Ausgabe 
17.10.1901
 
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(Nachdruck verboten.)

Der Erbe von Petershagen.

Roman von O. Elster.

(Fortsetzung.)

In Nachdenken versunken blieb Irma am Tisch sitzen. In solch ernster, energischer Weise hatte Eitel Fritz noch niemals zu ihr gesprochen. Was hatte ihn dazu bewogen? Was hatte diese Sinnesänderung in ihm hervorgebracht? Aus ideale Beweggründe legte Irma kein Gewicht. Tiefe gab es nicht für sie; sie suchte mithin nach einem wirklichen Grunde, und mit dem seinen Spürsinn des Weibes glaubte sie in einem weiblichen Wesen, das ihres Gatten Interesse erweckt hatte, diesen Grund seiner Sinnesänderung finden zu sollen? Eine frühere Bekannte aus der Jugendzeit ihres Mannes! Tie Tochter oder die Frau eines benach!- Larten Gutsbesitzers dieser frühzeitige Spazierritt hing gewiß damit zusammen konnte er seiner früheren Liebe nicht auf diesem Ritte begegnet sein? Auf dem Lande stehen ja auch die Tomen früh auf, wie ihr Ruscha noch gestern erzählt hatte.

Ja, ja, das mußte es sein! Sie lächelte vor sich hin der Gedanke, daß ihr Mann mit einer anderen Frau geheime Zusammenkünfte haben könnte, berührte sie weiter Nicht schmerzlich, sie empfand nur eine gewisse Befriedigung, das Geheimnis ihres, Gatten, wie sie meinte, entdeckt zu haben. 6

Befehlen gnädige Frau Baronin, daß ich den Tisch abdecke?" fragte der alte Friedrich, der wieder eingetreten war.

Jrmä erhob sich-.

Ja, Sie können abdecken."

Tann trat sie an ein Fenster und ließ die Augen

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1901. Mr. 148.

Donnerstag den 17. Moder.

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mich die Huld des Geschickes Mit weiser Einfalt verseh'n, Ließ ich die Kugel des Glückes, So wie sie rollete, geh'».

Bei kleiner Güter Genüsse Verschmäht' ich, was mir gebrach, Und sah dem eilenden Flusse Der Jugendtage nicht nach.

Frei vom verzehrcndm Neide,

Von Unvergnügsamkeit frei, Wußt' ich, daß heutige Freude Ein Quell der morgenden sei.

Joh. Nikolaus Götz.

über die weite Landschaft schweifen, die sich zu Füßen, des Schlosses ausbreitete.

Nennen Sie mir doch die nächstliegenden Güter und Ortschaften, Friedrichs, wandte sie sich an den alten Tiener. Dort sehe ich einige Türme aus den Baumgruppen hervor^ ragen..." *

Tas ist Schloß Zehren, gnädige Frau."'

Ein schöner Besitz?"

Fast viertausend Morgen, gnädige Frau."

Lebt der Besitzer auf dem Schloß?"

Ja gnädige Frau. Der alte Herr Graf Zehren mit Frau Gräfin und zwei Fräulein Töchter. ."

Ah, Töchter?. Wie alt find die Damen? Jung- hübsch?"

Halten zu Gnaden, Frau Baronin die jüngste Kom­tesse ist wohl schon vierzig Jahr. ."

Ein hübsches Alter", lochte Irma. Also das war un gefährlich. Sie mußte weiter fragen.

Jenes Torf da hinten?"

Jesewitz, gnädige Frau, wo das, Gut des Herrn von Sannow liegt. .

Also auch nichts!

Und jener kleine Gebäudekomplex dort ich glaube wir sind gestern daran vorbeigefahren, als Wir Von der 93ci.fin feinten.z/

Allerdings cs ist das Gut Jägerhof. In früherer Zeiten gehörte es zu Schloß Petershagen."-

Wer ist jetzt der Besitzer?"

Herr Breymann, früher Inspektor auf Petershagen. Gnädige Frau entsinnen sich vielleicht noch des alten Mannes vom Begräbnistage des seligen gnädigen Herrn. Er trüg' einen langen weißen Bart"

Ja, ja . . . hat er Familie?"-

Eine Tochter, gnädige Frau. . ."

Ah" sie blickte den alten Tiener scharf an, übe' dessen Gesicht ein psisfiges Lächeln zuckte.

Sie lachen! Was ist's mit dieser Tochter?"

O nichts, gnädige Frau Baronin. Fräuleir. Else Breymann ist eine vortreffliche junge Dame jetzt bewirtschaftet sie fast allein das Gut sie reitet selbst aus den Feldern umher und beaufsichtigt die Arbeiter mar sagt, sie soll mich mal mit der Reitpeitsche. ."

Der Alte machte die Bewegung des Schlagens unk kicherte vor sich hin.

Also eine interessante Dame. Hübsch?",

Wenn ich mir ein Urteil erlauben darf: ja. Abe» etivas robust, gnädige Frau."

So. Wie alt?"

Ich weiß es nicht genau. Sie kann einige Jahre jünge' als der gnädige Herr sein als Kinder haben sie zusammer gespielt und man sagte. . ."

Er hielt erschreckt inne.

Was sagte mail?" forschte Irma weiter.