Ausgabe 
19.1.1901
 
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sich resolviret, die wohlverdiente Dignität dem Kurfürsten beizulegen; er wolle demnach, wenn der Kurfürst sich wegen des Herzogtums Preußen zum König ausrufen und krönen lassen, denselben als einenKönig in Preußen" ehren, würdigen und anerkennen, auch befördern, daß dasselbe von anderen Mächten geschehe. ,

Ter Kurfürst übernahm dafür neben anderen Dingen auch die Verpflichtung, für den Kaiser ein Heer von 10 000 Mann ins Feld zu stellen. Thatsächlich hat er aber rat nun folgenden spanischen Erbfolgekriege in den Dienst des Kaisers stets eine weit stärkere Armee gestellt, was die Hauptursache war, daß er sich an dem für ihn und Preußen viel wichtigeren nordischen Kriege nicht mit der wünschens­werten Energie beteiligen konnte. Obendrein verpflichtete er sich, als mächtigster protestantischer Fürst, niemals, wenn Protestanten in anderen Ländern bedrückt würden, gegen seine eigenen katholischen Unterthanen Repressalien zu üben. Uebrigens konzedierte ihm der Kaiser keineswegs die -An­redeEw. Majestät", sondern nurEw. Liebden".

Bald nach Eingang der Urkunde brach der prachtliebende Kurfürst und seine Gemahlin mit großem Gefolge nach Königsberg zur Krönung auf, die dort mit kolossalem Auf­wande und unerhörter Pracht, die in keinem rrchttgen Verhältnisse zur Größe und den Mitteln des Staates stand, gefeiert wurde. Friedrich setzte sich und ferner Ge­mahlin im Audienzsaale des Schlosses die Kronen aus, worauf sich das neue Königspaar in die Schloßkirche begab, wo ein lutherischer und ein reformierter Geistlicher, die dazu eigens vom Könige zu Bischöfen ernannt worden waren, an ihnen die Salbung vollzog. Am Tage vorher hatte der Kurfürst übrigens auch den höchsten preußischen Orden, den hohen Orden vom schwarzen Adler", gestiftet, im 'Gegen­satz zum höchsten polnischen, dem weißen Adlerorden.

Eine noch so kurze Beschreibung der sich anschließenden Festlichkeiten würde den Rahmen dieses Aufsatzes weit über­schreiten. Es möge daher genügen, darauf hinzuwetsen, daß dabei die Frankfurter Kaiserkrönungen getreulich kopiert wurden, und daß auch, der am Spieße gebratene Ochse und die Brunnen, aus denen Rot- und Weißwein floß, nicht fehlten. 1

An der glatten Anerkennung des Königs fettens der anderen europäischen Fürsten hat übrigens seine Gemahlin Sophie Charlotte ein großes Verdienst. Diese ebenso schone wie geistreiche Frau, die Freundin des Philosophen Leibniz, war nämlich die Seele der vorangegangenen Unterhand­lungen gewesen, und hat weite Reisen nach den Niederlanden und Süddeutschland nicht gescheut, um den Plan ihres Gatten zu fördern. Sämtliche europäischen Souveräne zögerten auch nicht mit der Anerkennung. Nur der päpst­liche Stuhl vermochte sich noch mehrere Jahre hindurch nicht mit dem neuen Königtum zu befreunden und wies darauf hin, daß es ein Vorfahr des Königs Friedrich I. gewesen sei, der durch Säkularisierung des Deutschorden­landes Preußen und dessen Umwandlung in ein weltliches Herzogtum der geistlichen Macht ein schweres Unrecht zuge­fügt habe. Auch der deutsche Orden reichte, obwohl seit der Säkularisation seines Ordenslandes 176 Jahre verflossen waren, zur theoretischen Wahrung seiner Rechte beim Kaiser einen Protest ein, der jedoch zurückgewiesen wurde, und noch nach Kaiser Leopolds Tode protestierte im Jahre 1711 bei der Kaiserwahl in Frankfurt am Main der Kardraal Alberoni gegen das preußische Königtum, bestritt jedoch später, als der preußische Gesandte, Graf Dohna, energisch zu drohen begann, alle seine diesbezüglichen Aeußerungen. Auch Prinz Eugen, der edle Ritter und ruhmgekrönte erste Feldherr seiner Zeit, der seine Dienste, ehe er sich nach Oesterreich wandte, in Berlin angeboten hatte, und der vom Großen Kurfürsten unglücklicherweise wegen seines körperlichen Gebrechens in einer Stunde schwächerer Er­kenntnis zurückgewiesen worden war, gehörte zu den Gegnern des neuen Königtums; denn er äußerte sich später, es hätten alle, die dem Kaiser zur Gewährung rieten, den Galgen um denselben verdient.

