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Während der kleinen Verlegenheitspause M sehen, W die „drei Grazien herumwimmelten" . ;;
„Doch der Mensch versuche dre Gotter nicht. Und Sv-.
-gehre nimmer und nimmer W sWnen■
Suft, als er seinen blonden Muschkopf, der unterhalb der tzelmlinie von der Manöversonne schon ganz tüchtig gefaßt worden war, herausstreckte, stolzierten die drei in Begleitung des nicht gerade glücklich dreinschauenden Assessors Winter am Koupee vorüber, sodaß er ihnen, wie ein dummer Krammetspogel dem Jäger, direkt ins Garn gegangen war.
„Ah, da sind Sie ja doch, Herr von Eschenborn!".sagte freudig bewegt und mit einem ausgezeichnet funktionierenden Augenausschlag Lodovica, die Aelteste. „Schwester Anni meinte, es könne gar nicht möglich sein. Wir müßten uns geirrt haben, weil doch jetzt tot Manöver . ;."
„Ich wollte, Ihr hättet Euch geirrt!" dachte Arno; aber mit dem guten Humor, den das Bewußtsein einer unaufschiebbaren, baldigen Abfahrt aufkeimen läßt, antwortete er:
„Konnte es nicht aushalten da draußen in den öden Nestern! Hatte Heimweh nach unserem lieben Sedenheim!"
„Wahrhaftig?" fragte Anni verzückt.
„Haben natürlich Ihre Familie besucht?" ertondigte sich der Assessor.
„War sozusagen Hauptzweck!" erklärte der Leutnant. „Haben uns alle zusammen photographieren lassen!"
„Für Ihre Frau Mutter natürlich!" sagte Winter, der die Hundeliebhaberei der alten Dame kannte.
,,Stimmt
. „Wird sich riesig freuen, taxiere ich! Bitte übrigens) nnch zu empfehlen!"
„Hat denn der Bob auch stillgehalten?" fragte Lucie, dte Jüngste der Mühlenbrechers.
„Diesmal ja! War nämlich zweite Aufnahme!"
„Ach, er ist ein reizender Kerl, der Bob!"
„Mir ist Doll noch lieber!" flötete Lodovica. „Dolly ast vrel sanfter und hat so schöne braune Rehaugen!"
„Mir sind beide gleich lieb!" entschied sich Anni. „Wenn Sie gestatten, hole ich sie öfter ab und gehe mit ahnen spazieren ! Darf ich, Herr von Eschenborn?"
„Hm — Das müssen Sie mit der Mama abmachen!" gab der Leutnant, von dieser unverschämten Attacke ganz verdutzt, Auskunft. „Wenn die sie Ihnen läßt?"
„O, init der will ich schon fertig werden. Ist sie denn wieder wohlauf?" ' -
„So recht noch nicht, aber ich denke .. ."
Glücklicherweise hatte der Zugführer jetzt ein Einsehen und gab das Signal zur Abfahrt.
„Adieu, meine Damen!" winkte Eschenborn. „Adieu, Winterchen!"
„Biel Vergnügen im Manöver!" schrieen die Drei. Und -Lucie fragte naiv, denn das war ihre Domäne: „Soll ich Dolly grüßen? Und den unartigen Bob? Und ihm ausrichten, daß er sich gründlich bessern soll?"
„Na natürlich! Wenn ich bitten darf!" rief der Leut- nant in unverkennbarer Freude, die sich die Grazien als die Folge ihrer Anteilnahme an „seiner Familie" auslegten, während sie in Wahrheit der Befriedigung entströmte, die drei langen Hopfenstangen jetzt immer kleiner und kleiner werden zu sehen, bis sie schließlich bei einer Schienenbiegung samt dem gutmütigen Assessor verschwun- Hen sein würden.
Er kostete den Genuß aus und zog dann das Fenster Heraus.
„Wenn es Ihnen recht ist, gnädiges Fräulein, lasse sich eine Handbreit offen!" sagte er mit respektvoller Freundlichkeit.
„Bitte sehr!" entgegnete sie lächelnd und ein wenig rot werdend.
„Es ist wieder ziemlich heiß heute!" " A
„0 ja!"
Tann schwiegen sie eine Weile, jeder mit seinen 'Gedanken beschäftigt, die sich selbstverständlich der Beurteilung des Reisegefährten gewidmet hatten, bis die junge Dame aus den Einfall kam, irgend eine Verlegenheitshäkelei ihrem Handtäschchen zu entnehmen, das über ihr tot Netze schaukelte.
betes!
Natürlich wär Arno sofort dabei, ihr zu helfen, dlH sie Miene machte, sich darnach zu recken.
„Gnädiges Fräulein gestatten doch?" sagte er und hatte die Tasche airch schon herunter.
