m
Phot-ogr-aufCt- H.'Noii. c> ie.ssenf
"TgwiSöcTr.
WO
U
Dienstag den 15. Januar.
1901. — Nr. 8.
Wich-"
Anlechalklngsb
der Nordost fachte das Feuer in dem großen Kamin wie ein Blasebalg an, so daß es laut knisterte.
Mein Vater sprach nie davon, wieder zur See zu gehen, so sehr ihm auch sein altes Leben fehlte. Er hatte oft Geschäfte in Shields, und obgleich er mich manchmal auf Spaziergängen mitnahm, und auch oft Tage lang nur auf wenige Stunden ausging, jo war er doch nicht so viel wie früher die Mutter mit mir zusammen.
Ich fühlte mich einsam und verlassen. Wir hatten wenig Bekannte in Newcastle, und ihre Zahl schmolz mik jedem Jahre mehr zusammen, da sie aus der Nachbarschaft fortzogen, weil die Männer Anstellung auf Schiffen fanden, die von anderen Häfen aus fuhren.
Die Schwermut, die mich nach der Mutter Tode ergriff, das Gefühl der Verlassenheit war durch Theetrinken und die Zerstreuungen, welche mein geselliger Kreis mir bieten konnte, nicht zu heilen. So sehr ich das traute Newcastle auch liebte, ich war seiner müde. Oft erfüllte die Sehnsucht nach einem freieren Leben mein Herz, und ich dachte mir, wenn das Leben mir nie etwas Interessanteres bieten könnte als die altbekannten Straßen, so wäre es besser, ich ginge aus dem Leben wie meine Mutter, und genösse den Frieden des Grabes.
Eines Tages im März, etwa ein halbes Jahr nach der Mutter Tode, war Vater schon früh nach Shields gegangen. Ich benützte diese Gelegenheit zu einem schon längst geplanten Besuch bei einer Freundin, bei der ich bis gegen sieben Uhr abends blieb.
Es war schon dunkel, als ich mich unserem Hause näherte. Im Wohnzimmer brannte Licht. Vater war also unterdessen nach Hause gekommen. Beim Eintreten strömte mir Tabakrauch entgegen, auch hörte ich Stimmen. Das öffnende Mädchen sagte mir, es wäre ein junger Herr da, aber sie wisse seinen Namen nicht. Ich dachte sofort an Herr Fowler und hatte mich nicht getäuscht. Wir schüttelten uns die Hände, und nachdem ich meinen Vater begrüßt, setzte ich mich zu ihnen ans Feuer.
„Wo warst Du, Jessie?" fragte mein Vater.
„Zum Thee bei Frau Barnett in Gateshead", antwortete ich.
„Ach, bei Deiner Mutter Freundin", rief er bewegt aus. „Ich wollte, Du gingest öfter aus. Es ist eine förin- liche Arbeit, Herr Fowler, sie zu bewegen, über die Straße zu gehen, wenn ich nicht mitgehe. Aber ich kann sie doch nicht immer begleiten."
„Sie sollten wirklich mehr ausgehen, Fräulein Snowdon", sagte Herr Fowler. „Der Mensch wird nicht geboren, um nur für sich allein zu leben, und das gilt noch mehr für junge Mädchen als für Männer."
„Ich möchte ja gern ausgehen", sagte ich lachend, „wenn es hier nur etwas zu sehen gäbe. Aber ich habe mein ganzes Leben hier zugebracht und habe es satt, die-
dem
lm es sagte-
ihrem s die ; doch
Rückert.
(Nachdruck verboten.)
sahen Leid
rahl' nicht heute: morgen will Dieses oder das ich thun.
' Schweige doch bis morgen still; Sage dann: das that ich nun.
zuge- chäfts-
traten - Wie der es rloren t, wie Übung
g eines daß die richwort
Groß- i nicht ie jetzt ihende j aus i, von indem tagen, t, gab
trafen
d die einer
Seeroman von Clark Rüssel.
(Fortsetzung.)
Fran Tarbit war aus Northumberland -und sprach den reinsten Nordländer-Accent, den man sich denken kann.
Als Tarbit sich um sie bewarb, hielt sie ein Speisehaus für Seeleute in Nord-Shields. Aeußerlich war sie keine Göttin, und der Kapitän hatte sie wohl nur ihres warmen Herzens wegen lieb gewonnen. In ihrer großen, gelb garnierten Haube, einem grünseidenen Kleide und einer losen Tuchjacke sah sie mit ihrem kleinen Bart von ein Achtel Zoll Länge wie ein verkleideter Scherenschleifer aus. Aber nie hat in eines Weibes Brust ein zartfühlenderes, menschenfreundlicheres Herz als das ihre geschlagen. Kein Seemann war in ihrer Pflege, der nicht sein Leben gewagt hätte, itnt ihr einen Dienst zu leisten. Keine schiffbrüchige, todesmatte Mannschaft wurde an Land gebracht, ohne daß sie die erste war, die den Armen Geld beschaffte, ihnen Kleidungsstücke schickte, und die, welche starben, mit allen Ehren auf eigene Kosten bestatten ließ.
Wenn sie zu uns von meiner Mutter sprach, so lag in ihr»n schlichten, treugemeinten Worten ein so herzlicher Ton warmer Teilnahme, daß ich ihr rauhes Gesicht hätte küssen mögen.
Solche Menschen sind göttliche Erläuterungen der menschlichen Natur. Sie sollen uns den Wert zeigen, den der Himmel auf die leibliche Schönheit legt; denn weshalb sollte sich sonst zuweilen ein erhabener Charakter in einer Gestalt zeigen, die geeignet ilt, jede Zuneigung im Keime zu erjticken?
Herr Finlah erzählte Wunderdinge, wie man sie in „Tausend , und eine Nacht" liest. Noch sehe ich ihn vor mrr mrt seinem dichten, schwarzen Haar, dem etwas zerzausten Vollbart, der den Ausdruck rauhen Mutes in seinem Gesicht noch verschärfte, während er seine wunderbaren Abenteuer von Schiffbruch, Gefangenschaft, von Todesqualen und Hunger im offenen Boote erzählte, während wrr j einen Worten lauschten.
,n. Draußen ließen d'ie strahlenden Sterne am dunkeln Winterhimmel die schneebedeckte Straße hell erglänzen, und


