Ausgabe 
17.9.1901
 
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fo breit in! den Schultern war er mir nie vorgekommen. IW üächsten Augenblick, wd die Männer Meinem Versteck immer näher kamen, wurde ich durch Karsten über die Ursache dieses veränderten Aussehens belehrt, Zu gleicher Zeit er­nannte ich, daß der Fvrsthüter jetzt einen anderen Rock trug; vorher war es ein langschößiger grau-grüner Rock gewesen, jetzt trug er eine Joppe, die zu kurz war, die Schöße des ändern, den er unter derselben trug, zu bedecken.

Ter vermißte Jagdrock meines Mannes!" durchfuhr es mich blitzartig. In dein gleichen Moment sagte Karsten: Du hättest doch vorsichtiger sein und die Joppe nicht so offen aus dem Leib tragen sollen, wenn man sich den blonden Vollbart hinzudenkt, hast Du jetzt eine verteufelte Aehn- lichkeit mit na, ich will lieber den Namen nicht aussprechen, man soll den Teufel nicht an die Wand malen!'

,Pah!' lachte der ändere, ,der blonde Vollbart fehlt Den, und der Rock wärmt, die Luft kommt von Nord und ist (gerade nicht angenehm. Wer soll uns auch! begegnen in Vieser Nacht? Der Forstmeister sitzt hinter Schloß! und Riegel und die andern s- na, allzu sauer werden sie sich diese Zeit der Freiheit eben nicht machen.'

Mein Verdacht war also bestätigt, es war ja gleichsam -ein Schuldbekenntnis, welches die beiden da von sich gäben, fchade nur, daß ich die einzige Hörerin war!

Mittlerweile hatten sich die beiden Männer entfernt, und ich konnte nach einiger Zeit meinen Lauscherposten verlassen.

Müde und zerschlagen kam ich heim, aber dennoch war die seelische Erregung so stark, daß der Schlaf mich floh, -erst als der Morgen längst angebrochen wär, fiel ich in einen kurzen Schlaf.

Sie werden nun fragen, warum ich mit diesen Mitteil­ungen nicht sofort zu Ihnen eilte? Darauf habe ich nun freilich nur die eine und für Sie wahrscheinlich unzureichende Antwort, daß ich eine nicht zu unterdrückende Furcht hatte, Mein Gang zu Ihnen möchte beobachtet und! den beiden Ver­brechern mitgeteilt werden, die dann hinreichende Zeit hatten, -alles das zu beseitigen, was zum Beweis ihrer iD-äterschaft bei dem! Uebersall auf den .Staatsanwalt hätte führen können."

Auch jetzt wird! es noch nicht zu spät sein", meinte Held, -,ich werde sofort die nötigen Schritte zu einer schleunigen Haussuchung sowohl bei Schwarz, als auch bei Karsten thUn, Und je nachdem dieselbe ausfällt, wird auch! die Verhaftung der beiden verfügt werden. Darf ich Ihnen jetzt einen Wagen besorgen, gnädige Frau?"

Wenn Sie die Güte haben wollten, ich fühle mich wirk­lich erschöpft, und der Weg dürfte mir wohl zu viel werden, die Gefahr, daß mein Gang zu Ihnen vorzeitig den Ver­dächtigen verraten wird, besteht ja wohl nicht mehr; denn wenn ich Sie recht verstanden habe, soll noch' heute die Haussuchung vorgenommen werden,"

Ja, die Dringlichkeit der Sache rechtfertigt die späte Stunde. Doch nun entschuldigen Sie mich, damit ich jemand Nach einem Wagen sende und währenddem mich für meinen Gang tiorßereite."

Noch eins, Herr Amtsrichter", hielt Frau Bertha den Hiuauseilenden auf,geht es an, daß ich meinen Mann auf eine Viertelstunde spreche?"

:Bedaure, gnädige Frau aber so spät abends' es ist gegen die Regel; auch glaube ich. Ihnen den immerhin -schweren Gang ersparen zu können. Finden sich auffallende Beweise, so ist Ihr Herr Gemahl morgen frei,''

Frau Bertha war allein. Sie lehnte sich erschöpft in die Sofaecke zurück, ihre Kräfte waren aufgebraucht. -Es war auch zu viel, was seit Wochen auf sie einstürmte und -noch die Anstrengung und Erregungen der letzten Nacht, der in Angst und Sorgen verbrachte Tag und zuletzt der fast zweistündige Weg hierher^ " '

Gnädige Frau, der Wagen ist bereit, darf ich Sie hinab- ssühren?" Mit diesen Wdrten trat Held wieder ein. DDvch Zuvor trinken Sie dieses Glas! Weich äs wird Sie etwas er­frischen und entsHuldigen Sie, daß ich nicht früher daran 'gedacht Habe, allein die Spannung auf Ihren stngewZhn- lichen Bericht ließ mich vergessen"

Bitte, entschuldigen Sie sich nicht, Herr AmtsriKech sondern haben Sie Dank für all Ihre Teilnahme."-"

Sie hatte das! Glas geleert.und! schritt nun an Helds Seite die Treppe hinach er half ihr noch in den Wagen und drückte den Schlag hinter ihr zu, dann ging er in ent» äegengesetzter Richtung, den Weg nach der Polizeidirektion Anschlag end.- - - (Schluß folgt.)

