Ausgabe 
15.9.1901
 
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Nr. 131

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2%4t§ Lebens Kunst ist leicht zu lernen und zu lehren;

Du mußt vom Schicksal nie zu viel begehren; s&A Der, welchem ein bescheid'nes Los genügt,

Hat einen Schatz, der nie versiegt.

Dem Unersättlichen in jeglichem Genuß

Wird selbst das Glück zum Ucberfluß. L. Bechstcin.

(Nachdruck verboten.)

Prüfung.

Kriminalerzählung von E. H arnb erg.

(Fortsetzung.)

Anr nächsten Morgen brachte der Postbote Frau Bertha lern Schreiben ihres Gatten, worin er ihr in schonenden Worten mitteilte, daß man ihn wegen Verdachtes, den nächt­lichen Uebersall auf Mohrmann verübt zu haben, vorläufig verhaftet habe. Sie und Hanna sollten sich nicht ängstigen, seine Unschuld müsse ja zu Tage kommen. Im weiteren verwies er sie an Held, der sich erboten, Gattin und Schwester in dieser trüben Zeit in jeder Weise beizustehen. Sie möchten alles, was sie etwa in jener Angelegenheit erführen und was zur Aufklärung beitragen könne, mit Held besprechen. Im übrigen möchten sie furchtlos sein und während seiner .Abwesenheit zu ihrem Schutz einem der Forsthüter Aufnahme im Hause gewähren.

Nachdem Held sein Mittagsmahl eingenommen, das er Heute, gegen seine sonstige Gewohnheit, sich in seine Wohnung hatte bringen lassen, um nicht all den auf ihn andrängenden Fragen über die neueste Wendung in des Forstmeisters Angelegenheit Rede stehen zu müssen, rüstete er sich zu dem schweren Gange nach dem Forsthause. Schwer' und drückend lag es auf seiner Seele. Er konnte ja den beiden Frauen durchaus keine Hoffnung geben, die sich auf irgend­welche Thatsachen stützte; denn all die Ermutigungen, die er Noch gestern Werner zu teil werden ließ, waren seit einigen Stunden fast in nichts zusammengesunken; denn der Staats- Anwalt hatte seine erste Aussage mit aller Bestimmtheit wiederholt, selbst, als der Forstmeister an sein Lager geführt wurde, blieb er auch diesem gegenüber bei seiner Behauptung.

Tas Zeugnis des öffentlichen Anklägers mußte um so schwerer ins Gewicht fallen, wenn man die freundschaft­lichen Beziehungen in Betracht zog, die ihn bisher mit dem Forstmeister verknüpft hatten. Daraufhin ließ es sich nun wicht länger umgehen, Werner in Anrlagezuffand zu ver­setzen. Gelang es bis zu der Einberufung der Geschworenen wicht, den wirklichen Thäter zu entdecken, oder Werners Un­schuld aufs unwiderleglichstss zu beweisen, so war seine Ver- Wrteilung fast zweifellos. Und was das für den ehrenfesten Mann, für dessen Familie bedeutete, daran mochte er gar irrcht denken.

Ter Herr Amtsrichter", hatte das Mädchen den. beiden Damen gemeldet. Eigentümlich war die W'^kung, dre dies« Meldung auf Heide ausübte.

Frau Bertha war eifrig aufgesprungen und hatte Held selbst die Thür geöffnet.Gott sei Tank!" hatte, sie rhw entgegen gerufen, ich bin so ratlos und Werst nrcht, was ich beginnen soll."

Während sie noch zu ihm redete, war sein Blick an ihr vorübergeglitten, zu dem stummen, blassen Mädchen, furchtzitternd von ferne stand. Er führte rasch dre Haus­frau zu ihrem Sofaplatz zurück urrd streckte. Hanna berde Hände entgegen.Wie mich das schmerzt, Sre rn solch be­trübte Lage versetzt zu sehen! Aber fassen Sie sich, noch rst nicht alles verloren, wir wollen alles aufbieten, dre Wahr­heit an den Tag zu bringen." .

Hanna hatte keine Erwiderung auf seine gütrgen Worte, nur zwei große Thränen in ihren Augen kündeten ihm dre Tiefe ihres Schmerzes, und der leichte Gegendruck ihrer Hand gab ihm den Dank für seine Worte.

Tann saß er beiden Damen gegenüber, erzählte ihnen alles, was er wußte, befragte sie über mancherlei, worüber ihm eine Auskunft wünschenswert erschien, und sprach auch ihnen gegenüber seine Ueberzeugung aus, daß der rothaarige Begleiter Karstens an jenem Nachmittage mit der Affaire in nahem Zusammenhang stände, und fragte Frau Bertha, ob sie sich keines Menschen zu entsinnen wisse, der eine ent­fernte Aehnlichkeit in Figur und Haltung mit ihrem Gatten habe? Und während er noch auf diese einsprach, kam es. plötzlich wie eine Erleuchtung über ihn.Sehen Sie doch einmal nach, Frau Forstineister, ob in Ihres Gatten Garde­robe nicht ein kurzer Jagdrock fehlt?"

Frau Bertha sah ihn singend an.

Sitte"," jagte er,sehen Sie erst einmal nach." . .

Tie Forstmeisterin erhob sich. Nach einer guten Weile! erst kam sie wieder zurück.Ich vermisse allerdings ein solches Kleidungsstück, einen etwas älteren, schon ausge-! dienten Rock, den mein Mann schon längere Zeit gar nicht mehr benutzt hat."

Und Sie sind überzeugt, daß er denselben nicht ver­schenkt hat?"

Ich kann das nicht wissen, da müßten Sie schon, Um- volle Gewißheit zu haben, meinen Mann selbst fragen."

Held stand auf.Tas will ich unverzügliche Leben Sie wohl, 'sobald ich Bestimmtes erfahre, benachrichtige ich Sie."

Sie haben Hoffnung?"

Ja", gab er auf Berthas Frage zurück.Aber ichj darf auch Ihnen noch! nichts sagen und bitte auch! Sie, gegen jedermann von dieser Entdeckung zu schweigen." Er reichte der jungen Frau die Hand und wollte ein gleiches bei Hanna thun, als diese in höchster Seelenangst aus ihre Knie stürzte.

Retten Sie meinen Bruder, retten Sie ihn, er ist unschuldig!" rief.sie beschwörend, ihn mit beiden Händen er*