Ausgabe 
15.1.1901
 
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Des Hauses Herd.

Plauderer am Kamin von I. G e b e s ch u s.

(Nachdruck verboten.)

Wer hätte nicht an kalten, stürmischen Wintertagen den behaglichen Platz am offenen Kamin oder in der Nähe des nordischen Kachelofens schätzen gelernt, wenn auf dem Nebentisch traulich der Theekessel summt? Der Ofen des Familienzimmers, der Kamin des lauschigen Boudoirs, der Herd des westfälischen Bauernhauses haben sich aber erst aus bescheidenen Feuerstätten herausgebildet; gehen wir in die Behausungen wärmerer Länder, so können wir eingehende Studien machen über die verschiedenen Formen der Heizung und des häuslichen Herdes, an dem sich die Familie ver­sammelt. Von diesen teils offenen, teils bedeckten Feuei- stellen und sogenanntenFeuertöpfen" bis zu den herr­lichen gotischen und Renaissance-Kachelöfen, wie sre rn Süd­deutschland und namentlich in der Schweiz noch erhalter sind welch' ein Weg des Umformens und Umbrldew

Tie Kulturbedeutung des Feuers spricht sich rn bei Verehrung der Flamme aus; sie war das relrgröse Symb«! aller Völker des indogermanischen Stammes; an du Flämme und an die Feuerstätte knüpfen fich die erster Religions'begriffe und wurden so zu Kulturgebräuchen. Tie griechische Sage nennt uns den ältesten der Kulturmartym, Prometheus, der das heilige Feuer vom Himmel entwendet um es den Menschen zu bringen. Hestia (römisch Vesta) wai die Beschützerin des häuslichen Herdes. Selbst später, nach­dem die Religion andere Formen angenommen hatte, blte das Atrium mit dem Herd und den Bildern der Laren uni Penaten noch das Familienheiligtum, die Hauskapelle, n der die Hausandachten gehalten wurden.

Tie Wärme der Flamme, des Feuers suchten die Volke: bei kühlerer Jahreszeit auch für die Wohnräume und W die Bäder nutzbar zu machen; derFeuertopf" oder bn Feuerpfanne" wurde bei den Persern und Hebräern n die Mitte des Zimmers oder des Zeltes gestellt unter e« Holzgestell, das dicht mit Teppichen verhängt war, uni unter diesen Teppich schlüpften dann die sämtlichen mitten glied er, um sich in dem erwärmten Raum an bei metallenen Kohlenbecken zu versammeln. Bei den Perser, soll diese Heizvorrichtung noch heute in Gebrauch se« Die Bäder heizte man durch Röhrenleitungen, indem bei Fußboden auf kurzen Pfeilern ruhte und unterhalb be- Bodens von thönernen Röhren erwärmt wurde; zügle« waren diese Röhren auch an den Zimmerwänden hrnau geleitet, um von allen Setten ihre Wärme ausstrayle zu können. Tie nordwärts vordringenden Römer wam schon durch das kältere nordische Klima gezwungen, G Wohnräume durch Röhrenheizung zu erwärmen; zahlreM Ausgrabungen von römischen Villen in den verschiedenste Gegenden Deutschlands und der Schweiz haben dres ei-

Das germanische Altertum empfing die HerdflanM von dem göttlichen Feuer des Blitzes, den der Tonne niederschleuderte; Donar churde dadurch nicht Nur o Spender des heiligen Feuers, sondern auch der BescyM

Fowler", sagte ich mit leichter Verbeugung.Wann segeln Sie?"

Ich kann noch vier bis fünf Wochen an Land bleiben", antwortete er.Aber warum nennen Sie mich Kapitän? Das ist ein militärischer Titel. Wir Kauffahrer heißen Schiffet"/'

Ich kann Sie doch nicht Schiffer nennen", sagte ich lachend.

Nein", rief mein Vater,leider nicht. Wir Schiffs- mhrer werden nun einmal Kapitän genannt. Ich, für meine Person, habe es stets vermieden, mich so zu nennen. Ich bin aus meinen Beruf genau so stolz, wie die Herren Marine-Offiziere auf den ihrigen, und möchte auch nicht den Anschein erwecken, als wünschte ich, mit ihnen ver­wechselt zu werden." c ,

Ich will mich nicht länger bei diesem Abend aufhalten, obgleich ich mich seiner freudig und deutlich erinnere; denn er bildete für mich die Schwelle zu einem ganz neuen Leben.

(Fortsetzung folgt.)

selben Läden, denselben Strom und dieselben Laternen»- pfähle anzusehen."

