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1901. Nr. 147.
H
Frida Schanz.
Und wir geh'n mit!
as hilft's, wenn wir die Uhren rückwärts stellen — Die Zeit wirft immer ihre gleichen Wellen, Die Tage geh'n mit immer gleichem Schritt,
(Nachdruck verboten.)
Der Erbe von Petershagen.
Roman von O. Elster.
(Fortsetzung.)
Wedemeyer ritt bis an den Graben vor, ber, die beiden Felder trennte, während Eitel Fritz hinter einem halbbeladenen Wagen halten blieb.
„Guten Morgen, Fräulein Breymanu", rief er hinüber, seinen §ut lüftend. „Sie sind ja riesig fleißig!"
„Guten Morgen —" tönte es frisch und kräftig zurück.
„Man darf jetzt nicht feiern."
„Allerdings — haben Sie denn den Roggen schon verkauft ?"
„Ja — ich will nicht warten, bis der Preis wieder fällt. Der erste Roggen wird stets am besten bezahlt."
„Was haben Sie bekommen?"
-„Hundert und sechzig —" klang es zurück.
„Da gratuliere ich!. Ein hübscher Roggenpreis. Mir hat Wilhelmi aus Stettin hundertfünfzig geboten."
„Ja, ich habe auch schon vor acht Tagen abgeschlossen."
„Sie sind doch stets klüger, als andere Leute, Fräulein", sagte der Inspektor lachend.
„Danke für das Kompliment . .
Sie wollte fortreiten, als Wedemeyer fortfuhr:
„Einen Augenblick noch, Fräulein Breymann. Herr Baron möchte Sie begrüßen."
„Wer?!"
Doch sie brauchte nicht mehr zu fragen, Eitel Fritz war rasch herbeigeritten, nahm den Graben und- parierte (sein Pferd dicht vor ihr, höflich grüßend.
„Ich! bin es nur, Fräulein Else . . ." sagte er stockench Mährend eine heiße Flamme seine Wangen überlohte.
„Verzeihen Sie, daß ich mich unangemeldet Ihnen äderte , .
Eine leichte Blässe hatte ihr Antlitz auf einen Moment überzogen, dann aber reichte sie ihm ruhig und gefaßt die Hand.
„Ich! hörte schon, daß Sie und Ihre Frau Gemahlin gestern auf Schloß Petershagen eingetroffen seien. Es freut mich, daß Sie die alte Heimat noch nicht vergessen haben, Herr Baron."
„Oh) ich habe nichts vergessen . . "
„Ta wir jetzt Nachbaren sind, werden wir uns w!ohl
öfter begegnen", fuhr sie ruhig fort. „Oder werden Sie nicht lange bleiben?"
„Wenn es auf mich anrommt, für immer."
„Aber Ihre Fran Gemahlin wird sich schwer an die ländliche Einsamkeit gewöhnen. — Nun — auf Wiedersehen, Herr Baron — ich muß zum Hofe zurück . . ."
„Fräulein Else — ich bin erstaunt — erfreut — Sie so thätig — so frisch, und wohl zu sehen . . . ich fürchtete fast..."
Sie blickte ihn ruhig und sicher an, daß er verwirrt schwieg.
„Was fürchteten Sie, Herr Baron? — Vielleicht, daß ich nicht mit einem schmerzlichen Ereignis mich abzusinden vermocht hätte? — Man muß sich mit vielem im Leben abfinden — es geht nicht alles nach unseren Wünschen — die Arbeit, Herr Baron, die redliche Arbeit hilft einem über manches fort."
„Und Sie arbeiten tüchtig, wie ich sehe."
„Mein Vater ist kränklich geworden, da ruht denn die Wirtschaft fast ganz auf meinen Schultern."
„Und wird Ihnen diese Last nicht zu viel?"
„Ich empfinde die Arbeit nicht als eine Last. Es gereicht mir vielmehr zur Genugthuung, zu sehen, drß meine Arbeit Segen bringt."
„Sie sind zu beneiden, Fräulein Else. . ."
Sie errötete flüchtig.
„Glauben Sie nicht, daß ich es leicht gehabt habe", fuhr sie fort. „Jägerhof ivar sehr vernachlässigt, und erst jetzt, nach drei Jahren, fängt das Gut an, unsere Arbeit zu lohnen. Wir haben schwere Jahre durchgemacht, sind jetzt aber auch aus dem Gröbsten heraus. — Doch wirklich, Herr Baron, ich habe keine Zeit mehr-'.. ."
„Ich will Sie nicht länger zurückhalten. — Adieu, mein Fräulein. . ."
Eine leichte Empfindlichkeit klang in seinen Worten wieder. Er hatte sich das Wiedersehen so ganz anders gedacht — jetzt stand er vor ihr, wie ein unreifer Jüngling, der allerhand thörichte Hoffnungen und Wünsche in seinem Herzen trägt, während sie ihm mit einer ruhigen, kühlen Sicherheit gegenübertrat, die in ihm ein Gefühl der Demütigung erweckte.
Ein feines Lächeln huschte um ihre Lippen. Sie schien zu erraten, was in seiner Seele vorging.
Mit offener Gebärde reichte sie ihm die Hand.
„Aus gute Nachbarschaft, Herr von Petershagen . . ."■
Er beugte sich über ihre Hand, als ob er sie küssen wollte; rasch zog sie die Hand zurück, winkte noch einmal zum Abschied und ritt davon.
Eitel Fritz sah ihr eine Weile nach!, wie sie ruhig und, sicher und doch weich und elegant in ihren Bewegungen über das Stoppelfeld trabte und allmählich, hinter einer Bodenwelle verschchand.
Leicht ausseufzench wandte er sein Pferd zurück. Wenn


