Ausgabe 
16.2.1901
 
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Ku haben. Was haben Sie wahrgenommen? Ist diese Aage begründet?"

Der Zimmermann blickte erst Herrn Heron, und dann die Leute an und sagte:Ich bin im Zweifel, ob einige von ihnen viel verstehen."

Nennen Sie die Namen", sagte Richard.

Jim Snow ist einer, nicht wahr, Jungens?" rief Short, indem er sich an die Leute wendete,und dann ist da noch Dan Cock und Micky Craig."

Jawohl, Herr Short", antworteten die Leute im Chor. Selbst diejenigen, denen der Vorwurf gemacht wurde, daß sie ihr Handwerk nicht verständen, stimmten mit ein.

An der Art, wie der Zimmermann die Namen nannte, konnte man sofort sehen, daß er sich im Einverständnis mit der Mannschaft befand. Ein noch schlimmeres Zeichen war es, daß zwei von den drei Männern der dritte befand sich am Ruder, die als untüchtige Matrosen bezeichnet wur­den , sich diesen Vorwurf ruhig gefallen ließen, ohne da­gegen Widerspruch zu erheben, gerade als ob sie ihre Rollen sorgfältig einstudiert hätten. Schon dies allein genügte, um den ganzen Vorgang als eine heimtückische Verschwörung zu kennzeichnen. Das Gefühl für die Standesehre ist unter den Matrosen ein so hohes, daß kein ehrlicher Mann, der sich bewußt ist, seine Schuldigkeit in vollem Maße thun zu können, es sich gefallen lassen würde, von seinen Schiffs­kameraden in seiner Gegenwart dem Kapitän gegenüber des Gegenteils beschuldigt zu werden, ohne erzürnt und unwillig darauf zu antworten.

Richard war sehr blaß geworden. Ein steinharter Aus­druck lagerte auf seinem Gesicht, nnd nichts als das leise Beben seiner Nasenflügel und das Feuer in seinen Augen verriet seinen Zorn.

Wie die Sache angezettelt wurde", sagte er,weiß ich vorläufig noch nicht. Vielleicht mache ich! es noch ausfindig. Aber ich durchschaue euch, und daher will ich auch kein Wort mehr darüber hören. So, nun geht nach, vorn!"

Einer oder zwei von den Leuten machten eine Bewegung, als ob der gewohnte Gehorsam sich! stärker zeigen wollte als diese meuterische Anwandlung ;bie übrigen blieben un-M beweglich!. 1

Das ist keine Antwort auf unsere Klage", sagte Quill. Wir haben die Musterrolle für fünf Vollmatrosen unter- schrreben, und jetzt stellt sich heraus, daß wir nur drei sind. Ich werde nicht in einer Wache arbeiten, wo ich der einzige ausgelernte Seemann bin, und da die ganze Geschichte faul ist, bin ich eben hier, um Ihnen sowohl für mich wie für die anderen zu sagen, daß wir die Arbeit verweigern werden, wenn wir nicht unser Recht erhalten."

Euer Recht!" schrie Richard.Das soll Euch werden, darauf verlaßt Euch. Geht nach vorne jetzt, hört Ihr?"

»Was ist Ihre Antwort?" fragte der Matrose Cutter.

Ei, daß Ihr eine Horde von lungernden Vagabunden seid, eine Gesellschaft von faulen Kanaillen, denen ich eine solche Lehre geben werde, daß Ihr gn Kapitän Fowler denken sollt, so lange Ihr lebt. Das ist meine Antwort!" Richard schrie ihnen diese Worte zu und ballte die Fäuste, nicht im stände, seinen Zorn zu bemeistern.Ich bin schon mit schlimmeren Männern gesegelt, wie Ihr seid, und habe ge­sehen, daß sie den Kürzeren zogen. Ich werde and), mit Ihnen fertig werden. Quill! Ich durchschaue Sie!" Er machte eine Bewegung, als ob er sich auf ihn stürzen wollte.

Sie mögen schimpfen und drohen, soviel Sie wollen", antwortete Quill;all solche Reden sind noch keine Ant­wort auf unsere Klage."

Was verlangt Ihr denn von dem Kapitän?" fragte Heron, indem er sich zum erstenmal einmischte. Dabei sprach er aber mit völliger Gleichgiltigkeit, die er auch gar nicht zu verbergen bemüht war.

Wir wollen, daß die Bark ihre volle Arbeitsbesatzung erhält", antwortete Quill.

Nun, da müßt Ihr warten, bis ivir nach Sierra Leone kommen", sagte der Steuermann, , der offenbar auch! eine Rolle einstudiert hatte.

Nein, das wollen wir nicht", sagte Cutter.Wir wollen umkehren. Herr Short ist unser Zeuge, und noch ehe wir die englische Küste wieder in Sicht bekommen, werden Sie sehen, daß wir die Wahrheit gesprochen haben, Herr."

Von Umkehren kann keine Rede sein", erklärte mein Mann zu meiner großen Beruhigung in gemäßigterem Tone.