Bob und Dolly.

Eine Manövergeschichte von Alwin Römer.

(Rachdruck verboten.)

' , (Fortsetzung.).

>,Jch habe nämlich vorhin eins und das andere gehört, Was Sie sich äuf dem Bahnhose erzählt haben! Ohne es zu wollen!' Daher weiß ich. .-gestand das hübsche,! junge Frauchen.

Aber ich bitte sehr, gnädige Frau", unterbrach er> sie.Das fehlte noch, daß Sie sich' entschuldigten. Wie' alt ist denn Ihr Töchterchen?"

-Sechs Monate! Und das Jhre?"

>,Ebenso viel Wochen!" stotterte er. Und wahrhaftig^ nun wurde auch er rot. Ganz deutlich- fühlte er, wie! ihm das Blut in die Wangen emporstieg bis in die blonden Plüschstoppelm Aber es war auch zu dumm, dieses' Mißverständnis, das er da zugelassen hatte!

Und Bob?" fragte sie gespannt.

Ebenso alt!" entfuhr es ihm.

Ah, also Zwillinge!" sagte sie wichtig.Und beide' munter?"

Wie die Fische! im Wasser!" entgegnete er, heiß, werdend.

Unsere Dolly' wiegt jetzt zwölf Pfund!"- bemerkte, sie nun, 'offenbar stolz auf diese Thatsache. -

Ah. . ."

Und Ihre Meinen?"-'

Ich weiß nicht", antwortete er nachdenklich.Aber so viel lange nicht!"-

Das wäre auch zu viel verlangt! Aber wiegen Sie denn die Kinderchen nie?"

Nein!" sagte er bestimmt und schüttelte zur. .Be-ä kräftigung das Haupt dazu.

Tas sollten Sie aber dock thun. Sie wissen ja dann gar nicht, ob sie zunehmen oder nicht!"

O doch", sagte er daraus. Das hat man so uit Griff!"

Wirklich?" fragte sie bewundernd,Mein Mann hätte keine'Ahnung!"

-Ja ja", meinte er lustig,so sind wir! Uebrigens, wie sind Sie auf den Namen gekommen, gnädige Fran?"

Es ist doch eine Abkürzung von Dorothea!" gab sie Auskunft, verwundert, gerade von ihm danach gefragt zu werden, der doch selbst sein Töchterchen so genannt hatte.Die Schwester meiner Freundin ist ihre Patin, und die wird auch Tolly gerufen. Die Schwestern sind nämlich lange in England gewesen, wo Dolly Mode ift!"

Ganz recht!"- nickte er, obwohl er keine Ahnung davon hätte. w .

Nach wem heißt denn Ihre Kleine?" ,

Nach einer Tante!" log der Leutnant. " , ' Gewiß auch eine Engländerin?"

Freilich! Die ganze Familie stammt m aus! Eng­land !"

>,S-o! Ihre Frau Gemahlin ist also auch daher?"

,Meiue Frau Gemah. . ; ach so, ja, ja, natürlich ! Sie ist auch aus England!"

Darum rufen Sie auch! den anderen: Bob.! Das ist doch eigentlich Robert, nicht?" -

Sehr richtig!" sagte er und lenkte das Gespräch! ge­schickt äuf ändere Dinge, die sich in Deutschland einge­bürgert hatten, vom Lawn-Tennis! bis zur Worcester Sauce, sodaß die. junge Mutter nicht wieder Gelegenheit hatte,- nach seinen Babys' zu fragen, bis ihre Station erreicht war. Aber! äls sie ausstieg und ihr Gepäck von" ihm in Empfang nahm, konnte sie sich doch nicht ent­halten,- den Erwägungen Ausdruck zu gebeu, die ihr während seiner Ruder- und Segelgeschichten öfter durchs Hirn gefahren wären. >,Gebe .Gott Ihrem Pärchen Ge­deihen!"- meinte sie herzlich wobei sich der Schalk ehr­lich schämte.Aber ich würde sie doch ab und zn wiegen! Das mit dem Griff kann doch leicht trügen!"

Ich werde eine Wage, anschaffen!" gelobte er, um das Thema nicht woch weiter spinnen zu hören.

Darauf nahm sie befriedigt -Abschied und wandte sich! ihrem Eheherrn zu, der jenseits des Bahnsteiggitters ihrer schon in Ungeduld harrte, als sparsamer Hausvater aber! keine Bahnsteigkarte .gelöst hatte.'

Lächelnd sah ihnen Escheüboru nach, wie sie Arm in!