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schcinlichen Jahresverkehr eines isthmischcn Kanals auf 1650 000 Tonnen berechnete, vor einem Jahre mit seiner Schätzung bis auf eine Million heruntergegangen ist und heute trotz der inzwischen durch den spanischen Krieg gewachsenen Beziehungen Amerikas mit Ostasien erklärt, auch diese Schätzung nicht mehr aufrecht erhalten zu können.
Wenn trotz dieser Erwägungen dennoch die große Schranke, welche zwei Ozeane von einander trennt, fallen soll, so müssen für den Bau des interozeanischen Kanals andere Gründe maßgebend sein. Tas ist denn auch der Fall, wie folgende Zahlen zeigen mögen. Die Entfernung von Liverpool nach dem Osthafen des Kanals würde 4780 englische Meilen betragen, die Entfernung von Hamburg aus 5127 Meilen. Der Kanal selbst soll eine Länge von 169 Meilen haben, und von dem Westhafen des Kanals beträgt die Entfernung nach Valparaiso 2807, nach Yokohama 7020 Meilen. Für den Dampferverkehr von Liverpool nach San Franzisco würde die Wegeersparnis durch den Nicaraguakanal auf 5867 Meilen zu berechnen sein. Der gegenwärtige Weg beträgt rund 13 500, der zukünftige nur etwas über 7600 Meilen. Von Liverpool nach Yokohama beträgt heute der Weg um das Kap der guten Hoffnung 14 505 englische Meilen, durch den Nicaraguakanal würde er auf 11947 Meilen, also um 2558 Meilen verkürzt werden. Ganz ähnlich liegen die Verhältnisse natürlich für Hamburg. Einen unmitelbaren materiellen Wert hätte der Kanal für die europäischen Häfen vorwiegend in Bezug auf den Verkehr mit der Westküste von Amerika; mittelbar käme aber die Verschiebung der Konkurrenzverhältnisse sowohl in Ostasien wie anderwärts in Betracht; die Position der Vereinigten Staaten von Amerika würde durch den Kanalbau in jeder Hinsicht unendlich gebessert werden. Die Entfernung von Newyork nach dem Osthafen des Kanals beträgt 2060 Meilen, die Distanz von San Franzisko nach dem Westhasen 2700 Meilen. Der Seeweg von Newyork nach San Franzisco, der um das Kap Horn herum gegen 15000 Meilen beträgt, würde also auf ein Drittel reduziert werden. Im Verkehr der Segelschiffe von Newyork nach Aokoharna, der heute um das Kap der guten Hoffnung stattfindet, würde eine Ersparnis von 6000 Meilen eintreten.
Es wird sich aber auch ein bedeutender Verkehr zwischen der Ostküste Nordamerikas und der Westküste Südamerikas entwickeln. Schon jetzt beträgt der Warenumsatz zwischen den Häfen der Vereinigten Staaten, West-Indiens und den vom Karaibischen Meere bespülten Ländern jährlich ungefähr 500 000 Tonnen. Der Kanal wird sofort als weitere Absatzgebiete das Innere und die.Westküste Mittelamerikas, die Staaten von Columbia, Ecuador, Bolivia, Peru und Chile hinzufügen. Alle diese Länder sind noch unentwickelt und stehen auf der Agrikulturstufe; alle besitzen bestimmte Monopolnaturprodukte, und überall herrscht Nachfrage nach den Fabrikwaren und dem Petroleum der Vereinigten Staaten.
Für den zukünftigen Handel und die-Entwickelung Amerikas wird der neue Kanal zweifellos von hoher Bedeutung sein, was der Suezkanal für den Handel der östlichen Halbkugel gcthan hat, das wird in gleicher Weise der vom Nicaragua für den Handel der westlichen Halbkugel thun. Die übertriebenen Hoffnungen der Amerikaner auf Ablenkung des europäischen Verkehrs mit Ostasien vom Suezkanal wird er natürlich nicht befriedigen, sondern nur die durch die Natur ohnehin bevorzugte Stellung Amerikas im ökonomischen Wettbewerbe der Nationen mehr zur Geltung bringen. Vom ideellen Standpunkte aus kann der Bau des Kanals nur gewünscht werden; die Hindernisse, welche bei der Bildung der Erdrinde dem Welthandel in den Weg gelegt worden sind, würden damit iviederum um ein großes Stück vermindert worden sein, und von neuem würde ein Sieg des menschlichen Geistes über die ihm zuerst unbezwingbar erscheinenden Mächte der Natur gefeiert werden können.
Gemeinnütziges.