Nach Sierra Leone sind wir bestimmt und dorthin werden wir auch gehen."

Dann kann die Kajüte das Schiff bedienen; denn ver­dammt will ich, sein, wenn das Volkslogis es thut", sagte Quill, indem er die Arme übereinander schlug und sich dem Schlingern^ des Schiffes entsprechend hin und her wiegte.

Das sagen Sie! Wir werden ja sehen. Jetzt geht nach vorne !" rief Richard.

Cutter schien noch etwas sagen zu wollen.

Geht nach vorne!" schrie mein Mann und faßte nach der Brusttasche seines Rockes.

Ob die Leute durch diese Bewegung eingeschüchtert wur­den oder nicht, weiß ich nicht; mir kam sie entsetzlich be­deutungsvoll vor. Jedenfalls gehorchten sie diesesmal, gingen in geschlossener Kolonne nach vorne und verschwan­den in der kleinen Luke vor der Back.

Wer wird mich, hier verfangen?" schrie der Mann am Ruder, ein Mulatte Namens Dan Cock.

Bleiben Sie auf Ihrem Posten", antwortete Richard, sind Sie verrückt, Mann?"

Nein, ich kann nicht auf Posten bleiben, ich bin einer von der Mannschaft. Wenn niemand kommt, muß ich das Rad loslassen. Ich muß, Herr! Acht Glasen sind vorbei. Mein Turn ist um. Mit so viel Luvruder fliegt sie recht im Wind, so gewiß ich hier stehe, und dann passen Sie auf die Spieren auf, Kapitän." Indem er dies sagte, that er, als ob er das Rad loslassen wollte.

Ich stand dicht daneben und griff in der Meinung, daß er seinen Posten verlassen würde, in die Speich,en. Er trat einen Schritt zurück und starrte mich mit offenem Munde an. Dann rannte er, so schnell er konnte, nach vorn und sprang in die Luke hinab, wie eine Wasserratte in einen Fluß.

Obgleich ich schon seit Jahren kein Steuerrad mehr ge­halten hatte, so hatte ich! doch früher auf meines Vaters Schiff oft zu meinem Vergnügen gesteuert, so daß es mir jetzt sehr leicht wurde. Jch^ brauchte jedoch nicht allzulange dort zu stehen; denn als der Mulatte ausriß, ries mein Mann den Steward herbei: Er kam aus der Kombüse und näherte sich sehr langsam und mit einem sehr sauren Gesicht.

Geh'n Sie ans Ruder!"

Es ist nicht meines Amtes, zu steuern", rief der Ste­ward ;dafür habe ich nicht gemustert. Von mir kann man keine Seemannschaft erwarten. Sie können mich nach oben schicken oder mit den Leuten arbeiten lassen, aber Sie können mich nicht zum Steuern zwingen."

Ob er hierin recht hatte, weiß ich nicht. Mein Mann drehte sich um und sagte zu den Steuerleuten:Dars ich irgendwelche Unterstützung von Ihnen erwarten? Ich möchte darüber jetzt gleich ins klare kommen."

Sie haben keine Veranlassung, eine solche Frage zu stellen, Herr. Ich habe mich noch nicht geweigert, einen Befehl auszusühren", antwortete Heron. '

Und Sie?" fragte Richard, sich an Short wendend.

O", antwortete dieser, indem er sich streckte, ,ich habe gemustert, gewisse Arbeit zu thun, und die werde ich thun. Aber für diese Geschichte habe ich mich nicht verpflichtet, Kapitän, und die Arbeit einer ganzen Schiffsmannschaft werde ich nicht verrichten."

Dann gehen Sie und lösen die Dame am Ruder ab."

Short überlegte einen Augenblick; dann drehte er sich kurz um und kam in gemächlichem Schritt auf das Steuer­rad zu. Ich schloß mich meinem Manne an.

Herr Heron", sagte Richard, blaß und erregt, als überblickte er jetzt erst den ganzen Umfang und die etwaigen Folgen dieser Angelegenheit,was für eine Rolle spielen Sie bei dieser Meuterei?"

Gar keine Rolle", erwiderte jener finster.

Wenn Sie auf feiten der Leute stehen, sind Sie gegen mich. Verhält es sich so? Dann sagen Sie es mir gleich."

Ich legte meine Hand auf seinen Arm, um ihü zu be­ruhigen, und fühlte ihn zittern wie vor Kälte.

Sie haben kein Recht, so zu reden, Herr", sagte der Steuermann mit leiser Stimme.

Mein Mann sah ihn ein paar Sekunden lang an, ohne zu sprechen; dann befahl er ihm mit veränderter Stimme, nach achtern,zu gehen und die Nationalflagge mit der! Union nach! unten art der Gaffel aufzuhissen. Indem er diesen Befehl gab, bückte er sich-, um unter dem Unterliek des Groß­segels hindurch die See zu überblicken. Dann suchte er den