ftfetm nicht alles! so zwisch-en uns ift> wie es sein sollte. Ich Lenke, ich habe das Meinige gethan, um unsere Verhältnisse so angenehm wie möglich 51t gestalten und! Dir — auch! den alten Fannlienstammsitz! zu erhalten."
„Irma! Willst, Tu jetzt von Deinem Reichtum sprechen? —"
.Sie zuckte mit den runden Schultern.
„Ohne Geld ist man nun einmal nichts in der Welt . . /<
„Und ohne redliche Arbeit ist man ein — Lump . . ■“ ries er ärgerlich.
„Ist es das, was Du mir mitzuteilen hattest?" fragte sie spöttisch.
Er zwang sich zur Ruhe.
„Verzeih", sagte er, „wenn ich heftig wurde. Tu siebst daraus, daß ich nervös verssimmt bin. Ich! will Dir keinen Borwurfmachen..."
„Ich glaube, Du hast auch! kein Recht dazu."
„Mag sein — ich hätte eher mit Dir sprechen müssen — ich hätte als Mann handeln müssen — aber, Irma, noch! ist es nicht zu spät. Es wird noch alles gut werden, wenn' wir beide den redlichen, ernsten Willen haben."
„Aber ich weiß! noch nicht, worauf Tu hinaus' willst?"
Nun denn, ich will die Bewirtschaftung von Peters- Hagen selbst übernehmen, und Tu sollst mir dabei zur Seite stehen."
„Welche Idee! — Du verstehst doch! von der Landwirtschaft nichts — und ich? — Ich wüßte wahrhaftig nicht, wie ich Dir in der Bewirtschiastung zur Seite stehen sollte, r— Dazu hat man doch die Leute. .
„Sieh Dir einmal Schwager Sannow und! meine Schwester Ruscha an! Würdest Tu ein solches Leben nicht schön finden? Sannow arbeitet und bemüht sich!, vorwärts zu kommen — er sieht mit Befriedigung auf den Lohn seiner .Arbeit. Und Ruscha ist die umsichtige Hausfrau, sie unterstützt -ihren Gatten, wo sie kann — sie sorgt für Ordnung in Haus und Hof und Garten —"
„Und zählt die Eier, die die Hühner legen, und sieht nach, wie viel Liter Milch die Kühe geben, und füttert die Hühner und Tauben, Enten und Gänse! — Nein, mein Bester, das kannst Tu mir wirklich nicht zumuten. Zu einer solchen soliden Wirtschafterin fehlt mir jedes Talent."
„Nun — dann werde ich die Wirtschaft auch! ohne Dich führen können."
„Tu willst wirklich die Wirtschaft übernehmen?"
„Und das ganze Jahr hier in Petershagen sitzen?"
Irma erhob sich. Ein spöttisches Lächeln umzuckte ihre Lippen.
„Verzeih — dafür fehlt mir jedes Verständnis. Du wirst mir dann schon erlauben müssen, den Winter über bei meiner Mutter in Berlin zuzubringen."
„Tas werde ich- nicht erlauben . . ." .
„So werde ich es ohne T-eine Erlaubnis thun."
„Irma, ich- warne Dich! Tu gehörst zu mir — Du bist weine Frau und hast Dich meinen Wünschen zu fügen."
Sie lachte jetzt laut auf. Dieses Lachen erregte sein Blut noch mehr. Er haßte seine Frau in diesem Augenblicke, und- mit drohendem Ausdruck in den Augen sprach er mit grollender Stimme:
„Bringe mich nicht zur Verzweiflung, Irma — ich will mir durch Dich nicht mein ganzes Leben zerstören! lassen. Mein Entschluß steht unwiderruflich fest — wir werden hier auf Petershagen bleiben, und ich werde mich der Bewirtschaftung unseres Gutes widmen. Wie weit Tu Dich- darum bekümmern willst, muß! ich! freilich! Deinem Ermessen 'überlassen. Ich hoffe jedoch, daß Tu mit der Zeit auch; GeschMack an dem Landleben sindest. Heute zum Essen habe ich den Inspektor Wedemeyer eingeladen, um mit ihm das Nähere zu besprechen." Ueberlege Dir meine Worte — wenn Du, ebenso wie ich, den redlichen Willen hast, gut zu machen, was wir bislang versäumt haben, können wir uns noch- ein glückliches, zufriedenes Leben schaffen. :— Auf Wiedersehen heute bei Tisch".
Ex verbeugte sich leicht und ging.
(Fortsetzung folgt.).
Kinder auf der Bühne.
Von Wilhelm Asmus.
