Ausgabe 
15.1.1901
 
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des häuslichen Herdes. Wie einst in alten Zeiten, so wird in Hinterpommern noch heute die Braut dreimal um den Herd geführt; alles Gesinde, alle erworbenen Haustiere müssen ebenfalls dreimal den Herd umwandeln, bevor sie in den geweihten Bann des Hauses eintreten. Aus dem Herd entstand später der Ofen oder Oven, auf den mancher heidnische Brauch übertragen wurde. In der Neujahrs­nacht, wenn die Schleier der Zukunft sich lüften, schauen die jungen Mädchen in den Ofen, um das Bild des Zu­künftigen zu erspähen. Fieberkranke werden auf dem Lande in den Backofen gesteckt, nicht etwa, um sie durch das wohl- thätige Schwitzbad genesen zu lassen, sondern durch den Zauber des uralten Feuerdienstes, der Feueranbetung. Zahlreiche Sagen und Märchen verknüpfen sich mit dem Ofen als dem Symbol des heiligen Feuers; selbst die Rechts­anschauung gab ihm eine gewisse Bedeutung, indem einem Rechtlosen das Herdfeuer gelöscht und der Ofen eingerissen wurde.

Von dem einfachen, auf Steinplatten erhöhten Herd der Pfahlbauten nahmen der Kamin und der Ofen ihren Ausgangspunkt; in der karolingischen Zeit bestanden beide nebeneinander; später erwies sich der Ofen für den kälteren Norden als brauchbarer, während der Süden und Westen den Kamin vorzog. Italien, Spanien, Frankreich, England, Holland bevorzugen den Kamin, alle slavischen und germanischen Länder einschließlich |ber Schweiz wenden ihre Gunst dem Ofen zu. DerCamino",Caminata" deutet ohnehin schon auf romanische Abstammung, während der Ofen der nordischen Sprache entlehnt scheint. Nach anderer Lesart entstammt das Wort Ofen dem gotischen Auhns, das wieder dem bereits in den indischen Veden enthaltenen Wort Akna (Stein) entnommen wurde. Die BenennungOfen" für gewisse Felsformationen kommt so­wohl in der Alpenkette zwischen Piemont und Steiermark vor, wie aus der nordischen Insel Bornholm in der Ost­see, wo man in den kolossalen Granitbildungen einen nassen und einen trockenen Ofen unterscheidet. Noch heute ver­bindet sich bei den Engländern der BegriffOfen" mit etwas Primitivem, z. B. einem Backofen oder dem Ofen im Waschhause; für den Zimmer ofen benützen sie das Wort stove, die Italiener sagen stufa; dementsprechend nennt man in Norddeutschland einen kleinen Feuerbehälter auch wohlStüvken" (Stübchen). Aus diesem romanischen Wort stufa entstand demnach die BezeichnungStube" für ein heiz bares Zimimer. Norwegen, das erst zu Ende des 11. Jahrhunderts durch Olaf den Friedfertigen mit dem Ofen bekannt wurde, nannte die heizbaren RäumeOfnstofa" (Ofenstube). Die Romanen und die Britannier, die sich mit dem einfachen Rauchabzug begnügten, bezeichneten diesen als camino, caminata, cheminee, chimney, von welchem Wort unsere germanischen Vorfahren wieder den Ausdruck Keme­nate für Stube herleiteten.

In Westfalens Bauernhäusern haben wir noch die ur­sprünglichste Art germanischer Feuerstätten, wo Menschen und Tiere noch einträchtig unter dem gleichen, tief herab­hängenden Strohdach wohnen; durch den großen Thvr- flügel gelangt man auf die Tenne oder Scheundiele, wo das Korn gedroschen wird; links sind die Stände für Pferde und Kühe, rechts die Scheunfächer für das Getreide und das Heu. Im Hintergründe erhebt sich der Herd mit seinen metallenen Feuerblöcken und dem tief hängenden Herd­mantel oder Rauchfang; daran stoßen die Wohnräume und Schlafkammern der Familie, der Herd aber ist der Ver­sammlungsort, der Mittelpunkt des Ganzen.

Das berühmte Kloster von St. Gallen, dessen Bauriß von 820 noch aufbewahrt blieb, scheint verschiedene Heiz­systeme gehabt zu haben: den offenen Herd, den Ofen und die Röhrenheizung.. Auch Schloß Marienburg, die prächtige Residenz der deutschen Ordensritter, hatte ein viel bewun­dertes Heizsystem in seiner Röhrenheizung; unter dem großen Ordensremter lag im oberen Kellergewölbe ein mächtiger Ofen mit eingemauerten Rosten, auf denen Feld­steine durch die sie umspielende Flamme glühend gemacht wurden; aus dem Ofen leiteten Röhren die erwärmte Luft in den Ordenssaal, diesem eine angenehme und sogar regulierbare Wärme mitteilend. Alle übrigen mittelalter­lichen Burgen kannten dagegen nur den einfachen Kamin.

Während die ältesten eisernen Oefen kaum über das

Jahr 1400 zurückreichen, geschieht der Kachelöfen schon im 13. Jahrhundert Erwähnung, doch erinnern die bild­lichen Darstellungen dieser frühesten, aus tellerartig ver­tieften Kacheln erbauten Oefen noch lebhaft an den Back­ofen. Glasierte Ofenkacheln aus dem 13. Jahrhundert wurden noch in ziemlicher Menge gefunden, und die reichsten Fundstätten bot noch immer die Schweiz; die mit kleinen, in kräftigem Relief hervortretenden Figuren verzierten Kacheln haben eine grüne oder bräunliche Glasur. Die gotischen Oefen des 14. Jahrhunderts sind auf ihren sauber gla­sierten Kacheln mit architektonischem Bildwerk, Majuskel­schrift, Minneszenen, heiteren Lebensbildern, Trachten, Tiergestalten, Jagdszenen bedeckt. Das Glasieren der Thon­kacheln ist wahrscheinlich wieder auf die Kunst der Sara­zenen zurückzuführen, die ja auf Majorka und an ver­schiedenen Orten Italiens die blühendsten Majolikafabriken eingerichtet hatten; die thongebrannten Fußbodenfliesen kommen schon in der romanischen Zeit überall vor und waren fast allgemein in Gebrauch. Die Feste zu Salzburg, Schloß Tirol bei Meran, die Burg Nürnberg, vor allem aber die Schweiz besitzt Prachtexemplare solcher mittelalter­lichen Kachelöfen.

(Wiener Mode.")

Gemeinnütziges.

Heber den Wert des Schlittschuhlaufens für die Gesundheit ist man schon längst einig. Während im Sommer eine regelmäßige, ausgiebige und kräftige Be­wegung in freier Luft viel leichter möglich ist, und- durch die Ausübung aller Arten Sport gefördert wird, verurteilt die kalte Jahreszeit den Menschen gewissermaßen zur Un- thätigkeit. Da ist es nun gerade der Eissport, welcher Bewegung und Leben" uns aufzwingt, eine Bewegung, die alles übertrifft, was Bewegung heißt. Alt und Jung, Arm und Reich, jedem, ist sie gleich zugänglich und jeder­mann kann sich die Vorteile eines großen Genusses sichern, der mit Anspannung aller Kräfte zu lösen isü Ter Schlitt­schuhlauf ist eine sehr nützliche Leibesübung, die nicht allein die Muskelpartien der unteren Gliedmaßen, sondern auch die Brustvrgane in gleicher Weise beschäftigt. Die gesteigerte Atmungsthätigkeit bedingt eine vermehrte Aufnahme von Sauerstoff und damit einen regeren Stoffwechsel. Der kräftigere Blutumlauf verursacht eine vollständige Durch­blutung aller Körperteile und der Haut, deren ausscheidende Thätigkeit er wesentlich unterstützt, und die jenes Voll­gefühl der Kraft und Gesundheit herbeiführt, welches dem thätigen und gesunden Menschen eigen isü Damit entsteht gleichzeitig eine Entlastung des Gehirns und- der Nerven, die sich! bei Stubenhockern und Geistesarbeitern so notwendig macht. Gerade die holde Weiblichkeit und die Jugend bedarf dieser Kräftigungsmittel im reichsten Maße, und ihr sei es hiermit ans Herz gelegt, diesen Wintersport recht fleißig zu betreiben. Die Bewegung in frischer, freier Luft bedingt auch eine Abhärtung des Körpers, der gerade im Winter unter den wechselreichen Einflüssen unserer Lebensweise und des Klimas, mehr wie sonst zu Erkältungskrankheiten ge­neigt ist. Das ist eine Summe von Vorteilen, die kein vernünftig denkender Mensch von der Hand weisen kann. (Aus demPraktischen Wegweiser", Würzburg.) S.

Eisblumen auf einer Glasplatte festzu­halten, ist durch folgendes Verfahren möglich. Die be­treffende Glasscheibe wird mit einer zweiprozentigen Gela­tinelösung übergossen, die man dann etwas abtropfen läßt und zum Gefrieren ins Freie stellt. Nachdem sich dann die Eisblumen auf der Platte gebildet haben, wird diese mit absolutem-Alkohol übergossen, wodurch, das Eis aus dem gefrorenen Gelatinenetzwerk herausgefressen und die feine Struktur des letzteren auf der Glasscheibe festgehalten wird. Diese kann dann vorteilhaft an Stelle von matten oder blinden Fensterscheiben verwendet werden. x.

Vermutet man irgendwo das Ausströmerr von Acetylengas, so darf man unter keiner Beding­ung die Röhren mit einem Licht absuchen, es würde eine schwere Explosion entstehen. Man nehme in dem Falle ein Stückchen Filterpapier, welches mit einer 10 prozentigeu Bleiacetatlösung getränkt ist; dieses wird von dem etwa entweichenden Acetylengas sofort schwarz gefärbt. x. .