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GenugthuUng zu erinnern. Ein unsinnigerer Mißgriff als diese Verhaftung seines Sohnes sei wohl kaum jemals dagewesen, und er werde nach seiner Wieder genefung selbst dafür sorgen, daß der thörichte Uebereifer des Herrn Untersuchungsrichters von feiten der vorgesetzten Instanz die gebührende Anerkennung finde.
In der That glaubte er keinen Augenblick an Herberts Schuld und hielt sich fest überzeugt, daß binnen kurzem seine Freilassung werde erfolgen müssen. Wenn aber sein Erschrecken wie seine Entrüstung über die dem Sohne zugefügte Unbill sich in so wenig heftigen Formen äußerten, so geschah es, weil diese so ganz außerhalb aller vorherigen Berechnung liegende Verhaftung seinen Absichten auf eine geradezu wunderbare Weife zu Hilfe kam.
Während der unendlich langen, schlaflosen Nacht hatte sein erfinderischer Kopf einen verwegenen Plan ersonnen, der ihm als pie letzte Möglichkeit der Errettung aus seiner verzweifelten Lage erschienen war. Felicias leidenschaftliche Liebe und der Stolz seines Sohnes sollten ihm, wie er meinte, dennoch helfen, das tollkühne Spiel zu gewinnen. Und er glaubte die Karten dazu nicht einmal mit besonderer Geschicklichkeit mischen zu müssen. Es war genug, tvenn es ihm gelang, die Amerikanerin zu sprechen und ihr die Gefahr zu offenbaren, in der er sich befand. Daß dies Geständnis eine furchtbare Demütigung für ihn bedeuten würde, verhehlte er sich zwar nicht; aber keine Regung des Ehrgefühls machte ihn auch nur für einen Augenblick an seinem Vorhaben irre. Wenn er nur der Schande und dem öffentlichen Skandal entging, so brauchte es ihn wenig anzufechten, welche Meinung seine künftige Schwiegertochter n-on ihm hatte. Und zu einem Kopfzerbrechen darüber, wie sich etwa künftig ihr gegenseitiges Verhältnis gestalten würde, war jetzt wahrscheinliche nicht die rechte Zeit. Er wollte Felicia alles sagen und wollte sie glauben machen, daß Herberts abweisendes Verhalten gegen ihre Vorschläge lediglich seiner zartfühlenden Bedenklichkeit entsprungen sei, ihrem Gelds die Rettung der Familienehre zu verdanken. Zugleich aber wollte er ihr den sicheren Weg zeigen, auf dem sie ihr Ziel, den Besitz des so heiß geliebten Mannes, Unfehlbar erreichen würde. Wenn sie ohne Herberts Vorwissen die hunderttausend Mark hergab, deren der Kämmerer bedurfte und wenn sie ihren Verlobten dann vor eine vollendete, nicht wieder rückgängig zu machende Thatfache stellte, so mußte derselbe Stolz, der ihn jetzt so hart gegen Felicias Bitten gemacht hatte, dem Assessor verbieten, das fürstliche Geschenk ohne die erwartete Gegenleistung anzunehmen. Er konnte sich nicht länger weigern, die Trauung Unter den von ihr gestellten Bedingungen stattfinden zu lassen, und er würde durch jene Verpflichtung für alle Zu- kunst mit stärkeren Ketten an sie gefesselt sein als durch die leidenschaftlichste Liebe.
(Fortsetzung folgt.)
Vom Monat Dezember.
Dezember 19 01,
(Nachdruck verboten.)
' Vom Dezember erwartet man schon echtes Winterwetter; regnerische Witterung bildet in der Regel den ungemütlichen Uebergang zu Frost und Schneegestöber. Kalendermäßig beginnt der Winter, wenn die Sonne in das Zeichen des Steinbocks tritt, am 22. Dezember und die kürzesten Tage und längsten Nächfe bringt. Das dann wachsende Licht erfüllt die Herzen wieder mit froben Hoffnungen auf ein neues, segenbringendes Jahr, auf eine gute Zukunft und auf fonnenreiche lichtvollere Tage; auf diesen letzteren beruhte die uralte Feier des Winter-Sonnenwendfestes. Jetzt ist es' der Christenheit froher Feiertag — die Feier der Geburt des Christkindes — das WeihnacWfest, das Fest des Lichtes, des Friedens und der Liebe, — aber auch zugleich ein Fest der Schnabelweide für groß und klein. An den Rüstungen zum Weihnachtsfeste, von dem uns nur noch wenig Wochen trennen, nimmt darum auch der Markt in seiner Weise teil. Es bietet in diesen Wochen, was die Winterszeit zu bieten 'vermag. Außerordentlich gut ist der Fleisch- und Geflügelmarkt versorgt. Vorherrschend unter dem Geflügel ist noch immer die Gans, Enten werden schon seltener. In guter Ware ftnden wir Hühner, Perlhühner und die hochgeschätzte Pute oder Truthahn, der besonders in Frankreich und England auf jeder Weihnachtstafel seinen Platz einnimmt. Feines Mastgeflügel, als Kantburger Kücken, steirische Ka
paunen, Brüsseler und französische Masthühner bieten die Delikateßhandlungen. Wildgeflügel ist durch recht feiste Fasanen, bulgarische Steinhühner, Schnepfen aus Dalmatien, Schnee-, Birk- und Haselhühner aus Rußland vertreten. Das Wild unserer Waldungen, zumal der Hase, scheint in diesem Winter nicht billig zu werden, auch Rehwild wird teuer, da in der zweiten Hälfte des Monats die Jagd auf Riken aufhört. Vorhanden ist Rot- und Damwild, sowie Wildschwein, sodaß zu Weihnachten auch! der von unseren Vorfahren besonders gefeierte „Juleber" nicht fehlt. Als willkommene Aushilfe für das teuer werdende Reh fendet Rußland das Renntierfleisch, das namentlich dann vollkommenen Ersatz leistet, wenn es von jungen Tieren stammt. Ein beliebter schwedischer Leckerbissen sind Renntierzungen, die in Büchsen eingelegt, von Schweden und Norwegen aus in den Handel gebracht werden. Eine wohlschmeckende Zubereitung der Renntierznngen ist folgende: Man kocht drei Renntierzungen ab, zieht die Haut herunter, legt sie in eine Kasserolle auf Speck, Schinken und Wurzelscheiben, gießt eine leichte Bouillon aus Liebigs Fleisch-Extrakt nebst zwei Glas Madeira darüber und dämpft sie weich. Man richtet sie in Scheiben geschnitten kranzförmig an, füllt in die Mitte gedämpfte Champignons, viereckig geschnittene Salzgurkenscheiben und kleine Wildklöschen. Der entfettete und mit Kraftsauce verkochte Fleischsaft wird darüber gegossen.