Die Gute Luise. Direktor Häckel in Crossen a. O. erörtert in Nr. 6 des praktischen Ratgebers die Frage, welche Birnsorte die empfehlenswerteste ist. Er kommt dabei zu dem Ergebnis, die beste aller Birnen, die nahezu
unter allen Verhältnissen und in jedem Klima gedeiht, sei die Gute Luise vou Avranches. Nach! Häckels Meinung ist die Gute Luise unter den Birnen etwa dasselbe, ivas unter den Aepfeln die Wintergoldparmäne ist. Die Obstzüchter werden aufgefordert, zu dieser Frage Stellung zu nehmen.
Weidenkätzchen im Topfe. Es ist eine anmutige Spielerei zu jetziger Jahreszeit, wenn man sich Zweige von Weiden, namentliche die Trauerweide (Salix babylonica), im Wohnzimmer in einen Blumentopf setzt, dessen Erde man feucht hält. Die Reiser schlagen sehr rasch Wurzeln, treiben bereits nach einigen Tagen, entfalten Blätter vvm zartesten Grün, und strecken die lieblichen Kätzchen dem Lichte entgegen. (Entnommen dem „Prakt. Wegweiser", Würzburg.)
Aür die Küche.
Pfefferfleis ck (vorteilhafteste Resteverwendung). Um Suppenfleisch auf vorteilhafte Weise schmackhaft zu verwerten, sei der Hausfrau folgendes oft erprobtes Rezept empfohlen: Man bereitet aus Butter und Mehl eine braune Mehlschwitze, löscht mit kaltem Wasser ab, füllt mit heißem Wasser auf, würzt mit Salz, Pfeffer und Essig und mit einem Lorbeerblatt und läßt die Sauce lange kochen (braune Sauce wird durch langes Kochen schmackhafter). Das Suppenfleisch wird in nicht zu kleine Würfel geschnitten und der Sauce beigegeben. Hat man übrige Bratensauce, so kann man sie der Sauce beigeben. Mit einem Theelöffel Maggi's Suppenwürze im Geschmack gekräftigt, erhält das Gericht einen besonders angenehmen Geschmack.
Zu Klößen, Spätzle oder Reis gegeben, ist das Fleisch immer ein willkommenes Gericht, und können, bei richtiger Zubereitung, die wenigsten das Fleisch! als Restespeise erkennen. A. R. Sch.
Litterarisches.
Kinder«Zei1ung. Herausgegeben von Felix von Stenglin, Groß-Lichterfelde. Inhalt von Nr. 20. Was in der Welt vorgcht: Gewaltige Stürme; Deutsche Schiffe im Atlantischen Ozean; Kaiser Wilhelm englischer Fcldmarschall; In China; Wie sieht es bei den Buren aus? „König von Arabien"; Hungersnot in Indien; Neues aus Kanada; Ein berühmter Komponist gestorben; Willkommener Schnee; Ob es wahr ist? Unvorsichtigkeit mit dem Gewehr. Aus dem Reiche der Natur: Der Beobachter in Wald und Feld: Ein Winterspaziergang. „Das geheimnisvolle Haus" (Forts.). Buschfeuer in Australien. Erlebnisse. Briefwechsel. Anzeigen. Zu beziehen durch alle Postanstalten, Buchhandlungen und die Geschäftsstelle in Groß-Lichterfelde, Dahlemerstr. 75.
Buchstabenrätsel.
Nachdruck verboten.
Kopflos war es unfern Ahnen Heilig einst in alter Zeit. Sechsmal anders wird sich's zeigen, Wenn man Köpfe ihm verleiht.
Alle haben's; mancher wünscht auch, Daß es nicht beschert ihm sei. — Dann springt's munter durch die Felder, Bis es trifft des Jägers Blei. — Dann erfreut es uns're Augen, Schmückt es üppig grün die Flur. — Dann crfreut's den Wüstcnwand'rer, Findet er dahin die Spur. — Dann schmückt's Gärten, Treppen, Hallen, Oft ein Werk von Künstlerhand. — Schließlich wird's uns Wohlgefallen, Denn es ist mit uns verwandt.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung der Skataufgabe tu voriger Nummer: Kartenvertcilung:
B. aK, D, 9, 8, 7; blO, D, 9; clO, D.
M. a, b, oB, bK, cK, dA, 10, K, D, 9.
H. dB, aA, 10; b8, 7; c9, 8, 7; d8, 7.
Skat: bA, cA.
Spiel:
1. B. a7, cB, aA (— 13). 2. M. bK, b7, blO.
3. V. »8, bB, alO (— 12). 4. M. dK, d7, aK.
5. V. a9, aB, dB (— 4). Die andern Stiche nimmt der Spieler. Entscheidend war es, daß M im zweiten Stiche korrekter Weise bK anzog. Hätte M, entgegen der Regel,, lange Farbe angebracht, mußte der Spieler verlieren.
Redaktion: «. Burkhardt. - Druck mrd Strlag der Brühl-schm Uni»erfität«-Buch. tmb Steindruckerei (Pietsch «den) in «eß«.