-„Sie sind zu gütig!" stotterte sie. Es ivar der erste Leutnant, der ihr so direkt den Lebensweg kreuzte, unds ie hatte sich diese Halbgötter nicht halb so nett vorgestellt.- Ob sie alle so lieb und brav waren, wie dieser, der so gar nichts von einem Don Juan an sich hatte? Denn bisher hatte sie nichts anderes gewußt, als daß sie alle urchtbar leichtfertige Patrone in Sachen der Liebe seien.- Aus Romanen natürlich!- Aber dieser war ja ein zärtlicher Vater, der aus dem Manöver heimfuhr, um sich mit 'einen Kindern photographieren zu lassen und wohl nicht zuletzt der geliebten Gattin die freudige Ueberraschung eines unerwarteten Wiedersehens zu bereiten! Und dabei' war er noch so jung! Kaum fünfundzwanzig schätzte fiel Sicher war er eine Ausnahme!
Sie streifte ihn mit einem scheuen Blick und errötete wieder, wie sie dabei seinen Augen begegnete. Ihr war zu Mute, als hätte er ihr die eben gehegten Gedanken von der Stirn gelesen. Und dabei sollte sie häkeln! Der Schwankungen des Wagens gar nicht zu gedenken!
„Es geht nicht, gnädiges Fräulein! " lächelte er. „Geben Sie den Versuch auf und widmen Sie sich lieber der Landschaft! Sehen Sie 'mal, wie dort drüben der Herbst schon seine Farben aufgetragen hat! Steht der Waldrand, iN dieser Beleuchtung noch dazu, nicht ganz köstlich aus?"
>,Wunderbar!" bestätigte sie und ließ das Häkelzeug sinken. , ,
„Packen Sie's fort, mein liebes Fräuletn!" bat er.
„Gern!" antwortete sie, den Blick noch unverwandt auf dem Landschaftsbilde. „Wer nenen Sie mich, bitte, doch nicht Fräulein. Dabei wurde sie abermals rot, sehr zu ihrem Aerger, weil es ihr gänschenhaft vorkam und sie so gerne recht weltgewandt und würdig dagesessen. „Ich bin auch schon verheiratet." .
„Auch schon?" dachte Arno verdutzt. „Was soll denn das heißen?" „Wahrhaftig?" fragte er dann, nur um überhaupt etwas zu sagen. ,
„Jawohl!" nickte sie, sich fühlend. „Mem Mann tst Ober-Steuer-Jnspektor in Trtorburg!"
„Na nu nee!" platzte er heraus, starr vor Staunen.
„Doch, doch!" lächelte sie vergnügt. „Und denken Sie nur, wie merkwürdig: Unser Töchterchen heißt auch Dolly!"
„Fetzt wird's Tag !" konstatierte der Leutnant innerlich- „Sie hält meine Dolly für ein Mädel und den Bob natürlich für einen Buben! Alle Donnerwetter! 'Darum ist sie auch so zuthunlich und nett zu mir! Wir sind ja beide verheiratet, denkt sie, das kann nicht gefährlich werden! Einfach scheußlich! Aber soll ich ihr nun sagen, daß rch meine Hunde so taufe, wie eine christliche Beamtenfamtlle ihre Kinderchen? Nee, die Kränkung kann ich ihr ntcht anthun. Ich sänke jawohl auch um neunundneunztg Prozent tot Werte, wenn ich das laut werden lteße. Adoptieren wir also aus die paar -Stunden die Viecher und lassen uns als zärtlichen Gatten und Vater bewundern. Herrgott, wenn das Hagenfeld sähe, was mir da dre Mühlenbrechers wieder eingebrockt haben! Der wurde srch rollen vor Vergnügen! Na, schließlich ist's 'mal 'was an-
Also los!"
(Fortsetzung folgt.)
Ergänzungsrats el.
Nachdruck verboten.
— Qa — dient zu Schutz und Zier.
.— br — fließt in Spanien.
— ei —. Nahrungsmittel.
— ej — fließt in Ungarn.
— mi — Vorname.
— ig — Bergstock in der Schweiz.
—- ag — Zeitbestimmung.
Werden statt der Striche die paffenden Buchstaben gesetzt, so bezeichnen die Anfangs- und Endbuchstaben einen männlichen und einen weiblichen Vornamen. _____(Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung der Geheimschrift in vor. Nr.:
Am Ende deiner Bahn ist gut Zufriedenheit;
Doch wer im Anfang ist zufrieden, kommt nicht
Redaktion: E. Burkhardt. — Rotationsdruck und Verlag der Brsthl'schen Universttäts-Buch- und Steindruckerek (Pietsch Erben) in Gießen.