(Nachdruck verboten./
, . , - „Die Armee sich immer muß neu gebären." Dieses Zitat aus „Wallensteins Lager" kann mit Fug und Recht auch aus den Nachwuchs für das Bühnenvölkchen in Anwendung gebracht werden; denn das bissel „frisches Blut", das ihm aus dem Nähr-, Lehr- und Wehrstande zufließt, würde den Bedarf der Nachfrage nicht decken, der jetzt mehr denn je zuvor auf den Börsen der Theater-Agenturen zu Tage tritt. Und in der That vermag jeder „kundige Thebaner" im Theateralmanach Hunderte von Namen zusammen zu addieren, die seit Olims Zeiten schon als darstellende Bühnenkünstler den heiteren wie den tragischen Dichtern ihre „plastische Phantasie" zur Verfügung stellten, um deren Werke im Reiche des schönen Scheins zu verkörpern und verlebendigen. So gießt es förmliche Schauspieler-Dynastien, die ihren Stammbaum bis auf den zehnten, ja bis auf den zwanzigsten Urahnen zurückführen können. Freilich hat sich daneben auch zu allen Zeiten stets ein immerhin ganz ansehnliches Kontingent hon neuen Namen und Geschlechtern eingefunden, allein im großen und ganzen suchen der verbummelte Student und der verkrachte Buchhalter, der entgleiste Offizier und der seinen eigentlichen Lebenszweck verfehlt habende kluge Mensch heutzutage lieber in anderen „Branchen" einen Hafen für ihr mast- und steuerlos gewordenes Lebens- schifflein. Aus den „Laienkreisen" hat dagegen in neuerer Zeit insbesondere das Kindermärchen der Schausptelerwel manches schöne Talent zugefiihrt. Ob man darüber in den Kreisen der Pädagogen allzusehr erfreut sein wird, welche den Glaubenssatz aufstellen, daß die Bühnenkunst (noch mehr wie die Politik) den Charakter verderbe, soll hier nicht des weiteren erörtert werden. Jedenfalls liegt es ja ungemein nahe, daß der berückende und bestrickende Bühnenzauber gar leichtes Spiel hat, die giolle des Rattenfängers von Hameln zu spielen, wenn sich ein mit lebhafterer Phantasie begabtes Kind einmal zufällig in seinen Bann stellt. Und wo könnte das leichter geschehen, als bei der Aufführung von Kindermärchen? Die Nachkommenschaft der Fachmänner und Fachfrauen reicht selten aus, um alle Rollen zu besetzen, die der Dichter nun einmal durch kleine Darsteller ausgeführt wissen will. Da muß dann die Werbetrommel gerührt werden, und die wird von so kundiger Hand geschlagen, daß ihr Lärm bis in die Schulstuben hineinklingt. So ein lustiger Springinsfeld, dem vielleicht schon längst das Hören, Sehen und Denken vor den Kathedern des gestrengen Herrn Magisters vergangen ist, wird sorglos sein Ohr weit öffnen, wenn diese Lockung an ihn herantritt. Lustig ist's auf alle Fälle: zu beobachten, wie diese kleinen Schelme, nachdem sie kaum Kulissenluft gerochen haben, sich befleißigen, das Gebühren der Großen uachzuahmen; zum Glück niuß die betreffende Nase eigens konstruiert sein, um die eigentümliche Atmosphäre der Bretterwelt als eine angenehme zu empfinden, wessen Geruchsorgan aber einmal dafür richtig „empfänglich" ist, erliegt deni Zauber ganz unbedingt. Mir erzählte darüber einmal — lang, laug ist's her! — der berühmte Heldenspieler Hermann Hendrichs in Berlin Folgendes: „Meine Schwester und ich sollten in -einem der ersten Weihnachtsmärchen für Kinder mitwirken. Ich erinnere mich noch lebhaft, daß ich die drei letzten Nächte vor der ersten Leseprobe im Theater vor Freude kaum chlafen konnte! Als wir nun endlich an dem heißersehnten Tage in die heiligen Hallen eintrateu, hielt sich mein Schwesterlein sofort mit dem Schnupftuch die Nase zu, während ich die mir geradezu balsamisch dünkende Luft mit vollen Zügen und wonnetrunken einatmete. Sie war eben nicht — empfänglich) dafür, und gab ihre Rolle schon nach der zweiten Probe ab. Der Mummenschanz käme ihr zu dumm vor, und in der Kulissenatmosphäre müsse sie er- licken. Ich aber schwur mir: wenn nicht zum Theater, dann lieber gleich in die Spree!"
Als eines meiner Kindermärchen in einem größeren Stadttheater seine erste Aufführung erleben sollte, fand ch den Mut, meine Beklommenheit niederzukämpsen, die mich sonst immer von allen Proben ferngehalten hatte, und bei dem Anlaß that ichj denn auch! einen Einblick '.n die „kleine Eoulissenwelt". Gar drollig gings da zu. Tie Tuodez-Kvmödianten hatten natürlich schon Weihnachts-