Der etikettenstrenge König mußte sich übrigens während des langen Krönungsaktes über seine Gemahlin schwer ärgern; denn in einem Augenblicke, wo sie sich unbeobachtet

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Silbenversteckrätsels in vo

Hoffen und Harren macht manchen zum

Redaktion: ®. Burkhardt. Druck und Verlag der Brühl'schm UmverfitätS-Buch. und Steindruckerei (Pietsch Erben) in «ießen.

Mode.

SoirSes en tetes nennt man die neuen Gesellschaftsabende, denen die Damen in Ball- oder Soireetoilette erscheinen und nur irgend einen charakteristischen Kopfputz wählen, der ihrer Individualität am bcst-il entspricht. Diese Diode ist nicht nur neu und apart, sondern sie bietet den Damen auch durch die geringen Kosten Gelegenheit, wahrend des Faschings ihre Phantasie reichlich zn bethätigen DieWiener Mode bringt m ihrem letzten Hefte (Nr. 8) eine Reihe der reizendsten Masken- kopfputze, die von den Damen gewiß mit Vergnügen als Modelle benutzt werden dürften. Zahlreiche originelle Kostüme, geschmackvolle BalltoiletM und praktische Kleider jeder Art erhöhen den Wert des ungemetn in­teressanten Hestes, dessen Reichhaltigkeit durch den mnsterhasten Handarbetis- teil und die BeilageIm Boudoir" vermehrt wird. Preis des Heftes 45 Pfq., vierteljährlich 2 Mk. 50 Psg Zu beziehen durch alle Buch- Handlungen und Postanstalten ober direkt vom Verlag derWiener Mode, Wien, IV., Wienstraße 19.

Bilderrätsel.

(Nachbildung verboten).

glaubte, zog sie zu seinem Entsetzen eine ihr vom Zar Peter dem Großen geschenkte goldene Schnupftabakdose aus der Tasche, um sich während der langweiligen Zeremome durch eine kräftige Prise zu stärken.

Friedrich I. ist, wie man ohne Pretatsverletzung sagen kann, keineswegs eine so energische Persönlichkeit tote sein Vater und sein Sohn , gewesen, und kann sich mrt dem überragenden Genie seines Enkels, Friedrichs, des Großen, schon gar nicht messen. Dennoch war sein erfolgreiches Streben nach der Königskrone für Preußen und damit später auch für ganz Deutschland vom höchsten Werte,Denn die Glocken, welche diese Königskrönung einläuteten, haben", wie Johannes Scherr sehr richtig bemerkt,zugleich das hei­lige Römische Reich deutscher Nation ausgeläutet, sre waren die Sterbeglocken desselben, obzwar der Leichnam desselben noch hundert, und etliche Jahre lang die Menschen ver- unbeouemte und anwiderte." Der Enkel des ersten Preußen­königs, Friedrich II., hat die logisch-historischen Schluß­folgerungen aus jenem Königsberger Januartage gezogen, indem er das Staatsdasein ein für alle Mal von allen Fiktionen frei machte und zugleich das junge Preußen auf eine Bahn wies und zwang, die, mit Beharrlichkeit ver­folgt, die Hohenzollern eines Tages zu Herren Deutschlands machen konnte und mußte.

Mumenpflege.

Blattläuse an Zimmerpfl anzen können leicht getötet werden, indem man Tabak in einer Kohlenpfanne verbrennt, und diese Pfanne unter die befallenen Pflanzen hält; man muß jedoch dieses Mittel sofort zur Anwendung bringen, sobald man die Blattläuse bemerkt und noch bevor dieselben die Pflanzen zu stark beschädigt haben.

Empfindlichkeit der Magnolien.Dre Mag­nolien sind bei weitem nicht so empfindlich, wie allgemein angenommen wird, und gedeihen selbst noch in rauheren Lagen; dies schließt nicht aus, daß man den Pflanzen, so lange sie jung sind, einigen Schutz und Pflege angederhen läßt. Dagegen sind Magnolien in Bezug auf Standort sehr wählerisch; sie verlangen eine feuchte humose Erde und heben Halbschatten. Eine Ausnahme macht M. macrophylla, welche nassen Untergrund nicht vertragen kann, sondern mehr trockenen, sandigen Humus liebt."

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