Ausgabe 
17.2.1901
 
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Sann geht also Tray an« Ruder."

Oer Mann sah sich schnell nach seinen Kameraden nm. Aber mein Mann beobachtete ihn; vielleicht fand er auch nicht die gesuchte Ermutigung in den Blicken der anderen. Er ging nach achtern und löste den Zimmer­mann ab.

Nun also vorwärts, Jungens, an die Arbeit!" rief der Steuermann.

(Fortsetzung folgt.)

Sittenbilder ans China.

(Nachdruck verboten.) III.

Das soziale Leben.

Das chinesische Volk ist im wesentlichen in vier ver­schiedene große Klassen eingeteilt. Die Literati, denen die Beamten entnommen werden, bilden, wie wir in dem vorigen Aufsatz gesehen, den obersten Stand. Der Ge- lehrten-Klasse zunächst kommt die ackerbautreibende Bevölkerung. ,

Von den ältesten Zeiten her steht der Ackerbau in China in hohem Ansehen. Schon Kaiser Schennung, der vor fünftausend Jahren regiert haben soll, wird als der Erfinder des Pflugs gefeiert, und noch in unseren Tagen legt der Kaiser zur Frühlingszeit die hocheigne Hand an den Pflug, ein so primitives Ding, wie es vermutlich auch zur Zeit des seligen Schennung vorhanden gewesen sein wird; während die Kaiserin, sobald die Maulbeerbäume Blätter treiben, eigenhändig einige abbricht und den Seiden­würmern des Palastes überbringt.

Neben der noch einer außerordentlichen Entwickelung fähigen Seidenzucht ist es vor allem der Reisbau, der in China emsig betrieben wird. Reis bildet bekannt­lich den bei weitem vornehmlichsten Nahrungsartikel des Landes wie des ganzen Ostens. Daneben wird aber be­sonders auch noch viel Opium und Thee gebaut. Der chinesische Thee ist wohl noch immer der beste der Welt, wenn derselbe durch Vermengung mit allen möglichen anderen Dingen in neuerer Zeit auch einen schlechten Namen erhalten und durch die in Indien und Ceylon ge­machten wesentlichen Fortschritte der Thee-Kultur etwas in den Hintergrund gedrängt worden ist. Daneben werden aber viel Früchte, Gemüse und mancherlei Getreide gebaut, und es ist erstaunlich, was der Fleiß der dicht zusammen­gedrängt wohnenden Chinesen dem Boden zu entlocken weiß. Bei dem Mangel an größerem Viehstand ist der Dünger nicht allzu reichlich vorhanden. Aber wie emsig der Chinese auf Erlangung desselben bedacht ist, werden wir bald ge­wahr, wenn wir vielleicht mit mehreren Kameelen und Maultieren durchs Land ziehen. Da werden wir überall Leute mit Körben antreffen, die uns oftmals weite Strecken folgen auf die Möglichkeit hin, es könnte für ihre Körbe etwas abfalleu. Das SprichwortZeit ist Geld" gilt nichts in China, wo alle Menschen Zeit und so wenige Geld haben.

Als dritter Stand gilt derjenige der Handwerker, die bei aller Geschicklichkeit, dem unermüdlichsten Fleiß im allgemeinen ein recht armseliges Dasein fristen. Aber was soll daraus werden, wenn die vielen Millionen, die mit solchen Eigenschaften noch die größte Anspruchslosigkeit ver- binden, bei der nun doch wohl unausbleiblichen raschen Eröffnung Chinas, ihre Massenprodukte auf den europäi­schen Markt schleudern! Dürfte das nicht in manchen Ländern noch zu harten Kämpfen führen!

Es ist merkwürdig, daß von alters her der Kauf­mann s st a n d in China der am wenigsten geachtete ist, obwohl er doch der wohlhabendste ist, und Geld gerade in China wohl noch eine größere Macht hat, als sonst irgendwo. Noch wunderbarer aber muß es uns erscheinen, daß während der höchst geachtete Stand der Literati und Mandarinen eine so tiefe moralische Verkommenheit aufweist, der mindest­geachtete, eine Zuverlässigkeit, eine Ehrenhaftigkeit bekundet, bte wir nicht rühmlich genug anerkennen können. Und inso­fern unterscheidet sich der chinesische Kaufmann auch sehr zu fernen Gunsten von dem japanischen, wie ich bereits in meiner letzthin erschienenenReise um die Welt"*) mehr im einzelnen dargethan. Darüber herrscht bei dem europä-

*) Verlag: Leipzig, B. Elischer Nach;.

ischeri Kaufmann des ganzen OftenS nur eine Stimme. LP konnte ein europäischer Bankdirektor in Shanghai vor einiger Zeit bei Gelegenheit eines ihm zu Ehren gegebenen Abschiedsessens erklären:In Bezug auf kommerzielle Ehren­haftigkeit stehen die Chinesen uns in keiner Weise nach. Ja, ich kenne kein Volk der Welt, dem ich eher trauen würde als dem chinesischen Kaufmann und Bankier." . . .Seit 25 Jahren hat die Bank große Geschäfte mit Chinesen in Shanghai gemacht, die sich auf Hunderte von Millionen Taels belaufen, aber wir haben mit keinem Chinesen zu thun gehabt, der uns betrogen hätte."

