Ausgabe 
16.6.1901
 
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Im Jahre 1884 verlieh die theologische Fakultät Greifs­wald dem nun Seligen die Würde des;5X theol.; diese, Ehrung hat ihm Freude und Genugthuung bereitet; was andere Fakultäten ihm versagt, die pommersche hat es willig geboten. Auch die eigene Kirchenbehörde und sein Staat gaben ihm Titel und Würden (Geh. Kirchenrat), wie Or­densauszeichnungen, und der deutsche Kaiser zeichnete ihn aus, wenn er zum öfteren seinen gräflichen Freund Görtz-Schlitz aufsuchte, bei ihm in der Familie und in den schönen Waldungen der Ruhe und der Erholung pflegte. Noch jüngst bei der silbernen Hochzeit des Grafen­paares wurde auch Dieffenbaoy der ältere Sohn war langeGeneralstäbler" wie sein Schwager General v. Hart­mann wie immer besonders berücksichtigt und ausge­zeichnet. Er erfreute sich ja der ganz besonderen Gunst und Güte seiner Patrone, des Vaters, dem er sehr nahe stand, und des Sohnes. Das gräfliche Haus wußte wohl zu würdigen, was es an diesem ausgezeichneten geist­lichen Freunde und Berater besaß. Als vor wenig Jahren der nun Heimgegangene sein 50 jähriges Dienstjubiläum feierte, wie ist er von vielen Seiten hochgeehrt und er­freut worden durch vielfache herzliche Beweise der Liebe, Hochachtung nnd Freundlichkeit in Wort und allerlei Gaben!

Der eigentliche Quellpunkt seiner merkwürdigen Frische an Körper und Geist lag dies zum Schlüsse in dem trauten herzlich innigen Familienleben. Tie Freunde des Hauses pflegten zu sagen: das Ehepaar Tieffenbach stellt noch im Alter das Bild eines glücklichen Brautpaares dar. In Wetzlar war seinerzeit dieser Bund der Seelen begründet, und lange hatte man warten müssen, bis end­lich ein eigenes Hauswesen gegründet werden konnte; auch bei diesen: Brautpaare hieß es, wie früher in vielen Fällen: Geduld thut euch not; es war für viele damals eine Warte- und eine rechte Prüsungszeit.

In der kleinen Dorfkirche zu Klein-Rechtenbach bei Wetzlar segnete D. Schupper, damals Ortspfarrer, den Ehe- bund ein, und eine glückliche Zeit innigen Zusammen­lebens- und Wirkens begann damit. Tieffenbach ist seinem Geburtsorte Schlitz treu geblieben; dort gründete er seine Häuslichkeit, dort ist er nun auch (am 13. Mai) begraben worden. Innige Herzensneigung verband die Eheleute; was erlebt wurde viel Freudiges, auch Leid und Trübsal das trug man in trauter Gemeinsamkeit. Die Kinder be­reiteten viel Freude, und was kam und ging, nahm von beiden Eheleuten Belebung und Erfrischung mit von dannen.

Je mehr ein Haus, zumal ein Pfarrhaus, dem Treiben der Welt entrückt ist, um so wichtiger ist es, wenn die Bewohner des Hauses an dem geistigen Leben und Streben der Zeit teilnehmen, und wenn sie in dem Besitz der höchsten Güter (Reich! Gottes und seiner Gerechtigkeit) einig gehen. Hier in Schlitz war die Pflege aller idealen Güter etwas Selbstverständliches, eines fand im Herzen und Geiste des anderen es darf hier der Wahrheit gemäß anerkannt werden für alles Gute, Fromme und Edle den vollen Widerhall: man gab und nahm, und im wechselseitigen Austausch vertiefte und festigte sich! bis zuletzt, wo die plötzliche Trennung herbe Schmerzen schuf inniges Ver­ständnis, herzliche Liebe und Treue. Mutter und Tochter pflegten den Gatten und Vater mit hingebender Liebe; dafür ward ihnen wiederum die Teilnahme geboten an allem, was förderlich und herrlich erschien in Theologie, Kunst, Musik und Poesie. An Goethes 150 jährigem Ge­burtstage (1899) z. B. vergegenwärtigte man sich zuletzt noch an hervorragenden Werken und Liedern des Dichters seine eingreifende Bedeutung für die Nation, und Ende März d. I. brachte der letzte Brief von dort die Schlußwendung an den Schreiber dieser Zeilen: es ist zwar noch immer Winter, aber es muß doch Frühling werden! Wenn wir das Leben des Heimgegangenen überschauen: es hatte gewiß manch trüben dunklen Tag, jedoch im großen und ganzen strahlte es aus den hellen Sonnenschein, den Gott der Herr freundlich und segnend über diesem treuen Diener des göttlichen Wortes und seiner Familie leuchten ließ; es war ein reich begnadigtes Leben und daraus war zu erklären die Frische, Lebendigkeit und nie versagende Arbeitsfreudig­

