Ausgabe 
18.8.1901
 
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dem Tage, wo wir. . hm. . kam Dein Telegramm, und wir mußten fort ohne Abschied!"

Dafür danke dem Himmel! Der Schuft hat eine Frau und vier Kinder, wie er mir heute morgen geschrieben hat! Wie konntet Ihr Euch überhaupt mit einem solchen Kerl einlassen! So ein Schmierendirektvr!"

Was wollte er denn?" fragte Franz, der Oberkellner, schadenfroh. .

Vorstellungen geben draußen in meiner Scheune! Schreibt erst heute früh ganz de- und wehmütig und wird dann frech!"

Um Vergebung, Herr Hotelier!" machte sich plötzlich! eine bänglich zitternde Stimme geltend,der Schmieren­direktor bin ich! Aber es sind alles nur erste Kräfte! Auf mein Wort!" ,c

Und eine Gestalt, in schäbige Eleganz gekleidet. Mit verschminkten Zügen und etlichen Schnupftabaksresten um den Mund herum, schob sich aus der vffenftehenden Thür der Kutscherstube.

Was, zum Teufel, Sie sind. . -"

Theobald Lickefett, genannt Theo von Linkfeld! Zu dienen!"

Mensch, wer war denn aber der andere?" schrie ent­setzt der Bärenwirt.

Aber das war doch.Herr Grasmüller, Väterchen!" klagte Anna Mahlmann.

Was für ein Grasmüller?"

Schuldirektor, soviel wir wissen! Mama hat sich über ihn erkundigt." , ,

Donnerwetter, jetzt fällt mir's ein, der hatte sich ja für unsere höhere Töchterschule gemeldet! Franz, hol' ihn zurück! Und auch Sie da, Theobald Lickefett! Schaffen Sie ihn wieder her! Wenn Sie ihn bringen, brauchen Sie auch keinen Pfennig Pacht für mein Prachttheater zu zahlen!"

Von dem hält' ich sowie so nichts gekriegt!" murmelte er schmunzelnd hinterdrein, wie er seine beiden Boten nach zwei Richtungen hin losrennen sah.

Nach einer guten halben Stunde brachte ihn Lickefett trrumptzerend an.

HM ist er, hier ist er!" sagte er keuchend.Nicht wahr, es gilt, was Sie mir versprochen haben?"

Na und ob!" versicherte Mahlmann.Sie aber, ver­ehrter Herr Direktor, das sind Sie nicht, lieber Lickefett! jetzt meine ich Herrn Grasmüller! Sie bitte ich tausend­mal um Entschuldigung wegen des unsinnigen Mißver­ständnisses/ Treten Sie gefälligst näher! Anna, eine Rauen- thaler!" .

Emanuel sträubte sich zwar noch eine Wecke; tnt Hin­blick aber auf den Rauenthaler, der in keinem schlechten Rufe stehen soll, sowie auch in Erwägung der lieblichen Schenkin, die ihm kredenzen würde und der weiteren Aus­sicht, diesem Schlingel von Bärenwirt späterhin vielleicht mit einer noch viel intimeren Bewerbung kommen zu müssen, ging er schließlich mit.

Und der Alte verhieß ihm in einer Anwandlung von Rührung, Großmut und Rauenthaler nicht nur das Direk­torat, sondern auch die Frau Direktor!

Eutzündung der darunter liegenden Gewebe, verbunden mit Schmerzen, eintritt. Deshalb können genügend große Schuhe oder Sandalen dem Uebel vorbeugen.

Praktischer Wegweiser", Würzburg.

Aür die Küche.

Gemüse schmackhaft leicht verdaulich zn k o ch e n. Wie häufig hört man, daß dies oder jenes Gemüse vom Küchenzettel abgesetzt ist, weil man es schwer ver­tragen kann. Woran liegt nun die schlechte Verdausichkeck vieler Gemüse? Lediglich daran, daß sie nicht so zube­reitet sind, wie sie zubereitet sein sollen. lieber die richtige Zubereitungsart der Gemüse sind sich ja leider die meisten im Unklaren. Uebermäßige Mengen von Gewürzen werden verwendet, um den durch falsches Kochen verloren ge­gangenen Geschmack zu ersetzen. In Nr. 5 derPraktischen Ratschläge für Haus und Hof", dem Nebenblatte von Nr. 18 desErfurter Führers im Gartenbau", finden wir eine Abhandlung über richtiges Kochen der Gemüse. Da bie Gemüse jetzt reichlich vorhanden sind, ihr Genuß allen, besonders aber Blutarmen und Rheumatismuskranken von besonderem Vorteil ist, wenn sie gut verdaulich gekocht wer­den, so möchten wir auf diesen Artikel verweisen, umso­mehr, als die denselben enthaltende Nr. 18 desErfurter Führers" unseren Abonnenten kostensrei zugeschickt wird, wenn sie sich mittels Postkarte nach Erfurt wenden.

