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schaffen haben, die mich das Glück meines Lebens gekostet hat."
„Hat Inge erfahren, dag ihr das Vernichtungswerk nicht vollständig gelungen ist — daß man das erhalten gebliebene Bruchstück noch immer als ein Beweismittel würde anwenden können?"
„Ich denke, daß sie noch im Zimmer gewesen sein muß, als ich es sagte.
„Und daraufhin ist sie wie eine Verzweifelte fortgestürzt? — Soll ich Dir offenbaren, Bernhard, was sie jetzt thun wird? Sie wird ihrem Vater mitteilen, daß er sich des Briefes nicht bedienen darf, weil — nun, einmal muß es ja doch gesagt sein — weil er nicht von der Hand des verstorbenen Wedeking herrührt, sondern von der meinigen. Sie hat es in ihrer Weise gut gemeint, als sie ihn verbrennen wollte, und Tu hättest; besser gethau, sie nicht daran zu hindern."
(Fortsetzung folgt.)
D. th. Georg Christian Tieffenbach,
Geh. Kirchenrat zu Schlitz,
geb. 4. Dezember 1822 zu Schlitz, f 10. Mai 1901 ebenda.
Der vielen Freunden und Verehrern so teuere Heimgegangene ist ungemein rasch mitten aus emsiger Arbeit von Gott dem Herrn abgerufen worden. Sein sehnlicher Wunsch ist ihm, der sich seit Jahren viel mit Todes-und Ewigkeitsgedanken laut manchen Aufzeichnungen von seiner Hand getragen, in Erfüllung gegangen, daß er einmal in rüstiger Schaffenskraft abgerufen werden möchte. Noch am Vormittage seiner Erkrankung (9. Mai) dichtete er ein Liedchen für seine Zeitschrift „Für unsere Kleinen" und arbeitete an einem Predigtbuch, das er in Kürze herauszugeben gedachte. Fröhlich saß er mit den Seinen beim Mittagsmahl; es schmeckte ihm besonders gut. Da bemerkte seine Tochter, wie er den Mund verzog. Auf die besorgte Frage, was ihm fehle, sagte Drefsenbach selber noch: ich glaube, eilt kleiner Schlag hat mich getroffen. Darauf neigte er sein Haupt, und vermochte nichts mehr zu reden. Leider erholte er sich nicht wieder, sondern blieb bewußtlos bis zu seinem Tode, der schon am Tage darauf nachmittags 6 Uhr erfolgte. Sein von ihm hochgeschätzter Amtsgeuosse schreibt uns: „Mit dem Eniscylafenen ist ein reiches Leben zn Grabe gegangen; er war ein treuer hochbegabter Streiter Jesu, ein entschiedener Bekenner des lutherischen Bekenntnisses. Der Herr selbst hat ihm nun die Feder ans der Hand genommen. Ihm sei die Ehre!"
Gott der Herr rüstet ja manche Menschen mit ganz besonderen Vorzügen und Gaben Leibes und der Seele aus. Zu ihnen gehörte G. Ehr. Dieffenbach. Von hochragender Gestalt, freundliche und gewandt im Umgänge und als Leiter mancher Konferenzen, von verbindlichen Formen im Verkehr mit allen, auch mit solchen, die andere Anschauungen zu vertreten pflegten, besonders liebenswürdig und lebhaft mitteilsam unter den Freunden, stets wohlunterrichtet über viele Fragen des öffentlichen sozialen und kirchlichen Lebens: so wird er allezeit in unserer Erinnerung leben.
Nicht leicht ist ihm die erste Zeit seiner amtlichen Wirksamkeit geworden. Lauge hat er warten müssen, bis ihm eine definitive Stellung in der hessischen Kirche (in Schlitz) zu teil ward. Noch heute gedenken in unserer Nähe ältere Christen seiner feurigen begeisternden Predigten, zu denen man, als er noch Kandidat war, von weit her eilte. Auch ihnen, zum Teil einfachen aber heilsbegierigen Landleuten, hatte sich sein Bild und seine Art tief eingeprägt, sie redeten — nach 50 bis 60 Jahren seiner ersten Amtsarbeit — noch gern von ihm und seinen Gottesdiensten, und waren tief bewegt, als sein rascher Tod zu ihrer Kenntnis kam; denn seine vielen, teilweise so volkstümlichen und leicht faßlichen Schriften unterhielten stetig die Verbindung zwischen ihm und seinen Verehrern. In die Kandidatenzeit bereits fiel die Arbeit an feiner viel benutzten Hausagende, an die er fort und fort bei weiteren Auflagen die bessernde Hand legte. Seine reich gestaltete, wohl gegliederte Arbeit hat damals im Anfänge der 50 er Jahre wesentlich zur Belebung der Hausandachten zumal innerhalb der lutherischen Kirche in Stadt und Land beigetragen. Dieffenbach blieb bis in fein Alter
in unausgesetzter fleißiger Arbeit. Wenn zum Beispiel bei den theologischen Konferenzen die Kollegen zumeist früh am zweiten Tage noch ausruhten von dem Gedankenaustausch des vorhergehenden Nachmittages und Abends: Dieffenbach hatte vor dem Anfänge weiterer Vorträge und Debatten immer schon einige Stunden angestpengt gearbeitet, Aufsätze und Korrespondenzen verfaßt, auch Korrekturen gelesen, und oft ging eine Reihe von Briefen schon zur Post, bevor die gemeinsame Morgenandacht alle zur Sammlung rief.