keit des seligen Tieffenbach. Danken wir dem Herrn für alle ihm erwiesene Gnade und Freundlichkeit im Amt, in den Freunden und im Hause.

Have pia anima! Lindenborn-Odenhausen.

Katechismus der Kalenderrunde

von Tr. Bruno Peter. Zweite, vollständig neu bearbeitete Auflage. In Originalleinenband 2 Mark. Verlag von I. I.

Weber in Leipzig.

Alle Geschichtskenntnis würde ohne eine sichere Zeit­bestimmung der Geschehnisse ein unentwirrbares Chaos sein. Noch heute datieren die griechisch-katholischen Völker nach dem julianischen, die römisch-katholischen und pro­testantischen dagegen nach dem gregorianischen Kalender, der aber keineswegs bei allen Völkern des Occidents zu gleicher Zeit zur Anwendung gelangt ist. Osten und Westen unterscheiden sich auch vielfach in den Festen des Kirchen­jahres, aber je weiter zurück, desto häufiger geschah die Datierung nach den Namen der Kalenderheiligen. Die Juden rechnen seit Jahren nrch der Erschaffung der Welt, die Mohammedaner beginnen ihre Zeitrechnung mit der Hedschra des Propheten. Tie Beschäftigung mit der fran- zösischen Revolutionsgeschichte verlangt Vertrautheit mit der republikanischen Aera. In diesen: Labyrinth der Zeitrech­nungen ist ein sicherer Führer der vorliegende, von dem Leipziger Professor Tr. Bruno Peter verfaßte Katechismus, der dem Freunde der Geschichtswissenschaft ein treuer Be­rater in allen Fragen der Chronologie ist.

Kinder-Zeitung.

Herausgegeben von Felix von Stenglin, Groß-Lichter­felde. Inhalt von Nr. 37. Was in der Welt vorgeht: Neue Kämpfe in Südafrika; Rückkehr aus China; Tie Königin der Niederlande in Berlin; Beduinen in Deutsch­land; Irrfahrten eines Luftballons; Von dem wieder­aufgefundenen Babylon; Erdbeben. Aus dem Reiche der Natur: Von Blitzschlägen; Das Nest in der Schankstube. Peters wunderbare Reisen und Abenteuer". (Schluß.) Tas Katzenhaus." Vom tägtichen Leben. Tauschecke. Rätsel Zu beziehen durch alle Postanstalten, Buchhandlungen und die Geschäftsstelle, Groß-Lichterfelde, Dahlemerstraße 75.

Mr die Küche.

F l e i s ch st r u d e l. (Resteverwendung!) Allerlei Fleisch­reste werden durch die Fleischmaschine gegeben. Dann läßt man in einem Stück heißer Butter etwas seingeschnittene Zwiebel und Semmelbrösel anlaufen, giebt das gewiegte Fletsch, sowie einviertel Liter sauren Rahm und zwei Eigelb zu, würzt nach Geschmack mit Salz und Pfeffer, und verleiht der Fülle durch einen halben Theelöffel Maggi- Würze einen seinen, kräftigen Geschmack. Hierauf bereitet man einen Strudelteig, zieht denselben recht dünn aus, bestreicht ihn mit zerlassener Butter, streicht die Fleischsülle gleichmäßig darauf, rollt den Strudel leicht zusammen, legt ihn in eine mit Butter ausgestrichene Bratpfanne und bäckt ihn in der Röhre zu goldbrauner Farbe. A. u. R.

Bilderrätsel.

(Nachbildung verboten.)

(Auflösung in nächst« Nummer.)

Auflösung des Arithmogriphs in voriger Nummer: Luftballon, Ulan, Falb, Tuba, Bonbon, Alba, Lanban, Lauf, Otto, Rull.

Redaktion: E. Burkhardt. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.