Verrmschtes.

Der Briefumschlag verdankt seine Entstehung keineswegs einem grübelnden Erfindergeist, sondern einem Zufall. Tie Entstehungszeit der Hüllen fällt in das Jahr 1820, der Vater des Gedankens wurde der Papierhandler Brewer in Brighton in England. Er beabsichtigte, eine neue und originelle Auslage für sein Schaufenster herzuftellen, dabei kam er auf die Idee, eine Pyramide aus zahllosen kleinen Papierblättchen aufzubauen. Bald türmten Zch dre immer kleiner werdenden Blättchen übereinander und endeten schließlich in einem der Form unserer heutigen Visitenkarten entsprechenden Kärtchen. Bald fand dre Aus­lage Brewers allgemeine Beachtung und rief sogar erne Umwälzung auf .dew Gebiete des Schreibpapiers hervor; denn während man sich bisher zum Schreiben der großen Briesbogen bediente, wurde es nun mit einem Male Mode, diese kleinen Blättchen als Briefpapier zu verwenden. Dieser Sport" kam bald sehr in Aufnahme, doch zergteer auch sehr rasch seine Schattenseiten; denn, wenn dieses Blättchen zum Brief gefaltet wurde, blieb kaum noch Raum für dre Adresse übrig. Die vielen dem Papierhändler vorgetragenen Klagen brachten diesen auf bie Erfinder-Idee, welche wir heute im Briefumschlag verkörpert finden. Brewer liest zu den verschiedenen Formaten passende Hüllen schneiden und erzielte damit so großen Beifäll und so großen Absatz, daß er nach ganz kürzer Zeit zwölf Lieferanten mrt der Anfertigung von Hüllen beauftragen mußte. Heute ist, dre Hüllen-Fabrikation eine Erwerbsguelle für Hunderte von Familien und erreicht einen Millionen-Umsatz.

Gemeinnütziges.

M i t t e l g e g e n d i e R i s s e d e r L i p p e n. Die Lippen find doppelt "empfindlich infolge des heißen Atems von innen und der gleichzeitigen Berührung mit dem kalten Wind von außen; sie erfordern daher eine ganz besondere Pflege, um stets in gesundem Stande zu sein. Erne vor­zügliche Lösung, mit welcher man sie abends wascht, wird folgendermaßen zubereitet: 30 Gramm Honig, 30 Gramm Zitronensaft und 15 Gramm Kölnisches Wasser. Die Lösung ist fast ganz farblos und ihre Verwendung durchaus nrcht unangenehm

Als bestes Mittel gegen Hühneraugen hat Pfarrer Kneipp das Barfußgehen oder das Tragen von Sandalen empfohlen, und in der That, berde Mrttel sinb unfehlbar; denn die Ursache der Hühneraugen srnd nur enge Schuhe, welche durch den ständigen Druck auf einzelne Stellen des Fußes eine vermehrte Hautwucherung und Ver­härtung der Haut zur Folge haben, so daß schließlich eine

Diamanträtsel.

(Nachdruck

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verboten.)

In die Felder dieser Figur sind die Buchstaben AA, EBBE, I, JJ, L, M, NNN, 0, PP, BRR, 8, TT, DU derart einzulragen, daß die mittelste wagerechtc und senkrechte Reihe gleich­lautend ist, und die wagercchten Reihen ohne die beiden Spitzen Wörter von folgender Bedeutung bilben:

1. Getränk; 2. Gebirge; 8.Himmels­körper; 4. männlicher Vorname; 5. Gewässer.

(Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung der A i'hm g phs in vor Nr : Qafrn, Ottomar, Roman, Nacht, Minna, Arzt, China, Hahn, Tizian, Bach, Libanon, Iran, Nil, Diana. Zorn macht blind.

Redaktion: E. Burkhardt. - Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Vnch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen