Ausgabe 
15.8.1901
 
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Mein voller Ernst. Ich sehe ein, daß ich den beiden unglücklichen Frauen nicht als Freund zur Seite stehen kann, ohne den Ruf Margaretes zu gefährden. Und da ich! nun einmal die Pflicht habe, sie vor dem Untergange zu bewahren, bleibt mir kein anderer Ausweg als der, von dem ich Dir gesprochen."

Na, erlaube 'mal! Da hört denn doch! alles auf. Wenn Du mir gesagt hättest, daß Tu das Mädchen bis zum Wahnsinn liebst, so würde ich: alles Erdenkliche aufgeboten haben, Dich von dem verhängnisvollen und ganz unmög­lichen Gedanken einer Heirat abzubringen. Da Tu aber offen zugestehst, Dir gar nichts aus ihr zu machen, halte ich Deine Idee nimm mir's nicht übel einfache für eine Verrücktheit."

Es thut mir leid, wenn sie Dir so erscheint; an meinem Entschluß aber wird dadurch: nichts geändert. Und ich! erinnere mich nicht, Dir gesagt zu haben, daß ich mir nichts aus Margarete Willisen mache. Ich erklärte Dir bereits, nicht in sie verliebt zu sein, und das ist die Wahrheit. Aber ich schätze sie sehr hoch! ja, ich darf wohl sagen, daß ich sie aufrichtig verehre. Der Verkehr mit ihr und ihrer Mutter Hat mir Gelegenheit genug ge­geben, sie kennen zu lernen. Sie ist das zärtlichste, selbst­loseste und reinste Geschöpf, und sie verdiente sicherlich einen hundertmal besseren Mann als mich."

So laß sie doch« in ihrem eigenen Interesse noch: eine Weile auf diesen besseren warten ich beschwöre Dich darum, Rudolf! Wenn er nach: so und so langer Zeit nicht gekommen sein sollte, ist es für Dich ja immer noch früh genug."

Er würde niemals kommen das weißt Du so gut als ich>» Wieviel Männer giebt es denn, die vorurteils­los genug wären, eine wegen Diebstahls Bestrafte zu heiraten?"

Nicht viele Gott sei "Dank! Es würde ja auch recht hübsch um den Nachwuchs unserer Gesellschaft aus­sehen, wenn es anders wäre. Und so lange ich mich Deinen Freund nenne, werde ich! nicht dulden, daß. Du um einer bloßen Edelmutslaune willen zu den wenigen gehörst, die sich: in sträflichem Leichtsinn über die Pflicht gegen sich: selbst und gegen ihre Nachkommen Hinweg­setzen."

Ich verstehe Dich: nicht, Volkmar! Niemals) und wenn ich! sie wie Du es nennst bis zum Wahnsinn liebte, würde ich eine Diebin heiraten. Margarete Willisen aber ist unschüldig verurteilt worden, und ge­rade um vor aller Welt Zeugnis abzulegen für ihre Un­schuld, will ich ihr meinen Namen geben."

(Fortsetzung folgt.)

Gemer«nützige».

Gymnastische Uebungen bei herzleidenden Personen bieten, wie ein englischer Forscher, Dr. Pvyn- ton, auf Grund zahlreicher Beobachtungen auseinandersetzt, eine Gefahr, die bei den heutzutage weit verbreiteten sport­lichen Bestrebungen unserer Jugend vielfach nicht gebührend gewürdigt wird. Es ist freilich nicht immer leicht, die durch körperliche Ueberanstrengungen bewirkten Schädig- ungen des Herzens festzustellen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß stark betriebene Gymnastik in vielen Fällen keinerlei krankhafte Veränderungen des Herzens verursacht. Ist das Herz dagegen in irgend einer Form, sei es auch: noch so leicht, erkrankt, so können körperliche Ueberanstreng­ungen ganz sicher lebensgefährliche Zustände Hervorrufen. Allerdings sind hierbei die verschiedenen Arten der Gym­nastik in ihrer Einwirkung auf das Herz nicht gleich bedeutend. Dr. Poynton will gefunden haben, daß' das' jetzt so sehr in Aufnahme gekommene Fußballspiel ent­schieden am gefährlichsten ist. Tie plötzliche starre Muskel­anstrengung, die bei diesem Spiel in Betracht kommt, kann selbst bei normalen Herzen Zerreißungen der Herz- klappen zur Folge haben. Auch: ganz wenig anstrengende Spiele, wie Cricket und Crocket, können bei erkranktem Herzen bedrohliche Erscheinungen bewirken. Derartige Per­sonen sollen daher von allen Uebungen, die nicht heil­gymnastischer Art sind, Abstand nehmen.

Mit Präservesalzversetztes Hackfleisch ist gesundheitsschädlich: und der Zusatz ist nach dem Nahr­

ungsmittelgesetz auch strafbar, weil er aus eine Täuschung des Publikums abzielt. Das Präservesalz schwef­lig-saures Salz) hat den Zweck, die hellrote Farbe des Fleisches, welche die Frische desselben kennzeichnet, zu er­zielen, als wäre es im Eisschrank gelegen oder vom frisch geschlachteten Tiere entnommen. Dadurch wird es möglich, schon lange lagerndes und nicht mehr einwandfreies Fleisch täuschend dem frischen Fleische ähnliche zu machen, ein Betrug, der unnachsichtig gestraft zu werden verdient.

Praktischer Wegweiser", Würzburg.

Isür die Küche.

Bauernbiss en. 125 Gramm Speck werden würflich geschnitten und in einer Bratpfanne mit einer feingeschnit­tenen Zwiebel ziehen gelassen. Dann giebt man anderthalb Pfund in Würfel geschnittenes Rindfleisch, das man vorher gut geklopft hat, hinzu, würzt mit Salz und Pfeffer, gießt soviel Fleischbrühe oder Wasser hinzu, daß das Fleisch bedeckt ist und läßt es weichdünsten. Beim Anrichten fügt man noch ein wenig gestoßenen Kümmel bei und schmeckt, sehr zur Verfeinerung des Gerichtes, mit 1 Theelöffel Maggi-Würze ab. Hierauf wird ein Kranz von Reis, wel­cher in Fleischbrühe aufgequollen ist, um eine flache Schüssel gelegt und die Bauernbissen in der Mitte ange­richtet. A. & R.

Mode.

Eine Volksabstimmung über die Mode veranstaltete in den vergangenen Monaten die Internationale Schüitt- manufaktur, Dresden. Ueber 17 000 deutsche Frauen, von Fürstinnen hinab, bis zur einfachen Näherin, aus allen Gegenden der Erde haben von dem Recht in dieserStaats­angelegenheit" ihre Stimme abzugeben, Gebrauch gemacht, und es läßt sich denken, wie vielseitig und interessant die Meinungen über die Bekleidungsfrage, dieses wichtigen Teiles der Frauenfrage, ausgefallen sind.

Unter den verschiedenen Geschmacksrichtungen hat das deutsche, neutrale, alle Extreme vermeidende Normälkleid 6667 Stimmen davongetragen; es fehlte nur wenig, dann hätte ihm das einfache, gediegene, englische Schueider- kleid mit 6214 Stimmen den Rang streitig gemacht. Der Pariser Frou-Frou-Geschmack mit 1144 Stimen blieb weit hinter den Erwartungen zurück, während der völlig neue Jugendstil mit Genugthuung aus einen Anhang von 1411 Verehrerinnen zurückblicken kann. Die viel empfohlene Re­formmode vermochte es nur auf 1426 Stimmen zu bringen. Die einzelnen Aeußerungen und Begründungen der bevor­zugten Geschmacksrichtung sind natürlich äußerst interessant, es würde indessen zu weit führen, hier auf Einzelheiten einzugehen, und den Damen, welche ein vollständiges Er­gebnis dieser mit so vielseitigem Interesse ausgenommen Modewahl zu besitzen wünschen, sei der Bezug des reich­haltigen Moden-Albums und Schnittmusterbuchs der Inter­nationalen Schnittmanufaktur, Dresden; empfohlen, welches für die Herbste und Wintersaison zum Preise von 50 Pfg. soeben erschienen ist. Außer der sonstigen hervorragenden Ausstattung des Modenalbums ist in einer Sonderabteilung das Ergebnis der Modewahl nebst den bemerkenswertesten Aeußerungen über die Bekleidungsfrage, sowie auch' das Ergebnis der Preisverteilung veröffentlicht.

Zifferblatträtsel.

Nachdruck verboten.

I II III IV V VI VII VIII IX X XI XII

An Stelle der Ziffern des Zifferblattes einer Uhr sind die Buchstaben D, EEEE, I, LL, N, 0, R, 8 derart zu setzen, daß die Zeiger bei ihrer Umdrehung Wörter von folgender Bedeutung berühren:

15 kostbares Gewebe.

1-6 Gefäß.

23 Nahrungsmittel.

24 Gelöbnis.

58 Maß.

59 englischer Vorname.

710 abgekürzter Vorname.

912 römischer Kaiser.

101 griechischer Gott.

112 Blume.

Auflösung in nächster Nummer.