Tas war für die theologische Jugend zumal ein leuchtendes Vorbild, von dem manche gelernt haben werden, und so wußte er dann bei den Besprechungen stetig einem Gegenstände neue Seiten abzugewinnen, in seiner lebendigen Art anzuregen und zu neuer Arbeit — für die kommenden Tage — anzuspornen: die lutherische Konferenz Oberhessens und die vereinigten lutherischen Konferenzen Hessens werden den Heimgegangenen treuen Freund lauge schmerzlich vermissen. Was und wie er unter den Gesinnungsgenossen im engeren Sinne und bei mannigfachen Tagungen der hessischen Landessynode in Darmstadt redete und wie er seine lutherische Ueberzeugung entwickelte, das war stets klar, und reich an Gesichtspunkten, so gewandt in der Rede, daß das genaue Stenogramm einer Korrektur nicht bedurfte. In der Landessynode war Dieffenbach ein gern gesehenes beliebtes Mitglied lange Jahre hindurch; Prälat D. Habicht, ein Altersgenosse, gab am Sarge des Vollendeten dieser Thatsache und seinem innigen Schmerze über den raschen Heimgang wie dem Tanke der geistlichen Behörde warmen Ausdruck.
Tiesfenbachs Schriften sind in vieler Hand, und gar mancher in die Ewigkeit Abgerufene hat auf dem Kranken- und Sterbebette Trost und Aufrichtung wie ernste Gewissensmahnung besonders aus den Krankenblättern empfangen, wie die Familien Verstorbener Beruhigung durch die Trostblätter. Sein Büchlein über die letzten Tinge, mit veranlaßt durch den raschen Tod einer verheirateten lieben Tochter, ist neuerdings in vielen Häusern bei vornehm und gering mit Segen benutzt worden. Dieffenbach pflegte auf den dargebotenen Text eine präzise Auslegung, bann ein Gebet, und ein bis zwei Liederverse folgen zu lassen. So war, was er darreichte, praktisch, leicht faßbar und in hohem Grade erbaulich.
Im Liederschätze war er wohlbewandert, Lieder und Gedichte waren ihm sonderlich genehm; war er doch selber ein Dichter. Zumal für kindliche Gemüter und Herzen wußte er sich den Zugang stets offen zu erhalten, wie oben berichtet war, bis zum Todestage; und wie gern lasen die Kinder feine Schriften, dem Kindesgeiste, Kindesverständnis so innig angepaßten Lieder! Biese derselben sind in die Schullesebücher ausgenommen, der Name G. Christian Dieffenbach deshalb weit gekannt uni1 auch in den Kinderkreisen beliebt. Manchen Braut- und Ehepaaren ist sein „Hochzeitsstrauß aus. Gottes Garten und von den Wiesen der Welt gesammelt" auf den Geschenktisch gelegt worden; ein ganz besonders frisches und herrliches Buch.
In all seinen Büchern und Aufsätzen (in der „Evangelischen" und der „Evangel.-lutherischen K.-Zeitung" und an anderen Orten) bewährte sich der treue charakterfeste Lutheraner, der seinerzeit im Verein mit Gustav Schlosser, D. Haupt und anderen das Panier feiner heißgeliebten Kirche hochhielt, wenn es fein mußte tapfer sich wehrte und stritt, dabei oftmals auch schmerzlich litt, aber bei alledem doch einen milden friedfertigen Charakter bekundete. Es soll Tiefsenbach und seinen Freunden, die nachher zuweilen andere Wege einschlugen, als er sie zu billigen vermochte, nie vergessen werden, was sie für die lutherische Kirche einsetzten, dabei auch; einbüßten und litten; es war ein treuer beharrlicher Kampf um teuere angestammte Güter und Kleinodien. „Halte was du hast", so lautete ihre Losung, die sie hoch hielten. Gelegentlüch der Besprechung von TieffenbachD schriftstellerischer Thätig- keil muß auch seiner fleißigen Mitarbeit an der „Neuen Preußischen Zeitung" dankbar gedacht werden. , Mancher erbauliche Festartikel, viele Leitartikel und Aufsätze, sehr viele Rezensionen („D.") waren von dem abgelegenen Schlitz ausgegangen, das bis vor kurzem mit der Bahn noch nicht zu erreichen war. Jene Artikel haben viele dankbare Leser gefunden.


