Samstag bett 17. August.
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uch ein guter Seemann fällt wohl einmal über Bord.
i Sprichwort.
(Nachdruck verboten.)
Der Schmetterling.
Novelle von Reinhold Ortmann.
(Fortsetzung.)
Der Doktor zauderte ein wenig, dann trat er an die Seite des Freundes und legte die Hand auf seine Schulter.
.„Nun laß mich einmal ein aufrichtiges Wort zu Dir reden, mein Junge, und fahre, bitte, nid)[t gleich- auf wie ein angeschossener Löwe. Worin bestehen denn nun eigentlich! Deine Beweise für die Schuldlosigkeit des Fräulein Willisen?"
Tie Mahnung zur Ruhe war gewiß feine überflüssige gewesen; denn Rudolf Irnbergs Antlitz färbte sich bis über die Stirn hinauf mit dunkler Röte. Beinahe heftig schüttelte er die beschwichtigende Hand des Freundes von sich ab.
„Soll das heißen, Volkmar, daß auch Du —"
„Pst! — nicht so hitzig ! Fordere mich meinetwegen nachher auf Pistolen, aber höre mich- erst eine Minute lang geduldig an. Daß Dein Vater sich- bei der Abgabe seines Zeugnisses geirrt hat und daß die Ueberbringerin des Brillantschmetterlings eine andere gewesen ist als Margarete Willisen, glaube ich Dir natürlich ohne jeden Vorbehalt. Aber damit iü doch noch nicht bewiesen, daß sie ihn nicht genommen hat. Die Aussage der Frau Haller läßt sich; nicht aus der Welt schaffen, und diese Frau hatte nicht das geringste Interesse daran, ihre Gesellschafterin schwerer zu belasten, als es ihrer Ueberzeugung nach- den Thatsachen entsprach. Abgesehen von dem einzigen Fall, wo sie sie auf wenige Minuten dem Fräulein Willisen anvertrante, hat sie die Schlüssel zu dem Wandschrank und der Kassette nicht aus der Hand gegeben. Bei der Begehung des Diebstahls ist offenbar weder ein Nachschlüssel gebraucht, noch Gewalt angeivenbet werden. Die beiden Dienstmädchen sind den vorliegenden Umständen nach! gänzlich außer allem Verdacht, und eine fremde Person hätte sich weder bei Tage noch bei Nacht unbemerkt in das Schlafzimmer einschleichen können. Muß nicht jeder nüchterne Beurteiler in Erwägung aller dieser Momente zu dem Schluß kommen, daß Margarete Willisen in einem schwachen Augenblick der Versuchung unterlegen ist, und daß sie dann irgend eine Bekannte oder Freundin
damit beauftragt hat, den Schmuck zu verwerten? Es ist ja denkbar, daß diese Person ihr Vertrauen getäuscht und das erlangte Geld gar nichst au sie abgeliefert hat. Jedenfalls aber wird es Dir kaum gelingen, der Welt eine andere Meinung von der Sack)« beizubringen, so lange nicht die llteberbringerin des Brillantschmetterlings ermittelt ist, und so lauge sie sich nicht zu dem Diebstahl bekannt oder den wirklichen Verbrecher genannt hat."
Mit wachsender Ungeduld hatte Rudolf Jmberg ihm zugehört, aber er hatte sich! bezwungen, und er bezwang sich auch noch jetzt. Scheinbar ruhig fragte er: „Bist Du nun zu Ende?"
„Ich denke, ja. Und wenn Du wirklich- der vernünftige, klar denkende Mensch bist, für den ich Dich- bis zu diesem Augenblick gehalten habe, so muß es Dir genug fein, um Dich- von der Unausführbarkeit dieser tollen Heiratsidee zu überzeugen. Du würdest Dir mit einem solchen Schritt Deine ganze Zukunft zerstören und Dich grenzenlos unglücklich machen. Ist aber Margarete Wil- lisen wirklich das feinfühlige Geschöpf, das Dein Mitleid Dich in ihr erblicken läßt, so müßte die Erkenntnis, Dein Dasein verdorben zu haben, sie doppelt elend machen, auch wenn sie sich jetzt natürlich leicht genug überreden lassen wird, 'die Hand zu ergreifen, die sie aus ihrer Bedrängnis und aus ihren dürftigen Verhältnissen emporzieht."
„Deine Gründe sind, wie ich! annehme, damit erschöpft. Und wenn Du noch weitere in Bereitschaft haben solltest, so erspare es, bitte, Dir und mir, sie vorzubringen. Ich habö meinen Entschluß nickt so plötzlich- und nicht so kampflos gefaßt, daß er jetzt von dem bloßen Hauch eines Mundes wieder über den Hausen geworfen werden könnte. Zum letzten Male erkläre ich Dir, daß ich- von Margaretes Schuldlosigkeit felsenfest überzeugt bin, wie ich- zugleich noch immer an die Schuldlosigkeit derjenigen glaube, die meinem Vater den Schmuck überbrachte. Du magst mich darum in Deinem Herzen einen Narren schelten, aber ich erwarte, daß Du meine Ueberzeugung achtest. Wenn Deine schlimmen Prophezeiungen für meine Zukunft in Erfüllung gehen, so werde ich eben, gleich manchem Besseren vor mir, ein Opfer des Kampfes geworden fein,. den ich um der Gerechtigkeit willen führe. Ich kann unterliegen, wie jeder Streiter unterliegen kann, dafür aber, daß es nur mit Ehren geschehen wird, dafür stehe ich- Dir ein. — Und nun laß diesen Gegenstand zwischen uns für immer abgethan fein. Ich weiß, daß Deine Warnung wohlgemeint war, und ich danke Dir dafür. Ihre Wiederholung aber könnte mich nur beleidigen und kränken. Willst Du nach meiner Verheiratung unser geschäftliches Verhältnis auflösen, so erkläre ich- mich jederzeit bereit, von dem Vertrage zurlick- zntreten. Du wirst ja in diesen drei Monaten Zeit genug haben, -es Dir zu überlegen. Gute Nacht!"