Im Fifchhandel nimmt der Karpfen als beliebter Weihnachtsfisch allgemeines Interesse in Anspruch; Nach Einführung des Christentums in Deutschland wurde der Karpfen, der int Schwarzen Meer und der unteren Donau heimisch war, durch! byzantinische Mönche in klösterlichen Gewässern in Pflege genommen, und so an die Kloster- zucht gebunden, daß er einfach! „Klosterfisch" genannt wurde. Erst vor ungefähr 30 Jahren hat die Karpsenzncht an Ausdehnung derart zugenommen, daß dieser Fisch in ganz Deutschland verbreitet ist, und überall zum Weinachtsfest und Sylvesterabend der übliche „Bierfisch/' genossen wird. — Bon Binnenfischen sind Aale, Barsche, Brassen und Hechte noch vorzüglich. Sehr feine Tafelfische find jetzt: -Zander, Steinbntt, Saibling, sowie Rhein- nnd Ostseelachs. Schellfisch: Kabeljau, Rotzunge, Scholls sind die billigen Seefische, und da sie sich auch in brauner Biertunke zubereiten lassen, finden auch sie allmählich in der einfachen bürgerlichen Küche — wenn von der symbolischen Bedeutung des Rogens abgesehen wird — als Weihnachts- und Shlvesterfische Verwendung. Man bereitet zu ein einhalb Pfund Schellfisch folgende Soße. 15 Gramm Mehl röstet man mit 20 Gramm Butter, fügt etwas Snppengemüse, einen Eßlöffel Zitronensaft, etwas Zitronenschale, eine kleine Brotkruste, ein halbes Liter Braunbier, 40 Gramm geriebenen Fischpfefserkuchen, ein Viertelliter Brühe ans 5 Gramm Liebig's FleisäfiExtrakt bei, und kocht das in Stücke geschnittene Fischfleisch darin gar. Dann gießt man die Tunke durch, giebt noch 30 Gramm Butter hinzu, schmeckt sie mit Salz und Pfeffer ab, und giebt sie über die Fischstücke.
Feine Fischkonserven, Hummern und Suppenkrebse sind preiswert. Gut find Sardinen, und Kaviar wird in den feinsten Marken an der unteren Wolga, dem Ton, Bug, Dnjestr, und von dem adriatischen Meer gewonnen.
Der Gemüsemarkt bietet trotz der vorgerückten Jahreszeit noch viel und mancherlei; in erster Linie Grün- und Braunkohl, Weiß- und Rotkohl, Wirsing, italienischen Blumenkohl, und auch noch guten Spinat, weiße und Teltower Rüben, Kohlrüben, rote Rüben oder Bete, Karotten, sehr schöne Schwarzwurzeln, Sellerie, Petersilie, Porree und Zwiebeln. Dabei bemerken wir, daß man eine angeschnittene Zwiebel nicht verwerten soll, da sie mitunter schädlich wirken soll. Für Salat giebt es Endivien, Rapunze, feinen Treibsalat, Erfurter Kresse, Eskarol und Treibgurken. Ferner sieht man gute Radieschen, seine Treibgemüse, der seltene rind feine Palmkohl, Cardy, Arti- schoken, Süßfenchel, sowie ausgezeichnete Gemüse-Kon- serven und Präserven.
Auf dem Obstmarkt sind vorherrschend Aepfel, aber leider nicht billig. Birnen verschwinden fast gänzlich, dafür ist die Nußernte gut, und reich ausgefallen.
Tie Auslagen der Telikateßhandlungen stellen in rhrer Mannigfaltigkeit fast eine Heine Ausstellung vor. Da liegen saftige Granatäpfel, aromatische Ananas, Treibhaus- tranhen, spanische Mandeln, Apfelsinen, Mandarinen und


