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und diese Dause! —. Doch jetzt schlug sie den dichten schwärzen Schleier, der bis, dahin ihr Gesicht verdeckt hatte, zurück, Und nun erkannte er sie doch. Die ungewohnte, mehr als' /einfache, schwarze Kleidung war ihm so fremd vorgekommen, daß er Frau Bertha nicht darunter vermutet hatte, und .wahrscheinlich War diese Kleidung auch gewählt, die Trägerin 'unkenntlich zu machen,
„Gnädige Frau!" sagte er erstaunt und reichte ihr die Hand. „Bitte, treten Sie hier herein", nötigte er, die Thür 'zum Nebenzimmer öffnend. „Wie ich vermute, wollen Sie von Unberufenen nicht erkannt sein, noch dach was Sie mir zu sagen haben/ fremden Ohren preisgeben,"-
„So istf es", antwortete Frau Bertha mit fester Stimme, ' Held wunderte sich im stillen, tote auffallend sich die junge Frau verändert hatte. Ihr sonst so rosiges Gesicht war votl fahler Blässe, und eilt harter Zug lagerte um ihren Mund. .
„Hier sind wir sicher Vor jedem Lauscher", sprach der Amtsrichter, nachdem er sie zum Sofa geführt; „nun haben Sie die Güte, mir mitzuteilen, was Sie herführt."
>,Jch^ weiß jetzt, daß jener Rothaarige, den Mohrmann an jenem verhängnisvollen Tage zweimal gesehen hat, erst -in Begleitung Karstens, dann abends tut unserm Fenster, mit dem Forsthüter Schwarz identisch ist —" Held ivar voller Ueberraschung aufgesprungen, ein frohlockendes „Ah!" loar seinen Lippen entschlüpft, !vas eine kleine Pause veranlaßte, „und", fuhr die Forshneisterin dann wieder fort, „daß Schwarz und Karsten heimlich miteinander Verkehren,"
„Auf welche Weise —"
- „Sie wünschen zu wissen, auf welche Weise ich zu dieser Kenntnis gekommen bin. Durch eigene Beobachtung. Doch nun hören Sie auch, wie ich' das angestellt habe,
Sie hatten bei Ihrem letzten Besuch nicht undeutlich durchscheinen lassen, daß Sie jenen mysteriösen Begleiter Karstens als der That nahestehettd betrachteten. Nun sagte ich ttttr, ist jener Mann wirklich der Thäter, so ist er auch kein Fremder und auch Karsten ist der Mantt bekannt; die beiden haben alsdann im Einverständnis gehandelt, und sie werden dann auch das Bedürfnis haben, sich! gegenseitig ÄUszusprechen, das heißt, sich die Befürchtungen und Hoff- unngen mitzuteilen, die sie für ihre eigene Sicherheit hegen, Es gilt also, Karsten unauffällig zu beobachten, ihm unbemerkt zu folgen, wenn er sich aus dem Hause begiebt, oder dem änderet! bei etwaigen heimlichen Besuchen aufzulauern. Vergebens aber sann ich auf eine geeignete Persönlichkeit, diü diese Ueberwachung übernehmen, oder vielmehr, der ich 'sie anvertrauen konnte, Ihren Detektiv wollte icEj nicht erst erwartest auch durfte ich Ihnen ja keine Vorschriften dieser Art machen /in mir aber drängte alles zum Handeln. Da beschloß ich, selbst, diese Ueberwachung zu übernehmen,"-
„Sie/gnädige Frau?!"
„Ja, hatte ich nicht die erste Pflicht, die meiste Veranlassung dazu?" sagte sie mit einem bitteren Lächeln. „Doch hören Sie weiter: Man dürfte mich bei diesem Umschleichen der Karstenschen Wohnung natürlich nicht erkennen; doch! hiefür hatte ich! eine passende Tracht in Bereitschaft. Vor etwa Jahresfrist hatten mehrere befreundete Familien ein kleines ländliches Fest .arrangiert. Alle Teilnehmer erschienen dazu in;bett verschiedensten Kostümen. Gärtnerinnett, Hirtinnen; jeder Stands dessen Kleidung irgend einen hübschen Effekt für seine Vertreterin versprach!, wat vertreten. Ich hätte die bizarre Idee, im Gewand eines alten kräuter- süchenden Weibes zu erscheinen und freute mich köstlich auf Die Ueberraschung, wenn das die Herrschaften um eine Gabe angehende Mütterchen sich in meiner Person entpuppte. Die Ueberraschung war auch über Erwarten gelungen, alle bewunderten die täuschende Nachahmung.
/ Dieses Kostüm, das eins Laune mich aufheben ließs. käm! mir für meinen jetzigen Zweck zu statten. Unter dem Vorgeben starken Kopfschmerzes zog ich mich Won am Nachmittage in mein Schlafzimmer zurück. Hier hielt ich Anprobe und fand den Anzug ganz geeignet für mein Vorhaben, Einige schwache Kohlenstriche verliehen mir die. -erforder-! sichen Runzeln, mein Haar jvard durch ein fest umgelegtes Tuch völlig verdeckt. Auf einen Stock gestützt, einen großen 'Korb an dem Arm, verließ; ich zur Dämmerzeit durch! eine Hinterthür das Haus, den Schlüssel steckte ich zu mir, um später auf dieselbe Weise hie Rückkehr ungesehen bewerch Wligen zu können,"-
„Das haben Sie gewagt, Frau Forstmeister, Sie ganz Wein?, Dachtest/Sie denn nicht ast die Gefahr, denen sich
eiste einzelne Dame hei dergleichen UnterneMüngen g-M setzt?"!
