19U1.
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ttf das, was dir nicht werden kann, i Sollst du den Blick nicht kehren;
Oder ja, sieh recht er an,
So siehst du gewiß, du kannst's entbehren.
Rückert.
(Nachdruck verboten.)
Die Seekömgin.
Seeroman von Clark Rüssel.
(Fortsetzung.)
Als ich in die Kajüte trat, kam James Snow gerade heraus, und grüßte mich! im Vorbeigehen sehr ehrerbietig. Ter Steward hatte die Tafel sehr reich besetzt; ctin besten gefiel mir aber das Aussehen meines Mannes. Wie durch, Zauberei hatte er plötzlich den sorgenvollen, fast abgehärmten Zug im Gesicht verloren. Eine leichte Rote bedeckte seine Wangen, und seine Augen glänzten. Wenn auch bei jedem Versuch, Kopf und Schultern in eine andere Lage zu bringen/ ein Ausdruck von Schmerz und Ungeduld in seinen Zügen sichtbar wurde, so hatte ich ihn doch sert der ersten WoÜP unserer Reise noch nicht wieder so sehr als den alten gesehen, wie jetzt.
„Jessie, mein Schatz", rief er, „jetzt kannst Du Dir die Sache leicht machen. Nimm den Hut ab, setz wrch und frühstücke recht ordentlich. Tann mußt Du Dich hrnlegen, und den Rest des Tages schlafen. Du bedarfst dringend der Ruhe, Du kleines, schwer arbeitendes Frauchen.
„Dein Aussehen thut mir wohler als Ruhe, Richard, sagte ich „Erst vor vierundzwanzig Stunden hat Dich der Unfall betroffen, und Du siehst jetzt schon besser aus wie seit langer Zeit. Das spricht doch dafür, daß wir von dem Knochenbruch nichts mehr zu fürchten haben.
„Wenn ich, danach urteilen kann, tote ich mich suhle, gewiß nicht", antwortete er. „Ich bin so munter tote nur jemals. Diese plötzliche Bemannung der Brigg hat mrr sehr wohl gethan. Ich! kann Dir gar nicht beschreiben, wie es mich erleichtert, die Stimmen der Leute an Deck zu hören, und zu wissen, daß mein Liebling sich jetzt nach seinen edlen Thaten ausruhen kann."
„St.!" rief ich. „Ich habe nichts besonders Edles
^Glaubst Du nicht?" unterbrach er mich. „Dann warte nur ab, bis ich die Geschichte an Land erzähle, und den Leuten beschreibe, wie Du ganz allem an Deck m dunkler Nacht am Ruder gestanden hast, wahrend Dem Mann hilflos in der Kajüte lag, und sem Leben von
Deiner Liebe und Unerschrockenheit abhing. Daran, was andere darüber denken, wirst Du ja sehen, ob man das, was Du gethan hast, eine edle Handlung nennt oder nicht. Aber nimm Deinen Hut ab, Schatz, und laß uns frühstücken. Ich bin so hungrig wie ein Wolf."
Während wir frühstückten, erzählte mir Richard, was er als Ursache der Meuterei erfahren hatte: „Snow war war eben bei mir; ich sah ihn vorübergehen, und rief ihn herein. Ich sagte ihm, daß ich mich von Herzen freue, zu fehen, daß er und seine Kameraden ihre Handlungsweise bereuten, und bat ihn, mir offen zu fagen, weshalb sie gegen einen Mann, der ihnen nichts zu leide gethan hatte, meuterten. Er antwortete, daß die Mann- schäft schon sehr gegen diese Reise eingenommen war, als wir die Downs verließen. Man suchte nach einem Grunde, um die Arbeit verweigern zu können, und kam überein, daß er, Eock und Craig die Dummen spielen sollten. Heron hatte damit nichts zu thun. Als er es aber erfuhr, bestärkte er sie noch in ihrem Vorsatz aus Haß gegen mich. Er wollte mir noch soviel Unannehmlichkeiten' wie möglich bereiten, und mich schließlich zwingen, umzukehren, wodurch natilrlich mein Ruf als Kapitän sehr gelitten haben würde. Auch der Zimmermann stimmte mit ein, und als die Leute sahen, daß beide Steuerleute ihre Partei nahmen, dauerte es natürlich nicht lange, bis sie ganz offen zu meutern anfingen. So erzählt Snow, und das glaube ich auch."
„Es klingt sehr wahrscheinlich", meinte ich. „Ich denke, wir können den Leuten jetzt trauen."
„O ja; sie Erlangen ebensosehr nach Hause, wie wir. Auch wissen sie ganz gut, daß sie von mir nicht viel zu fürchten haben. Sie meuterten freilich, aber sie können mit Recht beschwören, daß ich ihnen verziehen hatte, und daß sie ihren Schiffsdienst bis zu dem Augenblick verrichteten, wo das Schiff in Flammen stand. Ich zweifle, ob irgend etwas darauf folgen würde, wenn ich die Sache vor Gericht brächte."
„Und nun, Richard", fragte ich, als das Frühstück beendet war, „wie sollen wir es einrichten, daß Du es etwas bequemer hast? Du kannst doch an Deck nicht immer auf der Matratze liegen?"
„Ich werde Short bitten, mir eine Art Tragbahre auf Ständern zu bauen, auf der ich bei Tage liegen kann. Das Abends können mich dann ein paar Mann samt der Matratze in die Koje legen. Das kann übrigens sogleich geschehen. Rufe mir den Steward, Jeß; er ist draußen an Deck."
Orange erschien, und Richard trug ihm auf, den Zimmermann zu bitten, in die Kajüte zu kommen, sobald er mit Segelsetzen fertig sei. Ein paar Minuten später trat Herr Short ein. Er stand verlegen in der Thür,


