anderen Tieren vor, wenn sie auch! nicht dieselbe Form annimmt. Die Wolfs­spinnen z. B. tragen ihre Mer in einem gesponnenen Sacke am Hinterleibe, manche Krebstiere und Frösche in be­sonderen Taschen, Schlangen legen ihre Eier in Sand oder Mist, die Schildkröten graben Löcher in den Boden, die sie wieder zudecken, nachdem sie ihre Mer hineingelegt. Unter den Vögeln giebt eine Hühnerfamilie, die der Wall- Nister, das Beispiel einer künstlichen Ausbrütung. Die Wall- ttiftet brüten nämlich ihre Mer nicht selbst, sondern ver­

scharren dieselben in von ihnen selbst angelegte hügek- örmigen Anhäufungen von Mde, Schlamm, Sand, Pflanzen- und Tierresten, alles andere der durch Gärung organischer Stoffe bereiteten Wärme überlassend. Andere Arten der Familie graben in vulkanischen Gegenden oder am Meeres- trand Löcher in den heißen Sand, und bringen in diesem die Mer unter.

Die Entstehung der Brutpflege erklärt Dr. Wilh. Haacke in seinerSchöpfung der Tierwelt" aus folgende Weise: Mne eigentliche Brutpflege ist erst dadurch entstanden, daß die Eier längere Zeit in der Mutter verweilten. Die älteste Art der Brutpflege ist die innere, zu welcher erst päter die äußere gekommen ist. Letztere ist entweder da- durch! zu stände gekommen, daß die Eltern sich! der neu­geborenen Jungen, ober der von den Weibchen abgelegten Mer annahmen. Ost scheint es indessen nicht die Mutter, sondern der Vater ober ein anderes Männchen gewesen zu sein, das die Sorge für die Mer ober bte Brut über­nahm. Das erscheint sehr merkwürdig, ist aber verständ­licher als die Entstehung der vorher nicht vorhandenen Liebe der Weibchen zu Eier und Brut. ... Es scheint, daß der von den Mern ausgehende und dem des Weib­chens ähnliche Duft bei den Männchen ein angenehmes Gefühl hervorgerufen, und sie veranlaßt hat, die Mer an sich zu nehmen, sodaß also die Ursache der männlichen Brutpflege durch den Geschlechtstrieb zu erklären ist. Das Männchen gewöhnte sich! daran, die Eier mit sich! herum­zutragen ober zu bewachen. Die Gewöhnung würbe zum erblichen Instinkt, unb würbe so auch auf die Weibchen vererbt, wodurch sich allmählich! die vollkommene Art der Brutpflege entwickelte, wie wir sie bei den höher entwickelten Tieren finden. Daß es vielfach! das Männchen ist, welches ursprünglich! die Brutpflege übernahm, dafür spricht nach Haacke die Thatsache, daß bei vielen auf niederer Ent­wickelungsstufe stehenden Tieren das Männchen noch heute die Brutpflege ausübt. Das nestbauende Stichling-Männ­chen ist ein Beweis dafür. Auch bei den oben erwähnten Wallnistern sind es die Männchen, welche die Bruthaufen aulegen, die Hügel bewachen, und den Jungen beim Aus- schlüpfen behilflich sind. Und bei manchen Vögeln (z. B. den Nandus und Straußen) besorgen die Männchen noch heute das Brutgeschäft.

KesundHeitspflege.

Kalte Füße, die trotz guter Fußbekleidung nicht gebessert werden, sind durch geeignete Wasseranwendungen zu beseitigen. Hierzu eignet sich früh nach dem Aufstehen das warme Fußbad mit 32 Grad Reaumur und ein- viertelstündiger Dauer mit nachfolgender 20 grätiger Ab­reibung der Füße und Beine. Ein halbstündiges Nachruhen mit gut eingehüllten Füßen ist zu empfehlen. Tagsüber trage man genügend weites Schuhwerk, damit sich die Füße mitbewegen können. Am Abend macht man kurz vor dem Schlafengehen eine 20 grädige Abreibung der Füße und Beine, und trocknet letztere ab. Barfußgehen im Sommer, überhaupt ausgiebige Bewegung der Füße unterstützt das Verfahren, S.

Prakfischer Wegweiser", Würzburg.

Bilderrätsel.

(Nachbildung verboten).

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Silbenversteckrätsels in voriger Nummer: Telegraphie ohne Draht.

Mten: »urktzardt. Start «* »erlag der «rShl'schev UntverfitilS-vuch- »ud «Ntatarterri (Pietsch Erdei,) in Eiet«.