Frau Bertha schüttelte den Kopf, „Ich war eben in' jener Verkleidung wenig verführerisch und dastn, wie durfte' ich danach fragen, wo es' galt, meines Gatten Freiheit und! guten Leumund zu .retten? Außerdem hätte ich zu meines Sicherheit -einen geladenen Revolver in der Tasche, Ich der-, S damit umzugehen", erwiderte sie auf einen erstannteu
Helds, „als Frau eines Forststtästns lernt man auch das."
„Ich bewundere Ihren Mut, gnädige Frau."
Die Forstmeisterirt winkte leicht ab- und fuhr daun ist ihrem Bericht fort: „Ich weiß nicht, ob Ihnen die Lagst! des Karstenschen Hauses bekannt ist, es liegt ain äußersten Ende des Dorfes, nahe am Waldessaum. Nicht allzuweit von dem Karstenschen Anwesen führt ein Bach vorüber, und' am Rande desselben steht ein dichtes Weidengestrüpp. Dahin wandte ich meine Schritte, nachdem ich das Haus umspähh und auch -einen Einblick in das Wohnzimmer erh-alten hatte/ Karstens Frau war eben damit beschäftigt, Brot und Wurste auch 'mehrere Flaschen Bier auf den Tisch zu stellen. Dass siel mir auf; die Landleute pflegen ihre .Abendmahlzeit! zu früherer Stunde einzunehmen..
„Man -erwartet jemanden", sagte ich mir. Um nicht aufs meinem Lauscherposten entdeckt zu werden, schlich ich nach meinem Versteck, dem dichten Weideng-ebüsch,"
Eine halbe Stunde' mochte ich wohl so lauschend und nach allen Seiten um mich! spähend verbracht habet:, als! ich näherkommend'e Schritte hörte. Ich setzte mich; nun auf, einen alten Weidenstumpf, den Rücken gekrümmt, den Kopf in die mit groben Handschuhen bedeckten Hände gestützt,- wie eine erschöpfte alte Frau, Sollte ein Vorüb'ergehender)- mich erspähen, so sollte! er denken, eine Erschöpfte ruhe das aus. Sie können denken", fuhr die junge Frau in ihrem! Bericht weiter fort, „mit welcher Spannung ich dem Nähere kommenden entgegenlauschte, tote mir das Herz klopfte vow unzähligen auf mich- einstürmenden Gedanken, Wär es der/ den ich suchte? Und wenn er mich entdeckte—erkannte ? Was; dann? Würde er mich alsdann nicht für immer stumrn machen? Ich- konnte ja annehmen, daß er auch- davor nichts zurückschrecken würde," !
„Es war ein gewagtes Unternehmen, gnädige Frau.^
„Ich weiß das und habe das nie stärker gefühlt, alH in jenen Augenblicken,, wo die Gefahr der Entdeckung mir so nahe war/ Aber der Mann; denn ein solcher war es/ ging vorüber lohne Ahnung, daß sein Verhängnis hier auf ihn lauerte. Ich hatte ihn erkannt — es war der Mann/ den ich suchte, den ich jetzt des Ueberfalls auf Mohrmanst anklage — der Forsthüter Schwarz. Er trat in KarstenA Haus; zugleich beobachtete ich, wie drinnen die bis dahist unverhüllten Fenster durch Holzläden geschlossen wurden/ Das konnte mir recht sein, gab es doch für mich da drinnew nichts mehr zu sehen, aber erlauschen konnte ich vielleicht etwas, und dafür war der Verschluß der Läden günstig. Ich schlich mich denn auch; an eines der Fenster heran, aber icfx vernahm nur ein uttd-eutliches- Gemurmel, nur einmal hört« ich meines Gatten sowie Mohrmanns Namen nennen. Abev was wollte das bedeuten? Ich hätte nun eigentlich nach Hause gehen können und Ihnen heute über die Thatsache,; daß die beiden des Wildfrevels- Verdächtigen auch jetzt hetm- lich, bei nachtschlafender Zeit, miteinander verkehrten, Mitteilung machen können; aber ein unwiderstehlicher Drang! hielt mich an mein heimliches Versteck gefesselt, ich wollte doch sehen, was die beiden etwa noch vorhatten. Die Situa-- tion wurde für mich zwar mit jeder Minute gefährlicher x- d-enn je weiter die' Nacht vorrückte, je verdächtiger mutzt« bei einem etwaigen Entdecken mein Verweilen hier sein/ Doch mit innerer zwingender Gewalt hielt es mich hier fest/, es wär mir, als müsse ich noch etwas erleben, was geeignet w-äre, ein Streiflicht auf die dunkle That zu werfen. Und ich -erlebte etwas, wenigstens will -es mir scheinen, als hatttz die Behörde nun. Ursache, sich! etwas näher nm. den Forsts Hüter Schwärz, sowie nm seinen Kumpan Kärsten zw kümmern/vielleicht bei ersterem, öder auch bei Beiden sofort eine Haussuchung vörzuuehmen,"- .
„Nun —/?.'< fragte Held, M die junge Fran hier em.e.
„Nach! Verlauf von Äwä einer Stunde",! berichtete ft« dänn weiter,- traten die Heiden Männer Wsammen aus der Hausthür, aber diesmal wär- das, Aussehen des Forsch 1 Hüters ein anderes. Keine Gestalt schien mir gedrungenes