Das Fräulein hat recht, Kapitän", sagte Herr Fowler, und sah mich mit seinen strahlenden, dunkeln Augen an, man kann einen Ort herzlich lieben, und seiner doch zeitweise recht überdrüssig werden."

In dem Ausdruck, mit dem er mich ansah, lag förmlich eine Aufforderung, mein Herz einmal gründlich aus­zuschütten.

Sollte man nicht meinen", sagte ich, indem ich mich an ihn wandte,daß mein Vater mich verstehen müßte, der die Abwechslung und das Reisen so sehr liebte, daß erst ein schwerer Sturm kommen, und ihn beinahe schiff­brüchig machen mußte, um ihn von dieser Leidenschaft zu heilen? Er müßte doch meine Ungeduld nachempfinden können, daß ich immerfort dieselben Dinge sehen muß, die ich seit zwanzig Jahren gesehen habe."

Das ist brav", sagte lächelnd der Vater,sie verrät ihr Alter wie ein ehrliches Mädchen. Aber habe ich Dich nicht schon auf drei Reisen mitgenommen?"

Welche Länder möchten Sie denn gern sehen?" fragte Herr Fowler.

Gar keine Länder, Fowler", antwortete der Vater, sie will zur See gehen. Sie war noch ein ganz kleines Ding, da wollte sie schon Matrosenkleider anziehen."

Haben Sie die Seeleute gern?" fragte Herr Fowler.

Ja", erwiderte ich,ich habe alle Seeleute und die See immer gern gehabt."

Mein Vater stopfte sich langsam seine Pfeife und fuhr fort:Aber ist es nicht hart, Fowler, daß sie sagt, ich alter Mann hätte kein Verständnis für ihre Sehnsucht?"

Fräulein Snowdon sinder Newcastle langweilig, sre wünscht Abwechslung. Darin ist doch nichts Unver­nünftiges, Kapitän", sagte Fowler.

Das sage ich auch nicht", versicherte mein Vater, aber welche Abwechslung kann ich Dir bieten? Allem kannst Du nicht reisen, Jessie, und einen gebrechlichen alten Mann wie mich möchtest Du doch nicht mit Dir herum­schleppen?" ., _

Sprechen wir von etwas anderem", sagte ich.Herr Fowler, ich hoffe. Sie bleiben zum Abendessen bei uns ?"

Gewiß, Jessie", unterbrach mich der Vater,was kannst Du uns vorsetzen?" c ..

Ich sagte, ich wollte nachsehen, und gmg m die Küche, war aber so in Gedanken versunken, daß ich alles ganz mechanisch that. Was mochte ich mit meinem Ge­ständnis wohl angerichtet haben? Ich kannte noch keinen Mann, der mir besser gefiel, als Herr Fowler. Er sah wie ein echter Seemann aus, hatte schöne, dunkle Augen, eine wettergebräunte Haut, eine hübsche Nase, blendend weiße Zähne, und einen ebenmäßigen Wuchs. In ferner Stimme, seinem Lächeln, seinen Bewegungen lag em be­sonderer Reiz. Der edle Kern seines Wesens das Erbe seiner Eltern hatte- die harte, an Versuchungen reiche Lehrzeit im Volkslogis und in der Kajüte gut überstanden, und verlieh seinem Wesen eine ganz unbewußte Anmut, die eine gewisse Salzwasserfrische besaß, wie man sie nur bei Seefahrern findet, die zugleich wohlerzogene Herren smd.

Ich beeilte mich in der Küche, um ins Wohnzimmer zurückkehren zu können.

Ah, da kommt sie", empfing mich der Vater,mit roten Ohren ohne Zweifel. Thu' nur nicht, als ob Du nicht wüßtest, daß wir von Dir gesprochen haben, Jesste. Fowler ist auf Deiner Seite, und hat mich nach allen Regeln der Kunst heruntergemacht, daß ich Dich so viel Dir selbst überlasse."

Aber warum dreht sich die ganze Unterhaltung nur um mich", sagte ich lachend.Wovon sprachen Sie mit meinem Vater, Herr Fowler, als ich hereinkam!"

Ei, von Frachten, Registern, Zollverhaltnissen, See­mannsheuern und anderen romantischen Einzelheiten des Berufes, den Sie so sehr lieben, Fräulein Snowdon", er- toibcrtc er.

Jetzt ist Herr Fowler Kapitän, ich habe ihm ein Schiff besorgt", erzählte mein Vater,jetzt ist er Herrscher zur See; die Luvseite des Quarterdecks gehört ihm ganz allein; er hat keine Wache zu beziehen, und kann kommen und gehen, wie ihm gut dünkt."

Ich gratuliere, Herr Verzeihung Kapitan