Ausgabe 
18.7.1901
 
Einzelbild herunterladen

404

Wer freiwillig oder unfreiwillig viel schwitzt, muß na- türlich dabei einige Vorsichtsmaßregeln beobachten. So lange man bei einer Fußpartie in Bewegung ist, schadet die durch- fenchtete Wüsche in keiner Weise; daß man aber dieselbe nicht auf dem Körper trocknen lassen, sondern, ins Quartier gekommen, zur Vermeidung von Erkältungen, baldigst wech seln soll, ist allbekannt. Großer Mißbrauch wird aber mit dem Schwitzen bei gewaltsamen Entfettungskuren ge­trieben. Im römisch-irischen Heißlustbad verliert man in einer halben Stunde mit Leichtigkeit ein Kilogramm an Schweiß; das elektrische Lichtbad ist noch wirksamer, und ein Wohlbeleibter von 90100 Kilo Gewicht verliert bei einer 68 stündigen Tagespartie oft 34 Kilo Wasser in Form von Schweiß. Es ist nun ganz verfehlt, auf diese That- sachen eine Entfettungskur zu gründen; denn eigentlich wird nur verhältnismäßig wenig Fett dabei aufgebraucht und um so mehr Wasser aus dem Körper getrieben. Dies kann aber zu einer gefährlichen Eindickung des Blutes mit darauf folgendem tätlichem Herzschlag und anderen das Leben bedrohenden Erscheinungen führen, wie die zahl­reichen Unglücksfülle bei marschierenden Truppen beweisen, ans der erst wenige Jahrzehnte zurückliegenden Zeit, als man ihnen noch das Trinken auf dem Marsche bei schwerer Strafe verbot. Diese bedauerlichen Unfälle sind fast gänzlich geschwunden, seitdem man den marschierenden Truppen- törpern beim Durchzug durch die Dörfer den ausgiebigen Genuß von frischem Wasser gestattet. Wer viel schwitzt, muß daher für reichlichen Ersatz der ausgeschwitzteu Flüssigkeiten sorgen, und das geschieht am besten durch frisches Wasser oder stark verdünnten kalten Thee und Kaffee. Alkohol hingegen ist in diesen Fällen immer vom Uebel.

Unsere Großeltern lebten in dem Wahne, daß ein kalter Trunk bei erhitztem Körper immer vom Uebel fei. Durch! tausendfältige Beispiele ist inzwischen erwiesen, daß das erfrischende Labsal, wenn mein gleich darauf weiter­marschiert, keineswegs schadet. Wenn man dagegen auf einen Berg hinaufgekeucht ist, und sich nun zu dauernder Ruhe, womöglich im Zugwinde sitzend, niederläßt, um große Mengen eiskalter Getränke hinunterzuschütteu, läuft man natürlich Gefahr, sich einen argen Bronchialkatharr oder gar eine Lungenentzündung zuzuziehen. Immerhin aber ist auch dies das kleinere Uebel, wenn bei weiterem Ent­halten tzom Getränk die Gefahr von Sonnenstich und Hitz- schlag in unmittelbarste Nähe rückt.

Es ist nun einmal die Bestimmung des Menschen seit seiner Vertreibung aus dem Paradies, daß erim Schweiße seines Angesichtes sein Brot essen soll"; aber der biblische Fluch wandelt sich in Segen, insofern gar manche menschi- liche Großstadtpflanze gebräunt und gehörig ausgeschwitzt, viel gesünder als bei der Abreise ins Heim zurückkehrt. Auch das Radfahren ist in diesem Punkte von unberechen­barem Nutzen und trägt viel dazu bei, daß man sich uicht mehr so ängstlich wie früher vor Licht und Wärme versteckt.

Wilhelm Raabe.

Eine Würdigung seiner Dichtungen von Paul Gerber. Leipzig, Verlag von Wilhelm Friedrich. Preis geh.

Mk. 5.-, geb. Mk. 6.-.

Verfasser äußert sich über den Zweck seines Buches in der Vorrede dazu, wie folgt:Das vorliegende Buch be­trachtet die Romane und Novellen Raabes 'im Sinne der Aufgabe, die mir jede Besprechung von Dichtwerken heut scheint hauptsächlich erfüllen zu müssen. Das erste Kapitel läßt sich gelegentlich näher darüber aus. Aber auch! wer eine andere Ansicht vertritt, wird es billigen, wenn aus den wüsten Massen der Zeitschriften und der Bücher die Werke der wahren Dichter hervorgeholt werden. An Raabe ist für viele Gebildete diese Arbeit erst noch zu thuu. Weder bei der Erholung von schwerer Tageslast durch Vorlesen abends am Familientisch, noch etwa über den Strickstrumpf hinweg kann man den Wert eines Dichters beurteilen lernen. Mein Buch soll deswegen allen, die Raabe gar nicht wder nur flüchtig gelesen haben, einen Wink geben, mehr seinen Schriften Beachtung zu zollen. Wenn es viel öfter lobt, als tadelt und des billigen Scheines der Geistreichigkeit

und der kritischen Schärfe entbehrt, so möge die größere Mühe, die es darum erfordert hat, nicht vergebens gewesen sein."

