Ausgabe 
16.7.1901
 
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Fig. 1.

Redaktion: E. Burkhardt. Druck und Berlag der Brühl'schen UniversitätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.

Als Form hat man die Wahl zwischen Sackform, Schoß- jacket und kurzem Bolero. Am 'meisten bevorzugt wird ja das einfache Zacket, wie es unsere Abbildung 1 veran­schaulicht. Empfehlenswert ist jedoch auch die kurze Sacko- form; den» diese ist auch bei dem elegantesten Schnitt ungemein bequem.

Zur vollständigen Ausstattung sür eine Touristin ge­hört außerdem noch ein Wettercape wie Abbildung 2. Dieses leicht zu tragende und bequeme Kleidungsstück bietet den besten Schutz gegen Wsnd und Wetter, und kann außer­dem gegebenenfalls auch sehr gut als Plaid zum Lagern oder als Decke dienen.

Was nun noch die Unterkleidung anbetrifft, so ist dieselbe die gleiche, wie bei der Radfahrerin. Reformbein­kleider vorn Stoff des Rockes an Stelle der Unterröcke, mit waschbarem Futter versehen, und bequemes Leibchen an Stelle des Korsetts, damit die Atmung (beim Bergsport ebenso wichtig wie beim Radfahrsport) in keiner Weise be­hindert wird" Hat man nun noch ein paar gute, derbe Bergschuhe, welche nebenbei bemerkt, ziemlich teuer sind, so ist man vollkommen ausgerüstet, und wird seine Touren als Wanderer in die Schönheiten der Natur, unbehindert durch feine Kleidung, genießen können. Dieselbe wird auch allen Fährnissen einer Hochtour aufs beste widerstehen, vorausgesetzt, daß sie aus gutem, wetterfestem Loden be­stehen, was mit eine Hauptbedingung ist.

Macht man feine Ferienreise anstatt zu Fuß zu Rad,

so wird der Anzug wenig ablveichen. Man kann ihn viel­leicht im ganzen etwas zierlicher gestalten, wie schon aus unserer Abbildung 3 zu ersehen ist. Die hauptsächlichsten Eigenschaften sind jedoch die gleichen, als da sind Be­quemlichkeit, Leichtigkeit, Wetterfestigkeit und praktische Ein­richtung des Rockes zum Verlängern. Mit Ausnahme der hinteren Mitte, welche beim Radfahrrock für den Sattel immer eine tiefe Falte haben muß, wird! denn auch der Schnitt unverändert bleiben, und sei auch für Radfad zwecke die Einrichtung mit anknöpfbarem Volant mj - ganz besonders empfohlen.

Viel Zeit und Geld wird in allen Frauenkreisen darauf verwendet, das Schüeidern zu erlernen, aber im Gegensatz hierzu erfolgt nur selten eine praktische Nutzanwendung des Gelernten. Der Grund dafür liegt wohl darin, daß die meisten Damen sich fürchten, den teueren Stofs mit unkundiger Hand zu zerschneiden. Seitdem aber die Inter­nationale Schnitt Manufaktur, D res den, vor­züglich ausprobierte, leicht anwendbare Schnitte der Frauenwelt zu niederen Preisen zur Verfügung stellt, fallen diese Bedenken, und alle Damen, die diese Schnitte benutzen, sind wirklich überrascht von dem guten Erfolge ibrer Hausschneiderei. Wer einen Versuch machen will, be­ziehe von obengenannter Manufaktur das reichhaltige Modenalbum und Schnittmusterbuch sür nur 50 Pfennig.

schönernd, wo sonst vielleicht die Form, die sich ledig­lich aus dem praktischen Bedürfnis entwickelt, zu nüchtern sein würde.

Auch für Touristen giebt es jetzt allerhand zweckent- fpreichende Anzüge, welche trotz aller praktischen Eigen­schaften, doch des gefälligen Aussehens nicht entbehren. Daß sie sich nach; wie vor aus fußfreiem Rock, Hemdbluse und Zacket zusammensetzen, daran ist wohl wenig zu ändern, aber das?,Wie" dieses Anzuges ist sehr abwechsel-

düne^besonders praktische Neuheit findet sich an den Röcken. Hierbei steht man bekanntlich immer iin Kampf mit der Länge. Fertigt man den Rock nur so lang, wie inan ihn z. B. für das Bergsteigen gerade braucht, so ist er ja sehr bequem, und kann auch bei einem guten Schnitt rechst vornehm und kleidsam sein; in Städten und Ort­schaften bleibt er jedoch stets recht genannt ausfällig. Man hilft sich deshalb meistens mit einem langen Rock, den man mit Hilfe von Spangen und Knöpfen auf die be­kannte Weise hochknöpft, was aber nicht sehr hübsch aus­sieht, besouders bei breithüftigen Figuren. Ta ist denn folgende Einrichtung sehr zweckmäßig. Man schneidet den Rock so kurz, wie man ihn sür seine Touren braucht, und

besetzt den unteren Rand mit einer breiten Mohairbiorte oder einem Schrägstreifen; Hauptsache ist hierbei, daß dieser Besatzstreifen nur mit dem oberen Rande festgenäht ist, im übrigen jedoch lose fällt. Man setzt nun rmgsum unter diesen Streifen Knöpfe, an welche ein, nach! allen Regeln der Kunst zugeschnittener Serpentinvolant geknöpft ivird. Auf diese Weise ist der Rock in eleganter und durcch aus unsichtbarer Weise ergänzt; denn die Borte fällt leicht und vollkommen deckend über den, Rand des Volants, welcher abgeknöpft nur ein ganz geringes Gewicht hält.

Für das zum Rock passende Bluseuhemd bleibt die Schnittform immer die gleiche, und verziert man die vordere Partie in den verschiedensten Arten durch Fält­chen. Ter abknöpfbare Umlegekragen sei sür die Tour am besten aus dem Stoff der Bluse, während man ihn bei besonderen Gelegenheiten durch einen weißen Leinenkragen ersetzen kann. Ob man nun Flanell, Waschseide oder ge­wöhnlichen Waschstoff zur Bluse verwendet, bleibt dem Ge- fchmacke jedes einzelnen überlassen.

Anders beim Zacket. Hier wird man wohl selten einen anderen Stoff, als den des Rockes wählen, wenngleich ein anderes abweichendes Material auch nicht häßlich zu sein braucht.

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Fig. 2.