Ausgabe 
16.5.1901
 
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andere persische Dichter dieser ZeitepoW haben die Nach­tigall nicht nur als Sinnbild der Liebessehnsucht, sondern auch als dasjenige der Seele, die nach der Vereinigung mit der Gottheit strebt, die in der stillblühenden Rose, Gül, wie sie im Persischen heißt, verkörpert wird.Gül und Bülbül",Rose und Nachtigall" ist der Titel eines Gedichtes, in dem der Dichter Fasli die Beziehungen beider in diesem Sinn behandelt.

Und die Empfindung der deutschen Volksseele für die Nachtigall? Wer weiß es nicht, wie sie in zahllosen Volks­liedern gefeiert wird, sie, die in den Linden, in den Kronen wohnt, und singt vor der Liebsten Thür? Und wie das deutsche Volksgemüt, so fühlen auch die deutschen Dichter. Von den Minnesängern, von Walther von der Vogelweide her bis in die Gegenwart, immer erscheint ihnen die Nachtigall als die Verkörperung des Liebesjubels und des Liebesschmerzes. Nachtigall und Liebe sind zwei sich deckende Begriffe. Wie fingt doch Walther von der Vogelweide?

Unter der Linde an der Haide, Tn unser beider Lager war, Da mögt ihr wohl finden beide Gebrochene Blumen und Gras; Bor dem Walde in einem Thal Tandaradei!

Schön sang die Nachtigall!

Mnnig läßt Julius Sturm in der Zeit, wo die Nach­tigall Wagt, den Lenz sich mit der Erde vermählen:

Violen duften und Flieder Mit süß berauschender Macht, Und flötende Nachtigalllieder Durchfluten die weiche Nacht.

Das ist die heimliche Stunde, Wo leise vom Himmel steigt Der Lenz und mit küssendem Munde Zur blühenden Erde sich, neigt.

Dichter sind keine Naturforscher. Und darum ist es ihnen nicht zu verargen, wenn sie unter der Nachtigall zwei Marten, die Gartennachtigall oder den Rotvogel und die Aunachtigall oder den Sprosser zusammenfassen. Der Sprosser unterscheidet sich von dem Rotvogel durch seine Größe, die wolkig gefleckte Oberbrnst und das dunklere Grau. Während der Rotvogel bis in die Mitte Schwedens hinauf- ?eht, ist der Sprosser an der Wolga, Weichsel und Donau eimifch, findet sich aber seltener auch noch in der Schweiz, Süddeutschland, Sachsen, Schlesien und Pommern vor. Entschieden wird der Rotvogel von dem Sprosser an Fülle und Wohlklang der Stimme, sowie an Reichtum der Ge° fangstouren übertroffen. Mit Recht hat man daher die Gartennachtigall eine hervorragende Gesangskünstlerin, die Aunachtigall aber einen Tondichter genannt. In menW lich>e Laute übertragen klingen ihre Weisen etwa folgender­maßen :

Tschahuj-tschahuj-tschahuj Tarak-tarak-tarak Gollgvllgollgollgollgollgoll Tkrrrrrrrrrhez David-david-david Didero-didero-didero Klingklingkling-klingklingkling Ziot-ziot-ziot-ziot-ziot-ziotzit Filig-Filig-Filig Hijogol-Hijogol-Hijogol Tzetzetzetzetzetzetzetzetze Wälwälwälwälwälwälwälfek.

Bereits Ende Juni stellen sowohl die Gartennachtigallen als auch! die Aunachtigallen ihren Gesang ein. Nur ver­einzelte Männchen schlagen noch im Juli und Beginn des Augusts. Bald darauf verlassen sie ihre Heimstätten. Nach der altgermanischen Auffassung starben sie, wenn ihr Lieder­quell versiegte. Wir wissen jetzt, daß sie nach, dem Süden ziehen, wenn hier, bei uns, ihre Minnezeit verstrichen ist. So ist es denn nicht blos ein dichterisches Gaukelspiel, wenn Schiller sagt:

Willst du nach, den Nachtigallen fragen, Tie mit seelenvoller Melodie

Dich entzückten in des Lenzes Tagen?

Nur so lang' sie liebten, waren sie".

Gemeknnrttzige».