Wir haben es letzthin wiederholt unternommen, Raabes glänzende Gaben in das rechte Licht zu rücken und dem Leserkreis der Familienblätter die Dankesschuld zu Gemüte zu führen, die er dem nun bald siebenzigjährigen Volks­dichter zu zollen hat. Möchte auch das vorerwähnte Buch das seine dazu beitragen, Raabes Werke so bekannt und ver­breitet werden zu lassen, als sie es verdienen. Bdt.

GeMernnützige».

Vorsicht beim Schwimmen. Eltern mögen ihren schwimmenden Kindern verbieten, den sogenannten Kopf­sprung zu machen. Ohrenleidende sollten sich erst gewissen­haft untersuchen lassen, ehe sie schwimmen. Bei Durch­löcherung des Trommelfells kann Wasser ins Mittelohr dringen und den Tod herbeiführen.

Gegen Vergiftungen mit Schierling wende sofort bis zur Ankunft des Arztes Essig oder Weinessig an, event. in Klystierform. Bei Mohnvergiftung gieb starken, schwarzen Kaffee. Nach dem Genuß giftiger Pilze, bei Käsevergiftung und nach dem Genuß von Sadebaum gjeb Essig (bei Kindern mit Wasser verdünnt) zu trinken. Weigert sich der Kranke, so gieb Essig in Klystierform.

Gefährlichkeit der Raupen. Raupen können nicht nur auf der mensMichen Haut, die sie berühren, Ausschläge Hervorrufen," es können vielmehr auch die Schleimhäute, besonders aber die Bindehaut des Auges bei Raupenberührung entzündlich erkranken. Hier bringen die feinen Raupenhärchen den Reiz auf die betreffenden Partien hervor. Auch veranlaßt das Eindringen dieser feinen Härchen in die Atmungsvrgane entzündliche Pro­zesse, besonders Bronchialkatarrh. Man soll deshalb nichf längere Zeit an Stellen verweilen, wo sich Raupen auf­halten, noch viel weniger aber dieselben berühren.

Ein alkoholfreies Sommergetränk liefert die Jngwerwurzel und die Citrone. Es wird 10 Gramm pulverisierte Jngwerwurzel mit 10 Liter Wasser und 3 Kilo­gramm gemahlener Raffinade eine Stunde lang unter stetem Abschäumen zu einem dünneren Jngwerzuckerwasser gekocht, dessen Maßinhalt ungefähr 12 Liter sein dürfte. Diesem giebt man den Saft und die ganz klein zerschnit­tenen Schalen von 5 Citronen und einem Theelöffel Preß­hefe zu und füllt diese Masse auf ein Fäßchen, welches zuvor gut geschwefelt und gereinigt wurde. Es muß spund­voll gemacht und durchs Wasserzusatz spundvoll gehalten, aber nicht hermetisch verschlossen, sondern nur mit dem Spund bedeckt werden. Nun läßt man die Flüssigkeit in diesem Fäßchen zwei Wochen hindurch abgähren, worauf sie in kleine Flaschen abgezogen wird. Es schäumt in frischen Zustande wie Champagner, schmeckt sehr angenehm und hat ein sehr gutes Aussehen. Tie Fläschchen sind aber nicht lange aufzubewahren, sondern gleich auszu­trinken, da sich! selbstverständlich dieses schwache Getränk nicht lange hält. Vereinfachen kann man sich die Her­stellung desselben durch. Mischung von 2 Gramm Citronen- schalenöl und einigen Tropfen in Sprit gelösten Jngweröls, was nur halb so viel kostet, dabei ein volleres Aroma liefert.Prakt. Wegw.", Würzburg.

Logogriph.

Nachdruck verboten.

Ich war ein König im Morgenland;

Als Tier bin ohnel" ich bekannt. (Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung des Diamanträtsels in voriger Nummer: L RAA

KATZE

LATERNE __

HARFE

ENZ

E

Redakt . >- E. Burkhardt. Druck und Verlag der Brllhl'schm Universitäts-Buch- und Stcindrnckerei (Pietsch Erben) in Gießen.