Ausgabe 
17.2.1901
 
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f streuet alle, streut des Guten Saat!

Nur aus vereinter Kraft erwächst das Große;

Was dann auch Zukunft birgt im dunklen Schoßes

Sie findet einig uns und stark zur That. Beck.

(Nachdruck verboten.)

Die Seekömgin.

E-rroman von Clark Rüssel.

(Fortsetzung.)

Richard wanderte nun in schnellem Tempo qnerschiffs über Deck auf und ab, nagte an seiner Unterlippe und zog die Brauen zusammen. Dann sprang er plötzliche nach! vorne, zog den Deckel über die Luke des Volkslogis und versicherte ihn in einer Weise, daß niemand ihn von unten öffnen konnte. Auf diese Art würde die ganze Mannschaft zu Gefangenen gemacht.

Als er zurückkam, guckte er in die Kombüse und richtete unter heftigen Armbewegungen einige Worte an den Koch. Dann trat er zu mir heran.

Jetzt hab' ich sie", sagte er.Wilde Bestien werden gezähmt, indem man ihnen kein Wasser giebt. Die Schufte sollen dort liegen bleiben, bis der Durst sie zur Vernunft bringt.Sehen Sie, was ich gethan habe?" rief er den Steuerleuten zu.

Jawohl, Kapitän", antwortete Heron.

Verstehen Sie mich recht! Me beide! Der Luken­deckel wird nicht angerührt, ohne meinen ausdrücklichen Befehl."

Beide antworteten zugleich:Sehr wohl, Kapitän."

Nach einiger Zeit ging der Steuermann hinunter. Mein Mann ging noch unablässig querschifss hin und her. Er hatte die Arme auf der Brust verschränkt, und ich! stand neben dem Oberlichte und beobachtete ihn. Das eben Geschehene hatte mich sehr aufgeregt, und ich zerbrach mir den Kopf darüber, was nun wohl geschehen würde. In diesem Augenblick fiel Richards Blick auf mich. Er hielt inne und sagte mit einem etwas gezwungenen Lächeln:In Deinen alten Träumen vom Seeleben kam eine solche Geschichte wohl niemals vor, Jeß?"

Nein", antwortete ich.Wie ist dies alles nur ge­kommen, Richard?"

Davon weiß ich nicht mehr als Du. Ich zweifle nicht, daß die Steuerleute ursprünglich daran schuld sind. Die ganze Geschichte ist ein abgekartetes Spiel. Die Leute, die da behaupten, ihre Matrosenarbeit nicht zu verstehen, spielen einfach die ihnen zuerteilten Rollen."

Das merkte ich sofort", entgegnete ich.

Hast Du das Benehmen der.Steuerleute beobachtet? Short stellt sich ganz offen auf ihre Seite. Heron, der ge­wissenloseste von beiden, ist vorsichtiger. Aber verlaß Dich darauf, er hat die Leute merken lassen, daß er ebensosehr gegen mich ist wie irgend ein anderer."

Es scheint so unvernünftig, so entsetzlich", meinte ich, daß eine ganze Mannschaft so früh schon sich gegen einen Kapitän erhebt, dem sie doch nichts vorzuwerfen hat. Selbst wenn es wahr wäre, daß einige von deu Vollmatrosen schlechte Seeleute sind, könnte doch kein ehrlicher Mann Dich dafür verantwortlich machen."

Wenn Seeleute einmal Schurken sind, dann giebt es keine schlimmeren. Dies ist nicht das erstemal, daß eine Schiffsmannschaft ohne gerechte Ursache gemeutert hat. Ach, Jeß, ich! wollte, Du wärest zu Hause, Du wärest sicher bei Deinem Vater. Deine Gegenwart macht mich schwach Die Rücksicht auf Dein kostbares Leben nimmt mir die Festigkeit und Entschlossenheit, mit der ich jetzt handeln muß." r- Er fuhr fort, als ob er mit .sich selbst spräche:Beide Steuerleute gegen mich Nicht ein lebendes Wesen in einer Gesellschaft von zwölf Männern, das ehrlich- genug wäre, zuzugeben, daß man mir auf eine grausame Art mitspielt. Es ist unglaublich! Selbst unseres Lebens sind wir nicht sicher." Dabei faßte er wieder nach! der Brusttasche.

Was hast Du da?" fragte ich.

Nichts, Jeß, nichts", antwortete er und ließ die Hand sinken.

Warum willst Du es mir nicht sagen? Ist es ein Pistol?"

Ja", erwiderte er nach einigem Zögern.

O, Richard", rief ich händeringend;um Gottes willen, trage nicht diese im Zorn so furchtbare Versuchung bei Dir."

St!" machte er, indem er auf den am Ruder steheuden Zimmermann blickte.Ich bin einer gegen zwölf und ich kenne meine Leute. Kein Wort mehr darüber, Jessie!"

Er sprach so bestimmt, daß die Bitte, die ich. wiederholen wollte, mir auf den Lippen erstarb.

Zufällig blickte ich auf den Sextanten, der noch immer auf dem Oberlicht stand. Er nahm ihn sofort auf und sagte: Ich muß hinunter gehen und die Breite bestimmen. Das hatte ich ganz vergessen. Bleibe an Deck, Jeß, bis ich zurück- komme, und sollte der Steward oder der Koch an jene kleine Luke dort unmittelbar vor dem Ankerspill Herangehen, rufe mich durch das Oberlichtfenster."

Damit verließ er mich- und stieg hinunter, nachdem er zuvor an den Kompaß herangetreten war und etwas zu dem Zimmermann gesagt hatte. Er blickte dabei nach oben, als ob er über die große Segelfläche eine Bemerkung gemacht hätte. Dann sah er sich noch rings am Horizont genau um, um das Wetter zu beobachten, vielleicht auch, um zu sehen, ob ein Schiff in Sicht sei.