Ausgabe 
19.2.1901
 
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Dienstag den 19. Februar

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as Lebcn soll die Erde sein,

£M^ Darin die Weisheit Wurzel schlitzt;

'S*» Und pflanzt ihr hier den Kern nicht ein, Wächst auch kein Baum, der Früchte trägt.

Fricdr. Bsdcnstcdt.

(Nachdruck verboten.)

Die Seekömgin.

Seeroman von Clark Rüssel.

(Fortsetzung.)

Wir. lnöchtelt erst wissen, was aus Quill geworden ist", sagte der Matrose Craig von der Backbordwache, der als untüchtig dargestellt worden war, und es ruhig mit­angehört hatte, als Quill diese Behauptung aufstellte.

Wenn ihr's wissen ivollt, er ist eingesperrt als Rädelsführer bei der Meuterei", antwortete mein Mann. Geht ruhig an die Arbeit. Ich habe mein Versprechen gehalten, und euch aus die Versicherung hin, daß diese Geschichte vorbei sein soll, in Freiheit gesetzt. Haltet ihr jetzt auch, was ihr mir versprochen habt, Leute."

Ja, aber Sie können nicht sagen, die Geschichte ist vorbei, solange Isaak Quill eingesperrt ist; denn dann ist sie eben noch nicht vorbei", erwiderte Craig mit der­selben Frechheit, wie früher.

Na, na, genug davon für heute", sagte der Zimmer­mann, der nach vorne gekommen war, und nun neben der Kombüse stand.Wenn Quill verspricht, seine Pflicht zu thun, wird ihn der Kapitän schon freilassen."

Quill ist einer von unfern besten Matrosen, und wenn wir so schon schwach sind, können wir ohne ihn gar nichts machen", meinte Craig.

Wäre mein Mann von seinen Steuerleuten unter­stützt worden, so ivürde diese Auseinandersetzung einfach unmöglich gewesen fein. Die Matrosen wußten aber recht gut, daß ihr Kapitän nur auf sich selber angewiesen war.

Hört ihr nicht, was Herr Short sagt?" rief Heron. Wenn Quill verspricht, zu arbeiten, wird ihn der Kapitän höchst wahrscheinlich freilassen."

Er versprach das schon, ehe die Luke geöffnet wurde, mit uns zusammen, und kaum ist er an Deck, so sperrt ihn der Kapitän ein", schrie Ralf Green, ein Leichtmatrose.

Wollt ihr an die Arbeit gehen oder nicht?" fragte Richard.

Nicht ohne Quill", antworteten zwei oder drei Stimmen zugleich.

Nun iuaren wir also wieder so weit wie vorher

oder noch schlimmer daran. Zuerst war die Beschwerde der Leute grundlos gewesen, jetzt hatten sie wirklich Grund, sich zu beschweren. Ich meine, sie fühlten, daß es un­gerecht gegen Quill und sie selber sei, ihn gefangen zu halten, nachdem ihnen mein Mann versprochen hatte, sie in Freiheit §11 setzen, wenn sie .die Arbeit wieder auf­nehmen wollten, und daß jetzt ihre Arbeitskräfte wirklich um einen tüchtigen Mann vermindert waren.

Etwas Aehnliches mußte auch meinem Mann in den Sinn gekommen sein. Er stand eine Weile bewegungslos da, und starrte die Leute au. Dann drehte er sich um, und ging nach, achtern mit einem aus Unschlüssigkeit und Aerger gemischten Ausdruck im Gesicht. Ich bemerkte, wie ihm der Steuermann und der Zimmermann mit ihren Blicken folgten, als ob sie fein Zaudern genau beob­achteten, und ich ärgerte mich, daß man meinem Manne diese Unentschlossenheit oder augenblickliche Ratlosigkeit an­merken konnte.

Die Leute standen zusammen und schwatzten und lachten, schienen aber noch keine Lust zu haben, an die Arbeit zu gehen. Jeden Augenblick erlvartete ich, den Mann am Ruder nach, jemand rufen zu hören, wie es vorher der Mulatte gemacht hatte. Vielleicht konnte er von seinem Posten ganz achtern nicht bemerken, was vorne vorging, oder er besaß noch ' nicht die meuterische Frechheit des Farbigen.

Richard blieb neben dem Oberlicht stehen, und ich ging zu ihm.

Ist das nicht zum Berrücktwerden?" sagte er.Da muß man ja allen Mut verlieren. Was für Aussichten habe ich überhaupt mit dieser Mannschaft und diesen Steuerleuten? Sie wollen mich zurücktreiben das wird ihnen wohl nicht gelingen."

Thue mir den Gefallen, Richard", rief ich,und laß diesen Quill frei."

Was! Den Seeräuber, den Rädelsführer! Der stiftet mir ja sofort eine neue Meuterei unter den Leuten an", rief er mit finster in Gesicht.

Ja, aber Du versprachst ihm die Freiheit, wenn er arbeiten wollte, und dazu hat er sich ja bereit erklärt. Du bist verpflichtet. Dein Versprechen zu halten."

Den anderen, aber nicht diesem Hunde. Wenn ich ihm nicht unversehens hätte die Handschellen anlegen können, so wäre es mit Gewalt geschehen, Mann gegen Mann. Ich hatte mir fest vorgenommen, den Kerl in Eisen zu legen. Diesen Kanaillen darf ich'kein Oberwasser lassen. Das bißchen Ueberreft von Ansehen, das ich noch zu haben, glaube, würde dadurch vollends zerstört".

Ich würde das gar nicht beachten", sagte ich.Ich würde es darauf ankommen lassen. Sage den Leuten, Tu hättest Dir die Sache überlegt, und würdest Quill frei-