Der chinesische Kaufmann scheint aber von alters her ehrlich und rührig gewesen zu sein. Drei hundert Jahre ehe die Bank von Stockholm die ersten Banknoten aus­gegeben, die in Europa gesehen worden, waren solche in allen Teilen Chinas im Umlauf. Freilich wohl nur tu der höheren Geschäftswelt. Denn das Münzwesen, das bei der Bevölkerung im allgemeinen in Brauch, ist das verlottertste, das man sich denken kann.

Die chinesische Münzeinheit ist dasTael", das er, wie die englische Guinee, nur dem Namen nach be­stehend, fortwährenden Schwankungen im Werte unter­worfen, heute ungefähr drei Mark gilt. Ein Tael hat ungefähr tausendKäsch" und zwar unbedingt nurun­gefähr", gewöhnlich viel weniger. Das hängt von der Gegend ab, in der wir uns gerade befinden und von der Zahl derjenigen Käschstücke, die als echt, als unecht oder halb echt zu bezeichnen sind. Denn die Käsch existieren wirklich, wie uns das schwer bepackte Maultier bezeugen kann, das auf Reisen in das Innere, in Gegenden, wo keine Banken vorhanden, unfern Geldvorrat trägt. Diese schmutzigen Kupferstücke haben in der Mitte ein Loch, durch das _ eine Schnur gezogen wird. Auf diese Weise lassen sie sich noch am besten handhaben. Für größere Summen dienen auch wohl Silberstücke, nicht etwa geprägt und von einheitlicher Größe die beim Einwechseln immer erst gewogen und auf ihren Feingehalt geprüft werden müssen. Man kann sich daher denken, was es heißt, wenn unsere chinesischen Diener fast regelmäßig mit der Bemerk- ung zurückkommen, dies sei für das Einwechseln der trüb­seligste Ort, der ihnen je vorgekommen. Nie zuvor hätten sie so wenig Käsch bekommen. Ach! und wenn wir selbst gehen, sparen wir auch nicht viel, werden vielmehr meist erst recht über das Ohr gehauen. Aber solche Münzzustände herrschen einmal von alters her; wer will sich anmaßen, an denWegen der Vorfahren" zu rütteln zumal wenn so viele dabei einen Profit machen. In den größeren Hafen­städten herrschen natürlich geordnetere Verhältnisse. In deir europäischen Kreisen ist der mexikanische Dollar die allgemeine Münzeinheit.

Immerhin ist das Dezimalsystem soweit sich das bei der allgemeinenUngefährlichkeit" der Dinge aufrecht erhalten läßt seit den ältesten Zeiten gäng und gäbe sowohl für Münz- wie auch Blaß- und Gewichtsivesen. Doch werden Flüssigkeiten gewöhnlich nicht nach Maß, sondern nach ihrem Gewicht verkauft.

In hoher Blüte steht von jeher das G i l d e u w e s e n in China, und zwar sowohl unter Kaufleuten und Gewerbe­treibenden aller Art zur Wahrung ihrer Berufsinteressen, als sie auch wieder auf Grund gemeinsamer Landsmann­schaften errichtet sind. So hat jede Provinz in allen größeren Städten des Reiches ihre besondere Gilde, die sich der Reisenden und Eingewanderten aus den betreffen- den Gegenden nach Kräften annimmt, und vor allem denn das ist ja stets ein gar wichtiger Punkt für jeden Chinesen im Falle ihres Ablebens für eine angemessene Beerdigung sorgt, oder wenn irgend möglich, den Leichnam in die Heimat befördert.

Wie die Verwaltung des. Reiches in Bezug auf alle wichtigeren Dinge ausschließlich in den Händen der Manda­rinen liegt, so haben doch auch die Dorfältesten schon ziem­lich wesentliche Befugnisse, während in jeder einzelnen Familie das Haupt derselben, das älteste männliche Mit­glied, beinahe unbegrenzte Macht über alle anderen Zu­gehörigen des Hauses hat.

Uebrigens haben die Chinesen bei all ihrer Anhäng­lichkeit an das Althergebrachte in früheren Zeiten doch auch nach aller: Richtungen experimentiert. Ist doch sogar schon einmal ein unverfälschter Sozialdemokratis-