Die Balkonbepslanzung in England. Wo es sich! um die Ausschmückung seines Heims handelt, da kargt der Engländer nicht. Da gilt bei ihm fein Wort: My hoom is my castle (Mein Haus ist mein Schloß). Auch für die Außenseite desselben thut er sehr viel, und sorgt für einen dauernden und stets wechselnden Blumenschmuck seiner Bal­kons, und seiner Fenster. Wir Deutschen könnten in dieser Beziehung viel von den Engländern lernen; denn die Aus­schmückung der Balkons und der Fenster läßt häufig viel zu wünschen übrig. Wenn wir auch nicht immer gewillt sind, viel Geld dafür auszugeben, so könnten wir mit einigem guten Willen und etwas Geschmack auch, mit wenig Ausgaben viel erreichen. In Nr. 5 desErfurter Führers" finden wir einen Artikel über die Ausschmückung der Bal­kons in England und gleichzeitig Angaben, wie man billig und geschmackvoll das Ausschmücken durchführen kann. Unseren Lesern steht die Nummer kostenfrei zur Verfügung, wenn sie sich mittels Postkarte nach Erfurt wenden.

Die abgeschnittenen Zweige der Rosen können zum Okulieren verwendet werden, wenn man gut­entwickelte Wildlinge im Frühjahr besitzt. Tas Okulieren ist allerdings etwas schwierig, weil die Blattstiele fehlen und die Wildlinge nicht lösen. Das ist aber gar nicht not­wendig, wenn die Rinde vorsichtig mit dem Messer, der Größe des Auges entsprechend, losgeschnitten wird. Die Zweige als Stecklinge zu verwenden, ist weder empfehlens­wert noch praktisch; denn selten wird etwas daraus.

Die kleinen Garten-Ameisen (Formica nigra) können, wenn sie massenhaft auftreten, recht lästig werden, obwohl der von ihnen angerichtete Schaden gering anzu- schlagen ist. Um sich derselben zu erwehren, sind zunächst ihre Nester oder unterirdischen Verstecke ausfindig zu machen. Tann gieße man kochendes Wasser, Tabakslauge oder noch besser eine Lösung von schwefelsaurem Salz in die Ein­gänge und bedecke diese fest mit Erde, was nötigenfalls alle 23 Wochen zu wiederholen ist.

Um recht weiße Wäsche zu erzielen, wird fol­gende der Wäsche unschädliche Mischung empfohlen: 2 Teile starker Spiritus und 1 Teil reines, sehr Helles Terpentinöl, davon je 2 Eßlöffel voll auf 50 Liter Blauwasser zu geben, und damit die Wäsche zu blauen. Der unverdünnte Teil der Mischung kann längere Zeit aufbewahrt werden und ist als Fleckwasser bei starkem Fett und Harzflecken gut zu gebrauchen. Wegen der feuergefährlichen Eigenschaft dieses Fleckwassers ist Vorsicht geboten. A.

n gutes Desinfektionsmittel ist, Betten, Kleider, Wäsche, Möbel usw. den Sonnenstrahlen auszusetzen. Professor Esmarch in Kiel behaftete dergleichen Gegenstände mit den mannigfachsten Krankheitserregern, und ließ darauf dre Sonnenstrahlen einwirken. Eine hinterher angestellte Untersuchung ergab, daß nur noch wenige der Bakterien rn den Gegenständen sich vorfanden. Von Wichtigkeit ist es daher, Schlafzimmer möglichst viel der Besonnung aus- zusetzen.

Praktischer Wegweiser", Würzburg.

Logogriph.

Nachdruck verboten.

Mit r trägt'S dich und mancherlei;

Der Bauer kommt damit herbei, Es wird geschoben und gezogen. Mit t zeigt es dir Weg und Ort; Man wechselt'S und man schickt eS fort, Doch viele hat es schon betrogen. Auflösung folgt in nächster Nummer.

Auflösung der Gleichung in vor. Nr.:

, cm , Maibowle.

(a MaiS, b Stengel, c Egel, d Boa, e Astern, f Stern, g Weile, h Ei.)'

. RtHftien: «. -Mmi» «erlag »er «rShl'sche» Nui»«rstt,tr.»nch. an» «Atofati (Pietsch «tlte) i* «ich«.